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Britische Finanzregulierer: Als Schlafwandler in die nächste Finanzkrise!

Die britischen Finanzregulierer müssen ihre Arbeitsweise ändern, damit man nicht als Schlafwandler in die nächste Finanzkrise schlittert, welche einen verheerenden Efekt auf die britische...

FMW-Redaktion

Eine aktuelle Studie der renommierten Cass Business School der „City University of London“ beginnt mit der Headline „Britain’s financial regulators must change to avoid sleepwalking into another financial crisis that will have a devastating effect on our economy and political System.“ Im Klartext: Die britischen Finanzregulierer müssen ihre Arbeitsweise ändern, damit man nicht als Schlafwandler in die nächste Finanzkrise schlittert, welche einen verheerenden Efekt auf die britische Wirtschaft haben wird. Das ist mal eine klare Aussage! Es ist allgemein bekannt, dass britische Behörden seit Jahrzehnten sagen wir mal „unaufgefordert“ die britische Finanzindustrie in der „City of London“ an der langen Leine lassen.

Bitte nicht all zu genau hinschauen. Finanzprodukte auflegen, Risiken eingehen, bitte so viel wie nur möglich – das bringt Jobs, das bringt Boni, Gehälter, Konsum und Steuern nach London – so die ebenfalls unausgesprochene Denkweise der britischen Politik – bisher jedenfalls. Unter Theresa May als neuer Regierungschefin könnte sich das vielleicht ändern, wenn man ihre Andeutungen der letzten Wochen richtig deutet – dort hatte sie unter dem Eindruck des Brexit-Votums klar gemacht, dass es seitens der Politik keinen Rundum-Schutz mehr für die Finanzindustrie geben wird.

Wenn UK aus der EU ausgeschieden ist, gibt es bei der nächsten kräftigen Finanzkrise auch keinerlei Beistand mehr aus Brüssel, Berlin und Paris. Das einzige, was UK noch erwarten kann, wäre eine Zusammenarbeit der Notenbanken, wie bisher auch zwischen Fed, BoJ, EZB und BoE. Aber zurück zu dieser aktuellen Studie. Theresa May sollte sich die Finanzregulierung mal genauer anschauen – da wäre ein Blick auf genau so ein Papier vielleicht hilfreich. Grundsätzlich wird kritisiert, dass die verschiedenen Aufsichtsbehörden nach der Finanzkrise 2008 zwar von der Politik umfassende Aufsichtsinstrumentarien erhielten, diese aber nicht oder kaum nutzen würden.

Gerade die „Financial Conduct Authority“ (FCA) versage dabei Gebrauch zu machen von ihrer neuen Machtfülle. Die Aufsichtsbehörde “ Prudential Regulation Authority“ (PRA) lehne sogar Extra-Mittel ab, da man dort offenbar einen unerschütterlichen Glauben habe, dass die bisherige eigene Tätigkeit Banken davon abhalten könne exzessive Risiken einzugehen. Besonders scharf kritisieren die Autoren der Studie die nach der Finanzkrise erlassenen „verwässerten“ Regeln, die Bankvorstände nicht wirklich in die Verantwortung ziehen würden bei zukünftigem Fehlverhalten.

Das britische Finanz-Regulierungssystem sei teuer, komplex, und die Bürokratie mit 13.000 Seiten an Regeln und 1,2 Milliarden Pfund Kosten pro Jahr sei ineffektiv. Die Autoren sind der Meinung, dass die Politik nach der Finanzkrise 2008 eine auf den ersten Blick schärfere Regulierung der Finanzbranche erlassen habe, um der öffentlichen Empörung nachzugeben. Diese Regulierung sei aber verwässert worden, und würde auch gar nicht wirklich angewendet, so fassen wir es mal sinngemäß zusammen. Das lege das Fundament für die nächste große Finanzkrise in Großbritannien, so die Verfasser der Studie.

Der Auftraggeber der Studie Lord Sharkey im Zitat:

“The New City Agenda report serves as a warning against the culture of box-ticking which contributed to the financial crisis, allowed widespread misconduct to occur and let bank executives escape sanction. Andrew Bailey, the new CEO, has a unique opportunity to put cultural change at the heart of his plans for the FCA. It is encouraging that he has prioritised creating a clear mission for the FCA and ensuring that it can be held accountable for progress. It is vital that this process of cultural change in the FCA is consistent and helps restore confidence in the regulator.”

Hier geht es zur kompletten Studie auf 152 Seiten.



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1 Kommentar

  1. „Wenn UK aus der EU ausgeschieden ist, gibt es bei der nächsten kräftigen Finanzkrise auch keinerlei Beistand mehr aus Brüssel, Berlin und Paris. “

    Und umgekehrt aber auch.
    Wo kokelt es zur Zeit wohl mehr, in GB oder im Rest-Europa?
    Ob der Brand aber nicht bereits schon vor 2019 über die EU hinwegfegt?

    Z.B. wurde grad heute mal wieder Griechenland von euch erwähnt. (Bericht China/Griechenland)

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