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60 Euro Jahresbeitrag + Kontogebühr + Kartengebühr, dafür 0% Dispo-Zinsen – diese deutsche Bank ist damit erfolgreich

FMW-Redaktion

Was in Zeiten von Negativzinsen alles möglich ist! Würden Sie freiwillig bei einer Bank bleiben, die Sie so umfangreich mit Gebühren überzieht? Sie zahlen 60 Euro „Jahresbeitrag“ (5 Euro pro Monat). Dazu zahlen Sie 3,80 Euro monatliche Kontoführungsgebühr (geht auch teurer mit 14,50 Euro). Oben drauf kostet die Bankkarte noch 15 Euro im Jahr. Diese Gebühren zahlen Privatkunden seit Anfang 2017 bei der GLS Bank. Im Gegenzug zahlt der Kunde 0,00% Zinsen bei Inanspruchnahme des Dispos. Das ist wiederum mehr als attraktiv! Dies gilt aber nur für die ersten 10.000 Euro. Bei Summen darüber zahlt man 7,31% Zinsen.

Anfang 2017 führte die GLS Bank nach demokratischer Abstimmung in der Generalversammlung dieses Gebührenmodell ein. Das war eine durchaus riskante Nummer, denn es hätte zu einer Massenflucht der Kunden kommen können bei de facto doppelter Monatsgebühr. Und wie aktuelle Zahlen zeigen, haben letztes Jahr 18.000 Kunden die Bank verlassen. Aber im gleichen Zeitraum sind 20.000 Kunden zur GLS Bank gewechselt. Erstaunlich! Es liegt wohl am totalen Nachhaltigskeitsimage der Bank (Angebot von Nachhaltigkeitsfonds etc).

Und wer bei GLS mehr als 1 Million Euro Einlagen hat (das waren letztes Jahr 126 Kunden mit 310 Millionen Euro Einlage), zahlt die 0,4% Negativzins, den die Bank als Negativzins an die EZB entrichten muss. Die Bank hat inzwischen 213.000 Kunden, und ein Kreditvolumen von 3 Milliarden Euro (+24%). Die Kundeneinlagen stiegen um 5,9% auf 4,1 Milliarden Euro, obwohl der Zins bei 0,00% liegt. Die Bilanzsumme steigt erstmals über fünf Milliarden Euro, und auch der Gewinn der Bank steigt von 6,2 Millionen Euro in 2016 auf 7,2 Millionen Euro in 2017.

Man kann sagen: Es wirkt unfassbar, dass die Bank mit diesem Gebührenmodell durchkommt. Und die Bank betont, dass der de facto Gratis-Dispo nicht übermäßig von den Kunden in Anspruch genommen wurde. Was lehrt uns das? Das nachhaltige Image bringt die Kunden dazu hohe Gebühren zu zahlen. Sozusagen für das gute Gewissen? So finanziert die Bank nachhaltige Wohnprojekte und unterstützt umweltgerechtes Bauen. Oder sind diese Daten der GLS nur ein weiterer Beweis dafür, wie verrückt diese Bankenwelt inzwischen geworden ist durch die Abschaffung der Zinsen seitens der EZB?

Der Kunde scheint immer mehr und immer höhere Gebühren zu akzeptieren – weil ja eh alle Banken ihre Gebühren anheben.


Thomas Jorberg, Chef der GLS Bank. Bild: Martin Steffen/GLS Bank / Lizenz: CC BY-NC-ND



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1 Kommentar

  1. Bei der GLS ist nicht nur das Image positiv, sondern auch:
    – die Expertise (es ist schon ein Unterschied, ob man Erneuerbare-Energien oder Bio-Lebensmittel schon seit Jahren begleitet oder ob man sich nur mal schnell ein grünes Poster an die Wand hängt),
    – die Transparenz: alle GLS-Kreditnehmer werden veröffentlicht (!), und die GLS-Kunden wissen, was die Bank mit ihren Geldern alles anfängt. (Im Gegensatz dazu würden viele Sparkassen- und VB-Kunden vermutlich staunen, wenn sie erfahren würden, was mit ihren Einlagen für Sauereien finanziert werden).

    Mitgliederzeitschrift, Veranstaltungen und Stiftungen der GLS vernetzen die Ökopax-Szene, dh. die GLS-Bank erbringt für ihre Klientel Leistungen, die übers Banking hinausgehen – und offensichtlich auch honoriert werden.

    Ich selbst gehöre trotzdem zu den GLS-Flüchtern: Ich benötige keine Bank-Dienstleistungen der GLS und sehe nicht ein, wieso ich für ein bloßes Investment auch noch zahlen soll.

    Wer „grünes“ Banking allein unter finanziellen Gesichtpunkten sehen will, ist mit Anteilscheinen der holländischen Triodos-Bank möglicherweise besser bedient als mit der GLS (ursprünglich als „Gemeinschaftsbank für Leihen und SCHENKEN“ gegründet, also gar nicht als „normales“ profitorientiertes Finanzinstitut gedacht).

    Beste Grüße
    Martin Ebner
    http://martin-ebner.net/topics/money/alternative-banken/

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