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Achtung: 400 neue Trump-Wähler in Hamburg?

Ja, lesen Sie, staunen Sie, verzweifeln Sie (so wie wir). Ganz bewusst verwenden wir an dieser Stelle diesen übertriebenen Verweis, um auf eine Entwicklung aufmerksam zu machen, die vielen wohl nicht…

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Von Claudio Kummerfeld

Ja, lesen Sie, staunen Sie, verzweifeln Sie (so wie wir). Ganz bewusst verwenden wir an dieser Stelle diesen übertriebenen Verweis, um auf eine Entwicklung aufmerksam zu machen, die vielen wohl nicht aufzufallen scheint. Es werden nämlich nicht nur Niedriglohn-Jobs und einfache Tätigkeiten nach Asien verlagert. Was sagt man dazu: Nach einem erst vor Kurzem angekündigten massiven Stellenabbau in der Triebwerkswartung wird Lufthansa Technik, der Reparatur-Arm der Lufthansa, am Hauptstandort Hamburg wohl weitere 400 Mitarbeiter „abbauen“ – diesmal im Bereich Flugzeugüberholung.

donald-trump
Donald Trump. Foto: Gage Skidmore/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Die Sparte sei defizitär. Laut Unternehmenssprecher gegenüber dem NDR habe man sich nach langen Verhandlungen mit Verdi nicht über eine Lösung für das Personal einigen können. Keine Branche sei so stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt wie die Luftfahrt. Und die Unternehmensstandorte der Lufthansa Technik in Ungarn, auf Malta und auf den Philippinen seien bei der Wartung von Flugzeugen einfach deutlich billiger bei den Personalkosten. Verdi sagte dazu gestern man habe Lufthansa Technik für eine Jobgarantie angeboten die Personalkosten um 7% zu senken. Lufthansa Technik habe aber auf eine Reduzierung von 11% bestanden um den Standort rentabel zu bekommen.

Verdi verwies auch auf den bitteren, verdammt bitteren Umstand, dass die Wartungsexperten des Hauptstandorts Hamburg es waren, die die neuen Kollegen in Übersee erst schulten und halfen dort die Standorte aufzubauen. Nun würden sie durch diese Kollegen komplett ersetzt. Tja, wie nennt man das? Dumm gelaufen? Das eigene Grab geschaufelt? Frage: Wenn einer dieser abgebauten Mitarbeiter beim Jobcenter vorspricht, wird es sinnvoll sein ihn in einen Raum zu setzen vor einen 20 Jahre alten PC um dort PC-Fortbildung zu machen, oder Bewerbungstrainings?

Was soll ein extremst hochqualifizierter Flugzeugingenieur sagen, wenn ihm vermutlich geraten wird: Mach eine Weiterbildung, erweitere Dein Wissen, dann findest Du einen neuen Job? Wer hat wohl mehr Fachkenntnisse als jemand, der Flugzeuge auseinanderschraubt, wartet, und wieder zusammensetzt? Was soll man den Mitarbeitern noch beibringen auf der Skala der Fortbildungsmaßnahmen? Wie man hört, will Lufthansa Technik diese 400 Mitarbeiter womöglich nicht entlassen, sondern in anderen Unternehmensteilen wie dem Umbau von Flugzeugen für VIP´s einsetzen.

Das klingt gut, aber so oder so: Wenn sie dort unterkommen, blockieren sie diese Jobs, weil neuen Bewerbern, die eventuell bereits hochgradig qualifiziert wurden, der Zugang zu diesen Jobs verwehrt wird. So oder so bleibt jemand auf der Strecke, der jahrelang teuer ausgebildet wurde oder studieren musste. Es ist ein Märchen, dass eben nur die einfachen Tätigkeiten nach Asien abwandern. Hierzulande müsse man nur genug qualifizieren, fortbilden, immer weiter lernen und sich verbessern, dann würden hierzulande auch in Zukunft die guten hochbezahlten Jobs erhalten bleiben. So lautet ja bisher das unausgesprochene Versprechen von Politik und Ökonomie-Experten.

Nur der gestrige Verweis von Lufthansa Technik, dass die Standorte zum Beispiel auf den Philippinen anscheinend genau so gut sind, nur eben deutlich kostengünstiger, sollte ein Weckruf sein. Wie hoch will man Flugzeugmechaniker und Ingenieure noch schulen um ihnen sichere Arbeitsplätze anbieten zu können? Nicht jeder Arbeitnehmer hierzulande kann als App-Entwickler arbeiten!

Wir haben auch keine Antwort, wie die Lösung dieses Problems aussehen soll. Die Antwort darauf muss die Politik finden, denn dafür wird sie bezahlt. Einfach nur ausbilden und fortbilden ist selbst für extrem hochqualifizierte Experten offensichtlich keine Jobgarantie, wie man sieht! Wieso schrieben wir am Anfang des Artikels von „verzweifeln“? Nun, wir verzweifeln daran eine Lösung zu finden, wie so hoch qualifizierte Arbeitnehmer vergleichbar gute Jobs neu finden sollen, wenn auch in anderen Hochtechnologie-Bereichen fast nur abgebaut wird. Aber nochmal: Wir sind nicht die Politik – die muss Lösungen finden, die über „Weiterbildungsmaßnahmen im Jobcenter“ hinausgehen.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer offensiven Industriepolitik, der offensiven und umfangreichen Förderung ganz neuer Industrien, wo man ganz vorne sein kann? Wir haben zwar derzeit fast Vollbeschäftigung, aber ähnlich wie in den USA sind neu geschaffene Arbeitsplätze eher gering bezahlte Dienstleistungsjobs, und dazu noch oft Zeitarbeit. Neue Standorte bei Lufthansa Technik entstehen derzeit eher im Ausland. Komischerweise hat man sich für die Märkte Nord- und Südamerika gerade die Karibik-Insel Puerto Rico ausgesucht, die zwar zollrechtlich zu den USA gehört, aber halbwegs eigenständig ist.

Die Insel ist wirtschaftlich gerade pleite gegangen – Massenarbeitslosigkeit, Schließungen, Inselflucht Richtung US-Festland. Dort dürfte es mit Lohnkosten und Gewerkschaften deutlich weniger Probleme geben als in Miami oder Atlanta. Auch im vorhin schon erwähnten Bereich Triebwerksüberholung verzichtet die Lufthansa wie es aussieht auf betriebsbedingte Kündigungen. In den nächsten 5-8 Jahren sollen 700 Stellen durch die natürliche Fluktuation wegfallen. Das heißt: Mitarbeiter die in Ruhestand gehen, werden nicht durch neue ersetzt. Wo zwar niemand entlassen wird, können folgerichtig junge gut ausgebildete Experten nicht nachrücken. Wo sollen die alle unterkommen? Alle ab zu Starbucks? Denn dort wird ja kräftig expandiert im Filialnetz?

Ein Donald Trump würde jetzt sagen „ich hole euch diese Jobs zurück“. Doch das ist wenig realistisch. Wie sieht die Lösung aus? Die Politik muss eine Lösung finden.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Claudius

    17. November 2016 09:50 at 09:50

    Sicherlich ist die pure Floskel von Protektionismus falsch. Ich komme jedoch immer wieder zum gleichen Schluss. Unsere Eliten setzen BIP pro Kopf (Durchschnitt = statistische Illusion) = mit Wohlstand und Zufriedenheit der Bevölkerung gleich. Genau dieser Gleichung widerspricht die Wahl Trumps gewaltig. Ist es nicht so, dass jeder mit der Hälfte des BIP auch sehr gut leben könnte, wenn er sicher sein könnte auch in 10 Jahren noch Arbeit zu haben, wenn er ruhigen Gewissens eine Familie gründen könnte und einfach optimistisch in die Zukunft blickt? Denn dann konsumiert und investiert der Normalbürger auch, wenn die Erwartung nach unten ist spart er.
    Kurz ist ein Russe unglücklicher als ein Amerikaner? Letzterer hat ein höheres BIP pro Kopf. Ich glaube die Zufriedenheit in Russland größer. Man könnte auch andere Länder anstatt Russland anführen, die Aussage ist jedoch die gleiche. Eine gesunde Autarkie = Grundbedürfnisse des Menschen, sollten in der Heimat hergestellt werden, um für die Masse der Bevölkerung auch die Jobs bereitzustellen, dann habe ich sozialen Frieden, auch wenn es 20-40% teurer ist, eine funktionierende Gesellschaft ist mir das jedoch wert.

