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Haben Sie 1.000 Euro Schulden, haben Sie ein Problem – haben Sie 1 Milliarde Euro Schulden, hat die Bank das Problem!

Woher kennen wir alle diesen Spruch? Richtig, die berühmte Schneider-Pleite aus den 90er-Jahren. Hat man erstmal genug Schulden an der Backe, die man nicht zurückzahlen kann, ändern sich...

FMW-Redaktion

Woher kennen wir alle diesen Spruch? Richtig, die berühmte Schneider-Pleite aus den 90er-Jahren. Hat man erstmal genug Schulden an der Backe, die man nicht zurückzahlen kann, ändern sich die „Machtverhältnisse“, weil durch einen Zahlungsausfall auch die Bank in ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnte. Bei kleinen Privatkunden ist das eben nicht der Fall. So ähnlich mag vielleicht auch der ein oder andere deutsche Reeder gedacht haben, der Probleme hatte seine Schiffskredite zu bedienen. Ob die Gedankengänge so aussehen wie eben gerade geschildert, wissen wir natürlich nicht – aber wir vermuten es einfach mal.

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Es geht ums liebe Geld! Foto: Gemeinfrei

Die HSH Nordbank mit Doppelsitz in Kiel und Hamburg war einst die deutsche Bank für Schiffsfinanzierungen, und musste mit gigantischen Steuerzahlersummen gestützt werden. Laut SHZ hat die HSH Nordbank alleine der Hamburger Reederei „H. Schuldt“ Schulden in der Höhe von 547 Millionen Euro erlassen. Sie gehört wiederum der „Norddeutschen Vermögen“ des Hamburger Unternehmers Bernd Kortüm, der nach wie vor im Geschäft ist. Hintergrund: Der Verzicht bezieht sich auf ein „Kreditportfolio“, dass an die Bad Bank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein ausgelagert wurde. Für einen Kaufpreis von 2,4 Milliarden Euro bekam die Bad Bank durch den Verzicht auf mehrere solcher Rückzahlungen nicht einen offiziellen Forderungswert von 5, sondern nur 4,1 Milliarden Euro in die eigenen Bücher.

Aber letztlich ist es egal, ob ein buchhalterischer Verlust entsteht bei den Landesregierungen, bei der Bad Bank oder bei der HSH Nordbank. Letztlich haftet für alles der Steuerzahler der beiden Bundesländer! Die HSH schweigt dazu. Lauf SHZ sagt die Schleswig-Holsteinische Finanzministerin Monika Heinold zur Gesamtsituation dieser Schuldenerlasse, dass sie sich auch darüber ärgere, wenn Schuldner ihre Schulden nicht zurückzahlen würden. Im Zusammenhang mit der HSH und der Haftung der Steuerzahler zeige sich, dass es sehr problematisch sei, wenn der Staat sich an international tätigen großen Banken beteilige. Wir meinen: Ja super, dass die gute Frau Heinold das auch ärgerlich findet. Aber das beantwortet nicht die unausgesprochene Frage, warum die Schulden erlassen wurden – darum geht es doch!

Vielleicht ging es nach dem Motto „besser einen großen Teil der Schulden erlassen, um dann noch einen gewissen Rest überhaupt noch zurückzubekommen?“ Ohne Erlass dieser Schulden ist vielleicht der ganze Kreditberg ausfallgefährdet, so vielleicht die Denkweise der HSH? Naja, warum schickt man dann unendlich viele überschuldete „Normalbürger“ in die Privatinsolvenz? Warum nicht auch einen Großteil der Schulden erlassen, damit ein kleiner Rest normal zurückgezahlt wird? Aber egal, es war ja nur Steuerzahlergeld, mit dem hier gearbeitet wird!

Wie war das noch mit der Parole „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“? In diesem Fall wohl sehr gut zutreffend. Vielleicht möchte Bernd Kortüm uns Steuerzahler mal zum Abendessen einladen, als kleines Dankeschön? Ach ja, und die Reederei „H. Schuldt“? Was ist denn mit der? Die beschreibt sich sogar jetzt noch auf ihrer Webseite als Traditionsunternehmen im Bereich Seeschifffahrt. Auch liest man dort, dass ein vorbildliches Management, zukunftsorientierte Strategien und nicht zuletzt ein fairer Umgang mit Partnern und Mitarbeitern die Basis einer fast 150-jährigen Erfolgsgeschichte sei.

Gratulation. Und der Chef des ganzen Ladens, der Gesellschafter der Mutter „Norddeutsche Vermögen“ Bernd Kortüm? Der ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler. Weiß er daher womöglich, wie man bei seinem Kreditgeber die Schuldenlast drücken kann? Ist der Schuldenberg nur groß genug, und die Rückzahlung arg gefährdet, bringt man den Schuldenerlass ins Spiel? Komisch, hat zwischen Griechenland und der EU nicht funktioniert. Vielleicht sollte Herr Tsipras Herrn Kortüm als Berater engagieren. Das Grundproblem scheint ja das selbe zu sein.



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1 Kommentar

  1. » […] alleine der Hamburger Reederei „H. Schuldt“ […] «

    Na das wäre doch schon vorher offensichtlich gewesen… :-D

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