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5G-Auktion bringt 6,5 Milliarden Euro – man lese den Kommentar von Vodafone!

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Gestern endete die Auktion für das neue 5G-Netz, das unendlich schneller als 3G und 4G sein wird. Damit wird nun endlich alles gut, und wir leid geplagten Bundesbürger, die selbst in Großstädten ständig Netzprobleme haben, dürfen nun endlich in eine stabile Mobilfunkzukunft blicken? Weit gefehlt. Seit Monaten, ja seit Jahren weisen Experten (nicht nur in Hinterzimmern) darauf hin, dass zum Beispiel die damaligen UMTS-Lizenzen, für welche die Netzbetreiber schon Milliardensummen ausgeben mussten, Telekom, Vodafone und Co einen gewissen Spielraum für Netzinvestitionen genommen haben. Hätte der Staat auf diese Einnahmen ganz oder größtenteils verzichtet, wäre ein viel besserer Netzausbau wie in zahlreichen umliegenden Ländern möglich gewesen.

Natürlich kann man nun auch genau andersrum argumentieren. Man kann nämlich sagen: All die großen Telekom-Konzerne machen doch satte Gewinne. Einmal-Kosten für so eine Netz-Lizenz sollten sie doch nicht von einem großflächigen Netzausbau abhalten. Tja, wer hat da recht? Fest steht aber seit gestern: Telekom, Vodafone, Telefonica und 1&1 müssen insgesamt 6,55 Milliarden Euro für ihre ersteigerten 5G-Lizenzen an den deutschen Staat überweisen (hier Details von der Bundesnetzagentur).

Lustig oder auch traurig daran ist: Die Bundesregierung will diese Erlöse in die digitale Infrastruktur stecken. Warum? Die Politik weiß es eigentlich nur zu gut. Denn schon Bundeswirtschaftsminister Altmaier wies beispielsweise letztes Jahr darauf hin, dass er in seinem Dienstauto ständig Funklöcher bei Handy-Telefonaten hat. Deswegen hate er sein Büro angewiesen Dienstgespräche mit ausländischen Ministern nicht mehr zu ihm durchzustellen, wenn er im Auto unterwegs sei. Wie peinlich. Also: Der Staat weiß um das Problem. Wäre es da nicht sinnvoller gewesen auf diese Auktionseinnahmen, die eh in die Infrastruktur fließen sollen, zu verzichten – und die Netzbetreiber zu verpflichten, selbst flächendeckend das 5G-Netz auszubauen? Wie unzufrieden die Netzbetreiber mit dieser Auktion sind, möchten wir exemplarisch am Beispiel Vodafone zeigen.

Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter hat sich ausgiebig darüber ausgelassen, wie unglücklich er mit dieser Auktion ist. Sein aktuell veröffentlichtes Statement trägt den Titel „Auktionsschäden reparieren – bevor es zu spät ist!“. Man muss seine Sichtweise nicht teilen und kann sie natürlich aus parteiisch im Sinne eines Privatunternehmens ansehen. Aber die große Hoffnung auf ein flächendeckendes, stabiles Handynetz oder sonstige Träumereien, das sollten wir Bürger uns mal schnell abschminken. Verbockt hat es die Politik, sehenden Auges. Hier einige Zitate von Hannes Ametsreiter:

Zwar haben wir die Frequenz-Blöcke erhalten, die wir brauchen, um Deutschlands digitalen Weg zu gestalten. Doch der Preis dafür ist hoch: Es war die längste Auktion aller Zeiten. Und es war nach der UMTS-Auktion, deren Folgen wir noch heute spüren, die teuerste. Die Milliardenbeträge, die in Lizenzen geflossen sind, fehlen für dringend notwendige Investitionen ins Mobilfunknetz. Was mich am meisten daran stört: Diese Entwicklung war vorhersehbar. Sie war vermeidbar. Deutschland hat nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Das Ergebnis: riesige Schäden für Digital-Deutschland. Mein Appell: Lasst uns diese Auktionsschäden gemeinsam reparieren – bevor es zu spät ist.

Heute wissen wir: Das Spiel endet mit großen Schäden. Schäden, die uns, wenn wir nicht sofort gemeinsam die letzte Chance ergreifen, um sie zu reparieren, noch viele Jahre belasten werden. Diese Schäden sind fast 6,6 Milliarden Euro schwer. Oder: Rund 50.000 neue Mobilfunk-Stationen. Zum Vergleich: Vodafone betreibt rund 25.000 Mobilfunkstationen in Deutschland. Wir erreichen damit mehr als 99 Prozent aller Menschen in Deutschland. Klar ist: Die letzten Prozentpunkte beim Netzausbau sind immer die schwierigsten. Mobilfunk auch aufs Land zu bringen, ist unser großes Ziel. Und es ist eine große Herausforderung. Klar ist ebenfalls: Mit dem Geld, was in Lizenzscheine geflossen ist, hätten wir diese Herausforderung problemlos meistern können. Doch die Realität sieht anders aus: Wir sind – trotz der milliardenschweren Investitionen – keinen Schritt weiter. Das hat Gründe. Und die sind hausgemacht.

Viele unserer Nachbarn haben es besser gelöst als wir: Finnland hat die 5G-Lizenzen kostenlos vergeben. Die österreichischen Telekommunikationsunternehmen mussten deutlich weniger Geld aufbringen. Allein in Italien ist die Auktion sehr teuer geworden und hat den Staatshaushalt gefüllt. Deutschland aber hat kein Kostenproblem. Deutschland hat in erster Linie ein Infrastruktur-Problem. Nun gehen die Milliarden aus der Aktion an den Bundesfinanzminister. Das ist schön für den Staat. Aber das ist schlecht für die Bürger.

Mit 100 Megahertz wurde ein nicht unwesentlicher Teil der verfügbaren Ressourcen, die Digital-Deutschland für eine bundesweite 5G-Infrastruktur zur Verfügung gestanden hätten, aus dem Spiel genommen. Er wurde für die Industrie reserviert. Für eigene, lokale Netze. Die allermeisten Menschen in Deutschland werden davon niemals profitieren. Im Gegenteil. Diese 100 Megahertz werden im bundesweiten 5G-Netz für lange Zeit fehlen. Deutschland ist das einzige Land, das der Industrie Sonderkonditionen für eigene Netze einräumt.

Unser Vorschlag: Ein 5G-Bündnis für den echten Mobilfunkausbau
Wie kann das funktionieren? In dem das Geld, das in die Lizenzgelder geflossen ist, rückwirkend für den echten Ausbau von Mobilfunk-Stationen investiert wird – durch eine entsprechende Förderung. Die Bundesregierung sollte die fast 6,6 Milliarden Euro, die sie dem Markt entzogen hat, in den Markt investieren – und damit die selbst gezogene Ausbau-Bremse lockern. Wir müssen ein Mobilfunk-Förderpaket schnüren. Deutschland braucht endlich eine schlüssige Antwort, auf die große Digitalisierungs-Frage. Unser Vorschlag: Ein echtes Reinvestitions-Programm. Ein 5G-Bündnis zwischen Netzbetreibern und Politik, bei dem das Geld, was in die Lizenzen geflossen ist, in neue Mobilfunk-Stationen investiert wird.

Start der 5G Auktion im März 2019
Unglaublich aber wahr. Dieses Foto zeigt den Start (!) der 5G-Versteigerung für Deutschland im März 2019. Ja, kein Witz. Drei Monate lang dauerte diese Auktion. Was für ein Wahnsinn. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0

4 Kommentare

4 Comments

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    Zimmermann

    13. Juni 2019 18:25 at 18:25

    Das sind ja fast revolutionäre Gedanken. Ich denke das viele Geld wird sicherlich für andere Dinge verpulvert. Mich würde mal interessieren wieviel Geld nur für die Verwaltung dieses Landes versickert.

    In diesem Land muss es mal richtig und gewaltig rauschen, damit sich strukturell wieder was ändert. Man möchte es sich fast wünschen, dass dieses Land mal so richtig an die Wand fährt.

    Es krankt doch an allen Ecken und Enden. Hoffentlich iat auch bis Ende des Jahres mit dieser Regierung Schluß.

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    Michael

    13. Juni 2019 18:56 at 18:56

    Die Bundesregierung will diese Erlöse in die digitale Infrastruktur stecken. Sie will, wie schon so oft, tat und tut es aber nicht und wird es auch nie tun. Denn die Bundesregierung ist seit fast 40 Jahren völlig unfähig, technische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen zu erkennen, geschweige denn, effiziente und effektive Problemlösungsstrategien auf diesen Feldern zu entwickeln. Es wundert mich ohnehin, dass der steife und spröde Schlipsträger auf dem Foto es geschafft hat, überhaupt den richtigen Knopf zu drücken.

    Nicht zuletzt deshalb eiert Deutschland weltweit beim Breitband um Rang 30 und beim Mobilfunk zwischen 40 und 50 herum. „Ihre Ziele für schnelles Internet hat die Bundesregierung mehrmals klar verfehlt. Vor neun Jahren versprach sie, bis Ende 2014 könnten 75 Prozent aller Haushalte mit 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Internet surfen. Tatsächlich traf das dann auf lediglich zwei von drei Haushalten zu. Vor vier Jahren dann sagte die Große Koalition zu, dass bis Ende 2018 allen Haushalten solch schnelle Internetleitungen zur Verfügung stehen würden. Auch dieses Ziel konnte nicht im Ansatz erreicht werden. Im Koalitionsvertrag versprechen Union und SPD nun einen flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis 2025. Bis dahin soll jedermann einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf schnelle Internetanschlüsse bekommen. Ab wann jedoch ein Internetanschluss als schnell gilt, und was passiert, wenn der Anspruch nicht erfüllt werden kann, ist derzeit völlig offen“.
    https://www.tagesschau.de/inland/internet-breitband-101.html

    Wie so viele Milliarden werden auch diese in volkswirtschaftlich und gesellschaftlich völlig irrelevante Bereiche wie sinnlos überzogene eigene Gehälter, Diäten und (Beamten)Pensionen fließen. Und in professionelle PR-Agenturen, die uns da mehr oder minder professionell verkünden, wie sinnlos die klima- und internetbezogenen Interessen junger Menschen doch sind. Und natürlich in den Schutz und die Immunität der organisierten Kriminalität in den Seilschaften der Finanz-, Land- und Energiewirtschaft sowie der Automobilindustrie.

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      leftutti

      13. Juni 2019 21:33 at 21:33

      Gut gebrüllt @Michael, wie titulierte vor kurzem der Tagesspiegel so schön: SPD und CDU sind nicht in der Krise – sie sind die Krise!

      Das Dilemma der schwarz-braun-grünen Christen ist ein Paradoxon auf mehreren Ebenen: Grüner werden, ohne die Grünen zu kopieren, weil das Thema Klimaschutz für die Mehrheit der Wähler immer wichtiger wird. Dabei gleichzeitig die klimaleugnenden rechten Bürger bei den anstehenden Wahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen nicht verschrecken, wo der Hauptkonkurrent AfD schon jetzt auch als Anti-Klimaschutz-Partei punktet. Und moderner werden, ohne die aktuell letzte starke Wähler-Bastion zu verschrecken – nämlich die Rentner und Pensionäre.

      Das Dilemma ist seit jeher dasselbe. Ein Beispiel: Auf dem Bundesparteitag 1995 (!!!) beschloss die Partei unter der damaligen Umweltministerin Angela Merkel einen Antrag, in dem die Einführung einer sog. „C0₂-Energiesteuer“ verlangt wird. Zur Begründung hieß es in dem Beschluss, bei diesem Projekt handele es sich um ein Kernstück der Ökologischen und Sozialen Marktwirtschaft, mit dem die Union zugleich Glaubwürdigkeit beim Werben um ökologisch orientierte Wählerinnen und Wähler und eigene Reformkraft unter Beweis stellen kann. Man wollte ein paar Jahre später auch aus der Atomkraft aussteigen, nur um dann beim geringsten Widerstand wieder einzusteigen, man wollte ein modernes Land werden, ohne der übersättigten Pensionärsgeneration neue Lernprozesse zuzumuten.

      Wer Ohren hat zu hören, wer Augen hat zu lesen, der staune! Man will seit 24 Jahren Glaubwürdigkeit beim Buhlen um progressive und moderne Wähergenerationen vermitteln, gleichzeitig den reaktionären klima- und geschichtsleugnenden Schichten schmeicheln, während man sich als reformkräftige und innovative Partei zu präsentieren versucht. Ein Spagat ist schon schwierig, aber für Politiker nicht ungewöhnlich. Aber diese Partei versucht einen dritten simultanen Ausfallschritt. Ohne zu erkennen, dass man Gefahr läuft, starr und und unflexibel wie ein dreibeiniges Stativ zu werden. Die darauf montierte Kamera (der Ausblick) lässt sich zwar in alle Richtungen drehen, der Standpunkt hingegen wird zusehends mehr reaktionär, starr, unglaubwürdig, hilflos und unflexibel.

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    Marcus

    13. Juni 2019 22:15 at 22:15

    Ich denke auch das die Erlöse letztendlich wieder woanders landen werden, und Deutschland in 10 Jahren keinen Schritt weiter ist. In Deutschland ist man einfach satt, faul und unbeweglich geworden und zwar in allen Bereichen was die Zukunftsfähigkeit betrifft.

    Zusammengefasst kann man sagen, das wir von 5G wahrscheinlich nichts haben werden.

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Heiko Thieme und der Tiefpunkt im Dax bei 8.250 Punkten

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Das Coronavirus schüttelt die Börsen durcheinander - Dax Tief bei 8.250?

Über 10 Millionen Amerikaner haben sich binnen 2 Wochen arbeitslos gemeldet! Das ist eine extrem schnelle Entwicklung, die gestern sogar die schlimmsten Analystenerwartungen übertroffen hat. Manuel Koch hat im folgenden Video auch mit Marcel Fratzscher vom DIW gesprochen. Man müsse ehrlich sagen, dass die Wirtschaftsforscher Szenarien vorrechnen und keine verlässlichen Prognosen abgeben könnten, so Fratzscher. Drei Varianten für den Verlauf der aktuelle Krise gäbe es.

Auch interviewt Manuel Koch im Video den als gnadenlosen Optimisten bekannten Börsianer Heike Thieme. 8.250 Punkte sei der Tiefpunkt im Dax in diesem Crash, so Thieme. Beim Dow läge das Tief bei 18.200 Punkten. Gehe man nach dem Buchwert, dann sei der Dax jetzt sehr preiswert. Setze nicht Mitte des Jahres ein Erholungstrend ein, dann müsse man umdenken – so lässt Heiko Thieme sich also noch eine Option offen, falls es doch noch tiefere Tiefs gibt? Denn, so sagt er auch, dies sei derzeit eine völlig neue und unbekannte Phase in der Börsenwelt.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei konkrete Tradingideen. Es sind die Top-Empfehlungen der trading-house Börsenakademie. So wird die Aktie von Adidas zum Kauf empfohlen mit dem Instrument einer Stop Buy Order. Ebenso ist man für Gold optimistisch. Auch hier wird ein Kauf mit einer Stop Buy Order angeraten.

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Vapiano, Maredo, Esprit, Kaufhof-Karstadt – die Lawine beginnt zu rollen

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Vapiano, Esprit, Maredo - bei vielen Unternehmen sieht es düster aus

Ob man es nun Insolvenz nennt, oder ob es das Schutzschirmverfahren ist, welches auch vor den Gläubigern schützt. Die Lawine der kaputten Unternehmen beginnt nun zu rollen. Sie bringt wohl Arbeitsplatzverluste und auch ausgefallene Kredite zwangsläufig mit sich – ob nun ganz oder teilweise, wird man sehen. Auffallend ist, dass man jetzt gerade von den Unternehmen hört, die schon vor der Krise auf wackligen Füßen standen. Man kann also sagen: Wem es eh schon schlecht ging, der hat in Sachen neue Bankkredite in der Coronakrise ganz schlechte Karten. Dazu zählen Namen wie Vapiano, Esprit etc.

Aber halt. Sogenannte Zombieunternehmen müssten doch gerade jetzt gute Chancen haben an Geld zu kommen, wo die Staatsbank KfW doch jetzt gigantische Milliardenbeträge verteilt? Tja, Voraussetzung für diese Kredite ist aber, dass man vor der Krise als Unternehmen gesund war. Und außerdem verbleiben 10 Prozent des Kreditausfallrisikos bei der Hausbank, wo man diese KfW-Kredite als Kunde beantragen muss. Und genau das wird der Grund sein, warum einige Unternehmen gerade jetzt pleite gehen. Sie waren vorher schon angeschlagen, und an diese tollen Coronakrisen-Rettungsgelder der KfW kommen sie nicht ran, weil die Banken mit haften müssten. Würde der Staat auf 100 Prozent Haftung raufgehen, könnten womöglich auch die Zombieunternehmen weiterhin Kredite erhalten?

Vapiano

Nun sehen wir binnen weniger Tage viele bekannte Marken den Bach runtergehen. Die Restaurantkette Vapiano hat gestern Insolvenz angemeldet (Details siehe hier). Man habe keine Lösung für den zuletzt aufgrund der COVID-19 Krise nochmals signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf von 36,7 Millionen Euro finden können. Auch konnte man keine Einigung mit Banken und wesentlichen Aktionären über die Beiträge zur angestrebten umfassenden Finanzierungslösung erzielt werden. Mangels Einigung über eine solche Finanzierungslösung können auch die in Aussicht stehenden Finanzmittel aus staatlichen COVID-19 Unterstützungsprogrammen nicht beantragt werden, so die Mitteilung.

Esprit

Das Modeunternehmen Esprit verkündete am letzten Wochenende für mehrere deutsche Tochtergesellschaften das sogenannte Schutzschirmverfahren. Gläubigerschutz ja, aber noch keine offizielle Insolvenz! Man wolle einer Zahlungsunfähigkeit aktiv zuvorzukommen, so Esprit. Wie auch Vapiano kränkelt Esprit schon einige Zeit vor sich hin. Auszugsweise hier Wortlaut von Esprit: Im Rahmen des Schutzschirmverfahrens, das mit dem Verfahren nach Chapter-11 in den USA vergleichbar ist, wird Esprit Verbindlichkeiten und langfristige Mietverträge neu strukturieren. Das Management Team der deutschen Esprit Gesellschaften, die aktuell zahlungsfähig sind und freiwillig die Schutzschirme beantragen, wir die Finanzierung der Gehälter für seine in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter durch staatliche Beihilfe absichern.

Galeria Kaufhof Karstadt

Über Galeria Kaufhof Karstadt berichteten wir bereits gestern. Das Unternehmen geht wie Esprit in das Schutzschirmverfahren. Und auch hier das selbe. Der Kaufhausbranche geht es seit Jahren schlecht. Man versucht sich immer weiter gesund zu schrumpfen mit Standortschließungen, Mitarbeiter mussten jahrelang verzichten. Aber nie trat eine wirkliche Gesundung ein. Zwar habe man sich in den vergangenen Wochen bereits um staatliche Hilfen bemüht. Doch habe sich eine Einigung mit den Banken schwieriger als erhofft erwiesen, so das Unternehmen. Der Prozess, in dem die Banken eine entscheidende Rolle spielen (Ausfallgarantie nur zu 90% von KfW), sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit.

Maredo

Die Steakhauskette Maredo hat am 23. März die Insolvenz verkündet. Es werde geprüft, ob die Geschäftsführung Staatshilfe erhalten könne. Aktuell hört man auszugsweise aus einer Pressemitteilung zur Bestellung des vorläufigen Sachwalters: Die eigenverwaltende Geschäftsführung sowie der vorläufige Sachwalter sind sich darüber einig, dass diese Vorgehensweise derzeit den bestmöglichen Rahmen für eine Sanierung von Maredo abbildet. „Maredo ist sichersanierungswürdig“, erklärt Klaus Farrenkopf, seit Juli 2017 Geschäftsführer der Maredo Holding GmbH. „Sobald die Situation es zulässt, werden wir die Restaurants wieder öffnen. Aufgrund der aktuellen Informationslage hoffen wir, dass dies ab Mai 2020 wieder der Fall sein kann. Für die Phase, in denen die Restaurants geschlossen sind, können die Leistungen des Kurzarbeitergeldes in Anspruch nehmen“.

Alitalia

Und noch ein Paradebeispiel eines Zombieunternehmens! Schauen wir nach Italien. Seit Jahren ist die italienische Fluggesellschaft Alitalia ein Zombie. Nur Verluste, Verluste, Verluste. Mit privaten Kaufinteressenten konnte man sich nie einigen, also musste die Alitalia seit Jahren mit immer neuen Notkonstruktionen und Notkrediten versorgt werden. Die Gewerkschaften blockierten Sanierungspläne. Die Regierung in Rom Mitte verkündete am 17. März Alitalia verstaatlichen zu wollen. Dazu wird es frische 500 Millionen Euro an Cash geben. Laut airliners.de hat der italienische Steuerzahler in den letzten zwölf Jahren bereits 12 Milliarden Euro in die Airline gepumpt. Und nun, wo sie in Staatsbesitz übergeht, dürfte diese Subvention ein Dauerzustand werden. Es wird also nun konstant neues Steuergeld fließen müssen um die Defizite auszugleichen. Denn von nun an wird bei Alitalia der Drang nach Kosteneffizienz, Innovation etc noch deutlich geringer sein als vorher, wo wenigstens noch ein Hauch von privatwirtschaftlichem Betrieb vorhanden war.

