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500 Euro Schein-Exit: 27,8% des Euro-Volumens geht nach und nach verloren – EZB mit merkwürdigem Statement

FMW-Redaktion

Wussten Sie eigentlich, dass der 500 Euro-Schein 27,8% des gesamten Euro-Bargeldvolumens ausmacht? Nicht die Anzahl der ausgegebenen Scheine ist wichtig, sondern welches Euro-Volumen sie verkörpern! Mit der schrittweise Abschaffung des 500ers verliert der Euro als weltweit benutzte Bargeldwährung massiv an Bedeutung. Die EZB verteidigt sich heute in einem Pressebeitrag als Verfechter des Bargelds…

EZB Yves Mersch 500 Euro
EZB-Direktor Yves Mersch. Foto: RudolfSimon / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

So mancher US-Politiker und auch so manches Notenbankmitglied in Washington dürfte klammheimlich lachen. Denn was passiert, wenn in der vom Volumen her einzig konkurrierenden Weltreservewährung das Bargeldvolumen in wenigen Jahren um 27,8% schrumpft? Da freut man sich doch, weil sich Staaten und Bürger ohne eigene stabile Währung wieder verstärkt dem US-Dollar als letztem Notnagel zuwenden könnten. Das erhöht die Wichtigkeit des US-Dollars deutlich.

500 Euro
Grafik: EZB

Die EZB lässt den 500 Euro-Schein langsam absterben. Wird ein Schein nicht mehr nachgedruckt (so wie beschlossen ab 2018), kommen die bisher im Umlauf befindlichen Scheine nach und nach durch Käufe im Einzelhandel oder durch Umtauschen weg von der Straße und zurück zur EZB. Dies ist sozusagen eine sanfte oder kalte Abschaffung des 500ers. Weil angeblich Kriminelle, Geldwäscher und Terroristen diesen größten Euro-Schein missbräuchlich benutzen, musste er weg, so kann man die Begründung der EZB zusammenfassen. Aber die Frage lautet: Was sollte die EZB davon abhalten in 3, 4 oder 5 Jahren als nächsten Schritt denn 200er und auch den 100er abzuschaffen?

Denn die Argumente wären hier die selben: Dreistellige Geldscheine, mit denen man große Geldbeträge in bar von A nach B bringen kann als Krimineller. Letztlich ist das eine reine Ansichtssache, bis zu welcher Scheingröße angeblich Kriminelle am Werk sind. Wer will bitte statistisch belegen können, wo dort eine Grenze gezogen werden kann? Yves Mersch, Direktoriumsmitglied der EZB und somit Mitentscheider bzgl. der Abschaffung des 500 Euro-Scheins, hat heute eine Kolumne geschrieben. Mersch schreibt in dem Artikel

„Für den Euroraum gilt daher: Bares bleibt Wahres.“

Und jetzt halten Sie sich fest: Wenn Sie den folgenden Originaltext von Yves Mersch lesen, könnten sie denken der Inhalt stammt von einem Gegner der 500 Euro-Abschaffung. Mersch nennt in seinem Artikel keinen Grund für die Abschaffung des 500ers – ganz im Gegenteil argumentiert er wie jemand, der die Argumente der Bargeld-Gegner aktiv widerlegt. Also warum wurde der 500er abgeschafft? Und was wird mit dem 200er in einem nächsten Schritt? Wir prophezeien mal: In ein paar Jahren macht man sich mit dem selben Argument an den 200er ran nach dem Motto „hat doch gar nicht weh getan mit den 500er“. Hier Ausschnitte aus der heutigen Kolumne von Yves Mersch:


Die Entscheidung ist einem Umfeld gefällt worden, in dem Bargeld per se kritisch hinterfragt wird. Die Argumente der Bargeld-Gegner können jedoch nicht überzeugen. Ich unterscheide hier drei Lager: das der Alchemisten, die Finanz-Tech-Allianz sowie das Recht-und-Ordnung-Lager.

Was Wunder, dass Vorschläge, Bargeld komplett abzuschaffen vor allem von Bankern oder bankfinanzierten Ökonomen stammen –wenn auch gerne in akademischer Garderobe gekleidet.

Das Recht-und-Ordnung-Lager plädiert dafür, Bargeld abzuschaffen, um kriminelle und zwielichtige Aktivitäten finanziell auszutrocknen. Dabei geht es nicht nur um große Summen und Scheine sowie die Bargeldlager von Drogenbossen und Terroristen. Auch Drogen- und Waffenhandel auf der Straße, Prostitution sowie Steuervermeidung soll so der Garaus gemacht werden.

Dass Kriminelle sich über Mobiltelefone abstimmen, würde niemanden ernsthaft auf die Idee bringen, alle Handys zu verbieten.

Natürlich profitieren diese Aktivitäten von der Anonymität des Bargeldes. Allerdings schätzen auch viele rechtschaffene Bürger ein gewisses Maß an Privatsphäre beim Bezahlen. Dabei geht es nicht nur darum, den privaten Bereich des Bürgers vor einer totalen Überwachung des Staates zu schützen. Auch der Datenhunger der Internetfirmen wird immer größer. Barzahlungen eignen sich hier in hervorragender Weise als Appetitzügler.


Quelle: EZB



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3 Kommentare

  1. Avatar
    Helmut Josef Weber

    Da halte ich es schon für ratsamer alle Telefonzellen abzuschaffen, von denen aus vollkommen anonym telefoniert werden kann.
    Wie will man denn dann die Bestechungsgelder an Politiker zahlen?
    Bei 100.000 in großen Scheinen konnte Schäuble noch sagen, dass er es vergessen hat; bei 50ger Scheinen wäre es schon ein Koffer voll gewesen.
    Bei richtigen Geschäften wird auch heute schon in Drogen, Gold, Edelsteinen oder Frauen bezahlt, dafür benötigt kein Mensch Bargeld.
    Eine Kalaschnikow gibt es schon für eine Unze Gold, eine Unze hat die Größe eines damaligen 5 Mark Stückes und ist gültig auf der ganzen Welt.
    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

    1. »Wie will man denn dann die Bestechungsgelder an Politiker zahlen?«

      Stichwort: „Beratungshonorar“. Das geht vollkommen öffentlich, erwartungsfrei und geht zu den Kritikern immer mit einer positiven Begründung für die „Notwendigkeit“ einher: „Experte“. Der „schwarze Koffer“ ist out und die neue Methode kommt ohne Bargeld aus.

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