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Leinen los für eine noch stärkere Explosion der US-Staatsschulden – wir haben da eine Idee, wer sie finanzieren wird

Im Fiskaljahr 2017, das in den USA bereits endete, hat die US-Regierung 666 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als eingenommen. Diese Differenzsumme (Defizit) muss folglich über neue Schulden…

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FMW-Redaktion

Im Fiskaljahr 2017, das in den USA bereits endete, hat die US-Regierung 666 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als eingenommen. Diese Differenzsumme (Defizit) muss folglich über neue Schulden finanziert werden. Die bevorstehende Steuerreform von Donald Trump, die eher als große Steuersenkung in die Geschichte eingehen wird denn als Reform, dürfte dieses Defizit in ungeahnte Höhen katapultieren.

Wie viele „Freidenker“ in der Geschichte denken zahlreiche Republikaner wie auch ihr Präsident. Senken wir massiv die Steuern, werden die Amerikaner das zusätzliche Geld in der Tasche in den Konsum pumpen. Auch die Unternehmen werden dank drastisch geringerer Steuern deutlich mehr investieren und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. All das lässt das Steueraufkommen so weit ansteigen, dass der vorige Steuerausfall kompensiert wird, und vielleicht sogar noch mehr Steueraufkommen entsteht als vorher.

Hier die gestern präsentierten Kernpunkte der US-Steuerreform.

So weit die Theorie. Es gibt aber noch kein Beispiel in der Geschichte der Menschheit, wo solche massiven Steuersenkungen die Steuerausfälle letztlich durch mehr wirtschaftliche Aktivität kompensiert hätten. Eine wunderschöne Theorie, die aber nur eine schöne Illusion ist. Also: Die US-Staatsschulden werden nach allem menschlichem Ermessen noch viel schneller explodieren, als sie das ohnehin schon tun. Denn alleine in den letzten sieben Wochen stiegen sie um 610 Milliarden Dollar.

Inzwischen ist die US-Staatsverschuldung bei 20,45 Billionen Dollar angekommen. 5,6 Billionen Dollar davon sind sogenannte „Intragovernmental Holdings“, also wo der Gläubiger eine staatseigene Institution der USA ist wie zum Beispiel die Notenbank „Federal Reserve“. Von den verbleibenden 14,8 Billionen Dollar werden ca 6,3 Billionen US-Dollar Volumen von ausländischen Gläubigern gehalten. Und unsere Vermutung lautet: Vor allem die ausländischen Gläubiger werden die Trump-Träume von niedrigeren Steuern finanzieren, also wir alle (Europäer, Araber, Asianten etc). Denn die US-Schulden sind breit gestreut auf dem Planeten (siehe folgennde Grafik mit aktuellstem Stand August). China und Japan sind mit Abstand die größten Gläubiger mit jeweils mehr als 1 Billionen Dollar.

In der folgenden Grafik sieht man den dramatischen Anstieg der US-Staatsverschuldung, die sich in den acht Obama-Jahren verdoppelte. Trump gibt Vollgas. Mit seinen Steuersenkungen wird er wohl kaum eine Verdopplung von 20 auf 40 Billionen Dollar schaffen, aber wahrscheinlich hat er ja auch keine acht, sondern nur vier Jahre Zeit (also ein unfairer Vergleich zu Obama). Wie stark genau das jährliche Defizit nach dieser massiven Steuersenkung wächst, wissen wir nicht. Man kann nur mutmaßen, dass es weit über 1 Billion Dollar pro Jahr steigt, und damit auch die jährliche Neuverschuldung des Staates. Wer zahlt das? Wir vermuten wie gesagt, dass es vor allem die ausländischen Gläubiger sein werden.

Warum werden die wohl besonders scharf auf diese zusätzlichen Schuldtitel sein? Nun, in den USA ist die Zinswende längst am Laufen. Die nächste Zinsanhebung steht wohl schon im Dezember an, und in 2018 geht es aller Voraussicht nach weiter. Damit werden US-Schulden gerade stetig attraktiver im Vergleich zu Staatsschulden aus Euroland, aus der Schweiz, Japan usw, wo die Zinsen noch lange Zeit bei Null oder sogar im Minus kleben bleiben. Also, alles auf, lasst uns Trump´s Steuersenkungen finanzieren!?


Die US-Staatsverschuldung von 1980 bis November 2017. Ein Anstieg von 900 Milliarden auf 20,45 Billionen US-Dollar.

14 Kommentare

14 Comments

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    Feldmaen

    3. November 2017 10:35 at 10:35

    Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse ergeben sich daraus ein paar Ungereimtheiten. Durch die Steuersenkung soll die Binnennachfrage angekurbelt werden und das Außenhandelsdefizit gesenkt werden. Das bedeutet es fließen weniger Dollar von den USA ins Ausland. Des Weiteren sollen im Ausland geparkte US Dollar zurück in die USA fließen. Darüber hinaus soll die Staatsverschuldung gegenüber dem Ausland steigen, d.h. noch mehr Dollar nach Amerika zurückgehen. Würde das nicht innerhalb der USA höchst inflationär und für den Rest der Welt deflationär wirken? Oder habe ich einen Denkfehler? Irgendwo müssen die Dollars doch herkommen, wenn die FED sie schon nicht mehr drucken will und ihr Bilanz reduziert. Und dann noch eine Zinswende? Das passt doch alles nicht zusammen, aber vielleicht kann mich jemand aufklären!

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      Markus Fugmann

      3. November 2017 10:39 at 10:39

      @Feldmaen, das ist richtig! Die Dollars würden aus dem „Rest der Welt“ abgesaugt und in die USA „hineingesaugt“ – inflationär für die USA, deflationäre für die Anderen! Aber: so wie es aussieht, ist die Sache die, dass die Steuern von 12% auf Auslands-Dollars anfallen, unabhängig davon, ob diese Dollars in die USA transferiert werden oder eben nicht – und ich habe das Gefühl, dass die Wall Street das irgendwie so nicht wahrgenommen hat..

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      Gerd

      3. November 2017 11:03 at 11:03

      „Durch die Steuersenkung soll …das Außenhandelsdefizit gesenkt werden.“

      Glaube ich nicht, dass das die Absicht sein soll. Da sehe ich, wenn überhaupt, den Wirkungsmechanismus genau anders herum.

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        Feldmaen

        3. November 2017 11:11 at 11:11

        @Gerd, können sie das weiter Erläutern?

        • Avatar

          Gerd

          3. November 2017 13:45 at 13:45

          Feldmaen, bin wieder da.
          Warum ich das nicht glaube. Gerne versuch ich zu erläutern.

          Die Kurzform:
          Der erste Teil des Satzes lautete: „Durch die Steuersenkung soll die Binnennachfrage angekurbelt werden….“
          Durch Ankurbelung der Binnennachfrage kann in der Regel ein ExportÜBERSCHUSS verringert werden. Der Output der Unternehmen kann weg vom Ausland hin zu den im eigenen Land Nachfragenden geleitet werden. Also kann genau das nicht der Königsweg für die USA sein.

          Die ausführlichere Erklärung:
          a) Das Außenhandelsdefizit wollte Trump ursprünglich u.a. mittels Verhängung von Importzöllen in den Griff kriegen. Er bemängelte zudem unfaire Handelspraktiken und auf Europa/Deutschland bezogen einen zu niedrigen Eurokurs. Nicht über die Binnenkonjunktur.

          b) Ausführlicher
          Weil es fast allen bekannt ist, erläutere ich es an einem Land, wo die Verhältnisse andersherum sind.
          Der (für Deutschland) zu niedrige Eurokurs sowie die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft sind (außer, dass wir natürlich die besten Produkte auf der ganzen Welt produzieren) Ursache für unseren Handelsbilanzüberschuss.

          Um den abzubauen, wird Deutschland immer wieder von vielen offiziellen Seiten (von außerhalb und auch von innerhalb) aufgefordert, den deutschen Verbrauchern mehr Geld zum Konsumieren zu belassen. Zum Beispiel durch höhere Löhne. Aber auch durch Steuersenkungen. Weil das nämlich über den Verbrauch die Binnenkonjunktur ankurbeln soll. Zur Ankurbelung der Binnenkonjunktur gehört auch die Forderung an die öffentliche Hand, endlich die notwendigen und längst überfälligen Infrastrukturmaßnahmen anzugehen. Der Bagger und sonstwas, den z.B. Liebherr in Deutschland für derartige Maßnahmen verkaufen kann, muss nicht in die USA verkauft werden – und den Erlös hat das Unternehmen trotzdem.
          Nebenbei kann der Deutsche bei brummender Binnenkonjunktur und mit mehr Geld in der Tasche dieses zusätzlich auch in anderen Ländern ausgeben (und sei es für Urlaub), was sich wiederum senkend auf den Handelsbilanzüberschuss auswirkt – und bei den begünstigten (Urlaubs)Ländern zu einer Senkung des Defizits.
          .
          Nun muss man das ganze auf den Kopf stellen, dann erhält man das ungefähre Resultat für die USA:

          Aus USA-Perspektive bewirkt eine Belebung der Binnenkonjunktur demnach keine Verringerung ihres Handelsbilandefizits. Wenn, dann eine Verschlechterung.

          Da zudem die anderen Maßnahmen, insbesondere auch die Kapitalrückholung, in der Tendenz einen höheren Dollarkurs zur Folge haben, verschlechtern sich die Exportaussichten der USA sogar.

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            Feldmaen

            3. November 2017 17:08 at 17:08

            Jetzt verstehe ich sie, so hab ich es nicht gesehen. Mein Gedanke war, dass die erhöhte Binnennachfrage dazu führt, das weniger Produkte aus dem Ausland importiert werden. Das ist natürlich nicht richtig, denn das passiert nur wenn das Angebot im Binnenmarkt steigt und die Nachfrage bedienen kann, somit weniger Produkte aus dem Ausland eingeführt werden müssen. Das wird aber bei den billigen Produkten aus dem Ausland, im Vergleich zu USA, wohl kaum passieren. Also führt die Rückführung des Dollars über kurz oder lang dazu, dass das Handelsdefizit der USA weiter ansteigt. Bin mal gespannt!

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            Gerd

            3. November 2017 19:23 at 19:23

            Ihr Gedanke ist ja so verkehrt gar nicht. Wenn man nicht nur die Binnennachfrage stärkt sondern den gesamten Binnenmarkt, also auch die Angebotsseite wettbewerbsfähig macht, könnte eine Volkswirtschaft im Prinzip sogar ohne Außenbeiträge auskommen. Das heißt, es müsste auch nichts importiert werden, was überhaupt zu einem Defizit führen könnte.

            Eines noch im Blick halten. Alle Aussagen beziehen sich meistens jeweils auf einen für sich allein betrachteten Parameter. Unter der Bedingung, dass alle anderen unverändert bleiben (ceteris paribus).

            Im Zusammenwirken kann das Ergebnis abweichend sein.
            Also. „…Rückführung des Dollars (führt) über kurz oder lang dazu, dass das Handelsdefizit der USA weiter ansteigt.“ Die Aussage ist zu gewagt.

            Wenn man den einzelnen Parameter „Devisenkurs“ für sich allein anschaut, würde ein steigender Dollar wegen der nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produkte aufgrund des Umrechnungskurses zu einer Ausweitung des Defizits führen. Das wars aber auch schon.

