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Achtet auf die Signale! Auffällige Muster der US-Berichtssaison

Warum es an der Wall Street derzeit nicht so richtig gut läuft..

US-Firmen übertreffen die Gewinnerwartungen – aber das reicht nicht..

 

Die US-Berichtssaison ist nun in Fahrt gekommen – und es gibt auffällige Muster, wie die Aktien der berichtenden US-Konzerne bislang reagiert haben. Fraglos zählen die Quartalszahlen der US-Firmen zu den wichtgisten Treibern der US-Aktienmärkte, vielleicht sind sie sogar der Wichtigste. Ca. 20% der S&P 500-Unternehmen haben nun ihre Zahlen vorgelegt, drei Viertel davon haben die Erwartungen in Sachen Gewinn übertroffen.

Nun könnte man meinen: ist doch ganz stark, die Aktienmärkte gehen nach oben wenn ca. 75% der berichtenden Unternehmen die Erwartungen übertreffen! Aber da gibt es einen kleinen Haken, und dieser Haken heißt: Umsatz! Die US-Unternehmen übertreffen zwar die Gewinnerwartungen, aber eben nicht die Umsatzerwartungen. Und während die Gewinne nicht zuletzt wegen der US-Steuerreform sprudeln, sieht das mit den Umsätzen anders aus. Denn bei den Umsätzen haben nur 58% der  bisher berichtenden US-Unternehmen die Erwartungen übertroffen – das ist der niedrigste Wert seit sechs Quartalen. Zu bedenken ist, dass die Erwartungen gerne niedrig angesetzt werden im Vorfeld, sodass eine so hohe Quote an Unternehmen, die die Erwartungen nicht übertreffen, durchaus auffällig ist. Während man am Gewinn durch „kreative Bilanzierung“ frisieren kann, ist das bei den Umsätzen schon deutlich schwieriger – mithin sagt also der Umsatz mehr aus als der erzielte Gewinn!

Aber es ist wohl auch der zukünftige Gewinn der US-Unternehmen, der die Investoren verunsichert. Vor allem die immer wieder berichteten gestiegenen Material- und Lohnkosten, die noch weiter nach oben gehen dürften, reduzieren den Gewinn und drücken auf die Margen – Tendenz steigend, weil Trumps Handelskrieg die Lieferketten zerstört, die dann mit hohem finanziellen Aufwand neu aufgestellt werden müssen. Dazu sorgt Trumps Anti-Immigrationspolitik für steigende Löhne, da immer weniger „billige“ Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden.

 

Das Muster: Aktien fallen nach Vorlage ihrer Zahlen

Ein Muster der begonnen US-Berichtssaison ist auffällig: die Aktien jener US-Firmen, die ihre Zahlen gemeldet haben, sind nach Verkündung ihrer Zahlen durchschnittlich um -0,7% gefallen. Das war im ersten und zweiten Quartal noch anders!

Die Amerikaner haben bekanntlich für alles Statistiken – auch für die Reaktion der Aktien jener Unternhemen, die bislang in dieser Berichtssaison ihre Zahlen gemeldet haben:

 

(Chart: Bespoke Investment Group)

Aktien von Firmen, die die Erwartungen übertrafen, stiegen bislang durchschnittlich in einer ersten vorbörslichen Reaktion um +0,8%, verloren dann aber im weiteren Handel nach Handelseröffnung wieder 0,34%. Diejenigen Firmen, die die Erwartungen ziemlich genau trafen, verloren durchschnittlich -1,46% und fielen dann nach Handelsbeginn weitere -0,42%. Und jene Firmen, die die Erwartungen verfehlten, verloren zu Handelsbeginn durchschnittlich -5,45% und gaben dann weitere -0,24% ab.

 

Sell the news ist das dominante Motiv

Wir sehen also durchgängig ein Muster „sell the news“ – ob die Erwartungen übertroffen, getroffen oder unterboten wurden – nach Handelsbeginn ging es stets durchschnittlich nach unten. Das deutet darauf hin, dass die Toleranz der Investoren immer weiter abnimmt – und erklärt, warum derzeit gut 70% der S&P 500-Aktien unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt handeln.

Was die Wall Street jetzt dringend braucht, sind bärenstarke Zahlen von Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung, die das bisherige schwache Muster durchbrechen könnten. Ob das gelingt, werden wir schon in dieser Woche sehen: zehn der 30 US-Konzerne, die im Dow Jones gelistet sind, werden in dieser Woche ihre Zahlen vorlegen – darunter Caterpillar (Dienstag),  Boeing (Mittwoch),  Microsoft (Mittwoch) und Intel (Donnerstag). Jetzt kommt es also wesentlich darauf an, dass auch die Umsätze über den Erwartungen liegen und nicht nur die Gewinne!

 

 

 

 



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