Folgen Sie uns

Europa

Das Lob des Monats geht an die Eurozone für ihre Schulden-Disziplin (zumindest im Durchschnitt)

Im Jahr 2015 lag die Verschuldung aller Eurozonen-Mitglieder im Schnitt bei 2,1% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, und damit (wie gesagt im Schnitt) deutlich innerhalb der…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Im Jahr 2015 lag die Verschuldung aller Eurozonen-Mitglieder im Schnitt bei 2,1% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, und damit (wie gesagt im Schnitt) deutlich innerhalb der Maastricht-Kriterien. Der Schuldenstand lag bei 9,4 Billionen Euro und einer Gesamtquote in Relation zum BIP von 90,4%. 2016 werden die Defizite auch nicht gerade kräftig steigen in Europa. Wenn es also um Finanzsolidität geht, stehen wir hier in Europa gar nicht so schlecht da, wenn man die Zahlen in Relation setzt zum Rest des Planeten!

Denn da liegt der OECD-Schnitt bei 3,1% Neuverschuldung in Relation zum BIP, in den USA bei 4,1%, Russland 4% und Japan 5,2%. Über Schwellenländer mit deutlich höheren Zahlen sprechen wir hier mal gar nicht (Brasilien, Saudi-Arabien und Co zweistellig). In der Eurozone zeigt sich (erste Grafik) Jahr für Jahr ein kontinuierlicher Abbau der Defizite, von 2012 bei 3,6% auf jetzt nur noch 2,1%. Wenn man die schlimmsten Fälle Spanien, Griechenland und Portugal berücksichtigt, sind 2,1% schon eine gute Leistung. Also an dieser Stelle können wir uns auch mal selbst loben, wenn man nur diese Statistik betrachtet? Und auch nur wenn man sie in Relation setzt zu Regionen außerhalb Europas?

Wenn das noch so weiter geht, immer geringere Defizite, und dazu noch die fleißig aufkaufende EZB, dann weiß der Anleihe-Investor bald ja gar nicht mehr, wo er in Europa Staatspapiere kaufen soll. Gut, das ist etwas zu weit gegriffen, aber die Tendenz ist (im Schnitt) ordentlich. Negative Folgeeffekte für die Bevölkerung wie drastisches Sparen bei Sozialleistungen in einzelnen Ländern etc haben wir natürlich bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt. Noch eine Anmerkung zum Thema Gesamtverschuldung. In der zweiten Grafik rechts unten sieht man gut, dass die osteuropäischen EU-Mitglieder fast allesamt extrem niedrige Schuldenstände haben!

schulden-europa

eu-defizite-schulden

Zu den öffentlichen Schuldenständen und Defiziten macht Eurostat folgende interessante Anmerkungen.


Defizit

Bulgarien: Der Rückgang des Defizits für das Jahr 2015 ist hauptsächlich auf aktualisierte Datengrundlagen zu Steuern (MwSt.) zurückzuführen.
Tschechische Republik: Der Anstieg des Defizits für das Jahr 2015 ist hauptsächlich auf aktualisierte Daten zu den EU-Geldflüssen und Steuern sowie die Verfügbarkeit von endgültigen Daten für andere staatliche Einheiten zurückzuführen.
Dänemark: Der Anstieg des Defizits für das Jahr 2015 ist hauptsächlich auf aktualisierte Datengrundlagen zu Einkommenssteuern und Körperschaftsteuern sowie für den Teilsektor Gemeinden und den außerbudgetären Einheiten zurückzuführen.
Estland: Der Rückgang des Überschusses für das Jahr 2015 ist hauptsächlich auf die Verbuchung von
Kapitalzuführungen an zwei neu gegründete öffentliche Kapitalgesellschaften als Ausgabe des Staates
zurückzuführen.
Griechenland: Der Anstieg des Defizits für das Jahr 2015 ist hauptsächlich auf aktualisierte Haushaltsdaten zurückzuführen.
Italien: Der Rückgang des Defizits für das Jahr 2013 ist hauptsächlich auf den geänderten Zeitraum für die Verbuchung der Einnahmen durch den Verkauf von Lizenzen für Funkfrequenzen zurückzuführen.
Luxemburg: Der Anstieg des Überschusses für die Jahre 2013 und 2015 ist hauptsächlich auf aktualisierte
Datengrundlagen zu Steuern und Sozialbeiträgen zurückzuführen. Außerdem wird die Zahl für 2015 aufgrund einer Verringerung der Investitionsausgaben des Teilsektors Gemeinden revidiert. Der Rückgang des Überschusses für das Jahr 2014 ist auf die Verringerung der Sozialbeiträge zurückzuführen.
Ungarn: Der Rückgang des Defizits für die Jahre 2014 und 2015 ist hauptsächlich auf aktualisierte
Datengrundlagen zu Vorleistungen und Bruttoanlageinvestitionen zurückzuführen. Außerdem wird die Zahl für 2015 aufgrund des geänderten Zeitraums für die Verbuchung von der Körperschaftssteuer und von EUGeldflüssen revidiert.
Slowenien: Der Rückgang des Defizits für das Jahr 2015 ist auf neue Informationen bezüglich einer „Bad Bank“, die dem Sektor Staat zugeordnet ist, sowie auf aktualisierte Datengrundlagen zu Bruttoanlageinvestitionen zurückzuführen.
Slowakei: Der Rückgang des Defizits für das Jahr 2015 ist hauptsächlich auf aktualisierte Datengrundlagen für Steuern zurückzuführen.
Schweden: Die Verbesserung des Finanzierungssaldos des Staates für das Jahr 2015 ist hauptsächlich auf
aktualisierte Datengrundlagen zu Steuern zurückzuführen.

Öffentlicher Schuldenstand

Deutschland: Der Anstieg des Schuldenstandes für die Jahre 2012 bis 2015 ist darauf zurückzuführen, dass von regionalen Förderbanken im Namen des Teilsektors Länder vorgenommene Transaktionen über die Konten des Staates umgeleitet wurden.
Spanien: Der Anstieg des Schuldenstandes für die Jahre 2013 und 2014 resultiert hauptsächlich aus der
Neuzuordnung einer Bank mit hauptsächlich nichtmarktwirtschaftlichen Tätigkeiten in den Sektor Staat.
Österreich: Der Anstieg des Schuldenstandes für die Jahre 2012 bis 2014 ist insbesondere darauf
zurückzuführen, dass Euro-Münzen dem öffentlichen Schuldenstand zugerechnet wurden. Für das Jahr 2015
wurde dieser Effekt infolge einer Aktualisierung der Datengrundlagen bezüglich einer Entschuldungseinrichtung aufgehoben.
Rumänien: Der Rückgang des Schuldenstandes für die Jahre 2012 bis 2015 ist auf den Konsolidierungseffekt bezüglich der Neuzuordnung des Einlagensicherungsfonds in den Sektor Staat zurückzuführen.
Finnland: Der Anstieg des Schuldenstandes für die Jahre 2012 bis 2015 ist hauptsächlich auf die Verbuchung von Einschussverpflichtungen in Bezug auf Finanzderivate sowie auf die Neuzuordnung von Barsicherheiten im Zusammenhang mit Wertpapieranleihen als öffentlicher Schuldstand zurückzuführen.
Schweden: Der Anstieg des Schuldenstandes für die Jahre 2012 bis 2015 ist hauptsächlich auf die Neuzuordnung einiger Einheiten in den Teilsektor Gemeinden zurückzuführen.



Daten und Grafik: Eurostat

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Europa

ifo Index mit zweitem Rückgang in Folge – Lage ok, Erwartungen schwächer

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für November veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,7 (Prognose war 90,1; Vormonat Oktober war 92,7) – das ist der zweite Rückgang in Folge nach zuvor fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,0 (Prognose war 87,0; Vormonat war 90,3)

– Erwartungen: 91,5 (Prognose war 93,5; Vormonat war 95,0)

Dazu Wohlrabe von ifo: Dienstleistungssektor spürbar schwächer, Industrie hat sich Abwärtsentwicklung entgegen gestemmt, Handel schwächer

Hier die Pressemitteilung des ifo:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Der Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Auch ihre aktuelle Lage bewerteten sie etwas weniger gut. Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen.

Das Verarbeitende Gewerbe ist der Lichtblick in diesem Monat. Das Geschäftsklima hat sich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich besser. Die Auftragseingänge stiegen, wenn auch langsamer als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch merklich weniger optimistisch aus.

Im Dienstleistungssektor hat der Geschäftsklimaindikator merklich nachgegeben. Er liegt erstmals seit dem Juni wieder im negativen Bereich. Die zuletzt gute Lageeinschätzung hat sich deutlich eingetrübt. Zudem blicken erheblich mehr Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch die Erwartungen trübten sich merklich ein. Insbesondere die Einzelhändler berichteten von deutlich weniger gut laufenden Geschäften.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index leicht nachgegeben. Die Baufirmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als im Vormonat. Ihre Erwartungen hingegen fielen etwas pessimistischer aus.“

Der ifo Index ist das wichtgiste deutsche Konjunkturbarometer

weiterlesen

Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

weiterlesen

Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage