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Leinen los für eine noch stärkere Explosion der US-Staatsschulden – wir haben da eine Idee, wer sie finanzieren wird

Im Fiskaljahr 2017, das in den USA bereits endete, hat die US-Regierung 666 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als eingenommen. Diese Differenzsumme (Defizit) muss folglich über neue Schulden…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Im Fiskaljahr 2017, das in den USA bereits endete, hat die US-Regierung 666 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als eingenommen. Diese Differenzsumme (Defizit) muss folglich über neue Schulden finanziert werden. Die bevorstehende Steuerreform von Donald Trump, die eher als große Steuersenkung in die Geschichte eingehen wird denn als Reform, dürfte dieses Defizit in ungeahnte Höhen katapultieren.

Wie viele „Freidenker“ in der Geschichte denken zahlreiche Republikaner wie auch ihr Präsident. Senken wir massiv die Steuern, werden die Amerikaner das zusätzliche Geld in der Tasche in den Konsum pumpen. Auch die Unternehmen werden dank drastisch geringerer Steuern deutlich mehr investieren und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. All das lässt das Steueraufkommen so weit ansteigen, dass der vorige Steuerausfall kompensiert wird, und vielleicht sogar noch mehr Steueraufkommen entsteht als vorher.

Hier die gestern präsentierten Kernpunkte der US-Steuerreform.

So weit die Theorie. Es gibt aber noch kein Beispiel in der Geschichte der Menschheit, wo solche massiven Steuersenkungen die Steuerausfälle letztlich durch mehr wirtschaftliche Aktivität kompensiert hätten. Eine wunderschöne Theorie, die aber nur eine schöne Illusion ist. Also: Die US-Staatsschulden werden nach allem menschlichem Ermessen noch viel schneller explodieren, als sie das ohnehin schon tun. Denn alleine in den letzten sieben Wochen stiegen sie um 610 Milliarden Dollar.

Inzwischen ist die US-Staatsverschuldung bei 20,45 Billionen Dollar angekommen. 5,6 Billionen Dollar davon sind sogenannte „Intragovernmental Holdings“, also wo der Gläubiger eine staatseigene Institution der USA ist wie zum Beispiel die Notenbank „Federal Reserve“. Von den verbleibenden 14,8 Billionen Dollar werden ca 6,3 Billionen US-Dollar Volumen von ausländischen Gläubigern gehalten. Und unsere Vermutung lautet: Vor allem die ausländischen Gläubiger werden die Trump-Träume von niedrigeren Steuern finanzieren, also wir alle (Europäer, Araber, Asianten etc). Denn die US-Schulden sind breit gestreut auf dem Planeten (siehe folgennde Grafik mit aktuellstem Stand August). China und Japan sind mit Abstand die größten Gläubiger mit jeweils mehr als 1 Billionen Dollar.

In der folgenden Grafik sieht man den dramatischen Anstieg der US-Staatsverschuldung, die sich in den acht Obama-Jahren verdoppelte. Trump gibt Vollgas. Mit seinen Steuersenkungen wird er wohl kaum eine Verdopplung von 20 auf 40 Billionen Dollar schaffen, aber wahrscheinlich hat er ja auch keine acht, sondern nur vier Jahre Zeit (also ein unfairer Vergleich zu Obama). Wie stark genau das jährliche Defizit nach dieser massiven Steuersenkung wächst, wissen wir nicht. Man kann nur mutmaßen, dass es weit über 1 Billion Dollar pro Jahr steigt, und damit auch die jährliche Neuverschuldung des Staates. Wer zahlt das? Wir vermuten wie gesagt, dass es vor allem die ausländischen Gläubiger sein werden.

Warum werden die wohl besonders scharf auf diese zusätzlichen Schuldtitel sein? Nun, in den USA ist die Zinswende längst am Laufen. Die nächste Zinsanhebung steht wohl schon im Dezember an, und in 2018 geht es aller Voraussicht nach weiter. Damit werden US-Schulden gerade stetig attraktiver im Vergleich zu Staatsschulden aus Euroland, aus der Schweiz, Japan usw, wo die Zinsen noch lange Zeit bei Null oder sogar im Minus kleben bleiben. Also, alles auf, lasst uns Trump´s Steuersenkungen finanzieren!?


Die US-Staatsverschuldung von 1980 bis November 2017. Ein Anstieg von 900 Milliarden auf 20,45 Billionen US-Dollar.

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Feldmaen

    3. November 2017 10:35 at 10:35

    Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse ergeben sich daraus ein paar Ungereimtheiten. Durch die Steuersenkung soll die Binnennachfrage angekurbelt werden und das Außenhandelsdefizit gesenkt werden. Das bedeutet es fließen weniger Dollar von den USA ins Ausland. Des Weiteren sollen im Ausland geparkte US Dollar zurück in die USA fließen. Darüber hinaus soll die Staatsverschuldung gegenüber dem Ausland steigen, d.h. noch mehr Dollar nach Amerika zurückgehen. Würde das nicht innerhalb der USA höchst inflationär und für den Rest der Welt deflationär wirken? Oder habe ich einen Denkfehler? Irgendwo müssen die Dollars doch herkommen, wenn die FED sie schon nicht mehr drucken will und ihr Bilanz reduziert. Und dann noch eine Zinswende? Das passt doch alles nicht zusammen, aber vielleicht kann mich jemand aufklären!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      3. November 2017 10:39 at 10:39

      @Feldmaen, das ist richtig! Die Dollars würden aus dem „Rest der Welt“ abgesaugt und in die USA „hineingesaugt“ – inflationär für die USA, deflationäre für die Anderen! Aber: so wie es aussieht, ist die Sache die, dass die Steuern von 12% auf Auslands-Dollars anfallen, unabhängig davon, ob diese Dollars in die USA transferiert werden oder eben nicht – und ich habe das Gefühl, dass die Wall Street das irgendwie so nicht wahrgenommen hat..

    • Avatar

      Gerd

      3. November 2017 11:03 at 11:03

      „Durch die Steuersenkung soll …das Außenhandelsdefizit gesenkt werden.“

      Glaube ich nicht, dass das die Absicht sein soll. Da sehe ich, wenn überhaupt, den Wirkungsmechanismus genau anders herum.

      • Avatar

        Feldmaen

        3. November 2017 11:11 at 11:11

        @Gerd, können sie das weiter Erläutern?

        • Avatar

          Gerd

          3. November 2017 13:45 at 13:45

          Feldmaen, bin wieder da.
          Warum ich das nicht glaube. Gerne versuch ich zu erläutern.

          Die Kurzform:
          Der erste Teil des Satzes lautete: „Durch die Steuersenkung soll die Binnennachfrage angekurbelt werden….“
          Durch Ankurbelung der Binnennachfrage kann in der Regel ein ExportÜBERSCHUSS verringert werden. Der Output der Unternehmen kann weg vom Ausland hin zu den im eigenen Land Nachfragenden geleitet werden. Also kann genau das nicht der Königsweg für die USA sein.

          Die ausführlichere Erklärung:
          a) Das Außenhandelsdefizit wollte Trump ursprünglich u.a. mittels Verhängung von Importzöllen in den Griff kriegen. Er bemängelte zudem unfaire Handelspraktiken und auf Europa/Deutschland bezogen einen zu niedrigen Eurokurs. Nicht über die Binnenkonjunktur.

          b) Ausführlicher
          Weil es fast allen bekannt ist, erläutere ich es an einem Land, wo die Verhältnisse andersherum sind.
          Der (für Deutschland) zu niedrige Eurokurs sowie die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft sind (außer, dass wir natürlich die besten Produkte auf der ganzen Welt produzieren) Ursache für unseren Handelsbilanzüberschuss.

