Der Iran-Krieg läuft auf Hochtouren. Auch wenn Deutschland relativ wenig Öl aus dem Nahen Osten bezieht: Asien als Hauptabnehmer für Öl aus der Golfregion sucht nach der Blockade der Straße von Hormus nun nach neuen Bezugsquellen für Öl und Gas, das hebt global die Preise an. Auch wenn Europa es schon hinbekommen sollte, weiterhin ausreichend Brennstoff zu haben: Die Preise steigen zweifelsohne. Abhängig davon, wie stark der Ölpreis ansteigt und wie lange er auf höheren Niveaus notiert, können die negativen Auswirkungen für die deutsche Volkswirtschaft gravierend werden.
Ölpreis-Anstieg: Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft
Dazu hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) heute eine Simulation veröffentlicht. Bei einem Ölpreis von 150 US-Dollar pro Barrel (Brent-Preis aktuell 82,95 Dollar, vor Kriegsbeginn 73 Dollar) würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 1,3 Prozent geringer ausfallen. Das entspricht einem Verlust von mehr als 80 Milliarden Euro über die zwei Jahre. Klettert der Ölpreis auf 100 US-Dollar, belaufen sich die BIP-Verluste laut IW auf 0,3 Prozent im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027 – ein wirtschaftlicher Schaden von etwa 40 Milliarden Euro über die zwei Jahre.
Inflation und Produktionskosten steigen
Zudem würde die Inflation angeheizt: Bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar liegen die Verbraucherpreise 2026 um rund 0,8 Prozent höher, 2027 um 1,0 Prozent. Bei 150 US-Dollar fallen die Verbraucherpreise 2026 um rund 1,6 Prozent und 2027 um etwa 1,9 Prozent höher aus, so das IW. Logisch, höhere Ölpreise verteuern so ziemlich alles im Wirtschaftskreislauf. Transport, Produktion – alles strahlt ab auf dahinter liegende Waren und Dienstleistungen, die dann auch teurer werden.
Kein Vergleich zu 1970er-Jahren
„Mit Verwerfungen in einem Ausmaß wie in den Ölkrisen der 1970er-Jahre ist derzeit nicht zu rechnen. Dennoch treffen jeder Energiepreisanstieg und jede Störung des globalen Handels die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten deutschen Wirtschaft empfindlich“, so das IW. Wie gravierend die Folgen sein werden, hänge vom Ausmaß der Ausbreitung sowie der Dauer des Konflikts und der Beeinträchtigung des Transportwegs für Erdöl über die Straße von Hormus ab.
Kommentar
FMW-Kommentar: Entscheidend dürfte sein, wie lange der Iran-Krieg dauert, und wie lange die Straße von Hormus nicht befahren werden kann. Für mehrere Tage, oder für mehrere Wochen? Direkt und vor allem indirekt hat dieses Ereignis Auswirkungen auf große Teile der Volkswirtschaft, was man nicht unterschätzen sollte.
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Der jetzige Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Carsten Schneider stellte in seiner Zeit als Ostbeauftragter der Bundesregierung im Bundeskanzleramt einmal fest, daß unsere Bundesrepublik Deutschland alternative Lieferanten zur Russische Föderation in Sachen Erdöl gefunden hätten, Russland somit für die Ölversorgung nicht gebraucht würde/Quelle: Plenarprotokoll Deutscher Bundestag. Das genannte Mitglied des Deutschen Bundestages verkennt somit, daß das Königreich Saudi-Arabien und die Russische Föderation die Bestimmer in der Öl-Allianz OPEC+ sind, hinsichtlich Ölfördermenge und somit auch Ölpreis. Und auf letzteres verweist ja das Institut der Deutschen Wirtschaft im obigen Bericht, also darauf, daß die Ölindustrie grundsätzlich international betrachtet werden sollte. IW-Direktor Prof. Dr. Michael Hüther verweist zudem auf die Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis.