Folgen Sie uns

Allgemein

Bundesbank mit merkwürdigem Versuch die EZB-Politik in ein gutes Licht zu rücken

Das ist mal was. Die Bundesbank fühlt sich doch wirklich genötigt die Politik der EZB in Schutz zunehmen. In einem heutigen Statement schreibt man hierzu gleich zu Beginn die Aufgabe der EZB bestehe darin…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Das ist mal was. Die Bundesbank fühlt sich doch wirklich genötigt die Politik der EZB in Schutz zunehmen. In einem heutigen Statement schreibt man hierzu gleich zu Beginn die Aufgabe der EZB bestehe darin den Euro stabil zu halten (hat man diesen Aufgabenbereich nicht längst überschritten?). Vermögen oder Einkommen in einer Gesellschaft umzuverteilen, sei hingegen die Aufgabe der Politik. Dennoch geht man heute auf den allgemein im Raum stehenden Vorwurf ein die lockere Geldpolitik der EZB sorge für steigende Aktien- und Immobilienpreise, womit die Ungleichheit in der Gesellschaft deutlich zunehme (Reihe noch reicher, Arme ärmer).

Die Argumentation der Bundesbank geht so: Die Politik der EZB wirke sich nicht nur auf Preise von Vermögenswerten aus, sondern ebenso positiv auf den Arbeitsmarkt. Das Risiko von Arbeitslosigkeit könne gesenkt werden, wovon gering qualifizierte ärmere Haushalte profitieren würden. Bei der Bundesbank scheint man verkrampft eine Argumentation niederschreiben zu wollen, die auch einen positiven Effekt für „die kleinen Leute“ darlegt. Die nun folgende Argumentation konnten wir nicht in eigene Worte fassen, da sie einfach viel zu verkrampft wirkt, daher hier im Original-Wortlaut der Bundesbank:

„Aktienkurse, von deren Anstieg eher vermögendere Haushalte profitierten, reagierten typischerweise unmittelbar auf geldpolitische Maßnahmen. Der Einfluss von Geldpolitik etwa auf die Beschäftigung zeige sich dagegen erst nach einiger Zeit. Diese Effekte führten jedoch eher dazu, dass ärmere Haushalte profitierten. Aus Sicht der Autoren folgt daraus, dass sich die Verteilungseffekte geldpolitischer Sondermaßnahmen mit fortschreitendem zeitlichem Abstand zur geldpolitischen Maßnahme verändern können. „Maßnahmen, die zunächst als nach oben umverteilend erscheinen, können sich später als gegenteilig wirkend entpuppen“, schreiben die Bundesbank-Experten.“

Puuuhhhhhhhh, das muss man schon ganz viel Phantasie mitbringen, um dieses Zitat der Bundesbank als harten faktenbasierten Beweis zu akzeptieren. Die Bundesbank schreibt weiter, dass empirische Studien aus den USA belegen würden, dass überraschende Zinssenkungen die Ungleichheit bei Einkommen reduzieren würden. Wie genau das abläuft, erläutert die Bundesbank aber nicht. Die Arbeitslosigkeit sei dort sogar kurzfristig durch die niedrigen Zinsen gesenkt worden. Selbst wenn dies für die USA der Fall wäre: Warum gibt es so eine Studie nicht aus der Eurozone? Das Anleihekaufprogramm der EZB läuft doch immerhin schon 17 Monate – und das Nullzinsumfeld gibt es schon seit mehreren Jahren – Zeit genug für eine Studie. Noch ein Zitat der Bundesbank:

„Bei der Einkommensverteilung dürften die geldpolitischen Sondermaßnahmen sogar zu einem Rückgang der Ungleichheit geführt haben. Jüngere empirische Studien aus den USA und dem Vereinigten Königreich hätten gezeigt, dass eine überraschende Senkung der Leitzinsen die Einkommensungleichheit reduziert. Dass die Senkung kurzfristig die Arbeitslosigkeit verringert habe, sei dabei für dieses Ergebnis zentral gewesen. „Ein Rückgang der Einkommensungleichheit infolge der geldpolitischen Sondermaßnahmen erscheint wahrscheinlich, sofern Sondermaßnahmen wenigstens in den wesentlichen Zügen nicht gänzlich anders auf die Verteilung wirken als herkömmliche Geldpolitik“, schlussfolgern die Bundesbank-Ökonomen deshalb.“

Auch aus diesem Zitat sowie dem sonstigen Text der Bundesbank können wir keine genauen ökonomischen Abläufe entnehmen, die sinnvoll nachweisen, wie die Geldpolitik in Windeseile neue Arbeitsplätze schafft.
Fazit: Wir finden es erstaunlich, mit welch dünnem Argumentationsstrang die Bundesbank versucht die EZB-Politik so hinzubiegen, dass sie auch den unteren Schichten der Gesellschaft „mal so richtig was bringt“. Gut, die Arbeitslosigkeit in Europa geht zurück – aber nur im Schneckentempo! Und ob das wirklich auf die EZB zurückzuführen ist, darf mehr als bezweifelt werden. Denn anders als von der EZB immer wieder propagiert, zeigen die EZB-Daten, dass in Sachen höherer Kreditvergabe in der Realwirtschaft nichts ankommt von den Negativzinsen der EZB oder der Geldschwemme. Und auch erstaunlich ist, dass gerade die Bundesbank so in die Bresche springt für die EZB – dabei war gerade sie doch bisher der größte Kritiker der EZB.

Auch wenn die Bundesbank zum Thema „Verteilungseffekte der Geldpolitik“ ein ausführliches Papier veröffentlicht hat: So wirklich überzeugen kann uns das nicht. Wenn Sie sich in die Materie vertiefen möchten:

Hier der Originaltext der Bundesbank auf 24 Seiten.



Quelle: Deutsche Bundesbank

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage