Folgen Sie uns

Devisen

Großer Appell zur Abschaffung des Euro, bevor es unkontrolliert knallt

Redaktion

Veröffentlicht

am

Wie oft gab es schon an wie vielen Orten negative Aussagen über den Euro. Gescheitert, kaputt, funktioniert nicht, wird auch in Zukunft nicht funktionieren. Das Kernproblem ist, dass man bei Einführung der Gemeinschaftswährung 19 unterschiedlichen Volkswirtschaften die selbe Währung und das selbe Zinsniveau überstülpte. Entschieden wird über diese Währung und den Leitzins nur noch von einer zentralen Institution, nämlich der EZB in Frankfurt.

Man hätte aber zuerst die 19 Volkswirtschaften angleichen müssen in Sachen Steuersystem, Arbeitsmarkt, Wettbewerbsfähigkeit uvm. Erst danach hätte man sie mit einer Gemeinschaftswährung ausstatten dürfen. Aber man machte es andersrum, vor allem aus politischen Gründen. Wohl mehr als jemals zuvor, eindringlicher und klarer als jemals zuvor weist der Bestsellerautor Marc Friedrich in einem aktuellen Videobeitrag auf die grundsätzlichen Probleme des Euro hin.

Er ruft dazu auf den Euro so schnell wie möglich halbwegs kontrolliert abzuwickeln, bevor es völlig unkontrolliert einen großen Knall gibt. Seine Analyse, dass derzeit die einzelnen Bürger in Europa den Preis für dieses fehlgeschlagene Projekt einer gemeinsamen Währung zahlen, ist inhaltlich gut nachvollziehbar. Die Italiener beispielsweise kämpfen mit einer extrem schwachen Wirtschaftslage, weil sie ihre Währung nicht abwerten können.

Die deutschen Sparer haben gleichzeitig keine Zinsen mehr für ihre Altersvorsorge – dafür aber brummt die Exportwirtschaft in Deutschland – das sollte man dazu natürlich auch erwähnen. Aber im Großen und Ganzen leiden die meisten Euro-Mitglieder unter dem festen Währungskorsett! Das Video ist auf jeden Fall sehenswert, weil es das Problem als Gesamtbild beschreibt.

https://youtube.com/watch?v=mRxoFUNBE5Y

Marc Friedrich über den Euro
Marc Friedrich.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    tm

    5. Februar 2019 17:15 at 17:15

    „Er ruft dazu auf den Euro so schnell wie möglich halbwegs kontrolliert abzuwickeln, bevor es völlig unkontrolliert einen großen Knall gibt.“

    Wenn das möglich wäre, könnte ich mich vielleicht damit anfreunden. Ich fürchte aber, schon die ernsthafte Diskussion darüber würde genau den Knall auslösen, der dadurch verhindert werden soll.

    Ich bin aber auch gar nicht so sicher, ob Arbeitsmarkt und Steuersystem überall gleich sein müssen. McPomm unterscheidet sich ökonomisch auch recht deutlich von BW oder NRW. Aber klar, wenn es keinen Wechselkurs gibt, muss es andere Ausgleichsmechanismen geben.

    Wie sahen die Wachstumsraten in Italien eigentlich vor dem Euro aus? Und würde die Lira wirklcih abwerten? Immerhin erwirtschaftet Italien einen durchaus hohen Leistungsbilanzüberschuss.

  2. Avatar

    Marko

    5. Februar 2019 18:34 at 18:34

    Und was war „vorher“, vor dem EUR ?

    Welche Instution hat „vor dem EUR“ entschieden, wie es mit Europa „weitergeht“, dreimal dürft Ihr raten … :D

    „Man hätte aber zuerst die 19 Volkswirtschaften angleichen müssen in Sachen Steuersystem, Arbeitsmarkt, Wettbewerbsfähigkeit uvm…“

    Also hätte dann Deutschland sagen müssen : Wir geben denen Geld, weil wir zu stark für die anderen sind ?

    Ich betone Geld, wie soll eine „Wettberbsfähigkeitsangleichung “ sonst noch funktionieren ? Deutschland „finanziert“ dann Europa ? Das sind doch tolle Aussichten, was hat das mit Marktwirtschaft zu tun ? Ist das dann Hartz 4, Version 2.0 für Europa ? Oder wir gründen dann sie Sowietunion 2.0 ?

    Fakt ist :

    Deutschland ist die klare Nummer 1, innerhalb Europas. Es gibt, so gesehen „keinen Gegner“.

    Fakt ist : Deutschland sitzt, da wo hin gehört, im Zentrum , im Herzen Europas. Die EZB gehört genau dahin, wohin sie hingehört.

    Fakt ist : Gegenüber Deutschland, hat kein Staat Europas, wirtschaftlich gesehen, auch nur den Hauch einer Chance

    Und dann soll Deutschland , die Ihre DM freiwillig „aufgegeben“ haben, sagen, alles klar, die anderen, die können das ? Das ist naiv, sorry.

    Wer „wollte“ eigentlich den EUR, bzw. die Abschaffung der DM ?

    Wer wollte , das der „EUR“ in einem bestimmten Land , nebst einer bestimmten Stadt „residieren“ sollte ? Das war garantiert nicht Deutschland.

    Mit anderen Worten : Eine eventuelle Neueinführung DM würde gar nichts, und zwar gar nichts ändern ! – Ganz im Gegenteil : Der „Druck“ auf die „Südländer“ würde noch mehr steigen !

    Weil : dann wäre die „Mama EZB“ nicht mehr da… Die Südländer wären auf sich alleine gestellt.

    Die „Sudländer“ und „unabhängig“ durch eine „eigene Währung“ ? Wers glaubt… ? :D

    Die „Wachstumsraten“ der „Südländer“ würden sich dadurch erklären, inwiefern man noch ein paar Nullen, an deren „Klopapierwährung“ daraufhauen könnte. Aber : Diese Zeiten sind vorbei ! Und Irgendwann ist mit den „Nullen“ Schluss….

    Und dann… ? – Zurück zum EUR/DM ? :D

    Versteht Ihr das ? Es gibt kein zurück aus dem EUR ! Der einzige Staat, der aus dem EUR austreten kann, und dies jederzeit, ist nun mal Deutschland, schaut Euch doch mal den „Hühnerhaufen“ GB an, o.k. die treten nicht aus dem EUR aus, aber… :D

  3. Avatar

    Hesterberg

    5. Februar 2019 19:19 at 19:19

    Klasse! Tolles Video!
    Alles schon bekannt, aber Herr Friedrich hat das Thema noch einmal so sympathisch, so eindrucksvoll dargelegt. Ein Wachrüttler! Und solche Videos muss es immer und immer wieder geben, damit der schläfrige Deutsche zu einem Franzosen wird und auf die Straße geht. Noch bevor es zu diesem gigantischen Zusammenbruch kommt, der kommen muss!
    Die Rückkehr zu den alten europäischen Währungen wäre im Prinzip nicht einmal besonders schwierig. Es wäre ein bürokratischer Kraftakt, na klar. Die Bevölkerungen der EURO-Zone könnten und würden sich hier leicht und gerne wieder auf nationale Währungen umstellen. Nur Brüssel, die EZB und die Politik können und wollen es nicht. Sie sitzen eben alle lieber bequem in ihren Sesseln und träumen weiter schon von ihren üppigen Pensionen, die sie auch dann bekommen werden, wenn der große Zusammenbruch kommt. Dafür werden sie dann schon sorgen.

    • Avatar

      Ralf Schmitt

      5. Februar 2019 23:30 at 23:30

      @Hesterberg: Es gibt sie. Schau einfach mal bei Marc Friedrich im YouTubeKanal nach. Die besten Videos weit und breit.

  4. Avatar

    Kritisch on fire

    5. Februar 2019 19:36 at 19:36

    EWG/EU und deren Erweiterungsschritte, ab 2004 bis 2013 und die Geplanten – ein wirkliches Friedensprojekt. Darüber stülpt man dann noch eine Gemeinschaftswährung und alles wird gut. Soweit die hervorragende Idee. Am Ende sollten die „Vereinigten STAATEN von EUROPA“ stehen. Leider haben die Treiber dieses im Grundsatz sehr guten Projektes vergessen diesem Projekt auch die nötige Zeit einzuräumen um den unglaublich hohen Unterschieden der „NEUEN“ im Bereich WIRTSCHAFT, INFRASTRUKTUR, STEUERRECHT, LEBENSSTANDARDS, etc. etc. die notwendige Zeit einzuräumen um sich anzupassen, anzunähern, ehe sie in der Gemeinschaft aufgenommen werden können. Hätte man doch nur durch gezielten, unterstützenden „Wirtschafthilfen“ es den Staaten ermöglicht sich selbst dem EU-Standard (meinetwegen zu 70%) anzunähern.
    Nein, man legt Wert auf Wahrung der Menschen-Gesellschafts- und Justizrechte, , ein glaubhaftes demokratisches System und glaubt den Angaben in den Bewerbungsunterlagen(was ja am Beispiel Greichenland wohl nicht so ganz gestimmt haben dürfte).
    Was aber durch eine gewisse Arroganz wenig interessiert sind die Kosten die entstene wenn man diese und jene Länder an den EU-Standard anpassen muss. Die Bewerberländer wären ja schön blöd nicht in die EU zu wollen – es werden doch alle Kosten durch EU-Subventionen getragen, die man bei Nichtbeitritt selbst bezahlen müsste.
    UND, D ist und war in der Vergangenheit immer der größte Unterstützer von Neuzugängen. Dies mit einer gewissen Selbstüberschätzung ihrer Wirtschaftskraft (man hat wohl aus den Kosten der Wiedervereinigung wenig bis gar nichts gelernt). Fakt ist aber, dass die Überschüsse in D auch nur durch 0-Zins erwirtschaftet werden konnten und der Tatsache, dass die Renten-u. Sozialleistungen Schritt für Schritt abgebaut werden. Ob das der richtige Weg der, wie von MaRKO zitiert, Nr. 1 der EU ist wage ich zu bezweifeln.

  5. Avatar

    Dreistein

    6. Februar 2019 10:50 at 10:50

    @Kritisch on fire, Zitat: Fakt ist aber, dass die Überschüsse in D auch nur durch 0-Zins erwirtschaftet werden konnten und der Tatsache, dass die Renten-u. Sozialleistungen Schritt für Schritt abgebaut werden. Die 0-Zins der EZB hat nichts mit den Exporten Deutschland zu tun. Bei den Sozialleistung-Beschneidung bin ich bei ihnen.
    Sie haben die Frage falsch gestellt, Was passiert oder wo sind die deutschen Überschüsse??? EU-weit gesehen stecken sie in den Target2 Salden oder meinen sie Das Ausland hat hier in Deutschland für knapp 1Billion Euro Immobilien gekauft. Was ist mit den deutsch /amerikanischen Überschüssen die wir haben?? Früher haben wir im Gegenzug Gold bekommen oder auch nicht da ein Teil immer noch nicht in Deutschland ist. Die Golddeckung ist ja bekanntlich aufgehoben aber wo sind die Überschüsse? Kann es sein das Deutschland seine Überschüsse nicht nur verschenkt sondern auch noch die Schulden dafür hat? Fragen über Fragen. Deshalb darf Deutschland auch Exportweltmeister sein mit dem wenigsten Median-Besitz. Kein Dax-Wert ist mehr in rein deutschen Besitz sollte auch zu denken geben.

    • Avatar

      Kritisch

      6. Februar 2019 11:46 at 11:46

      @Dreistein! Die Antwort auf ihre Fragen, resp. Feststellungen ist die eklatante Misswirtschaft der letzten 10-12 Jahre – sowohl in der EU wie auch speziell von Fau Merkel. Es wird einfach alles am Altar des politischen Machterhalts geopfert.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Türkische Lira: Achtung, Inflation in der Türkei steigt kräftig an!

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Türkei-Flagge vor dem Bosporus

Die türkische Lira könnte vor einer weiteren Abwertung stehen. Könnte, aber nicht muss, denn da gibt es aktuell einen Hoffnungsschimmer. Aber zuerst zu den schlechten Nachrichten. Die türkische Statistikbehörde hat heute die Inflationsrate für November veröffentlicht. Von Oktober bei 11,89 Prozent springt sie hoch auf 14,03 Prozent im Jahresvergleich. Das ist eine kleine Katastrophe. Denn schaut man auf verschiedene Konsensschätzungen, dann lag die höchste Erwartung bei 12,7 Prozent. Vor allem die Lebensmittelpreise in der Türkei (+21 Prozent) und die Transportkosten (+18,7 Prozent) ziehen den Schnitt nach oben. Hier die Originalgrafik der Statistiker.

Grafik zeigt aktuelle Daten zur Inflation in der Türkei

Bemühungen der Zentralbank zur Eindämmung der Inflation

Die türkische Lira ist seit Jahren dabei gegen Euro und US-Dollar dramatisch abzuwerten. Erst am 19. November hatte die türkische Zentralbank in einem kräftigen Schritt den Leitzins von 10,25 Prozent auf 15 Prozent angehoben. Andere Zinssätze lagen vorher fast schon bei 15 Prozent, weshalb der Markt diesen optisch bedeutenden Schritt wohl nicht als wirklich sensationell einstufte. Und so notiert die türkische Lira trotz massiv gestiegenem Leitzins aktuell sogar etwas niedriger als am 19. November. Hier die Inflationsentwicklung im Chart. Ein Balken steht steht für einen Monat (Prozentveränderung im Vergleich zum Vorjahr).


source: tradingeconomics.com

Warum die türkische Lira heute einen Unterstützer hat

Man kann durchaus vermuten, dass die türkische Zentralbank eine weitere Zinserhöhung in den nächsten Tagen oder Wochen vornehmen könnte, um dem Kapitalmarkt zu signalisieren, dass man es wirklich ernst meint mit der Eindämmung der Inflation in der Türkei. Heute ist die türkische Lira nach dieser deutlich höher als gedachten Inflationsrate wieder verstärkt im Fokus der Devisenspekulanten. US-Dollar vs Lira stieg vorhin von 7,84 auf 7,92, um aktuell aber wieder auf 7,83 zu fallen.

Eine weitere Abwertung für die türkische Lira ist bei der stark gestiegenen Inflationsrate eigentlich zu erwarten. Aber halt, da gibt es einen Rettungsanker, der diese Lira-Abwertung bremsen könnte. Der US-Dollar ist seit Tagen klar am Fallen. Es ist eine eigenständige Dollar-Schwäche, die im immer weiter fallenden Dollar-Index (Währungskorb des Dollar gegen andere Währungen) gut erkennbar ist. Seit dem 23. November fällt der Dollar-Index von 92,60 auf aktuell 90,99 Indexpunkte. Auch seit Montag dieser Woche geht es immer weiter runter. Diese eigenständige Dollar-Schwäche könnte der Lira aktuell dabei helfen, gegen den Dollar nicht all zu stark abzuwerten. Aber ein gesicherter Faktor im Devisenhandel ist das nicht. USDTRY könnte auch abgekoppelt von der Dollar-Schwäche ein Eigenleben führen.

weiterlesen

Devisen

Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

weiterlesen

Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage