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90.000 Euro für „Umerziehungshandbuch“ – ist die ARD auf eine Schwindlerin reingefallen?

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Seit einigen Tagen schlägt das Thema Framing-Manual hohe Wellen. Die ARD hatte für eine „Studie“ insgesamt 120.000 Euro ausgegeben, und für die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling, welche die Studie erstellt hatte, ganze 90.000 Euro von dieser Gesamtsumme (wir berichteten).

Gemeinsamer Rundfunk

Es ging darum, ob und wie die ARD in der Öffentlichkeit in einem besseren Licht da stehen könnte. So beauftragte man im Jahr 2017 diese Sprachexpterin. So schlug Frau Wehling zum Beispiel vor nicht von einem Öffentlichen Rundfunk zu sprechen, sondern ihn in der Öffentlichkeit als „gemeinsamen Rundfunk“ zu bezeichnen. Es scheint ja klar, worum es gehen soll. Damit soll ja offenbar ein „Wir-Gefühl“ zwischen ARD und Zuschauer erzeugt werden, und der Zuschauer soll das Gefühl bekommen, Teil des Senders zu sein. Dann zahlt man die 17,50 Euro pro Monat (und wohl bald deutlich mehr Beitrag) doch gleich mit mehr Hingabe und Glücksgefühl, richtig?

Auch solle die ARD sich selbst als „Fernsehen ohne Profitzensur“ bezeichnen uvm. Auch schlug Elisabeth Wehling vor Privatsender und Privatpresse insgesamt als „Kommerzfunk“ und „medienkapitalistische Heuschrecken“ zu bezeichnen. Die BILD sprach davon, wie die ARD die Zuschauer „umerziehen“ wolle. Also sozusagen ein „Umerziehungshandbuch. Dem möchten wir uns anschließen. Natürlich ist dies eine externe Studie mit Empfehlungen. Und natürlich weiß niemand, ob und in welchem Umfang die Ratschläge bisher umgesetzt wurden. Aber inzwischen distanzieren sich führende ARD-Offizielle wie der WDR-Chef Tom Buhrow davon. Man werde solche Vorschläge nicht in seinen Sprachgebrauch übernehmen. Erneut unsere Frage: Warum ist so eine Studie überhaupt notwendig, wenn doch angeblich die allermeisten Zuschauer so total zufrieden und glücklich mit ARD und ZDF sind?

Irreführung? Schwindel?

Der „MDR“ als beauftragende ARD-Anstalt betont nun gegenüber dem Tagesspiegel, dass man von Frau Wehling nicht in die Irre geführt worden sei. Diesbezüglich hatte der MDR dem Portal Salonkolumnisten.com letzte Woche noch gesagt, dass Zitat:

Zu Beginn des Jahres 2017 wurde der MDR auf die Arbeit der Kognitionswissenschaftlerin Dr. Elisabeth Wehling aufmerksam, die sich mit der Sprache, der Sprachwirkung und der zugehörigen Deutungsrahmen an ihrem Institut in Kalifornien beschäftigte“, sagt MDR-Sprecher Walter Kehr den Salonkolumnisten.

Also: Die Formulierung „… an ihrem Institut“… kann man doch wohl so interpretieren, dass der MDR annahm, dass es sich um ein Institut handelt. Eine One-Woman-Show ist wohl kein Institut, oder? Natürlich ist es nachvollziehbar, dass der MDR nun versucht diese Peinlichkeit kleinzureden. Dachte man wohl, dass man hier ein Institut beauftrage, dass quasi Teil der großen Berkeley-Familie ist, der vielleicht renommiertesten Universität der Welt?

Laut Interview mit den Salonkolumnisten weist die Universität jede Verbindung mit diesem „Institut“ von sich. Auf die Frage, warum Frau Wehling den Namen Berkeley in ihrem Institutsnamen verwende, wurde gar nicht richtig geantwortet. Die gute Frau Wehling sagt übrigens jüngst gegenüber der „SZ“, dass es sich bei dem „Institut“ lediglich um eine Marke und nicht um ein wissenschaftliches Institut handele. Sie trenne dadurch diese Tätigkeit von ihrer wissenschaftlichen. Darüber seien auch all ihre Kunden informiert. Ach wirklich? Warum schrieb der MDR dann über die Arbeit von Frau Wehling „an dem Institut“…?

