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Detail-Daten zu den durchweg guten deutschen BIP-Zahlen, und warum das Plus von 1,7% tatsächlich bei +2,9% liegt

FMW-Redaktion

Das Bruttoinlandsprodukt ist im 1. Quartal 2017 um 1,7% gestiegen. Aber halt. Warum wird es in der heutigen Detailveröffentlichung mit +2,9% gegenüber dem 1. Quartal 2016 ausgewiesen? Ein Blick in die Detailangaben gibt die Antwort. Dazu zunächst das Statistische Bundesamt heute:

Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum ebenfalls erhöht: Das preis­bereinigte BIP war im ersten Quartal 2017 um 2,9 % höher als im ersten Quartal 2016. Korrigiert um den außergewöhn­lich starken Kalendereinfluss aufgrund der Lage der Feiertage ergibt sich ein Anstieg des BIP um 1,7 %, was in etwa den kalenderbereinigten Wachstumsraten des Vorjahres entspricht (+ 1,7 % im dritten Quartal 2016 und + 1,8 % im vierten Quartal 2016).

Wer in den Kalender schaut, der sieht: In 2016 fiel Ostern in den März, mit den offiziellen Feiertagen und den Ferien. Jetzt in 2017 fiel Ostern wie eigentlich üblich in den April, und somit nicht mehr ins 1. Quartal. Damit gab es im 1. Quartal 2017 mehr offizielle Arbeitstage und weniger Schulferien, womit in diesem Jahr im 1. Quartal die Arbeitnehmer auch deutlich weniger Urlaubstage genommen hatten. Die fielen eben wie üblich in den April und somit ins 2. Quartal. Somit war die Wertschöpfung im 1. Quartal 2017 deutlich höher als im 1. Quartal 2016, womit das außergewöhnlich starke Plus von effektiv 2,9% im BIP zustande kommt. Um fair zu bleiben und einen statistisch sinnvollen Vergleich hinzubekommen, hat das Statistische Bundesamt genau diesen Effekt herausgerechnet. So kommt man dann „kalenderbereinigt“ auf +1,7% (rot markiert in folgender Grafik), obwohl es real +2,9% waren:

Auszugsweise vom Statistischen Bundesamt im Wortlaut:

Im Vorjahresvergleich kamen die Wachstumsimpulse im ersten Quartal 2017 ebenfalls sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland: Die privaten Konsumausgaben stiegen um 1,6 %, die staatlichen um 1,5 %. In Ausrüstungen – darunter fallen hauptsächlich Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurde preisbereinigt 2,0 % mehr investiert als im ersten Quartal 2016. Die Bauinvestitionen stiegen aufgrund der milden Witterung und der guten konjunkturellen Lage deutlich um 4,7 %, wobei insbesondere in den Wohnungsbau mehr investiert wurde als ein Jahr zuvor. Insgesamt stieg die inländische Verwendung um 2,2 %. Auch die außenwirtschaftliche Entwicklung war positiv: Es wurden im ersten Quartal 2017 preisbereinigt mit + 6,6 % deutlich mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als ein Jahr zuvor. Die Importe stiegen im selben Zeitraum mit + 5,6 % ebenfalls stark an. Der Außenbeitrag als Saldo zwischen Exporten und Importen trug demnach rechnerisch mit 0,9 Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum im Vorjahresvergleich bei.

Wie man in der folgenden Grafik sieht: alle Teilbereiche leisten auf Jahresbasis ihren Beitrag zum BIP. Die Bruttoinvestitionen, die im Vorquartal noch mit einem enttäuschenden Minus von 0,1% dabei waren, stehen jetzt ebenso ordentlich da wie die anderen Bereiche, nämlich bei +4,3%.

Die Bruttowertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr (roter Kasten Werte für das 1. Quartal 2017). Nur Land- und Forstwirtschaft liegen im Minus. Das Baugewerbe ist nach einem Durchsacker im Vorquartal jetzt wieder mit 4% dabei, ebenso das Verarbeitende Gewerbe mit +4,1% nach -0,1% im Vorquartal. Wir hatten damals darüber berichtet und über die Gefahr dieses plötzlichen Einbruchs in der Industrie gesprochen. Aber wenn es jetzt so weitergeht, war es wohl doch nur ein statistischer Ausbrecher nach unten.

Die Verteilung des Bruttonationaleinkommens. Der Mindestlohn scheint sich äußerst positiv auf die Durchschnittssteigerungen (!) der Löhne auszuwirken.



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1 Kommentar

  1. Ich bin mal gespannt, ob im nächsten Quartal dann wieder eine kalenderbereinigte Zahl ausgegeben wird. Diese müsste dann ja nach oben korrigiert werden.
    Vielleicht wird das dann aber auch einfach vergessen.

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