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Griechenland: Fatale Hoffnung im Schuldenhimmel + desaströses Außenhandelsdefizit

FMW-Redaktion

Was ist denn eigentlich los in Griechenland? Tut sich da noch was? Derzeit wartet man von Seiten der Euro-Gläubiger darauf, dass Athen die Voraussetzungen erfüllt (Gesetze etc), damit man eine weitere Tranche aus dem 86 Milliarden Euro-Rettungspaket freigeben kann. Warum schreiben wir in der Überschrift „fatale Hoffnung?“ Fatal für deu Eurozonen-Steuerzahler, der das Risiko übernemen wird! Wie man in der Finanzszene munkelt, wartet die EZB auf die Freigabe dieser weiteren Tranche, um anschließend zu verkünden, dass man nun auch griechische Anleihen in sein Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing) aufnimmt, dass man seit März 2015 betreibt (inzwischen 80 Milliarden Euro im Monat). Der Chef des europäischen Rettungsschirms ESM Klaus Regling sagte erst vor vier Tagen einer griechischen Zeitung das Land könne nächstes Jahr an die Schuldenmärkte zuückkkehren, wenn es die Bedingungen des Bailout-Programms erfülle.

So verwundert es auch nicht, dass in Athen Gerüchte kursieren die Regierung plane in den nächsten Wochen (also nach der erneuten Freigabe von Rettungsgeldern?) endlich wieder Anleihen zu emittieren. Dies kann nur bedeuten: Man rechnet mit der EZB. Die kauft Staatsanleihen nur am Sekundärmarkt, also am freien Anleihemarkt. Daher müssten sich für den Primärmarkt (Auktion/Erstverkauf) private Käufer finden, die dann wohl in guter Hoffnung mit Gewinn an die EZB weiter verscherbeln. Wie wäre es, wenn als private Käufer die griechischen Banken auftreten? Was für ein Witz, der aber in Kürze Realität werden kann. Nach einem kurzen Versuch in 2014 wäre das die erste Anleiheemission Griechenlands seit 2010.

Dann wäre die griechische Staatsfinanzierung und fortgesetzte Rettung durch die europäischen Steuerzahler wieder mal gewährleistet, über die Zwischenstation namens EZB. Wie kaputt die griechische Wirtschaft ist, und wie wenig Hoffnung vorhanden ist, dass „alles eines Tages mal gut wird“, zeigt diese aktuelle Zahl. Das aktuelle Außenhandelsdefizit Griechenlands von Januar bis Juli stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 89% von 711 Millionen auf 1,34 Milliarden Euro. Dazu muss man natürlich auch erwähnen, dass das Defizit im Vergleich von vor zwei Jahren auf das letzte Jahr um 63% gesunken war. Also bleibt die Dimension im Großen und Ganzen so schlimm wie vor zwei Jahren. Wichtiger als die Veränderung in Euro oder die Gesamtzahl in Euro ist die prozentuale Größe des Defizits, um die Dimension zwischen Im- und Exporten zu erkennen.

Das Defizit liegt derzeit bei 37%. Eine Katastrophe! Zum Vergleich: Die USA haben ebenfalls ein kaputtes Verhältnis zwischen Im- und Exporten, und kämpfen mit Größenordnungen von -2, -3 oder demnächst vielleicht -4%. Da kann man sich schon fragen: Wie soll das mit der Gesundung der Volkswirtschaft funktionieren, wenn Griechenland als Volkswirtschaft nur für Januar bis Juli 1,34 Milliarden Euro netto ins Ausland überweisen musste um die importieren Waren zu bezahlen? Diese Summe muss irgendwo her kommen. Sie wird wie immer durch Kredite finanziert. So frisst das Außenhandelsdefizit konstant am 86 Milliarden Euro-Rettungsbudget, das eigentlich für so schöne Dinge wie Strukturreformen, Umschuldungen usw gedacht war.

griechenland
Grafik: Elstat



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