            Ob aber der Dollar im Zusammenspiel mit den amderen Parametern wegen der Dollarrückführung überhaupt so deutlich steigt, ist noch offen. Vielleicht wirken weitere, jetzt nicht erkennbare Ereignisse dem Dollaranstieg von vornherein entgegen.
            Und wiederum zusätzlich ergänzende Maßnahmen überkompensieren evtl. den Nachteil aus dem Dollaranstieg. Etwa Einfuhrzölle, und seien sie auch gering, um niemand zu verschrecken.

            Aber auch eben eine steigende Binnennachfrage muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass Amerika (noch) weniger ins Ausland exportiert und deshalb das Handelsbilanzdefizit vorhersehbar steigt. Nur, dass es deshalb sinkt, halte ich (ceteris paribus) für unwahrscheinlich. Aber das will Trump damit sicherlich auch nicht erreichen.

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    Schnutzelpuh

    3. November 2017 12:42 at 12:42

    Aber nach Trump lebt ja die ganze Welt auf Kosten der USA. Was ist jetzt richtig?

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    Günther

    3. November 2017 13:13 at 13:13

    Hallo,
    ich will ja hier nichts mieß machen aber:
    Als Bush in der Finanzkrise 2008 die hälfte der Staatsschulden hatte wurde auch schon geschrieben das geht nicht mehr weiter – heute sieht man es ging.
    Anscheinend ist da immer noch Luft nach oben – wer weiß wie lange.
    MfG

  4. Avatar

    V

    3. November 2017 14:04 at 14:04

    Ihr Pfeil ist zu flach! Er muss höher zeigen, denn Zins- und Zinseszinseffekt ergibt eine Exponentialkurve!

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    Columbo

    3. November 2017 16:30 at 16:30

    Hat nicht Herr Riße hier mal gesagt, Staatsschulden in eigener Währung seien keine Schulden?

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    Herr Schröder

    3. November 2017 16:54 at 16:54

    Die FED kann so viel sie will und so oft sie einfach neue Dollars drucken.

    Wäre ein Defizit wirklich ein Problem hätten es die Märkte längst signalisiert.

    Man kann ja auch immer schön sehen, wie der Yen als safe haven genutzt wird und die Japsen haben eine BIP Defizit von >200%

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    Gerd

    3. November 2017 20:02 at 20:02

    Feldmaen, je öfter ich mir Ihren Satz im Eingangskommentar auf der Zunge zergehen lasse, um so mehr gelange ich zu der Auffassung, dass Sie das Richtige gemeint haben könnten. Mit den Steuersenkungen sollen (mindestens) zwei separate Ziele erreicht werden

    Klaro, er will die Binnennachfrage ankurbeln. Das war ihr erster Halbsatz.
    Und mit den Steuersenkungen, welche auf die Unternehmen entfallen, zielt er nicht als erstes auf die Erhöhung derer Gewinne ab – nein, er will sie dadurch wettbewerbsfähiger machen, dem Inland und dem Ausland gegenüber. Und das wiederum könnte das Defizit senken. Genau das sagen Sie ja mit Ihrem zweiten Halbsatz, selbst wenn Sie die Unternehmen nicht konkret erwähnten.

    Ich hatte Ihren Satz fälschlich so verstanden, als wenn er über die Steuersenkungen die Binnennachfrage stärken wollte und mittels derer dann das Handeslbilanzdefizit senken.

    Sorry, ich glaube, ich schreibe eventuell wirklich zuviel.
    Aber ein angenehmes Wochenende wünsche ich Ihnen

    • Avatar

      Michael

      3. November 2017 21:22 at 21:22

      Und mit den Steuersenkungen, welche auf die Unternehmen entfallen, zielt er nicht als erstes auf die Erhöhung derer Gewinne ab – nein, er will sie dadurch wettbewerbsfähiger machen, dem Inland und dem Ausland gegenüber.
      Das mag als schöne volkswirtschaftliche Theorie funktionieren. Es mag auch Trumpies Intentionen entsprechen. Aber funktioniert das so in der Praxis? Würden die Unternehmer die niedrigeren Steuern wirklich für Preissenkungen nutzen, denn nur die machen sie wettbewerbsfähiger? Oder für Investitionen in effizientere Technik ( = mehr Produktion zu gleichen Kosten oder gleiche Produktion zu noch weniger Kosten). Oder würden sie gar freiwillig ihren Arbeitern und Angestellten höhere Löhne und Gehälter bezahlen? Oder einfach nur in den oberen Etagen absahnen, um noch reicher zu werden?
      Die Möglichkeiten sind vielschichtig und ambivalent. Ich würde hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit jedoch eher die primitivste davon bevorzugen, die egoistische Gier nach noch mehr persönlichem Reichtum. Also Gewinnmaximierung…

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Coronavirus: Trumps Leichtsinn schwächt die USA, Vorteil China

Das Coronavirus als „Schwarzer Schwan“ und Donald Trump dürften den Wirtschaftsaufschwung Chinas zur Nummer eins der Welt ungewollt befördert haben. .

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Das Coronavirus hat die USA mit aller Macht erreicht: Die Infektionszahlen schießen derartig in die Höhe, dass der Ausbruch in anderen Ländern (Ausnahme Italien, Spanien) vergleichsweise harmlos erscheint. Wie auch von US-Wissenschaftlern festgestellt, trägt daran auch Donald Trump, der anfängliche Totalverharmloser, ein gerüttelt Maß an Mitschuld.

Doch auch andere Folgen werden für die Wirtschaftsmacht USA deutlich spürbar werden. Der dauerhafte und absolut undiplomatische Handelskrieg mit China führt mit dem längeren Ausfall Amerikas als Handelspartner zu einer Entwicklung, die Donald Trump ungewollt mitbefeuert hat. Das Bestreben Asiens von den USA wirtschaftlich unabhängig zu werden und eigene Lieferketten aufzubauen, innerhalb der Asean-Staaten.

Das Versäumnis Trumps und die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus

Die Aussage von Donald Trump am Mittwoch, dass man mit 100.000 bis 240.000 Toten infolge des Coronavirus rechnen müsse, hätte bei einem Eintreffen für die Führungsnation der Welt schockierende Konsequenzen. Denn das würde bei einer Letalitätsrate von 1 bis 5 Prozent bedeuten, dass sich zwischen zwei und 24 Millionen US-Bürger mit dem Virus infizieren müssten. Ein Mehrfaches aller Infektionen, wie sie aktuell in den fast 200 betroffenen Ländern der Welt aufgetreten sind. Und ein totaler Zusammenbruch der US-Gesundheitsystems, denn die Vereinigten Staaten haben keine 100.000 Beatmungsgeräte – eine Zahl, die fast der gesamten jährlichen Weltproduktion dieser Notfallgeräte entspricht. Deshalb haben die Berater die von ihm gemachten Angaben gleich etwas relativiert. So kann man auch maximale Panik schüren.

Der exponentielle Anstieg von Infektionen und Krankheitsopfer ist tatsächlich eine schreckliche Kurve. Hierzu nur die Zahlen der letzten zehn Tage:

22.März: 38757 Infizierte, 400 Verstorbene, 178 Genesene

29.März: 133.094 (I), 2363 (V), 4378 (G)

2.April: 240.064 (I), 5800 (V), 10.360 (G)

Da kann man nur hoffen, dass die Verdoppelungszeit von 5,5 Tagen rasch ansteigt, ansonsten hätte man schon vor Ende April die Millionengrenze überschritten.

Unglaublich sind insbesondere die Zahlen aus dem Staat New York. Die Region um die Finanzmetropole hatte bereits gestern mehr mit dem Coronavierus Infizierte als man (offiziell) aus dem 1,4 Milliarden-Land China insgesamt gemeldet hat. Und dabei ist man in der Stadt der „Skyscraper“ noch nicht über dem Berg. Gerade in dieser Stadt, die niemals schläft, ist „Social Distancing“ auf Dauer kaum zu realisieren. Hier zeigt es sich besonders, wie brutal eine nicht beachtete Infektionswelle in dicht besiedelten Großstädten zuschlägt.

Die Patienten Null in Südkorea und den USA

Es ist tatsächlich ein Zufall, aber einer mit sehr unterschiedlichen Folgen: Am 19.Januar landeten in Südkorea (Flughafen Incheon) und in den USA (Seattle) zwei Personen, die aus Chinas Wuhan kommend, Grippesymptome aufwiesen. Die chinesische Frau in Südkorea und der Amerikaner im Staat Washington waren die ersten mit dem Coronavirus Infizierten in ihren Ländern. Man reagierte unterschiedlich auf die Patienten Null. In Südkorea, mit Erfahrungen aus der Sars-Epidemie, begann man sofort mit Testungen und all den beschriebenen Maßnahmen und hat zwei Monate später den Ausbruch der Lungenkrankheit weitgehend unter Kontrolle. Obwohl eine 61-jährige Frau aus einer kirchlichen Sekte als Superspreader 1000 Menschen infiziert hatte. Bisherige Bilanz Südkoreas:

10.062 Infizierte, 174 Verstorbene und derzeit noch 3867 aktive Fälle.

In den USA wurde erst zwei Monate später mit den Tests in größerem Umfang begonnen. Eine kleine Ewigkeit, in der sich das Virus im ganzen Land ausbreiten konnte, mittlerweile gibt es fast keinen Bundesstaat ohne Fälle von Coronavirus.

Zwar hatte Präsident Trump ab dem 31. Januar ein Flugverbot für China erteilt, aber das Virus war schon im Lande und die Folgen bekommt ganz besonders New York zu spüren. Eine extrem pulsierende, dicht bewohnte Stadt, in der eine solche Infektion unglaublichen Nährboden findet. Am 1.März wurde der erste Fall in New York festgestellt, ausgerechnet eine Flugreisende aus dem Iran. Der zweite Fall, ein Anwalt aus Winchester, war ein Inländer, der das Land nicht verlassen hatte.

Mittlerweile sind neben New York die Regionen um Detroit, Chicago, Los Angeles, New Orleans, Boston und Miami die größten Hotspots in Sachen Coronavirus.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Heiko Thieme und der Tiefpunkt im Dax bei 8.250 Punkten

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Das Coronavirus schüttelt die Börsen durcheinander - Dax Tief bei 8.250?

Über 10 Millionen Amerikaner haben sich binnen 2 Wochen arbeitslos gemeldet! Das ist eine extrem schnelle Entwicklung, die gestern sogar die schlimmsten Analystenerwartungen übertroffen hat. Manuel Koch hat im folgenden Video auch mit Marcel Fratzscher vom DIW gesprochen. Man müsse ehrlich sagen, dass die Wirtschaftsforscher Szenarien vorrechnen und keine verlässlichen Prognosen abgeben könnten, so Fratzscher. Drei Varianten für den Verlauf der aktuelle Krise gäbe es.

Auch interviewt Manuel Koch im Video den als gnadenlosen Optimisten bekannten Börsianer Heike Thieme. 8.250 Punkte sei der Tiefpunkt im Dax in diesem Crash, so Thieme. Beim Dow läge das Tief bei 18.200 Punkten. Gehe man nach dem Buchwert, dann sei der Dax jetzt sehr preiswert. Setze nicht Mitte des Jahres ein Erholungstrend ein, dann müsse man umdenken – so lässt Heiko Thieme sich also noch eine Option offen, falls es doch noch tiefere Tiefs gibt? Denn, so sagt er auch, dies sei derzeit eine völlig neue und unbekannte Phase in der Börsenwelt.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei konkrete Tradingideen. Es sind die Top-Empfehlungen der trading-house Börsenakademie. So wird die Aktie von Adidas zum Kauf empfohlen mit dem Instrument einer Stop Buy Order. Ebenso ist man für Gold optimistisch. Auch hier wird ein Kauf mit einer Stop Buy Order angeraten.

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Vapiano, Maredo, Esprit, Kaufhof-Karstadt – die Lawine beginnt zu rollen

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Vapiano, Esprit, Maredo - bei vielen Unternehmen sieht es düster aus

Ob man es nun Insolvenz nennt, oder ob es das Schutzschirmverfahren ist, welches auch vor den Gläubigern schützt. Die Lawine der kaputten Unternehmen beginnt nun zu rollen. Sie bringt wohl Arbeitsplatzverluste und auch ausgefallene Kredite zwangsläufig mit sich – ob nun ganz oder teilweise, wird man sehen. Auffallend ist, dass man jetzt gerade von den Unternehmen hört, die schon vor der Krise auf wackligen Füßen standen. Man kann also sagen: Wem es eh schon schlecht ging, der hat in Sachen neue Bankkredite in der Coronakrise ganz schlechte Karten. Dazu zählen Namen wie Vapiano, Esprit etc.

Aber halt. Sogenannte Zombieunternehmen müssten doch gerade jetzt gute Chancen haben an Geld zu kommen, wo die Staatsbank KfW doch jetzt gigantische Milliardenbeträge verteilt? Tja, Voraussetzung für diese Kredite ist aber, dass man vor der Krise als Unternehmen gesund war. Und außerdem verbleiben 10 Prozent des Kreditausfallrisikos bei der Hausbank, wo man diese KfW-Kredite als Kunde beantragen muss. Und genau das wird der Grund sein, warum einige Unternehmen gerade jetzt pleite gehen. Sie waren vorher schon angeschlagen, und an diese tollen Coronakrisen-Rettungsgelder der KfW kommen sie nicht ran, weil die Banken mit haften müssten. Würde der Staat auf 100 Prozent Haftung raufgehen, könnten womöglich auch die Zombieunternehmen weiterhin Kredite erhalten?

Vapiano

Nun sehen wir binnen weniger Tage viele bekannte Marken den Bach runtergehen. Die Restaurantkette Vapiano hat gestern Insolvenz angemeldet (Details siehe hier). Man habe keine Lösung für den zuletzt aufgrund der COVID-19 Krise nochmals signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf von 36,7 Millionen Euro finden können. Auch konnte man keine Einigung mit Banken und wesentlichen Aktionären über die Beiträge zur angestrebten umfassenden Finanzierungslösung erzielt werden. Mangels Einigung über eine solche Finanzierungslösung können auch die in Aussicht stehenden Finanzmittel aus staatlichen COVID-19 Unterstützungsprogrammen nicht beantragt werden, so die Mitteilung.

Esprit

Das Modeunternehmen Esprit verkündete am letzten Wochenende für mehrere deutsche Tochtergesellschaften das sogenannte Schutzschirmverfahren. Gläubigerschutz ja, aber noch keine offizielle Insolvenz! Man wolle einer Zahlungsunfähigkeit aktiv zuvorzukommen, so Esprit. Wie auch Vapiano kränkelt Esprit schon einige Zeit vor sich hin. Auszugsweise hier Wortlaut von Esprit: Im Rahmen des Schutzschirmverfahrens, das mit dem Verfahren nach Chapter-11 in den USA vergleichbar ist, wird Esprit Verbindlichkeiten und langfristige Mietverträge neu strukturieren. Das Management Team der deutschen Esprit Gesellschaften, die aktuell zahlungsfähig sind und freiwillig die Schutzschirme beantragen, wir die Finanzierung der Gehälter für seine in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter durch staatliche Beihilfe absichern.

Galeria Kaufhof Karstadt

Über Galeria Kaufhof Karstadt berichteten wir bereits gestern. Das Unternehmen geht wie Esprit in das Schutzschirmverfahren. Und auch hier das selbe. Der Kaufhausbranche geht es seit Jahren schlecht. Man versucht sich immer weiter gesund zu schrumpfen mit Standortschließungen, Mitarbeiter mussten jahrelang verzichten. Aber nie trat eine wirkliche Gesundung ein. Zwar habe man sich in den vergangenen Wochen bereits um staatliche Hilfen bemüht. Doch habe sich eine Einigung mit den Banken schwieriger als erhofft erwiesen, so das Unternehmen. Der Prozess, in dem die Banken eine entscheidende Rolle spielen (Ausfallgarantie nur zu 90% von KfW), sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit.

Maredo

Die Steakhauskette Maredo hat am 23. März die Insolvenz verkündet. Es werde geprüft, ob die Geschäftsführung Staatshilfe erhalten könne. Aktuell hört man auszugsweise aus einer Pressemitteilung zur Bestellung des vorläufigen Sachwalters: Die eigenverwaltende Geschäftsführung sowie der vorläufige Sachwalter sind sich darüber einig, dass diese Vorgehensweise derzeit den bestmöglichen Rahmen für eine Sanierung von Maredo abbildet. „Maredo ist sichersanierungswürdig“, erklärt Klaus Farrenkopf, seit Juli 2017 Geschäftsführer der Maredo Holding GmbH. „Sobald die Situation es zulässt, werden wir die Restaurants wieder öffnen. Aufgrund der aktuellen Informationslage hoffen wir, dass dies ab Mai 2020 wieder der Fall sein kann. Für die Phase, in denen die Restaurants geschlossen sind, können die Leistungen des Kurzarbeitergeldes in Anspruch nehmen“.

Alitalia

Und noch ein Paradebeispiel eines Zombieunternehmens! Schauen wir nach Italien. Seit Jahren ist die italienische Fluggesellschaft Alitalia ein Zombie. Nur Verluste, Verluste, Verluste. Mit privaten Kaufinteressenten konnte man sich nie einigen, also musste die Alitalia seit Jahren mit immer neuen Notkonstruktionen und Notkrediten versorgt werden. Die Gewerkschaften blockierten Sanierungspläne. Die Regierung in Rom Mitte verkündete am 17. März Alitalia verstaatlichen zu wollen. Dazu wird es frische 500 Millionen Euro an Cash geben. Laut airliners.de hat der italienische Steuerzahler in den letzten zwölf Jahren bereits 12 Milliarden Euro in die Airline gepumpt. Und nun, wo sie in Staatsbesitz übergeht, dürfte diese Subvention ein Dauerzustand werden. Es wird also nun konstant neues Steuergeld fließen müssen um die Defizite auszugleichen. Denn von nun an wird bei Alitalia der Drang nach Kosteneffizienz, Innovation etc noch deutlich geringer sein als vorher, wo wenigstens noch ein Hauch von privatwirtschaftlichem Betrieb vorhanden war.

Es blieb in der aktuellen Krise wohl nichts mehr anderes übrig als Verstaatlichung. Die Alternative wäre wohl, den Laden pleite gehen zu lassen. Aber jedes Land hat ja hier und da Unternehmen, die zur Staatsraison gehören. Und die Alitalia, die gehört wohl zur italienischen Staatsraison. Sie muss weiter fliegen. Aber halt. Kommt es doch anders als gedacht? Wird gerade der Staat als Eigentümer der harte Sanierer, den die Gewerkschaften vorher nie haben wollten? Denn jüngere Berichte zeigen, dass die Regierung über radikale Einschnitte bei Alitalia nachdenkt, jetzt wo sie zu einer Staatsairline wird. Statt wie heute 11.500 soll es womöglich weniger als 4.000 Mitarbeiter und statt 113 Flugzeugen nur noch 25 bis 30 geben. Aber ganz klar ist das offenbar noch nicht. Werden die Gewerkschaften mal wieder dagegen halten?

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