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      rote_pille

      17. November 2016 13:27 at 13:27

      Wieviele Amerikaner ziehen nach Russland und wieviele Russen nach Amerika…

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      sabine

      17. November 2016 18:46 at 18:46

      Wird das Wort „Trump“ oder „Trumpwähler“ in der Presse jetzt das Wort „Hitler“ oder Nazi ersetzen?
      a) Wär erfreulich. Es ist ja doch nur oft Werbung für die braunen Sozialisten.
      b) Es wird ja auch mal Zeit, das sich das/was ändert.
      c) Man muß ja nicht nach Rußland, um deren gute Ideen zu übernehmen. Auch ich finde die Jagd nach Höchstmengen an Dollars unmenschlich und alles erwürgend. Aber wie bei allen Süchten, der Süchtige merkt es erst zu spät.

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    Nobbi

    17. November 2016 10:13 at 10:13

    sehr guter artikel!
    In Zukunft wird das ganze Problem noch durch die zunehmende Robotorisierung verschlimmert.. dann werden reihenweise Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor wegfallen.. Fabriken.. LKWs usw.. wer wird dann für diese Leute aufkommen? Es muss vermutlich eine Form von bedingunslosem Grundeinkommen geschaffen werden. Ob dies dann aber schon nachhaltig sein kann oder auf ultra pump laufen muss, bleibt abzuwarten.. Jedenfalls wird die zunehmende Technologisierung mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen.

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    nixisfix

    17. November 2016 10:28 at 10:28

    Das ist nur der Anfang der Probleme in der europäischen Flugzeugindustrie. China eröffnete Anfang November in der südlichen Stadt Zhuhai die international Messe der Flugzeug- und Weltraum- Industrie. Dort gab Guo Bozhi (General Manager des staatlichen Flugzeugherstellers Chinas, COMAC) bekannt, dass COMAC zusammen mit dem russischen Flugzeughersteller United Aircraft Corp (UAC) gemeinsam einen Langstrecken Jet entwickeln und bauen werden. Der Betrieb wird als 50:50 Joint Venture Unternehmen mit Sitz in Shanghai dieses Jahr starten.
    Diese Zusammenarbeit bringt China und Russland einen weiteren Schritt näher und wird vermutlich eine große Konkurrenz für die Flugzeugbauer AIRBUS aus Europa und BOEING aus USA werden.

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    Martin Ebner

    17. November 2016 10:30 at 10:30

    Die Lösung ist doch ganz einfach: radikale Absenkung der Lohnkosten und allgemeine Verschlechterung der Lebensqualität – so dass man den Rest der Welt auf Slum-Niveau unterbieten kann und irgendwann als Werkbank für chinesische Hightech-Firmen attraktiv wird. Siehe das Beispiel Puerto Rico.
    Wer in letzter Zeit an deutschen Schulen, Bahnhöfen, Krankenhäusern oder anderen jämmerlichen Einrichtungen für Normalbürger vorbeigekommen ist, weiß, dass in diese Richtung bereits intensiv gearbeitet wird…

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    leser

    17. November 2016 10:55 at 10:55

    Bitte nur ein einziges Beispiel, wo „die Politik“ schon einmal funktionierende Lösungen gefunden hat! Die Politik ist hierzulande eine Negativauswahl, oftmals ohne oder mit zweifelhaften Abschlüssen, oftmals ohne jede praktische Berufserfahrung, geschweige denn unternehmerischer Erfahrung. Und von dort soll die Lösung kommen? Never ever.

