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Asien

Aktienindizes – die Perspektiven

Redaktion

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Von MarketScanner

In dieser Ausgabe blicken wir zurück auf die Untersuchung der Aktienindizes Russell 2000, S&P 500, NASDAQ 100, des iShares NASDAQ Biotechnology Fonds IBB und des DAX 30 Kursindex mit Status 23.05.2014 (http://finanzmarktwelt.de/2396-2396/) und mit Status 03.08.2014 (http://finanzmarktwelt.de/analyse-aktienindizes-und-biotechnologie-3904/) und bewerten die aktuelle Ausgangslage per 10.10.2014. Außerdem werfen wir noch einen Blick auf die Entwicklung der Volatilitäten bei Aktienindices und Rohstoffen.

Aussagen vom 25.05.2014:

Gestützt auf die Serie von japanischen Handelsbilanzdefiziten, deutschen Exportrückgängen und einem Rückgang im Handelsvolumen des World Trade Monitors wurde gefolgert:
Bei einer Fortsetzung dieser Entwicklungen sollten daher die Bäume an den Aktienmärkten unter normalen Umständen nicht mehr allzu sehr in den Himmel wachsen können. Für den S&P 500 wird bei Eintreffen der skizziertem Entwicklung und einem deutlichen Vola-Anstieg ein Überschreiten des 138.2 %-Retracements von 1923.44 nur temporär für wahrscheinlich erachtet und ein Rückgang auf das Vorkrisen-Niveau von 1576 Punkten als realistisch angesehen. Analog sollte beim Russell 2000 ein Rückgang unter das 138.2 %-Retracement bis hin zum Vorkrisen-Niveau von 856.48 Punkten möglich sein. Beim Nasdaq 100 stünde dann ein Rückgang auf das 161.8 %-Retracement bei ca. 3000 Punkten bzw. das 138.2 %-Retracement bei ca. 2700 Punkten an.

Beim Dax 30 Kursindex wären dann Rückgänge von 450 bzw. 900 Punkten absehbar. Die aktuellen Kurs-Gewinn Verhältnisse bei den Biotechnologie-Aktien sind auch nach dem Rückgang noch überaus ambitioniert (BIIB Biogen IDEC P/E 37 // ALXN Alexion Pharmaceuticals P/E 97 // REGN Regeneron Pharmaceuticals P/E 75 // ILMN Illumina P/E 96 und MYL Mylan P/E 29) zu nennen.

Fazit: Sollte sich die Vorreiterrolle des RUT erneut bestätigen könnte im Juli/August eine Korrektur mit den genannten Zielen einsetzen, sofern die Notenbanken nicht noch massiver eingreifen als es bislang schon immer der Fall war (da haben wir eben eine Planwirtschaft, in der nicht sein kann, was nicht sein darf).

Aussagen vom 03.08.2014:

1. Anhand der Daten des CPB World Trade Monitor (including May 2014) (http://www.cpb.nl/en/number/cpb-world-trade-monitor-including-may-2014), abgeleitet von den im Link erhältlichen Spreadsheet-Daten und dem CPB Memo (http://www.cpb.nl/sites/default/files/cijfer/CPB%20World%20Trade%20Monitor%20%28including%20May%202014%29/cpb-world-trade-monitor-mei-2014.pdf) ist ersichtlich, dass sich die Serie der japanischen Handelsbilanzdefizite weiter fort setzt.

2. Der aktuelle Monatsbericht der Deutschen Bundesbank (http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2014/2014_07_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile) weist auf Seite 5 aus: „Die Umsätze in der Industrie verringerten sich im Mai gegenüber April saisonbereinigt um 1¾%. Im Mittel der beiden Monate wurde der Vorquartalsstand um 1¼% unterschritten, und zwar sowohl im Inland als auch im Ausland. Während es bei den Lieferungen in Drittländer ein Minus von 2½% gab, wurde gegenüber den EWU-Ländern eine leichte Zunahme verzeichnet (+ ¾%). Die Warenausfuhren gaben im Mai dem Wert nach saisonbereinigt gegenüber April ebenfalls nach, und zwar um 1¼%. Der Durchschnitt der beiden Monate fiel aber etwas höher aus als im ersten Vierteljahr (+ ¼ %). Der Wert der Importe verminderte sich im Mai gegenüber dem Vormonat um 3½%. Das Mittel der beiden Frühjahrsmonate blieb um 2¼% hinter dem Jahresanfangsquartal zurück.“

Somit ist auch beim deutschen Export unverändert Vorsicht angesagt, insbesondere im Kontext der Sanktionitis mit Russland und entsprechenden Auswirkungen auf die deutschen Automobilhersteller und die Bedrohung von 300.000 Arbeitsplätzen bei Mittelständlern, die in der Vergangenheit vom Osteuropageschäft profitieren konnten.

3. Aus den Daten unter 1. ist ersichtlich, dass von einem Aufschwung des Welthandels nicht auszugehen ist („In most advanced economies both import and export volumes declined, as did import volume in emerging economies“).
Die am 25.05. erwähnten Warnzeichen haben daher unverändert Bestand, aber was machten die Börsen in der Zwischenzeit aus diesem Cocktail.

Zum Russell 2000 wurde ausgeführt:

Ein Rückgang auf das Vorkrisen-Niveau von 856,48 erscheint bei stetem Öl ins Feuer gießen im Ukraine Konflikt unter direkter Adressierung Russlands (https://beta.congress.gov/bill/113th-congress/senate-bill/2277/text) als Ziel von „Eindämmungsakten“ bei weiteren Eskalationsmaßnahmen noch wahrscheinlicher als im Mai.
Wie stellt sich aktuell nach dem 10.10.2014 die Lage dar?

Nachdem Anfang Juli 2014 die Bestätigung des Hochs von Anfang März 2014 erfolgte und der Index in der Woche zum 05.09.2014 am 161,80 % Retracement zurückgewiesen wurde (In der Woche des September Verfalls [19.09.214] wurde außerdem der seit Oktober 2011 gültige Aufwärtstrend gebrochen), folgte am 10.10.2014 das Erreichen des 138,20 % Retracements bei Erreichen eines 21-Monats-Hochs des korrespondierenden Volatilitätsindex RVX.XO. – An dem Ziel Erreichen des Vorkrisen-Niveaus von 856,48 wird festgehalten.

Russell2000

Zum S&P 500 wurde ausgeführt:

Dieser Index überschritt das 138,2 % Retracement in der Spitze um 3,53 % und konnte zum letzten Wochenende dieses Retracement Level knapp zurückerobern. Inwiefern das im Kontext der Ausführungen beim Russell 2000 Bestand haben wird, erscheint fraglich. Der Rückgang auf das Vorkrisen-Niveau bleibt hier ebenfalls gültig.
Wie stellt sich aktuell nach dem 10.10.2014 die Lage dar?
Parallel zum Russell 2000 verlor der S&P 500 in der vergangenen Woche deutlich und beendete den Handel unterhalb des 138,20 % Retracements und gleichzeitigem Bruch des seit Oktober 2011 intakten Aufwärtstrends (der Russell 2000 war wieder Vorläufer gewesen). Das Ziel Vorkrisen-Niveau (1576,09) bleibt auch bei diesem Index weiterhin gültig. Ein Panik-Modus ist aber beim assoziierten Volatilitätsindex wie auch bei Russell 2000 und Nasdaq 100 oder Dax noch nicht auszumachen.

vix

Zum Nasdaq 100 wurde ausgeführt:

Dieser Index stürmt noch ohne wesentliche Anzeichen von Schwäche Richtung 4000 mit einem zwischenzeitlichen Hoch von 3997,50. Es erscheint allerdings schwer vorstellbar, dass sich dieser Index (nur weil er 2001 schon mal deutlich höher stand) einer Korrektur des Gesamtmarktes entziehen könnte, allerdings sind die Kurssprünge bei einigen Biotech-Werten in den letzten Wochen schon nur mit großem Wohlwollen nicht als irrational exuberance einzustufen. Im Kontext des bislang gesagten erscheint ein Rückgang Richtung 161,8 % Retracement bei etwa 3000 Punkten weniger von der Hand zu weisen als eine Eroberung des 261,8 % Retracements bei 4213,79 Punkten.

Wie stellt sich aktuell nach dem 10.10.2014 die Lage dar?
Parallel zu Russell 2000 und S&P 500 verlor auch der Nasdaq 100in der abgelaufenen Woche sehr deutlich ohne allerdings bereits kritische Volatilitätswerte beim $VXN ausgebildet zu haben. Auch der langfristige Aufwärtstrend seit August 2011 ist noch nicht in akuter Gefahr. Die Biotechnologie-Werte mit ihren extrem ambitionierten KGVs unterstützen den Index aktuell noch – sollte diese Bastion in einem Abverkauf geschliffen werden, droht ein relativ schneller Rückgang auf das 168,20 % Retracement bei etwa 3000 Punkten.

NASDAQ

Zum Biotechnology Fonds IBB wurde ausgeführt:

In Analogie zum Russell 2000 wurde das Hoch aus dem Frühjahr nicht wieder erreicht. Die inhärent höhere Volatilität gilt auch vom dem Weg nach unten und auch dieser Fonds wird sich der Schwerkraft bei der entsprechenden Großwetterlage bei den großen Indizes nicht entziehen können. Ein knapp 50 % iger Rückgang auf das 361,8 % Retracement aus dem Mai 2013 ist bei den knapp 3-stelligen KGVs ist bei entsprechenden Enttäuschungen der Schwergewichte leicht zu erreichen, auch tiefere Levels sind bei entsprechend ausgelösten Stopps nicht von der Hand zu weisen.

Wie stellt sich aktuell nach dem 10.10.2014 die Lage dar?
Im Gegensatz zu den großen Indices konnte der Index mit den Biotechnologiewerten im Umfeld des Verfallstages sogar ein neues Allzeithoch ausbilden und liegt aktuell immer noch im Bereich des März-Hochs und des 628,50 % !!! Retracements. Obwohl eine Resistenz gegen ein allgemein schwaches Marktumfeld nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, erscheint ein Rückschlag auf das avisierte Niveau von 361,80 % realistischer als die Annahme einer kompletten Immunität gegenüber dem Gesamtmarkt.

Nasdaq Biotech

Zum DAX Kursindex wurde ausgeführt:

Der DAX konnte das Zwischenhoch Hoch von 5179,82 Punkten aus der zweiten Januarhälfte nicht mehr erreichen und kann bei Manifestation der beim Russell 2000 erwähnten Risiken und durch die für die deutsche Wirtschaft in ganzer Tragweite noch nicht absehbaren Folgen der gegenwärtigen geopolitischen Entscheidungen und dem bekannten Phänomen der Überreaktion im Vergleich zu den US-Indizes bei starken Kursbewegungen in Kombination mit Abfluss von Kapital in andere Regionen gegebenenfalls dynamisch den Weg zu den weiter unten befindlichen Retracements antreten. Die Meinung, ein schwächerer Euro-Kurs zum US-Dollar treibe den Dax quasi automatisch in neue Höhen wird so nicht geteilt – die Währungsverluste für Investoren aus dem Dollarraum spielen in Crash-Szenarien sicher auch eine Rolle.

Wie stellt sich aktuell nach dem 10.10.2014 die Lage dar?
Analog zur Entwicklung bei S&P 500 durchbrach der DAXK in der vergangenen Woche sowohl ein wichtiges Retracement-Level (76,40 %) nach unten als auch den Aufwärtstrend seit September 2011. Im Kontext der sich eintrübenden globalen Konjunktur und den schwächelnden Exporten ist das Risiko des Erreichens der beiden nächsten Retracement-Level weiter gegeben.

DaxVolatilität

Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick auf die Entwicklung der Volatilitätsindices für Öl, Gold, Russell 2000 und Dax, normiert auf die prozentuale Entwicklung seit Anfang 2009 bzw. seit Verfügbarkeit entsprechender Daten – einmal in einem gemeinsamen Chart mit Sub-Charts für jeden Index und einmal in einem gemeinsamen Chart.
Man kann gut erkennen, dass Phasen erhöhter Volatilität bei Rohstoffen und Aktien eine gewisse Parallelität aufweisen. Eine Beobachtung eines Anstiegs einer Asset-Klasse führt über kurz oder lang auch zu einem Anstieg bei den anderen Asset-Klassen und ebenso umgekehrt bei Rückgängen in Einklang mit dem Gesamt-Risiko-Empfinden der Investoren.

Volatilität

Volatilität2

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Coronavirus beendet australischen Weltrekord des „ewigen“ Wachstums

Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Down Under erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt

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Es war eigentlich schon im letzten Jahr absehbar, als der Hunger nach Rohstoffen in China abebbte: Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Australien erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt.

Konjunkturwunder in Australien vor dem Coronavirus

Rezession, was ist das?  Das dürften sich viele Erwachsene in Australien in diesen Tagen denken, wenn das Land in den Strudel vieler Länder gerät, die ihre Konjunkturaussichten infolge des Coronavirus in ungeahnte Tiefen absenken. Denn selbst gestandene Dreißiger dürften sich nicht mehr an die ersten beiden Quartale des Jahres 1991 zurückerinnern, als es zuletzt eine wirtschaftliche Schrumpfung auf dem fünften Kontinent gab – und auch noch eine sehr milde. Australien hatte schon im Jahre 2017 den bisherigen Rekordhalter, die Niederlande, als Wachstumswunder abgelöst, die eine Phase von 103 Quartalen Wachstum geschafft hatten. Jetzt ist es das Coronavirus, das mit seinen Bekämpfungsmaßnahmen ein Wirtschaften im üblichen Sinn unmöglich macht.

Die kommende Rezession

Egal wie erfolgreich ein Land im Kampf gegen das Coronavirus auch vorankommt: Covid-19 verschont keine Volkswirtschaft. Deshalb sind die Prognosen des Internationalen Währungsfonds für das Ausmaß der Rezession für Australien gar nicht so viel besser als für Deutschland: 6,7 zu 7 Prozent. Anders als in der letzen Schrumpfung im Gefolge der Subprime-Krise, als das deutsche BIP um 5,7 Prozent abstürzte, währenddessen Australien sogar noch ein zweiprozentiges Wachstum generieren konnte. Dafür gibt es natürlich ein paar handfeste Gründe. Australien ist ein Rohstoff-Reservoir ohnegleichen und für China der große Lieferant in seinem jahrzehntelangen Giga-Wachstum gewesen.

Man konnte in allen Bereichen liefern: Energie, Kohle, Erze, Metalle, alles was China für seinen Bauboom benötigte. Demzufolge kamen die ersten Wachstumssorgen schon 2019 auf, als Chinas Wirtschaft Gang für Gang zurückschaltete. Der globale Lockdown wegen des Coronavirus brachte dann den Kollaps der Rohstoffmärkte. Australischen Statistiken zufolge gingen im letzen Jahr 34 Prozent der Exporte des Landes noch nach China, gefolgt an zweiter Stelle von Japan mit 16 Prozent.

Aber damit könnte der fünfte Kontinent schon wieder etwas vorzeitigen Auftrieb bekommen, schließlich ist man im Reich der Mitte schon heftig damit beschäftigt die Produktion wieder hochzufahren, zumindest in die Nähe vorheriger Produktionskennziffern.

Das Rohstoffland Australien befindet sich in seinen Hoffnungen auf höhere Rohstoffumsätze und -preise in bester Gesellschaft, insbesondere in der der Ölstaaten. Kein Wunder, wenn der weltweite Flugverkehr zu zwei Drittel lahmgelegt wurde, Ozeanriesen und Kreuzfahrtschiffe in den Häfen stehen und 1,3 Milliarden Kfz weniger bewegt werden.

Coronavirus bereits unter Kontrolle?

In Sachen Coronavirus blicken viele Länder auf Down Under, um die Hintergründe zu erfahren, warum Australien nicht nur so wenig Coronainfizierte zu verzeichnen hat, sondern auch einen enorm raschen Rückgang dieser Zahlen erreichen konnte. Hier die letzten Zahlen der John-Hopkins-Universität:

Australien:

Insgesamt 6738 Infizierte, 88 Tote, 5626 Genesene und nur noch 1024 aktive Fälle.

Die Zahl der täglichen neue Infektionen mit dem Coronavirus kann man hingegen schon an Händen abzählen. Wieso hat der G20-Staat die Corona-Pandemie bisher so gut in den Griff bekommen? Man reagierte ähnlich wie andere südostasiatische Staaten mit einer frühen Eindämmung der Infektionsausbreitung. Konsequent durchgeführte Quarantänemaßnahmen und natürlich die besondere Lage des Inselstaates haben zu dieser Situation beigetragen. Ein großer Unterschied zu der Vorgehensweise der großen Bruderstaaten USA und Großbritannien, die sehr zögerlich mit ihren Maßnahmen vorgingen.

Auch in punkto elektronischer Überwachung der mit dem Coronavirus Infizierten ist Australien vielen Ländern voraus. Am letzten Wochenende hat man als erster westlicher Staat eine Corona-Warn-App eingeführt. Anscheinend mit großem Erfolg, denn schon in den ersten Stunden sei die App mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden, so Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt.

In einem Land mit 26 Millionen Einwohnern aber einer Fläche von 7,7 Mio Quadratkilometern (Deutschland 357.000) könnte man sich da schon etwas aus dem Weg gehen.

Australiens bisherige Bilanz im Kampf gegen das Coronavirus:

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Australien

Die noch am Coronavirus Erkrankten in Australien

Fazit

Sollte es in Down Under mehr als zwei Quartale wirtschaftlich abwärts gehen, hat ein fast 30 Jahre währender Wachtumszyklus sein Ende gefunden. Wie ungewöhnlich lang diese Periode gewesen ist, zeigt die Statistik der typischen Konjunkturzyklen. Normalerweise dauern Wirtschaftsaufschwünge um die sechs bis zehn 10 Jahre.

Der gerade zu Ende gegangene Zyklus in den USA war der längste seiner Geschichte, verlängert durch eine opulente Steuerreform und der Hilfe der Notenbank auf knapp 11 Jahre.

Rezessionen hingegen sind sehr viel kurzlebiger, so etwa 1,5 Jahre im Durchschnitt, mit Ausnahme der großen Depression von 1929 bis 1933 in den USA, die 43 Monate lang gedauert hatte.

Auch Deutschland hatte bereits sieben Rezessionen seit den 1960-er-Jahren erleben müssen, die tiefste während der Finanzkrise 2008/2009 mit gut minus fünf Prozent. Aktuell wäre man wahrscheinlich heilfroh, wenn es 2020 durch das Coronavirus mit einem solchen Minus sein Bewenden hätte..

Wegen des Coronavirus endet in Australien eine Rekordzeit ohne Rezession

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Coronakrise: Vorteil China gegenüber den USA am Automarkt

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Der Lockdown aufgrund der Coronakrise reißt riesige Löcher in die Staatsfinanzen der verschiedenen Volkswirtschaften  in der Welt, in die Bilanzen von vielen Unternehmen –  aber auch in die Budgets von Verbrauchern. Dabei ist der Konsum der ganz entscheidende Faktor in den Bruttoinlandsprodukten der Länder, nicht nur in den USA mit ihren aberwitzigen 70 Prozent, sondern auch in Deutschland (über 50 Prozent). Dabei kommt ein Produkt unter die Räder, von denen es in verschiedenen Modellen schon 1,3 Milliarden auf der Erde gibt – das Automobil. Ganz besonders betroffen sind die USA.

Vor der Coronakrise: Alles auf Pump

Klar werden auch in Deutschland Automobile geleast, auf Kredit gekauft, bestimmt über die Hälfte aller Neufahrzeuge. Nicht so wie in den 1970-ern, wo noch 70 Prozent der Privat-Pkw in bar bezahlt wurden. Damit kommt auf die deutsche Automobilindustrie in der Coronakrise ein zweifaches Problem zu: Erstens ein wochenlanger Produktionsausfall durch den Lockdown, auch infolge der Störung der Lieferketten. Fast noch schlimmer aber ist, zweitens,  die massive Verschlechterung der Solvenz vieler Leasing- und Kreditvertragskunden. So hat Daimler erst vorgestern bekanntgegeben, 400 Millionen Euro an Risikovorsorge für geplatzte Finanzierungungsverträge zurückstellen zu wollen. Der Autoverkauf läuft sehr stark über die Autobanken, die Automobilindustrie hat einen gewichtigen Anteil an der weltweiten privaten Schuldenwirtschaft.

Das Land der unbegrenzten Schulden

In den USA, wo die Beleihung von Kreditkarten zum Alltag gehört, wurde das Thema Autofahren auf Pump fast schon ins Exzessive getrieben. Man spart nicht auf ein eigenes Auto, sondern schließt einen Leasingvertrag ab, den man wiederum aus dem Gehaltskonto zu Monatsende abstottert. Aufgrund der niedrigen Zinsen hangelte man sich sogar immer höher in der Wagenklasse.

Da erkennt man sofort, aus welcher Richtung in Bälde ein richtiger Gegenwind wehen wird: Wie viele Amerikaner haben sich seit gut einem Monat arbeitslos gemeldet? Insgesamt über 26 Millionen US-Bürger! Fatalerweise standen viele von ihnen mit ihren Autokrediten schon Ende 2019 mit 1,3 Billionen Dollar in den Miesen, laut einem Bericht der US-Notenbank.

Diese Problematik gibt es natürlich auch in Deutschland, selbst die bayerische Nobelmarke BMW musste schon zu Zeiten der Finanzkrise zwei Milliarden Euro an Kreditausfällen abschreiben. Glücklicherweise gibt es noch den chinesischen Markt. Volkswagen hat trotz Coronakrise nicht nur alle seiner 23 Werke in China wieder in Betrieb genommen, das Land (war) mit 40 Prozent der Autoverkäufe auch der ganz große Treiber für den 11-Marken-Konzern.

Vorteil China in der Coronakrise

Bis vor Kurzem wollte man noch, auch auf Druck von Donald Trump, die Produktion von Kfz- und Autoteilen in den USA weiter erhöhen. Jetzt hört man die ersten Stimmen, die von Fernost als stärker zu präferierendem Ziel in der Zukunft sprechen. Hinzu kommt ein Vorteil, der in einer Schuldenkrise noch gewisse Vorteile besitzt: Der chinesische Markt hat schon einen über 20 Monate andauernden Schrumpfungsprozess hinter sich, nach einer enormen Phase der Überkapazitäten. Und noch eines zählt augenblicklich: Die Chinesen agieren noch wie die Deutschen im alten Jahrhundert – sie bezahlen ihre Vehikel zumeist bar, beziehungsweise nicht so sehr auf Kredit.

Die Coronakrise wird sich in den USA am stärksten auswirken

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Coronakrise: Warum China nicht mehr Wachstumsmotor sein wird!

China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern – und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt

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Die Wirtschaftswelt blickt in der Coronakrise wieder einmal auf China: Die weltweite Pandemie um Covid-19 hat im Reich der Mitte ihren Anfang genommen und dort scheint man das Problem auch zuerst wieder in den Griff zu bekommen. Schon nach der Finanzkrise 2009 hatte China die globale Ökonomie mit riesigen Infrastrukturprogrammen wieder auf die Beine gebracht. Doch dieses Mal könnte es viel, viel schwieriger werden.

China, der stotternde Wachstumsmotor der Welt und die Coronakrise

In der heutigen Nacht wurden die Wachstumszahlen für das erste Quartal des Jahres 2020 veröffentlicht, das Virusquartal für die Volkswirtschaft China – und es wurde das schlechteste seit Jahrzehnten. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts betrug auf Jahresvergleich minus 6,8 Prozent, es war der erste Rückgang des Wirtschaftswachstums seit Beginn der offiziellen Quartalsveröffentlichungen im Jahr 1992. Die von Reuters befragten Analysten hatten mit minus 6,5 Prozent gerechnet. Doch auch im zweiten Quartal wird das Wachstum noch sehr bescheiden ausfallen, wie chinesische Volkswirte prognostizieren. Ein Hauptgrund dafür ist die stotternde Nachfrage aus dem Ausland wegen der Coronakrise. Chinas Industrie hat zwar die Produktion nach dem wochenlangen Shutdown wieder aufgenommen, aber man produziert sehr viel auf Lager, da die Nachfrage aus dem Ausland fehlt. Covid-19 hat die meisten Exportländer im Griff – und das ist der große Unterschied zur Finanzkrise und der raschen Erholung von damals – heute fehlen viele Kunden und damit die Nachfrage.

Chinas überragende Bedeutung für die Weltwirtschaft

Das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern steht zwar nominal nur für etwa 16 Prozent des Weltsozialprodukts – aber für weitaus mehr, wenn man seinen Anteil am Wachstum der Welt betrachtet. Noch im letzten Jahr hatte dieser Anteil 46,3 Prozent am weltweiten Wirtschaftswachstum betragen, im Jahr 2012 sogar sagenhafte 76 Prozent, wie Daten des IWF zeigen. China hatte nach 2010 mit einem Stimulus von 500 Milliarden Dollar (dies entsprach 13 Prozent der Wirtschaftsleistung) die eigene Wirtschaft angekurbelt und der Welt zu einem Aufschwung aus der Krise verholfen. Dies wird – kurzfristig in der Coronakrise – und auch langfristig nicht mehr so möglich sein, zunächst einmal stehen große Teile der Weltökonomie still.

