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547 Millionen Euro-Schuldenerlass für Hamburger Reederei – das sagen die Beteiligten

Ein Skandal ohne Gleichen - oder einfach nur eine kaufmännisch logische Rechnung? Besser einen Teil einer Forderung abschreiben, bevor man die ganze Forderung verliert? So kann wohl...

FMW-Redaktion

Ein Skandal ohne Gleichen – oder einfach nur eine kaufmännisch logische Rechnung? Besser einen Teil einer Forderung abschreiben, bevor man die ganze Forderung verliert? So kann wohl die Rechnung der HSH Nordbank ausgesehen haben, die der Hamburger Reederei „H. Schuldt“ Schulden aus Schiffskrediten in Höhe von 547 Millionen Euro erlassen hatte. Was sagen die Beteiligten am Folgetag der Enthüllung, auf welchen Reeder mit dieser Summe ein Großteil der Forderung entfiel, auf den die HSH verzichtete?

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Schiffe von „H. Schuldt“ sind auch an Hapag-Lloyd verchartert. Foto: Henry M. Trotter/Wikipedia/Gemeinfrei

Nun, von der HSH Nordbank selbst ist nichts zu hören – Vertraulichkeit, Datenschutz usw. Der Hamburger Bürgermeister? Der ist heute wohl mit dem Eröffnen der Elbphilharmonie beschäftigt. Aus der FDP-Fraktion im Kieler Landtag hört man Aussagen, ob man hiermit möglicherweise einer Reederei geholfen hat sich auf Kosten der Steuerzahler gesundzustoßen. Konkret äußert sich auch die Fraktion „Die LINKE“ aus der Hamburger Bürgerschaft. Wie kaum anders zu erwarten, kritisiert sie diesen Vorgang deutlich und fordert Aufklärung! Zitat:

Dieser Vorgang muss lückenlos aufgeklärt werden, kommentiert Norbert Hackbusch, hafenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Wir können nicht akzeptieren, dass ein Wirtschaftszweig, der sich seit Jahrzehnten um Steuerzahlungen herumdrückt, jetzt auch noch in diesem gigantischen Umfang durch eine staatliche Bank gestützt wird. Das riecht nach einem Filz zwischen Bank und Kunden auf dem Rücken der Steuerzahlenden.“ Im Ausschuss Öffentliche Unternehmen will Hackbusch vom Senat unter anderem erfahren, was die Grundlagen für die Entscheidung der HSH waren, diese Reederei mit einem so hohen Forderungsverzicht zu retten, und wie die Situation der übrigen Schiffskredite in der Portfolio-Managementgesellschaft der Bank ist.

Laut Hamburger Abendblatt gibt es auch eine Reaktion vom „großen Buhmann“ Bernd Kortüm, der letztlich hinter der Reederei H. Schuldt und deren Mutter „Norddeutsche Vermögen“ steht. Von der heißt es nämlich, dass das Unternehmen vor einigen Monaten eine sogenannte „Restrukturierung“ von Restkrediten abgeschlossen habe – hierzu habe auch ein „bedingter Forderungsverzicht“ der HSH Nordbank gehört. Details könne man aus Gründen der Vertraulichkeit nicht nennen.

Kortüm soll nach Angaben seiner Firma nach der Finanzkrise einen dreistelligen Millionenbetrag eingebracht haben für die Rettung. Möglicherweise ist dies auch jetzt der Fall. Aber anscheinend reicht das nicht annähernd, um den Steuerzahler schadlos zu halten. Genaue Zahlen erfährt man nicht. Aber warum nicht? Die HSH ist in Staatsbesitz, die Schiffe von Kortüm durch die Zahlungsschwierigkeiten letztlich auch. Warum also die Geheimniskrämerei? Wenn eh alles über den Steuerzahler läuft, kann der zumindest volle Transparenz erwarten, oder? Welche Argumente hätte Kortüm dagegen, wenn diese Transparenz von ihm eingefordert würde?

Und Kortüm? So wie es aussieht, läuft das Unternehmen weiter – er bleibt weiter am Steuer, ist weiter Teil der feinen Hamburger Gesellschaft. Ein starkes Stück, wenn man bedenkt, dass die weniger feine Gesellschaft ihm den Arsch gerettet hat. Aber was machen wir ihm hier den Vorwurf – den könnte man vielleicht der HSH machen, die wohl dachte es sei besser zumindest in den eigenen Büchern noch einen Teil der Forderung als realen Vermögenswert bilanzieren zu können, als die ganze Forderung zu verlieren, wenn Kortüm´s Laden ganz den Bach runtergeht.



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1 Kommentar

  1. HSH? Ja sach ma, watt is datt denn, ey?
    Un sowieso, is uns Steuerzahlern doch egal.
    Am Wochenende gibts Bundesliga, da musse hinguckn, dat
    macht Spass.
    Da läuft HSV. Von wegen HSH. Poh, glaubse, ey, du.

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