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    Ratlos

    17. November 2016 10:57 at 10:57

    Die Situation ist perspektivisch gesehen noch viel schlimmer. Der 3D-Drucker wird sich in den nächsten Jahren auch im Privatbereich durchsetzen, was zu erheblichen kosten- und personalsenkenden Effekten frühen. Handel und Logistik werden massiv davon betroffen sein. Ganze Handelsströme werden „zusammenbrechen“ (dies gab es in der Geschichte ja schon häufiger). Dann ist die Blockchain-Technologie zu nennen, die mir „Himmelangst“ macht und ich nur hoffen kann, dass es sich um einen aktuellen Hype handelt. Und was sagt unsre Elite dazu??? Nichts und nichts!!!

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    frank.trg

    17. November 2016 11:18 at 11:18

    Mir ist eh schleierhaft wieso man nicht mehr Druck auf diese Unternehmen ausübt.? Lufthansa ist ein urdeutsches Unternehmen und macht seinen Hauptumsatz und Hauptgewinn in Deutschland mit vielen Deutschen Kunden. Wie wäre es wenn man ihnen mit Entzug der Lizenz für Deutschland droht? Nicht dass ich mir das wünsche, aber sie verhandeln ja auch knallhart und drohen mit Jobverlagerung. Gut dann machen wir es eben wie Trump. Ihr könnt eure Flugzeuge gerne in Ungarn warten, dann könnt ihr aber auch gleich dort bleiben und mit versuchen mit den Ungarn euer Geld zu verdienen.

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    gerd

    17. November 2016 11:19 at 11:19

    „Achtung: 400 neue Trump-Wähler in Hamburg?“

    Das hängt sicherlich nicht nur vom Finanziellen ab.

    Ein kinderloses Ehepaar oder ein Single denkt da tendenziell etwas kurzfristiger als ein Ehepaar, welches Kinder im Kindergartenalter hat oder sich den Kinderwunsch gerne erst noch erfüllen möchte.
    Letztere müssen davon ausgehen, dass ihre Kinder, wenn sie um die 20 Jahre alt sind, in (nach unseren Maßstäben) Unfreiheit werden leben müssen. Besonders wenn es Frauen sind.

    Ersatzweise würden die ggf. statt Trump auch Frau Petry wählen.

    „Ein Donald Trump würde jetzt sagen „ich hole euch diese Jobs zurück“.“

    Ich hole E U C H diese Jobs zurück. Und mit e u c h meint Trump bestimmt nicht die Migranten, sondern die Einheimischen. Er holt sie (auch) von den Migranten zurück.
    Das heißt, die Jobs, die jetzt Migranten innehaben, stehen den Einheimischen zu mindest zur Verfügung.
    Das beginnt beim Tellerwäscher über Ärzte und Ingenieure
    bis hin zu einer Migrationsbeauftragten. Wobei ich nicht weiß, ob die Amis für ihre Regierung sowas Unsägliches wie eine Migrationsbeauftragte überhaupt bezahlen.

    „Doch das ist wenig realistisch.“
    Ich sehe das also sogar auch ein ganz klein wenig als realistisch an.

    Und seien wir mal ehrlich, 400 hochqualifizierte Ingenieure in Deutschland. Da gibts doch jetzt ein Hauen und Stechen drum, bei den Arbeitgebern.
    Schließlich kommen auf jeden mindestens 5 sog. „offene Stellen.“

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    SMArtTrader

    17. November 2016 11:31 at 11:31

    Ich finde, dieser Bericht zeigt sehr schön, dass es schlicht naiv ist anzunehmen, dass „Die Politik“ auch nur ein bisschen was an der grundsätzlich fundamentalen Natur der Dinge ändern kann.

    Alles in diesem Universum, einfach alles ist in seinem Kern oder vollzieht sich als Welle. Sei es Energie, sei es „das Leben“ oder selbst die Charts – alles Wellen.

    Und so ist es auch beim Arbeitsmarkt!

    Ich erinnere mich noch gut an „den Lehrermangel“, „den Ärztemangel“, „den Fachkräftemangel“, usw. usf.

    Allen diesen Mangelerscheinungen liegt die Tatsache zu Grunde, dass die Gesellschaften in ihren Entwicklungen immer Über- und Unterschüsse produzieren. Und das meint nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern natürlich auch Arbeitskräfte.