Es blieb in der aktuellen Krise wohl nichts mehr anderes übrig als Verstaatlichung. Die Alternative wäre wohl, den Laden pleite gehen zu lassen. Aber jedes Land hat ja hier und da Unternehmen, die zur Staatsraison gehören. Und die Alitalia, die gehört wohl zur italienischen Staatsraison. Sie muss weiter fliegen. Aber halt. Kommt es doch anders als gedacht? Wird gerade der Staat als Eigentümer der harte Sanierer, den die Gewerkschaften vorher nie haben wollten? Denn jüngere Berichte zeigen, dass die Regierung über radikale Einschnitte bei Alitalia nachdenkt, jetzt wo sie zu einer Staatsairline wird. Statt wie heute 11.500 soll es womöglich weniger als 4.000 Mitarbeiter und statt 113 Flugzeugen nur noch 25 bis 30 geben. Aber ganz klar ist das offenbar noch nicht. Werden die Gewerkschaften mal wieder dagegen halten?

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Aktuell: Galeria Karstadt Kaufhof schützt sich vor Gläubigern – was sagt uns das?

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Galeria Kaufhof Karstadt ist noch nicht offiziell insolvent

Galeria Karstadt Kaufhof war auch vor der Coronakrise seit Jahren nicht gerade auf Rosen gebettet. Und nun machte man das, was H&M, Adidas und Co auch gemacht haben – nämlich erst mal die Mieten aussetzen. Und nun? Der nächste logische Schritt wäre es eine der Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung zu nutzen, um mit dieser bereitgestellten Liquidität durch die Krise zu kommen.

Aber wie Aussagen von Galeria Karstadt Kaufhof in aktuellen Berichten (siehe SPON) nahe legen, scheint es für das Unternehmen gar nicht so einfach zu sein an Staatskredite zu kommen. Zwar habe man sich in den vergangenen Wochen bereits um staatliche Hilfen bemüht. Doch habe sich eine Einigung mit den Banken schwieriger als erhofft erwiesen. Der Prozess, in dem die Banken eine entscheidende Rolle spielen (Ausfallgarantie nur zu 90% von KfW), sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit. Nun habe man nicht mehr länger warten können, und hat jetzt beim Amtsgericht Essen ein sogenanntes „Schutzschirmverfahren“ beantragt, was auch genehmigt wurde.

Damit kann Galeria Karstadt Kaufhof sich vor dem Zugriff von Gläubigern schützen, muss aber offiziell noch keine Insolvenz anmelden. Aber es riecht doch verdammt stark nach einer dramatischen Situation. Die Geschäftsführung des Unternehmens kann weiter arbeiten und selbst versuchen zu sanieren. Ob die Banken nach der Eröffnung dieses Schutzschirmverfahrens eher geneigt sind Kredit zu geben? Natürlich nicht. Die Rettung könnte wohl darin bestehen, dass die KfW-Kredite von 90 Prozent Staatshaftung auf 100 Prozent Staatshaftung erhöht werden. Dann könnten die Banken natürlich zügig Gelder freimachen, so darf man es wohl annehmen.

Oder käme das Unternehmen für den neuen Staatsfonds von Olaf Scholz in Frage, wo der Bund sich nun vorübergehend in der Krise an Unternehmen beteiligen kann? Man wird sehen. Was sagt uns das? Galeria Karstadt Kaufhof könnte recht haben mit seiner Kritik am wohl problematischen Vergabeverfahren. Wir teilen diese Kritik, was wir in einigen Artikeln schon zum Ausdruck gebracht haben. Aber natürlich könnte man gerade in diesem Fall auch sagen: Bloß kein gutes frisches Geld dem schlechten Geld hinterher werfen, bloß keine Steuerzahlerkohle für ein quasi gescheitertes Unternehmen, dass schon vor der Krise seit Jahren in einer Dauerkrise war.

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