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5G-Auktion bringt 6,5 Milliarden Euro – man lese den Kommentar von Vodafone!

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Gestern endete die Auktion für das neue 5G-Netz, das unendlich schneller als 3G und 4G sein wird. Damit wird nun endlich alles gut, und wir leid geplagten Bundesbürger, die selbst in Großstädten ständig Netzprobleme haben, dürfen nun endlich in eine stabile Mobilfunkzukunft blicken? Weit gefehlt. Seit Monaten, ja seit Jahren weisen Experten (nicht nur in Hinterzimmern) darauf hin, dass zum Beispiel die damaligen UMTS-Lizenzen, für welche die Netzbetreiber schon Milliardensummen ausgeben mussten, Telekom, Vodafone und Co einen gewissen Spielraum für Netzinvestitionen genommen haben. Hätte der Staat auf diese Einnahmen ganz oder größtenteils verzichtet, wäre ein viel besserer Netzausbau wie in zahlreichen umliegenden Ländern möglich gewesen.

Natürlich kann man nun auch genau andersrum argumentieren. Man kann nämlich sagen: All die großen Telekom-Konzerne machen doch satte Gewinne. Einmal-Kosten für so eine Netz-Lizenz sollten sie doch nicht von einem großflächigen Netzausbau abhalten. Tja, wer hat da recht? Fest steht aber seit gestern: Telekom, Vodafone, Telefonica und 1&1 müssen insgesamt 6,55 Milliarden Euro für ihre ersteigerten 5G-Lizenzen an den deutschen Staat überweisen (hier Details von der Bundesnetzagentur).

Lustig oder auch traurig daran ist: Die Bundesregierung will diese Erlöse in die digitale Infrastruktur stecken. Warum? Die Politik weiß es eigentlich nur zu gut. Denn schon Bundeswirtschaftsminister Altmaier wies beispielsweise letztes Jahr darauf hin, dass er in seinem Dienstauto ständig Funklöcher bei Handy-Telefonaten hat. Deswegen hate er sein Büro angewiesen Dienstgespräche mit ausländischen Ministern nicht mehr zu ihm durchzustellen, wenn er im Auto unterwegs sei. Wie peinlich. Also: Der Staat weiß um das Problem. Wäre es da nicht sinnvoller gewesen auf diese Auktionseinnahmen, die eh in die Infrastruktur fließen sollen, zu verzichten – und die Netzbetreiber zu verpflichten, selbst flächendeckend das 5G-Netz auszubauen? Wie unzufrieden die Netzbetreiber mit dieser Auktion sind, möchten wir exemplarisch am Beispiel Vodafone zeigen.

Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter hat sich ausgiebig darüber ausgelassen, wie unglücklich er mit dieser Auktion ist. Sein aktuell veröffentlichtes Statement trägt den Titel „Auktionsschäden reparieren – bevor es zu spät ist!“. Man muss seine Sichtweise nicht teilen und kann sie natürlich aus parteiisch im Sinne eines Privatunternehmens ansehen. Aber die große Hoffnung auf ein flächendeckendes, stabiles Handynetz oder sonstige Träumereien, das sollten wir Bürger uns mal schnell abschminken. Verbockt hat es die Politik, sehenden Auges. Hier einige Zitate von Hannes Ametsreiter:

Zwar haben wir die Frequenz-Blöcke erhalten, die wir brauchen, um Deutschlands digitalen Weg zu gestalten. Doch der Preis dafür ist hoch: Es war die längste Auktion aller Zeiten. Und es war nach der UMTS-Auktion, deren Folgen wir noch heute spüren, die teuerste. Die Milliardenbeträge, die in Lizenzen geflossen sind, fehlen für dringend notwendige Investitionen ins Mobilfunknetz. Was mich am meisten daran stört: Diese Entwicklung war vorhersehbar. Sie war vermeidbar. Deutschland hat nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Das Ergebnis: riesige Schäden für Digital-Deutschland. Mein Appell: Lasst uns diese Auktionsschäden gemeinsam reparieren – bevor es zu spät ist.