    Mal werden wie verrückt Lehrer ausgebildet, weil „die Politik“ mit Zeitverzug merkt, dass sich da ein Unterschuss (Mangel) beginnt zu entwickeln. Wenn die Lehrer dann einsatzbereit sind, haben sich aber die Rahmenbedingungen schon wieder derart verändert, dass der einstige Magel zu einem Überschuss / Überangebot an in diesem Bsp. Lehrern wurde.

    Es ist wohlfeil „der Politik“ abzuverlangen, sie solle all diese Wellenbewegungen in allen Dimensionen und Bereichen richtig „vorhersehen“ und rechtzeitig handeln – und dann auch noch so genau vorherbestimmen, dass genau nur so viele ausgebildet werden, wie dann in 5 oder 10 Jahren auch wirklich vom Arbeitsmarkt in einem bestimmten Land gebraucht werden.

    Sorry, aber das ist einfach zu einfach. Die Welt in der wir leben mag technischer geworden sein.

    Im Inneren ist diese Welt eine evolutionäre Umgebung in der es IMMER darum ging und immer darum gehen wird sich anzupassen um zu überleben.

    Wenn die Natur (Evolution) den Eisbären eine dicke Fettschicht und Fell gibt, um mit Kälte besser als andere umzugehen und plötzlich erwärmt sich das Klima, dann nützt es nichts, „die Natur“ anzuprangern und sich bei ihr auszuweinen!

    Anpassen oder untergehen!

    PS: Ich bin kein Fundamentalist oder Radikaler und ich bin auch der Meinung, dass wir ein sozialeres politisches Umfeld brauchen, aber in diesem Punkt muss man auch mal ganz grundsätzlich ehrlich sein: Die Politik – egal wer – wird das nicht lösen! Wie auch!

    Es ist systemimmanent, dass es Gewinner und Verlierer von Entwicklungen gibt und wenn wir Menschen nicht mal Wahlen richtig vorhersagen können, wie denn dann bitte die gesellschaftlichen Entwicklungen Jahrzehnte im Voraus?

  10. Avatar

    gerd

    17. November 2016 12:29 at 12:29

    Das eine:
    Was Sie beschreiben, umfasst grob gesagt das, was in der Tat auch unter dem Begriff „Schweinezyklus“ im Agrar- und Wirtschaftsleben bekannt geworden ist.

    Das andere:
    „Wenn die ..Evolution den Eisbären .. Fell gibt, um mit Kälte besser ..umzugehen und plötzlich erwärmt sich das Klima, dann nützt es nichts, „die Natur“ anzuprangern …“

    Und ob es auf längere Sicht was nützt, wenn wir beispielsweise nun stattdessen die Eisbären nach Deutschland einladen, um ihnen die Veränderungen in der Heimatregion zu ersparen?
    Ich glaube nicht. Die einheimische Tierwelt bekäme die größten Probleme. Besonders die kleineren Tiere, die sich nicht wehren können. Den ganz großen Tieren, welche oft selbst die Neigung haben sich raubtierhaft zu verhalten, würden die Eisbären nur selten was anhaben können.

  11. Avatar

    Z0P0

    17. November 2016 13:03 at 13:03

    Es gibt noch jemanden in Deutschland der Flugzeugwartung im großen Stil anbietet ( sitzt weiter Elbaufwärts) und hat letzte Woche die verbesserten Wettbewerbsbedingingen mit der IGM durch einen Zusatztarifvertrag angenommen. Ergebniss ist durchschnittlich ca. 10% Lohnverzicht. Eigentümer sind Singapore und Airbus…
    Wir brauchen uns keinen Illusionen hingeben, das war erst der Anfang.

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Staatsverschuldung auf Rekordhoch gestiegen – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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am

Deutschland-Flagge

Es ist kein Wunder. Im Zuge der Coronakrise explodiert die deutsche Staatsverschuldung, wie in anderen Ländern auch. Heute hat das Statistische Bundesamt Details zum Stichtag 30. Juni 2020 veröffentlicht. Die Schulden der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen einschließlich aller Extrahaushalte) gegenüber nicht-öffentlichen Einrichtungen lag Ende Juni bei 2,1089 Billionen Euro. Dies ist ein Rekordhoch bei der Staatsverschuldung nach dem vorigen Hoch bei 2,0683 Billionen Euro Ende 2012.