Kann man Frau Wehling als Schwindlerin bezeichnen, und ist die ARD beziehungsweise der MDR auf eine Schwindlerin reingefallen? Im juristischen Sinne wissen wir das nicht, dazu fehlt uns die Fachkompetenz um dies zu beurteilen. Aber man kann ja mal umgekehrt fragen: Was sollte eine Frau Wehling überhaupt dazu veranlassen als „Institut“ durch die Gegend zu tingeln und aufzutreten, und dann auch noch als „Berkeley Institut of Bla Bla Bla“? Ganz einfach. Es ist das Renommee. Eine einzelne Frau Wehling als Sprachwissenschaftlerin, hätte sie überhaupt diesen Auftrag des MDR bekommen? Man weiß es nicht. Und wenn ja, hätte sie dann 90.000 kassieren können? Oder doch eher viel weniger? Aber ein „Institut“ und dann auch noch aus Berkeley, das macht doch gleich was her, und da steigen die Kosten für so ein „Framing Manual“ schnell auf 90.000 Euro.

„Berkeley International Framing Institute“

Tja, und dieses „Institut“ der lieben Frau Wehling. Beweisen können wir nichts. Aber wer auf die Webseite dieses „Instituts“ geht, bekommt relativ schnell den Eindruck, dass es sich dabei eine One-Woman-Show der Frau Wehling handelt. Kein Impressum, kein Disclaimer, keine Telefonnummer, keine Adresse, keine Historie, keine Nennung von Mitarbeitern, keine Fotos, keine Inhalte zu bisherigen Tätigkeiten, gar nichts. Nur ein ganz klein wenig Bla Bla findet sich über die Tätigkeit von Frau Wehling. Und wer es genau beachtet, sieht rechts oben den Hinweis „About my work“.

Also ist dadurch schon klar, dass es hierbei nur um die Arbeit von Frau Wehling geht, und nicht um ein Institut, in dem Wissenschaftler beschäftigt werden! Aber ja, wie wir vorhin schon geschrieben haben, hat sie ja jetzt (im Nachhinein auf Nachfrage) selbst zugegeben, dass dieses Institut nur eine „Marke“ ist. Wollen wir jetzt alle zukünftig als Marken und nicht mehr als Einzelpersonen rumlaufen mit irgendwelchen hochtrabenden Institutsnamen? Dann würde sich doch gleich alles viel besser und kompetenter anhören, egal was man so tut.

Elisabeth Wehling ARD-Studie
Elisabeth Wehling auf der Re:publica 17. Foto: Martin Kraft CC BY-SA 3.0 – Ausschnitt aus Originalfoto

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    25. Februar 2019 12:00 at 12:00

    Danke für diesen Beitrag!

  2. Pingback: Aktuelle Meldungen vom 25. Februar 2019 | das-bewegt-die-welt.de

  3. Avatar

    Steven

    25. Februar 2019 13:37 at 13:37

    Früher hat man unter solchen Beiträgen ab und zu noch ein paar GEZ-Fans lesen können.

    Diese Zeiten der nonsens-Kommentare sind wohl auch vorbei 😀

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    Stube

    25. Februar 2019 15:09 at 15:09

    Wenn man sich das Whois der Web-Seite mal anschaut, kann man feststellen, dass diese erst seit 2017 existiert. Man könnte sogar auf den Gedanken kommen, dass diese Seite just mit der Beauftragung des Gutachtens/Pamphlets entstand. Vielleicht sogar auf Geheiß der ARD?
    Fragen über Fragen…
    Ein Schelm, der Böses dabei denkt….

    • Avatar

      sabine

      25. Februar 2019 15:29 at 15:29

      Leider hakt da kein Journalist nach! Was ja eigentlich die Arbeit der Journalisten wäre.
      Aber wie sagt schon John Swinton 1883:
      “There is no such a thing in America as an independent press, unless it is out in country towns. You are all slaves. You know it, and I know it. There is not one of you who dares to express an honest opinion. If you expressed it, you would know beforehand that it would never appear in print. I am paid $150 for keeping honest opinions out of the paper I am connected with. Others of you are paid similar salaries for doing similar things. If I should allow honest opinions to be printed in one issue of my paper, I would be like Othello before twenty-four hours: my occupation would be gone. The man who would be so foolish as to write honest opinions would be out on the street hunting for another job. The business of a New York journalist is to distort the truth, to lie outright, to pervert, to villify (sic!), to fawn at the feet of Mammons, and to sell his country and his race for his daily bread, or for what is about the same – his salary. You know this, and I know it; and what foolery to be toasting an ‘Independent Press’! We are the tools and vassals of rich men behind the scenes. We are jumping-jacks. They pull the string and we dance. Our time, our talents, our lives, our possibilities, are all the property of other men. We are intellectual prostitutes.”
      Und darum bin ich hier. Hier ist noch ehrliche Journalisten-Arbeit.

      • Avatar

        Stube

        25. Februar 2019 16:28 at 16:28

        Hallo Sabine, ein viel beachtetetes, verwendetes, nie bewiesenes Zitat aus einer angeblichen Rede Swintons. Das macht die Zeilen aber nicht weniger wahr.

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    Pitt

    25. Februar 2019 15:30 at 15:30

    „Danke für Ihre Gebühren!“ So heißt es in der sinnverwirrenden Reklame. Und es ist so – dank übermäßig und regelmäßig fließender Zwangsgebühren ist mehr als genug Geld im Portemonnaie der sog. öffentlich-rechtlichen Sender. Da fallen diese Peanuts überhaupt nicht auf.

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    Henry

    25. Februar 2019 17:43 at 17:43

    weder ist es Schwindel noch überbezahlt.
    Es ist ca 35 Jahre alt… und früher nannte man es neuro-linguistisches Programmieren
    War in der Trainerzunft für Mgr ziemlich en-vogue.
    Hat einen echten wissenschaftlichen hintergrund- doch die Empfehlungen sind weder wissenschaftlich noch besonders gut.
    Mit Euphemistic und Chomsky’s Regeln kommt man immer weiter.
    Flach ist eben, wenn die Käufer von NIX eine Ahnung haben

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Vermögenspreise kennen nur eine Richtung – Haushalte ohne Immobilieneigentum gehen leer aus

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Es ist wie es ist. Die Verbraucherpreise wollen nicht auf die 2% steigen, wo die EZB sie gerne sehen möchte. 2,6 Billion Euros gedruckt, Zinsen abgeschafft, und trotzdem wollen die Preise einfach nicht steigen. Aber seit Jahren steigen dafür die Vermögenspreise! Die EZB hat mit ihren gigantischen Anleihekäufen Anleger aus dem Anleihemarkt vertrieben. Und vor allem die nicht mehr vorhandenen Zinsen zwingen Anleger regelrecht in Aktien zu investieren. Geld will Rendite, und so steigen seit Jahren nicht nur Aktien, sondern auch Immobilien und sonstige Sachwerte immer weiter an. Hier ist die Inflation mehr als deutlich zu finden, während sie bei den Alltagsausgaben für die Verbraucher an der Supermarktkasse nicht zu entdecken ist.

Vermögenspreise steigen weiter an

Das Flossbach von Storch Research Institute (FvS) hat heute früh seinen aktuellsten Vermögenspreisindex für das 3. Quartal 2019 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass zum Ende des dritten Quartals die Vermögenspreise privater deutscher Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal um +2,9 % angestiegen sind. Unaufhörlich steigende Preise für Immobilien sind für die Entwicklung ursächlich, so FvS. Sowohl die Entwicklung der Vermögenspreise im Vermögensquerschnitt als auch im Altersquerschnitt zeigen, dass Haushalte, die über Immobilieneigentum verfügen, am stärksten von der Vermögenspreisinflation profitieren. Haushalte ohne Immobilieneigentum hätten hingegen das Nachsehen.

Die Inflation der Vermögenspreise liegt damit, so merkt FvS an, angefacht von dauerhaften Null- und Minuszinsen ­– beinahe doppelt so hoch wie die Verbraucherpreisinflation. Immobilien verteuern sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,8 Prozent. Auch zahlreiche andere Datenanbieter können den Anstieg der Immobilienpreise untermauern (siehe hier). Niedrige Zinsen machen diese Anlageklasse laut FvS attraktiv. Bemerkenswert war auch der Goldpreis, der sich in Euro gerechnet um ein Drittel stieg. Immobilien machen einen großen Anteil des Vermögens von Senioren aus. Die Vermögenswerte der Deutschen ab dem 75. Lebensjahr verteuerten sich im dritten Quartal durchschnittlich um 4,1 Prozent. Das ist so viel wie in keiner anderen Alterskohorte.

Vermögenspreise seit 2005
Entwicklung der Vermögenspreise seit 2005.

Immobilien Top bei Sachvermögen

Der folgende Chart zeigt in der schwarzen Linie die Entwicklung der Immobilienpreise seit dem Jahr 2005. FsV im Wortlaut zu Sachvermögen:

Die Entwicklung des Sachvermögens wird maßgeblich von der Entwicklung der Preise für Immobilien getragen. Diese haben sich mit +5,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut erheblich verteuert. Ursächlich hierfür ist weiterhin die Kombination aus historisch günstigen Finanzierungskonditionen und einem knappen Immobilienangebot. Der Preis für das Betriebsvermögen deutscher Haushalte ist um -10,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen. Der Preis für Betriebsvermögen wird durch den SDAX-Kursindex abgebildet, der die Veränderung des Börsenwerts von 70 gelisteten deutschen Mittelstandsunternehmen wiedergibt. Hierunter spielen klassische Industrieunternehmen und Automobilzulieferer eine wichtige Rolle, die sich zum Ende des dritten Quartals in einer Strukturkrise befinden. Der Preisverfall des Betriebsvermögens liegt schon zum vierten Mal in Folge unterhalb von ‑10 %. Langlebige Verbrauchsgüter stagnieren, da ihre Preissteigerung lediglich +0,5 % beträgt. Der Preis für Sammel- und Spekulationsgüter legte um +1,6 % zu. Insbesondere wird diese Entwicklung von steigenden Preisen für Kunstobjekte getragen.

Immobilienpreise steigen konstant weiter an

Gold treibt Finanzvermögen

Die Entwicklung der Finanzvermögen sah zuletzt nur gut aus, weil der Goldpreis im Jahresvergleich zulegen konnte. Die Preise für das Finanzvermögen deutscher Haushalte folgen laut FvS einem Aufwärtstrend. Innerhalb der Kategorie seien die Preise für das sonstige Finanzvermögen (gemessen an Gold- und Rohstoffpreisen) mit +21,7 % am stärksten angestiegen. Verantwortlich hierfür sei der Goldpreis, der um +33,4% im Vergleich zum Vorjahresquartal angestiegen sei. Preise für Aktien lagen hingegen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres (+0,2 %).

Gold rettet Performance der Finanzvermögen innerhalb der Vermögenspreise

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Warum die deutsche Wirtschaft der Rezession entkommen ist

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Die deutsche Industrie steckt richtig kräftig in der Rezession, wie auch die aktuellsten Daten vom Statistischen Bundesamt zeigen. Alleine im September ging es 4,3% runter mit der Industrieproduktion im Vergleich zu September 2018. Aber Dienstleistungen und Bau sorgen dafür, dass der Gesamtschnitt der deutschen Volkswirtschaft derzeit haarscharf an der Rezession vorbei schrammt. Per volkswirtschaftlicher Definition hat man eine Rezession, wenn die gesamte Wirtschaftsleistung zwei Quartale nacheinander rückläufig ist.

Im vorletzten Quartal war es ein Minus von 0,2%, und heute wurde für das letzte Quartal ein Plus von 0,1% vermeldet. Puhhhh, nochmal Glück gehabt? Laut ifo-Institut hat die Industrie den Schnitt gerettet. Sie sei zwar nach wie vor in der Rezession, aber es laufe nicht mehr ganz so schlimm. Das Tempo des Produktionsrückgangs habe sich verlangsamt. Insbesondere seien die Warenexporte wieder gestiegen, nachdem sie im Quartal zuvor kräftig eingebrochen waren. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe in den Zielländern seit der Jahresmitte wieder verbessert habe, insbesondere in den Schwellenländern. Weiter sagt ifo im Wortlaut:

Gleichzeitig zeigten sich die deutsche Konsum- und die Baukonjunktur nach wie vor in robuster Verfassung, fügt Wollmershäuser hinzu. Auch wenn sich der Beschäftigungsaufbau etwas verlangsamt habe, verzeichneten die privaten Haushalte hohe Einkommenszuwächse. „Neben spürbar steigenden Tariflöhnen wurden zur Jahresmitte auch staatliche Transferzahlungen erhöht, wie etwa Renten und Kindergeld. Zudem sind die Hypothekenzinsen im Jahresverlauf noch einmal kräftig gefallen, und die Vergabe von Wohnungsbaukrediten hat sich weiter beschleunigt.“

Insgesamt habe sich die deutsche Konjunktur in den vergangenen zwölf Monaten deutlich abgekühlt. Die Überauslastung der Produktionskapazitäten aus den Boomjahren 2017/18 sei weitgehend abgebaut, so dass der Auslastungsgrad derzeit in etwa seinem langfristigen Mittelwert entspricht. In den kommenden Monaten sei jedoch keine tiefgreifende gesamtwirtschaftliche Rezession zu befürchten. „Zum einen ist eine Übertragung der schwachen Industriekonjunktur über den Arbeitsmarkt auf die Konsum- und Baukonjunktur bislang weitgehend ausgeblieben. Dazu hat auch das Instrument der Kurzarbeit beigetragen, das mittlerweile über zehn Prozent der Industrieunternehmen in Anspruch genommen haben dürften und das die Einkommen der Beschäftigten stabilisiert“, sagt Wollmershäuser. „Zum anderen dürfte die Industrierezession weiter abklingen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem harten Brexit oder einer weiteren Eskalation des von den USA ausgehenden Handelskrieges kommt, hat in den vergangenen Monaten abgenommen. Gleichzeitig deuten die aktuellen Auftragseingänge sowie die jüngsten Ergebnisse der ifo Konjunkturumfragen im Verarbeitenden Gewerbe darauf hin, dass ein Licht das Ende des Konjunkturtunnels ankündigt.“

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US-Notenbank Fed platzt mit der Wahrheit heraus

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Die Zentrale der Fed in Washington DC

Noch im Mai hatte Fed-Chef Powell geleugnet, die Verschuldung der USA hätte Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank. Seine jüngste Rede vor dem Kongress rückt den großen Weißen Elefanten nun verstärkt in den Fokus und weist den Weg für die zukünftige US-Geldpolitik.

US-Notenbank Fed lernt von der Bank of Japan

Bereits mehrfach hatte der Präsident der US-Notenbank, Jerome Powell, neben den konjunkturellen Risiken, die er vor allem im Ausland verortet, auch die historisch hohe Verschuldung der US-Unternehmen adressiert. So auch gestern wieder in seiner Rede vor der turnusmäßigen Anhörung vor dem US-Kongress. Mit 6,5 Billionen US-Dollar per ultimo Juni 2019 (letzte verfügbare Daten) stehen die US-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum US-Bruttoinlandsprodukt auf Rekordniveau in der Kreide. Doch diese Verschuldung von Corporate America ist nicht die Folge von wachstumstreibenden Investitionen – das frische Fremdkapital wurde bei den Kapitalgesellschaften hauptsächlich dazu verwendet, eigene Aktie zurückzukaufen und in den US-Unternehmen die laufenden Rechnungen und Zinsen zu bezahlen. Die Zombifizierung der US-Ökonomie ist zwar in einem früheren Stadium als in Europa und v. a. Japan, wo die Bank of Japan mittlerweile den kompletten Staatshaushalt aus der Notenpresse finanziert, aber dieser Prozess schreitet auch im Land der einst unbegrenzten Möglichkeiten dynamisch voran. Gesamtverschuldung der US-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors:

Fed Grafik mit Schulden der US-Unternehmen

Und was für die Verschuldungssituation in den USA und in anderen entwickelten Volkswirtschaften gilt, das gilt auch für die Schwellenländer-Ökonomien (Emerging Markets):

OECD Grafik mit Risiken am Markt für Unternehmenskredite

Uncle Sam mitten in der Schuldenspirale

Bei den US-Staatsschulden (Uncle Sam´s Debt), die gerade erst die Marke von 23 Billionen Dollar überschritten hat, sieht das Bild nicht weniger dramatisch aus: Stagnierenden bis rückläufigen Einnahmen der Bundesregierung stehen explodierende Ausgaben gegenüber, was in einem atemberaubend schnellen Defizitaufbau und explodierenden Zinskosten resultiert. Noch im Fiskaljahr 2017/2018 lag das US-Budgetdefizit bei 860 Mrd. US-Dollar. Im vergangenen Fiskaljahr stieg es um 16 Prozent auf über 1 Billion US-Dollar an. Für das laufende Fiskaljahr bis Ultimo September 2020 rechnet der US-Bundesrechnungshof (CBO) mit einem Defizitanstieg um signifikante 30 Prozent auf dann 1,3 Billionen US-Dollar.

Bereits jetzt drückt die US-Bundesregierung eine Zinslast von 600 Mrd. US-Dollar jährlich, die sich nur dank der erneuten Zinssenkungen und Rückgänge der Renditen am Kapitalmarkt auf hohem Niveau stabilisieren kann.

Fed-Grafik mit Zinszahlungen der US-Regierung

Noch im Jahr 2015 betrugen diese Zinskosten mit 229,15 Mrd. US-Dollar nur gut die Hälfte. Der Anteil am Gesamtbudget betrug lediglich 6,03 Prozent. Im Fiskaljahr 2017/18 stieg der Anteil der Zinskosten bereits auf 7,6 Prozent und im letzten Fiskaljahr auf 9 Prozent des Gesamtbudgets. Die Neuverschuldung im aktuellen Fiakslajahr entspricht, gemäß der Wachstumsprojektionen der Fed of Atlanta von 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für diesen Zeitraum, rekordverdächtigen 6,1 Prozent des BIP. Für jeden Dollar US-Wachstum wird die US-Regierung also 3,10 US-Dollar ausgeben müssen. Ja, das ist wahrlich die erfolgreichste Ökonomie der Welt und der Weltgeschichte, wie Präsident Donald Trump es vorgestern wieder in seiner Rede vor dem Economic Club of New York wiederholte. Die Frage ist nur, in welcher Kategorie die USA am erfolgreichsten sind (Schuldenexplosion)?

Keine Schulden – kein Wachstum

Gesamtwirtschaftlich sieht es noch dramatischer aus: Das ökonomische Defizit, dass das Verhältnis zwischen Verschuldung und Wachstum bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt beschreibt, ist auf nicht nachhaltige Niveaus angestiegen und erzwingt eine Daueralimentierung der Wirtschaft durch die US-Notenbank Fed. Andernfalls würde das Zentrum des weltweiten Kapitalismus zeitnah kollabieren. So schön der Schein einer dynamischen, fortschrittlichen, innovativen und leistungsorientierten US-Wirtschaft auch sein mag, dieser Schein trügt.

Ökonomisches Defizit

Würde man die zentralplanirische US-Notenbank Fed nebst ihrer akkommodierenden Zins- und Geldmengenpolitik aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung entfernen und das Kreditangebot sowie den Zins den Marktkräften überlassen, würde die größte Wirtschaftsnation seit Menschengedenken inklusive ihres ballonartig aufgeblasenen Kapitalmarktes innerhalb weniger Tage zu Staub zerfallen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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