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Hauspreis- und Kreditblase in den USA: Immer kräftig Schulden machen, alles wird gut

FMW-Redaktion

Man kennt das Prinzip aus angelsächsischen Ländern, das vor allem in Australien extremst praktiziert wird. Ein Eigenheimbesitzer, der das Haus ganz normal mit monatlichen Kreditraten abbezahlt, lässt sich auf das Haus noch einen zusätzlichen Kredit geben mit einer Cash-Auszahlung. Für Konsum, Urlaub, oder um damit noch eine weitere Immobilie zu erwerben, für die man einen gewissen Eigenkapital-Anteil vorweisen muss.

So wird die Kredit-Pyramide immer größer und wackliger. Alles hängt an den Hauspreisen und den Zinsen. Fallen die Preise, und steigen die Zinsen, ist die Katastrophe absehbar, so wie es 2007 geschah. Laut der Kreditrating-Agentur Equifax hatten sich die US-Amerikaner im Jahr 2007 mit dem Spitzenwert von 110 Milliarden Dollar in nur einem Quartal Cash-Kredite auszahlen lassen, mit dem bestehenden Haus als Sicherheit.

In den folgenden drei Jahren nach dem totalen Zusammenbruch des Marktes sank dieser Wert für mehrere Jahre auf unter 20 Milliarden Dollar neuer Kredite pro Quartal. Seitdem die US-Konjunktur dank abgeschaffter Zinsen immer besser lief, stieg diese Summe pro Quartal wieder seit 2012, um mit 46 Milliarden Dollar im letzten Quartal (+8%) einen Höchstwert seit dem Jahr 2008 zu erreichen, also kurz nach dem Zusammenbruch des Marktes.

Also kann man sagen: Bis zum Erreichen alter Höhen ist es noch ein gutes Stück, aber man ist auf dem „richtigen Weg“. Um es vereinfacht auszudrücken: Hausbesitzer benutzen ihr beleihbares Haus als Geldautomat, wenn man Cash braucht, auf andere Art und Weise aber keines erhält. Gegenüber dem „WSJ“ erklärt es ein Banker der TD Bank so. Kunden nehmen Kredite auf mit ihren Häusern als Sicherheit, wenn sie erstens daran glauben, dass die Hauspreise stabil sind, oder sogar noch weiter steigen.

Und zweitens müssen sie daran glauben, dass ihre Job-Aussichten gut sind. Und genau das sehe man derzeit, Optimismus bei den Hauspreisen und bei den Jobs. Laut der „National Association of Realtors“ sind die Preise existierender Häuser in den USA im Juni auf einen Rekordwert von im Schnitt 263.800 Dollar gestiegen. Und da will mal jemand behaupten, dass es keine neue Blase am US-Immobilienmarkt gibt..

Befeuert wird das von den abgeschafften Zinsen. Wenn sie jetzt weiterhin unten bleiben, wird alles nur noch schlimmer. Denn die Konditionen bleiben günstig, und der Optimismus wächst weiter. Der weltweit anerkannte und viel beachtete „Case Shiller National Home Price Index“ für Hauspreise in den USA liegt mit einem Wert von 190 jetzt schon leicht über dem Höchstwert der Finanzkrise 2007. Vielleicht ist diesmal der Auslöser der nächsten großen Krise nicht ein einzelner Sektor, sondern die Kombination aller Sektoren.

Kreditkartenschulden, Autoschulden, Studentendarlehen, alles steigt und steigt in den USA. Weil man der Meinung ist, dass die „neuen Regularien“ die Finanzbranche sicherer gemacht haben, glaubt man nun der Zusammenbruch könne sich nicht wiederholen. Warum eigentlich glaubt man das? Der Mensch macht nun mal immer wieder die selben Fehler!


Typisch amerikanisches Haus. Foto: BrendelSignature / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)



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