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Britisches Pfund im Fegefeuer des Brexit-Chaos: Warum Theresa May plötzlich nach Brüssel fliegt

Theresa May reist heute Abend außerplanmäßig nach Brüssel um dort Jean-Claude Juncker zu treffen, und das vier Tage vor einem wichtigen EU-Gipfel. Die britische Regierung behauptet der Besuch heute stehe...

FMW-Redaktion

Theresa May reist heute Abend außerplanmäßig nach Brüssel um dort Jean-Claude Juncker zu treffen, und das vier Tage vor einem wichtigen EU-Gipfel. Die britische Regierung behauptet der Besuch heute stehe schon lange fest. Aus Brüsseler Beamtenkreisen heißt es aber, dass Theresa May sich bei Jean-Claude Juncker spontan selbst eingeladen habe.

Es brennt wohl licherloh, und kaum einer scheint es so richtig merken zu wollen. In den Verhandlungen geht nichts so richtig voran. Die Angst ließ nach Angaben aus Trader-Kreisen heute am frühen Nachmittag den Euro gegen das Pfund plötzlich über die 0,89-er Marke springen. Im Hauptwährungspaar Pfund vs US-Dollar fiel die Bewegung gegen das Pfund noch etwas deutlicher aus.


Euro vs Pfund seit heute früh.

Die Angst ist da, aber immer noch nicht wirklich greifbar. Was, wenn die Briten überhaupt nichts hinbekommen, weil sie selbst nicht wissen, wie sie aus der EU ausseigen sollen? Warum aber reist May so überraschend nach Brüssel? Nun, von der (inzwischen arg gelangweilten?) europäischen Öffentlichkeit unbemerkt hatte letzte Woche der Chefunterhändler der EU für den Brexit Michel Barnier erklärt, dass aus seiner Sicht die ersten fünf Verhandlungsrunden mit London erfolglos waren.

Daher könne er den Staats- und Regierungschefs der EU nicht empfehlen mit den Briten den wichtigsten Verhandlungspunkt zu eröffnen, nämlich die Gespräche über künftige Handelsbeziehungen zwischen EU und UK. Für diese Gespräche sei es viel zu früh, denn bisher sei noch nicht einmal geklärt worden, welche Rechte EU-Bürger ab 2019 in Großbritannien haben werden. Ebenso sei laut Barnier immer noch völlig ungeklärt, wie die EU-Außengrenze auf der irischen Insel aussehen werde, und wie viel die Briten nun als Abstandszahlung nach Brüssel überweisen.

Es scheint eigentlich überhaupt noch nichts klar zu sein. Den Briten aber ist vor allem wichtig, dass sie auch nach dem Brexit zollfrei mit dem EU-Binnenmarkt handeln können. Wenn Ende der Woche in dieser Frage beim EU-Gipfel klar wird, dass diese Frage weit in die Zukunft verschoben werden muss, könnte das heftige Schwankungen im Pfund mit sich bringen. Je länger all das dauert, desto schlechter wird die Verhandlungsposition der Briten. May scheint noch schnell mit Juncker klären zu wollen, dass man doch mit den Handelsgesprächen beginnen könne. Ein klitzekleiner Vorgeschmack auf mögliche weitere Verwerfungen im Devisenhandel war dieser heutige Bewegung – es war eher ein kleines Zucken. Für Forex-Trader ist das für die nächsten Tage und Wochen ein interessantes Szenario, wenn auch mit unzähligen Variablen behaftet.



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1 Kommentar

  1. Am Donnerstag lag der Kurs bereits deutlich über 0.903, bevor in einer mir unerklärlichen spontanen Rückwärtsbewegung die 0.89 überhaupt wieder ins Spiel gebracht und in den Folgetagen dann noch deutlich unterschritten wurden. Diese Marke war seit etwa 10 Tagen kein Thema mehr.
    Die Verwerfungen im Devisenhandel sind derzeit ohnehin noch viel zu Cable-freundlich, aber Börsen haben ja bekanntlich eine eigene „Logik“ und brauchen immer etwas länger, bis sie komplettes Versagen einzupreisen wissen.

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