          Um den abzubauen, wird Deutschland immer wieder von vielen offiziellen Seiten (von außerhalb und auch von innerhalb) aufgefordert, den deutschen Verbrauchern mehr Geld zum Konsumieren zu belassen. Zum Beispiel durch höhere Löhne. Aber auch durch Steuersenkungen. Weil das nämlich über den Verbrauch die Binnenkonjunktur ankurbeln soll. Zur Ankurbelung der Binnenkonjunktur gehört auch die Forderung an die öffentliche Hand, endlich die notwendigen und längst überfälligen Infrastrukturmaßnahmen anzugehen. Der Bagger und sonstwas, den z.B. Liebherr in Deutschland für derartige Maßnahmen verkaufen kann, muss nicht in die USA verkauft werden – und den Erlös hat das Unternehmen trotzdem.
          Nebenbei kann der Deutsche bei brummender Binnenkonjunktur und mit mehr Geld in der Tasche dieses zusätzlich auch in anderen Ländern ausgeben (und sei es für Urlaub), was sich wiederum senkend auf den Handelsbilanzüberschuss auswirkt – und bei den begünstigten (Urlaubs)Ländern zu einer Senkung des Defizits.
          .
          Nun muss man das ganze auf den Kopf stellen, dann erhält man das ungefähre Resultat für die USA:

          Aus USA-Perspektive bewirkt eine Belebung der Binnenkonjunktur demnach keine Verringerung ihres Handelsbilandefizits. Wenn, dann eine Verschlechterung.

          Da zudem die anderen Maßnahmen, insbesondere auch die Kapitalrückholung, in der Tendenz einen höheren Dollarkurs zur Folge haben, verschlechtern sich die Exportaussichten der USA sogar.

          • Avatar

            Feldmaen

            3. November 2017 17:08 at 17:08

            Jetzt verstehe ich sie, so hab ich es nicht gesehen. Mein Gedanke war, dass die erhöhte Binnennachfrage dazu führt, das weniger Produkte aus dem Ausland importiert werden. Das ist natürlich nicht richtig, denn das passiert nur wenn das Angebot im Binnenmarkt steigt und die Nachfrage bedienen kann, somit weniger Produkte aus dem Ausland eingeführt werden müssen. Das wird aber bei den billigen Produkten aus dem Ausland, im Vergleich zu USA, wohl kaum passieren. Also führt die Rückführung des Dollars über kurz oder lang dazu, dass das Handelsdefizit der USA weiter ansteigt. Bin mal gespannt!

          • Avatar

            Gerd

            3. November 2017 19:23 at 19:23

            Ihr Gedanke ist ja so verkehrt gar nicht. Wenn man nicht nur die Binnennachfrage stärkt sondern den gesamten Binnenmarkt, also auch die Angebotsseite wettbewerbsfähig macht, könnte eine Volkswirtschaft im Prinzip sogar ohne Außenbeiträge auskommen. Das heißt, es müsste auch nichts importiert werden, was überhaupt zu einem Defizit führen könnte.

            Eines noch im Blick halten. Alle Aussagen beziehen sich meistens jeweils auf einen für sich allein betrachteten Parameter. Unter der Bedingung, dass alle anderen unverändert bleiben (ceteris paribus).

            Im Zusammenwirken kann das Ergebnis abweichend sein.
            Also. „…Rückführung des Dollars (führt) über kurz oder lang dazu, dass das Handelsdefizit der USA weiter ansteigt.“ Die Aussage ist zu gewagt.

            Wenn man den einzelnen Parameter „Devisenkurs“ für sich allein anschaut, würde ein steigender Dollar wegen der nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produkte aufgrund des Umrechnungskurses zu einer Ausweitung des Defizits führen. Das wars aber auch schon.

            Ob aber der Dollar im Zusammenspiel mit den amderen Parametern wegen der Dollarrückführung überhaupt so deutlich steigt, ist noch offen. Vielleicht wirken weitere, jetzt nicht erkennbare Ereignisse dem Dollaranstieg von vornherein entgegen.
            Und wiederum zusätzlich ergänzende Maßnahmen überkompensieren evtl. den Nachteil aus dem Dollaranstieg. Etwa Einfuhrzölle, und seien sie auch gering, um niemand zu verschrecken.

            Aber auch eben eine steigende Binnennachfrage muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass Amerika (noch) weniger ins Ausland exportiert und deshalb das Handelsbilanzdefizit vorhersehbar steigt. Nur, dass es deshalb sinkt, halte ich (ceteris paribus) für unwahrscheinlich. Aber das will Trump damit sicherlich auch nicht erreichen.

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    Schnutzelpuh

    3. November 2017 12:42 at 12:42

    Aber nach Trump lebt ja die ganze Welt auf Kosten der USA. Was ist jetzt richtig?

  3. Avatar

    Günther

    3. November 2017 13:13 at 13:13

    Hallo,
    ich will ja hier nichts mieß machen aber:
    Als Bush in der Finanzkrise 2008 die hälfte der Staatsschulden hatte wurde auch schon geschrieben das geht nicht mehr weiter – heute sieht man es ging.
    Anscheinend ist da immer noch Luft nach oben – wer weiß wie lange.
    MfG

  4. Avatar

    V

    3. November 2017 14:04 at 14:04

    Ihr Pfeil ist zu flach! Er muss höher zeigen, denn Zins- und Zinseszinseffekt ergibt eine Exponentialkurve!

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    Columbo

    3. November 2017 16:30 at 16:30

    Hat nicht Herr Riße hier mal gesagt, Staatsschulden in eigener Währung seien keine Schulden?

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    Herr Schröder

    3. November 2017 16:54 at 16:54

    Die FED kann so viel sie will und so oft sie einfach neue Dollars drucken.

    Wäre ein Defizit wirklich ein Problem hätten es die Märkte längst signalisiert.

    Man kann ja auch immer schön sehen, wie der Yen als safe haven genutzt wird und die Japsen haben eine BIP Defizit von >200%

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    Gerd

    3. November 2017 20:02 at 20:02

    Feldmaen, je öfter ich mir Ihren Satz im Eingangskommentar auf der Zunge zergehen lasse, um so mehr gelange ich zu der Auffassung, dass Sie das Richtige gemeint haben könnten. Mit den Steuersenkungen sollen (mindestens) zwei separate Ziele erreicht werden

    Klaro, er will die Binnennachfrage ankurbeln. Das war ihr erster Halbsatz.
    Und mit den Steuersenkungen, welche auf die Unternehmen entfallen, zielt er nicht als erstes auf die Erhöhung derer Gewinne ab – nein, er will sie dadurch wettbewerbsfähiger machen, dem Inland und dem Ausland gegenüber. Und das wiederum könnte das Defizit senken. Genau das sagen Sie ja mit Ihrem zweiten Halbsatz, selbst wenn Sie die Unternehmen nicht konkret erwähnten.

    Ich hatte Ihren Satz fälschlich so verstanden, als wenn er über die Steuersenkungen die Binnennachfrage stärken wollte und mittels derer dann das Handeslbilanzdefizit senken.

    Sorry, ich glaube, ich schreibe eventuell wirklich zuviel.
    Aber ein angenehmes Wochenende wünsche ich Ihnen

    • Avatar

      Michael

      3. November 2017 21:22 at 21:22

      Und mit den Steuersenkungen, welche auf die Unternehmen entfallen, zielt er nicht als erstes auf die Erhöhung derer Gewinne ab – nein, er will sie dadurch wettbewerbsfähiger machen, dem Inland und dem Ausland gegenüber.
      Das mag als schöne volkswirtschaftliche Theorie funktionieren. Es mag auch Trumpies Intentionen entsprechen. Aber funktioniert das so in der Praxis? Würden die Unternehmer die niedrigeren Steuern wirklich für Preissenkungen nutzen, denn nur die machen sie wettbewerbsfähiger? Oder für Investitionen in effizientere Technik ( = mehr Produktion zu gleichen Kosten oder gleiche Produktion zu noch weniger Kosten). Oder würden sie gar freiwillig ihren Arbeitern und Angestellten höhere Löhne und Gehälter bezahlen? Oder einfach nur in den oberen Etagen absahnen, um noch reicher zu werden?
      Die Möglichkeiten sind vielschichtig und ambivalent. Ich würde hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit jedoch eher die primitivste davon bevorzugen, die egoistische Gier nach noch mehr persönlichem Reichtum. Also Gewinnmaximierung…

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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