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Laut EU-Daten geht die Halde notleidender Kredite zurück – Griechenland hat Schrottkredit-Quote von 46,9%

Laut heutiger Veröffentlichung der EU-Kommission (mit Daten der EZB) sinken die Quoten der notleidenden Kredite (NPL) in Europa in Relation zu allen vergebenen Krediten...

FMW-Redaktion

Laut heutiger Veröffentlichung der EU-Kommission (mit Daten der EZB) sinken die Quoten der notleidenden Kredite (NPL) in Europa in Relation zu allen vergebenen Krediten immer weiter ab. Im 2. Quartal 2017 soll die Quote in der EU im Schnitt bei 4,6% gelegen haben, ein Rückgang von einem ganzen Prozentpunkt in nur einem Jahr. Laut EZB ist das Volumen dieser Schrottkredite auch in den letzten Jahren deutlich gesunken, genauer gesagt um 1/3 in den letzten drei Jahren. Ob dieser starke Rückgang wirklich stimmt, lässt sich schwer nachprüfen.

Die EU-Kommission verkündet heute offiziell, dass es das Ziel sei die Banken wieder frei zu bekommen von den notleidenden Krediten, damit sie wieder Luft haben um möglichst viele neue Kredite auszugeben, damit die Wirtschaft angekurbelt werden kann. Das klingt erst einmal fast lustig, aber gut. Man sagt gleichzeitig auch, dass natürlich bei neuen Kreditvergaben darauf geachtet werden solle, dass keine neue NPL-Halde entsteht.

Die NPL-Quoten (Schrottkredite in Relation zu allen ausgegebenen Krediten) sind laut Veröffentlichung in Europa höchst unterschiedlich. Sie reichen im Tief von nur 0,7% bis hoch zu 46,9% in Griechenland. Dazu sehen Sie bitte auch die erste Grafik weiter unten im Artikel, wo links die wichtigsten Krisenherde in Sachen Schrottkredite dargestellt sind. In Griechenland ist die Quote binnen 12 Monaten gerade mal von 47,2% auf wie gesagt 46,9% gefallen. Was für eine Größenordnung!

Wenn quasi die Hälfte aller ausgegebenen Kredite in einem Land Schrott sind, also nicht mehr bedient werden, dann kann man doch vereinfacht sagen, dass das Finanzsystem dieses Landes gar nicht überlebensfähig ist. Es kann nur durch externe Hilfen (EU-Gelder) gestützt werden. Und das noch 10 Jahre nach der Finanzkrise! Irland, Italien und Portugal haben allesamt noch Quoten über 10%, auch wenn sie jüngst zurückgegangen waren.

Das hat die EU-Kommission vor um aktiv den Berg der NPL´s zu bekämpfen. Zitat:

Die Kommission wird im Frühjahr 2018 ein eigenes Maßnahmenpaket vorschlagen, um die Bestände notleidender Kredite zu senken und ihr erneutes Auflaufen in Zukunft zu verhindern. Das Paket wird sich auf vier Bereiche konzentrieren: i) aufsichtliche Maßnahmen, ii) Reformierung des Rahmens für Umschuldung, Insolvenz und Schuldeneinzug, iii) Entwicklung von Sekundärmärkten für ausfallgefährdete Vermögenswerte und iv) Förderung der Umstrukturierung des Bankensystems. Die Maßnahmen in diesen Bereichen sollten auf nationaler Ebene und – wo sinnvoll – auf Unionsebene durchgeführt werden. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament außerdem auf, sich rasch über den Vorschlag der Kommission zu Unternehmensinsolvenzen zu einigen. Diese im November 2016 vorgeschlagene Maßnahme würde Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten dabei helfen, frühzeitig Umstrukturierungen durchzuführen und damit einen Konkurs zu vermeiden, was zu effizienteren Insolvenzverfahren in der EU führen würde.

Weitere Aussagen der EU-Kommission von heute zu dem Thema im Wortlaut:

Der Abbau notleidender Kredite ist für das reibungslose Funktionieren der Bankenunion und der Kapitalmarktunion sowie für ein stabiles und integriertes Finanzsystem in der EU von großer Bedeutung. Die hohen Bestände an notleidenden Krediten zu verringern und zu verhindern, dass solche Bestände künftig wieder auflaufen können, ist für die Stärkung und Festigung des Wirtschaftswachstums in Europa unerlässlich. Haushalte und Unternehmen brauchen einen starken und krisenfesten Finanzsektor, um Finanzierungen zu erhalten. Zwar ist es Sache der einzelnen Banken und Mitgliedstaaten, ihren Beständen an notleidenden Krediten entgegenzuwirken, doch besteht angesichts der potenziellen Ansteckungsgefahr für die EU-Wirtschaft eindeutig auch eine EU-Dimension.

Der für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständige Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis erklärte: „Zur Verringerung der Risiken im Bankensektor und zur Vollendung der Bankenunion ist es unerlässlich, die Zahl der notleidenden Kredite zu senken. Die gemeinsamen Anstrengungen von Banken, Aufsichtsbehörden, Mitgliedstaaten und Kommission tragen bereits Früchte. Doch müssen wir uns auch künftig für einen weiteren Abbau der NPL-Bestände einsetzen. Wir möchten, dass die Banken in allen EU-Ländern ihre volle Kapazität für die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte zurück erlangen und gleichzeitig der Anhäufung neuer fauler Kredite vorbeugen.“


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