Heute wissen wir: Das Spiel endet mit großen Schäden. Schäden, die uns, wenn wir nicht sofort gemeinsam die letzte Chance ergreifen, um sie zu reparieren, noch viele Jahre belasten werden. Diese Schäden sind fast 6,6 Milliarden Euro schwer. Oder: Rund 50.000 neue Mobilfunk-Stationen. Zum Vergleich: Vodafone betreibt rund 25.000 Mobilfunkstationen in Deutschland. Wir erreichen damit mehr als 99 Prozent aller Menschen in Deutschland. Klar ist: Die letzten Prozentpunkte beim Netzausbau sind immer die schwierigsten. Mobilfunk auch aufs Land zu bringen, ist unser großes Ziel. Und es ist eine große Herausforderung. Klar ist ebenfalls: Mit dem Geld, was in Lizenzscheine geflossen ist, hätten wir diese Herausforderung problemlos meistern können. Doch die Realität sieht anders aus: Wir sind – trotz der milliardenschweren Investitionen – keinen Schritt weiter. Das hat Gründe. Und die sind hausgemacht.

Viele unserer Nachbarn haben es besser gelöst als wir: Finnland hat die 5G-Lizenzen kostenlos vergeben. Die österreichischen Telekommunikationsunternehmen mussten deutlich weniger Geld aufbringen. Allein in Italien ist die Auktion sehr teuer geworden und hat den Staatshaushalt gefüllt. Deutschland aber hat kein Kostenproblem. Deutschland hat in erster Linie ein Infrastruktur-Problem. Nun gehen die Milliarden aus der Aktion an den Bundesfinanzminister. Das ist schön für den Staat. Aber das ist schlecht für die Bürger.

Mit 100 Megahertz wurde ein nicht unwesentlicher Teil der verfügbaren Ressourcen, die Digital-Deutschland für eine bundesweite 5G-Infrastruktur zur Verfügung gestanden hätten, aus dem Spiel genommen. Er wurde für die Industrie reserviert. Für eigene, lokale Netze. Die allermeisten Menschen in Deutschland werden davon niemals profitieren. Im Gegenteil. Diese 100 Megahertz werden im bundesweiten 5G-Netz für lange Zeit fehlen. Deutschland ist das einzige Land, das der Industrie Sonderkonditionen für eigene Netze einräumt.

Unser Vorschlag: Ein 5G-Bündnis für den echten Mobilfunkausbau
Wie kann das funktionieren? In dem das Geld, das in die Lizenzgelder geflossen ist, rückwirkend für den echten Ausbau von Mobilfunk-Stationen investiert wird – durch eine entsprechende Förderung. Die Bundesregierung sollte die fast 6,6 Milliarden Euro, die sie dem Markt entzogen hat, in den Markt investieren – und damit die selbst gezogene Ausbau-Bremse lockern. Wir müssen ein Mobilfunk-Förderpaket schnüren. Deutschland braucht endlich eine schlüssige Antwort, auf die große Digitalisierungs-Frage. Unser Vorschlag: Ein echtes Reinvestitions-Programm. Ein 5G-Bündnis zwischen Netzbetreibern und Politik, bei dem das Geld, was in die Lizenzen geflossen ist, in neue Mobilfunk-Stationen investiert wird.

Start der 5G Auktion im März 2019
Unglaublich aber wahr. Dieses Foto zeigt den Start (!) der 5G-Versteigerung für Deutschland im März 2019. Ja, kein Witz. Drei Monate lang dauerte diese Auktion. Was für ein Wahnsinn. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0

4 Kommentare

4 Comments

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    Zimmermann

    13. Juni 2019 18:25 at 18:25

    Das sind ja fast revolutionäre Gedanken. Ich denke das viele Geld wird sicherlich für andere Dinge verpulvert. Mich würde mal interessieren wieviel Geld nur für die Verwaltung dieses Landes versickert.

    In diesem Land muss es mal richtig und gewaltig rauschen, damit sich strukturell wieder was ändert. Man möchte es sich fast wünschen, dass dieses Land mal so richtig an die Wand fährt.

    Es krankt doch an allen Ecken und Enden. Hoffentlich iat auch bis Ende des Jahres mit dieser Regierung Schluß.

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    Michael

    13. Juni 2019 18:56 at 18:56

    Die Bundesregierung will diese Erlöse in die digitale Infrastruktur stecken. Sie will, wie schon so oft, tat und tut es aber nicht und wird es auch nie tun. Denn die Bundesregierung ist seit fast 40 Jahren völlig unfähig, technische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen zu erkennen, geschweige denn, effiziente und effektive Problemlösungsstrategien auf diesen Feldern zu entwickeln. Es wundert mich ohnehin, dass der steife und spröde Schlipsträger auf dem Foto es geschafft hat, überhaupt den richtigen Knopf zu drücken.

    Nicht zuletzt deshalb eiert Deutschland weltweit beim Breitband um Rang 30 und beim Mobilfunk zwischen 40 und 50 herum. „Ihre Ziele für schnelles Internet hat die Bundesregierung mehrmals klar verfehlt. Vor neun Jahren versprach sie, bis Ende 2014 könnten 75 Prozent aller Haushalte mit 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Internet surfen. Tatsächlich traf das dann auf lediglich zwei von drei Haushalten zu. Vor vier Jahren dann sagte die Große Koalition zu, dass bis Ende 2018 allen Haushalten solch schnelle Internetleitungen zur Verfügung stehen würden. Auch dieses Ziel konnte nicht im Ansatz erreicht werden. Im Koalitionsvertrag versprechen Union und SPD nun einen flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis 2025. Bis dahin soll jedermann einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf schnelle Internetanschlüsse bekommen. Ab wann jedoch ein Internetanschluss als schnell gilt, und was passiert, wenn der Anspruch nicht erfüllt werden kann, ist derzeit völlig offen“.
    https://www.tagesschau.de/inland/internet-breitband-101.html

    Wie so viele Milliarden werden auch diese in volkswirtschaftlich und gesellschaftlich völlig irrelevante Bereiche wie sinnlos überzogene eigene Gehälter, Diäten und (Beamten)Pensionen fließen. Und in professionelle PR-Agenturen, die uns da mehr oder minder professionell verkünden, wie sinnlos die klima- und internetbezogenen Interessen junger Menschen doch sind. Und natürlich in den Schutz und die Immunität der organisierten Kriminalität in den Seilschaften der Finanz-, Land- und Energiewirtschaft sowie der Automobilindustrie.

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      leftutti

      13. Juni 2019 21:33 at 21:33

      Gut gebrüllt @Michael, wie titulierte vor kurzem der Tagesspiegel so schön: SPD und CDU sind nicht in der Krise – sie sind die Krise!

      Das Dilemma der schwarz-braun-grünen Christen ist ein Paradoxon auf mehreren Ebenen: Grüner werden, ohne die Grünen zu kopieren, weil das Thema Klimaschutz für die Mehrheit der Wähler immer wichtiger wird. Dabei gleichzeitig die klimaleugnenden rechten Bürger bei den anstehenden Wahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen nicht verschrecken, wo der Hauptkonkurrent AfD schon jetzt auch als Anti-Klimaschutz-Partei punktet. Und moderner werden, ohne die aktuell letzte starke Wähler-Bastion zu verschrecken – nämlich die Rentner und Pensionäre.

      Das Dilemma ist seit jeher dasselbe. Ein Beispiel: Auf dem Bundesparteitag 1995 (!!!) beschloss die Partei unter der damaligen Umweltministerin Angela Merkel einen Antrag, in dem die Einführung einer sog. „C0₂-Energiesteuer“ verlangt wird. Zur Begründung hieß es in dem Beschluss, bei diesem Projekt handele es sich um ein Kernstück der Ökologischen und Sozialen Marktwirtschaft, mit dem die Union zugleich Glaubwürdigkeit beim Werben um ökologisch orientierte Wählerinnen und Wähler und eigene Reformkraft unter Beweis stellen kann. Man wollte ein paar Jahre später auch aus der Atomkraft aussteigen, nur um dann beim geringsten Widerstand wieder einzusteigen, man wollte ein modernes Land werden, ohne der übersättigten Pensionärsgeneration neue Lernprozesse zuzumuten.

      Wer Ohren hat zu hören, wer Augen hat zu lesen, der staune! Man will seit 24 Jahren Glaubwürdigkeit beim Buhlen um progressive und moderne Wähergenerationen vermitteln, gleichzeitig den reaktionären klima- und geschichtsleugnenden Schichten schmeicheln, während man sich als reformkräftige und innovative Partei zu präsentieren versucht. Ein Spagat ist schon schwierig, aber für Politiker nicht ungewöhnlich. Aber diese Partei versucht einen dritten simultanen Ausfallschritt. Ohne zu erkennen, dass man Gefahr läuft, starr und und unflexibel wie ein dreibeiniges Stativ zu werden. Die darauf montierte Kamera (der Ausblick) lässt sich zwar in alle Richtungen drehen, der Standpunkt hingegen wird zusehends mehr reaktionär, starr, unglaubwürdig, hilflos und unflexibel.

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    Marcus

    13. Juni 2019 22:15 at 22:15

    Ich denke auch das die Erlöse letztendlich wieder woanders landen werden, und Deutschland in 10 Jahren keinen Schritt weiter ist. In Deutschland ist man einfach satt, faul und unbeweglich geworden und zwar in allen Bereichen was die Zukunftsfähigkeit betrifft.

    Zusammengefasst kann man sagen, das wir von 5G wahrscheinlich nichts haben werden.

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Handeln Sie antizyklisch und sichern Sie sich jetzt ab! – Werbung

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Lieber Börsianer,

beherzigten Sie meinen Tipp, den ich Ihnen vor genau zehn Tagen gab? Am 14. Februar regte ich an, einen kleinen Teil Ihres Portfolios, zum Beispiel 5%, in einen lang laufenden Put-Optionsschein zu investieren. Der Vorteil dieser Absicherung besteht darin, dass der Put-Optionsschein dank niedriger impliziter Volatilität günstig ist und ausreicht, um bei größeren Kursrutschen Ihr Depot abzusichern oder sogar noch einen Zusatzgewinn für Sie zu erzielen.

Der von mir damals ins Auge gefasste Schein mit einem Jahr Laufzeit und einem Strike-Preis von 12.000 Punkten liegt inzwischen 53% im Gewinn. Ist es jetzt zu spät, eine Absicherung Ihres Depots zu wagen? Keinesfalls! Die implizite Volatilität ist nach wie vor relativ gering, wenngleich seit dem 14. Februar schon ein wenig angestiegen. Die Marktteilnehmer rechnen also noch immer mit einem ruhigen Kursverlauf und kaum mit größeren Korrekturen.

Doch die werden spätestens dann kommen, wenn mehr Regionen in Europa unter Quarantäne gestellt werden so wie in Italien. Eine Versicherung für Ihr Depot kann daher kaum schaden. Das schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist der Verlust von 5% des Depots, wenn der Put-Optionsschein irgendwann wertlos verfallen sollte. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Absicherung lohnen wird, jedoch für deutlich größer. Dafür reicht bereits ein Volatilitäts-Spike, ohne dass es zu einer lang anhaltenden Baisse am Markt kommen muss. Allein durch die…..

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Mit Börsianer-Grüßen,
Thomas Kallwaß
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Coronavirus könnte die Chip-Industrie hart treffen!

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Coronavirus Symbolbild

Was das Coronavirus mit der Chip-Industrie zu tun hat? Die Hersteller von Computer-Chips übertrumpften sich in der jüngeren Vergangenheit gegenseitig mit Investitionszusagen in neue Fertigungsanlagen. 104 Milliarden Euro hier, 20 Milliarden US-Dollar dort… Die Aktienkurse von Herstellern der Fertigungsanlagen wie Applied Materials schossen natürlich nach oben. Doch das Corona-Virus könnte den Investitionsplänen der Chiphersteller ein jähes Ende bereiten. Vorsicht ist daher vor allem bei Aktien der Zulieferindustrie geboten, wie eben bei Applied Materials.

So schnell die Innovationszyklen der IT-Industrie auch sind, so langfristig angelegt sind die Investitionsplanungen der Hersteller. Zwar kommen ständig, in der Regel im Jahresrhythmus, neue und schnellere Produktgenerationen auf den Markt. Doch Planung, Bau und Betrieb einer neuen Fertigungsanlage werden eher in Jahrzehnten bemessen. So investierte Intel im Jahr 2007 1,5 Milliarden US-Dollar in die Fab 11X in New Mexico, um sie auf die damals neue 45nm-Technologie umzurüsten. Diese Technik läuft dort bis heute und stellt Chips her, die nicht die neuste Fertigungstechnologie benötigen.

Bei einer so langen Betriebszeit liegt es auf der Hand, dass Investitionsplanungen nicht aufgrund einer kurzfristigen Nachfrageschwäche komplett umgekrempelt werden. Und doch gibt es ein Problem, das die Investitionsplanungen jetzt über den Haufen werfen könnte: das Coronavirus!

50% der Investitionen plante die Chip-Industrie in China – Coronavirus wird zum Problem

In den vergangenen Jahren übertrafen sich die Hersteller mit Investitionszusagen. Tsinghua: 70 Milliarden US-Dollar in drei Fabriken, davon eine in Wuhan, TSMC: 20 Milliarden US-Dollar in eine neue Fabrik, Samsung: 104 Milliarden Euro verteilt über zwölf Jahre, Intel: 20% des Umsatzes, also 20 bis 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr und noch viele andere mehr. Die für 2020 geplanten Investitionen betragen 50 Milliarden US-Dollar.

Das Problem dabei: 50% der für dieses Jahr geplanten Investitionen entfallen auf China. Die Tatsache, dass dort derzeit nur wenig gearbeitet wird, macht die Investitionsplanungen bereits zur Makulatur. Schlimmer aber noch sind die potenziellen weltwirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. Kommt es zu einem globalen Wirtschaftsabschwung, werden zahllose Unternehmen und Privatpersonen ihre Investitions- und Konsumentscheidungen überdenken. Muss es wirklich ein neuer Computer sein, ein neues Handy, ein neuer Fernseher, wenn es der alte eigentlich auch noch tut?

Dazu kommt, dass die Chiphersteller in den Vorjahren Unsummen in die Erweiterung ihrer Fabriken steckten. Die Fabriken für die Herstellung von z.B. Flashspeicher-Chips konnten nicht groß genug sein. Die Erwartung einer weitgehenden Verdrängung der klassischen Festplatte durch SSD-Laufwerke auf Basis von Flashspeicher versprach üppige Umsätze. Die stehen jedoch auf der Kippe, wenn weniger Computer gekauft werden. Die Folge wäre ein Rückfall in den Schweinezyklus der Speicherindustrie: Hohe Preise führen zu umfangreichen Investitionen in neue Fabriken (bereits gebaut), die Überkapazitäten schaffen (die drohen), die die Preise in den Keller und Unternehmen aus den Markt drücken, auf dass die Preise wieder steigen. Gehofft hatten die Hersteller in diesem Jahr auf steigende Preise durch wachsende Nachfrage.

Kommt der nächste Schweinezyklus der Chip-Industrie?

Nun steigen die Preise für Speicher zwar. Doch vor allem deshalb, weil aus Asien weniger Nachschub kommt. Doch an hohen Preisen bei kleinem Volumen verdienen die Hersteller nichts, während die Kosten der stillstehenden Fabriken weiter laufen werden. Es gibt also guten Grund anzunehmen, dass die Investitionspläne der Chiphersteller nicht in vollem Umfange ausgeführt werden. Der Aktienkurs von Applied Materials reflektiert diese Möglichkeit noch nicht. Analysten erwarten einen Gewinn von 4,17 US-Dollar pro Aktie in diesem Geschäftsjahr, deutlich mehr als im vorherigen Jahr.