Chinas interne Probleme

Mit Spannung erwartete man aktuell auf Daten zur Arbeitslosigkeit, wobei man hierzu gleich einmal einwenden muss, dass es kaum eine Wirtschaftszahl eines großen Landes gibt, die so sehr von den Regierungsstellen beeinflusst wird. Über viele Jahre hinweg hatte diese Zahl fast eine Konstante um die 4 Prozent dargestellt. Im Februar musste selbst China einen Anstieg auf 6,2 Prozent vermelden, aktuell wurde heute Nacht ein Rückgang auf 5,9 Prozent verkündet.

Dies ist die offizielle Rate. Michael Pettis, ein Finanzprofessor an der Peking University, kommt auf andere Daten, denn China nimmt die 293 Millionen Wanderarbeiter, die einen großen Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung ausmachen, gar nicht erst in seine Statistik mit auf. Er schätzt, dass mindestens 10 Prozent dieser Arbeiter ihren Arbeitsplatz infolge der Auswirkungen der Coronakrise, vorrangig im Dienstleistungssektor, verloren haben. Seiner Meinung nach ist die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie von der chinesischen Regierung angegeben.

Damit kommen wir zum zweiten Problem für die chinesische Volkswirtschaft. Diese hohe Arbeitslosigkeit wird Folgen für den Konsum haben. Auch im Reich der Mitte könnte es massive Probleme mit der Verbrauchernachfrage geben. Wie in anderen Ländern auch, werden die Bürger dauerhaft mehr sparen und weniger ausgeben. Interessanterweise hat man auch in China bereits begonnen, Gutscheine (Helikoptergeld) an die Bevölkerung zu verschenken. Bei Nachforschungen über deren Verwendung wurde festgestellt, dass es vor allem Lebensmittel und Zigaretten waren, für das dieses Geld ausgegeben wurde. Nicht etwa für Autokäufe, die im Januar um 90 Prozent, im Februar um circa 80 Prozent und im März um 40 Prozent wegen der Coronakrise eingebrochen waren. Außerdem hat auch Chinas Wirtschaft ein Problem, welches in vielen Ländern Sorgen bereitet.

Auch das „Institute for International Finance“ schätzt die chinesische Gesamtverschuldung auf 310 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt. Ein Faktor, der künftige Stützungsmaßnahmen limitiert, wie etwa eine größere Bazooka.

Vor Kurzem hatte man in China noch versucht, die vielen faulen Kredite der staatseigenen Firmen zu reduzieren, um das Problem der Stabilität nicht ausufern zu lassen. Nach Ansicht von Finanzexperten könnte China mit weiteren großen Fiskalpaketen noch abwarten, bis sich die globalen Nachfragebedingungen für die Produktion verbessert haben. Außerdem braucht das Land für die Herstellung von Gütern aus der Elektronik- und Automobilbranche viele Vorleistungen aus anderen Teilen der Welt – und dort ist in der Coronakrise derzeit zumeist „Ebbe“ angesagt.

Fazit: China fällt in der Coronakrise als Wachstumsmotor aus

Auch in der Volksrepublik China scheint eine Phase großen Wirtschaftswachstums zu Ende zu gehen. Nach regelmäßigen jährlichen Wachstumsraten von über 10 Prozent bis vor zehn Jahren, war die Quote auch größenbedingt gefallen, auf zuletzt 6 Prozent vor der Coronakrise. Überbordende Investitionen in die heimische Infrastruktur mit einer horrenden Verschuldung hauptsächlich staatsseigener Firmen haben die zweitgrößte Wirtschaft der Welt schon vor der Pandemie belastet. Wie oben dargestellt, war China der große Treiber für das globale Wachstum. Doch jetzt hat China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt. Globalisierung mag keine (trumpschen) Handelskriege – und sie verträgt erst recht keine pandemische Entwicklung. Aus der jetzigen dramatischen Entwicklung eines globalen Lockdowns kommt man nur gemeinsam wieder heraus, dies wird auch in China schmerzlich zu spüren sein.

In der Coronakrise wird China als Wachstumsmotor ausfallen

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