Auf Basis dieses erwarteten Gewinns ist die Unternehmensbewertung sogar für US-Verhältnisse konservativ mit einem KGV von nur 15,4. Sollte der Gewinn jedoch nur auf Vorjahresniveau liegen, wären wir schon bei einem KGV von mehr als 21. Beim Beginn eines neuen Schweinezyklus‘ in der Industrie dürfte sich die aktuelle Bewertung von Applied Materials als zu hoch erweisen. Übrigens: Der Börsengang des deutschen Ausstatters von Chipfabriken, Exyte, wurde schon 2018 abgesagt, weil das Marktumfeld nicht positiv genug war für eine Platzierung an der Börse.

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Coronavirus: Stehen wir an der Schwelle zur Pandemie?

Die zuletzt pandemische Ausbreitung des Coronavirus macht nun auch die Gesundheitsbehörden immer nervöser

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Das Coronavirus verbreitet sich in immer mehr Ländern – stehen wir nun an der Schwelle zur Ausbreitung einer Pandemie? Laut der Definition, was eine Pandemie kennzeichnet, ist das wohl bereits der Fall:

„Unter Pandemie versteht man eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit beim Menschen, im engeren Sinn die Ausbreitung einer Infektionskrankheit. Im Unterschied zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt.“

Vor allem Südkorea gerät nun immer stärker in den Fokus: das Land berichtet 142 neue Infizierte an einem einzigen Tag – das ist ein Anstieg von 70% zum Vortag (und zwei Tote). In Italien sind es 15 neue Infizierte bei einem Toten – zehn Städte in der norditalienischen Lomardei sind unter Quarantäne. China selbst meldete offiziell 397 neue Infizierte (damit in China insgesamt 76288) bei 109 neuen Toten (insgesamt 2345).

Chinas hat nun bereits fünfmal die Kriterien verändert, nach denen neu Infizierte erfasst werden – das sagt alles über die Verläßlichkeit der Zahlen von durch das Coronavirus Infizierten im Reich der Mitte (siehe hierzu: „Chinas Lügen mit Zahlen“). Die Stadt Peking hat unterdessen ihre Maßnahmen weiter verstärkt – pro Wohnung werden drei „Pässe“ vergeben“, die es erlauben, den Wohungskomplex zwischenzeitlich zu verlassen – leben aber in einer Wohung vier Personen, kann eine Person nicht mehr hinaus (siehe hierzu den Bericht der CNBC-Korrespondentin Eunice Yoon aus Peking).

Coronavirus: Die Behörden werden immer nervöser

Die zuletzt pandemische Ausbreitung des Coronavirus macht nun auch die Gesundheitsbehörden immer nervöser. Bei der gestrigen Pressekonferenz der WHO sagte der Generaldirektor der Behörde Dr. Tetros, dass die Zeit davonlaufe, um eine weltweite Pandemie zu stoppen („The window of opportunity is narrowing“). Die US-Behörde für Seuchenbkämpfung CDC hält eine weitere Ausbreitung in den USA inzwischen für wahrscheinlich, wie es auf der Homepage der Behörde heißt:

„More cases are likely to be identified in the coming days, including more cases in the United States. It’s also likely that person-to-person spread will continue to occur, including in the United States.“

In Deutschland hat das „Bundesministerium für gesundheitliche Aufklärung“ (BZgA) bundesweit eine Zeitungsanzeige lanciert, wie man sich selbst und andere vor der Infektionskrankheit schützen könne.

Inzwischen wird immer wahrscheinlicher, dass das Coronavirus nicht nur sich viele Tage an Gegenständen halten kann (Bargeld, technische Geräte etc.) – sondern auch bereits genesene Patienten sich erneut infizieren können (so aktuell ein Fall in der chinesischen Provinz Sichuan).

Folgendes Video von „China in Focus“ faßt die Lage kompakt zusammen – und macht dabei auch auf die sich widersprechenden Aussagen von Behörden aufmerksam:

Das Coronavirus verbreitet sich in immer mehr Ländern

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