Staatsverschuldung wächst um 210 Milliarden Euro in sechs Monaten

Interessanter als der Langfristvergleich ist aber eher das aktuelle Bild. Wie sieht die Veränderung von Dezember 2019 zu Juni 2020 aus, also genau in der Zeit, wo die Staatsverschuldung durch die Coronakrise angefacht wurde? Es war ein Anstieg von 210,1 Milliarden Euro oder +11,1 Prozent! Die Statistiker sagen zu dem Anstieg Zitat: „Der Anstieg ist im Wesentlichen dadurch begründet, dass die öffentlichen Haushalte finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise aufnahmen„.

Interessant: Die Sozialversicherung konnte laut heutiger Veröffentlichung der Statistiker ihren Schuldenstand gegenüber dem Jahresende 2019 um rund 5 Millionen Euro (-8,8 %) auf 52 Millionen Euro reduzieren. Frage: Wie hat man das geschafft bei derart vielen neuen Arbeitslosen und folglich deutlich weniger Einnahmen? Die Staatsverschuldung auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden wird von den Statistikern im Detail erläutert. Hier im Wortlaut:

Schulden des Bundes wachsen um 163 Milliarden Euro

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren am Ende des 1. Halbjahres 2020 alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts stärker verschuldet als zum Jahresende 2019. Am stärksten stieg in diesem Zeitraum die Verschuldung des Bundes, und zwar um 13,7 % beziehungsweise 163,0 Milliarden Euro auf 1 351,5 Milliarden Euro.

Schulden der Länder steigen um 46,1 Milliarden Euro

Die Länder waren zum Ende des 1. Halbjahres 2020 mit 624,9 Milliarden Euro verschuldet, dies entspricht einem Anstieg um 8,0 % beziehungsweise 46,1 Milliarden Euro gegenüber dem Jahresende 2019. Die Verschuldung ist in allen Ländern gestiegen, prozentual stieg sie in Sachsen (+89,6 %), Bayern (+30,6 %) und Bremen (+20,4 %) am stärksten. Die Länder mit dem höchsten absoluten Zuwachs waren Nordrhein-Westfalen (+17,0 Milliarden Euro), Bremen (+6,1 Milliarden Euro) und Niedersachsen (+4,1 Milliarden Euro).

Auch bei den meisten Ländern stand die höhere Verschuldung größtenteils im Zusammenhang mit der Corona-Krise. In Bremen ist der Anstieg vor allem auf Schuldenaufnahmen für die Bereitstellung von Barsicherheiten für Derivat-Geschäfte zurückzuführen.

Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände nehmen um 1,1 Milliarden Euro zu

Der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände erhöhte sich im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem Jahresende 2019 um 0,8 % beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro auf 132,4 Milliarden Euro. Hier war die Entwicklung unterschiedlich: Die Schulden stiegen vor allem in Gemeinden und Gemeindeverbänden in Schleswig-Holstein (+5,4 %), Hessen (+4,2 %) und Niedersachsen (+2,2 %). Dagegen sanken die Schulden insbesondere im Saarland (‑14,4 %), Sachsen (‑7,3 %) und Thüringen (-4,7 %).

Der Rückgang in den saarländischen Gemeinden und Gemeindeverbänden ist zum großen Teil dadurch begründet, dass im 1. Halbjahr 2020 das vom Land verwaltete „Sondervermögen Saarlandpakt“ 300,0 Millionen Euro der Kassenkredite der Gemeinden und Gemeindeverbände übernommen hat.

Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle den gestrigen hochinteressanten Artikel von Wolfgang Müller mit dem Titel „Coronakrise: Wie viel Reserven hat der deutsche Staat noch?“

Grafik zeigt aktuelle Staatsverschuldung nach Bundesländern

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Spiegel-Kolumnist fordert „Kapitalismus-Reform jetzt“ – eine Gegenrede

Claudio Kummerfeld

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Geld ist das Symbol von Kapitalismus

Thomas Fricke ist als regelmäßiger Kolumnist auf Spiegel Online einem bundesweiten Publikum bekannt. Und wenn man seine vor drei Tagen veröffentlichte Kolumne mit dem Titel „Kapitalismus-Reform jetzt!“ genau durchliest, dann wird einem klar: Thomas Fricke ist kein knallharter Kommunist, Sozialist oder Gegner des marktwirtschaftlichen Modells. Genau so wenig, wie ich ein knallharter Marktliberaler bin. Zum Beispiel wäre ich gegen die Privatisierung von Wasserwerken. Öffentliche Daseinsvorsorge von wichtigen Kernaufgaben wie der Wasserversorgung haben in privater Hand nichts zu suchen. So möchte ich es nur mal an diesem Beispiel festmachen, dass der totale Wahn des freien Marktes nicht meine Sache ist. Dennoch fühle ich mich genötigt auf den Artikel von Thomas Fricke eine Gegenrede zu schreiben, weil ich mit vielen (nicht allen) seiner Aussagen so nicht einverstanden bin.

Gleich vorweg erstmal eine Zustimmung zu den Aussagen von Thomas Fricke. Manchmal werden marktwirtschaftliche Erfolgsgeschichten geschrieben, nachdem ein großer staatlicher Anschub geleistet wurde. So basiert (mein Beispiel) zum Beispiel der Erfolg des Silicon Valley zu guten Teilen auf den enormen Forschungsgeldern, welche die US-Regierung zum Start des Kalten Kriegs in die Bereiche Raketentechnik, Mikroelektronik etc steckte (mehr dazu hier und hier). Es nützt aber nichts einfach nur eine große Masse an Geld zu geben. Bei den Geldempfängern muss der Drang da sein zu forschen, etwas erschaffen zu wollen, voranzukommen, innovativ zu sein. Ist dies nicht der Fall, dann läuft es so, wie Daniel Stelter es gerade erst eindrucksvoll am Beispiel Berlin beschrieben hat (hier nachzulesen). Leicht vereinfacht ausgedrückt: Der mit Abstand größte Empfänger im deutschen Länderfinanzausgleich, die Stadt Berlin, saugt vor allem von Bayern und Baden-Württemberg immer mehr Geld ab. Je schlechter man wirtschaftet, desto mehr Finanzhilfen erhält man. Man braucht selbst nicht innovativ zu sein. Man kann sich in jeder Menge sozialistischer Experimente und Träumereien ergehen – kein Problem, denn zahlen tut jemand anders. Aber gut, ich schweife ab. Zurück zur Kolumne von Thomas Fricke.

Der böse Kapitalismus ist schuld?

Kommen wir nun zu einer These von Thomas Fricke, die gleich in der Headline-Aussage unter dem Titel der Kolumne zu finden ist, die da lautet „Märkte scheitern gerade in solchen Krisen“. Gemeint ist wohl die derzeitige Coronakrise. Dazu muss man sagen: Dass der Kapitalismus in so einer Zeit scheitert – das ist einfach eine unfaire Betrachtungsweise. Denn in einer Zeit, wo der Staat dem Markt verbietet tätig zu sein (Geschäfte müssen zwangsweise schließen, Flugzeuge dürfen nicht fliegen etc), wie soll der Teilnehmer am freien Markt da seinen Lebensunterhalt verdienen können? Der Kapitalismus war wochenlang zu großen Teilen abgeschaltet, und es war den Menschen (aus guten Gründen) nicht erlaubt an der allgemeinen Wertschöpfung teilzunehmen, die ihren Lebensunterhalt sichert. Deswegen git es derzeit diese Probleme! Das soll kein Vorwurf gegen die Regierung sein. Aber zu behaupten, dass die Märkte (also der Kapitalismus) gerade in diesen Zeiten scheitern, ist absurd. Hier Thomas Fricke auszugsweise im Zitat: „Wenn Regierungen wie Notenbanker in Corona-, Finanz- und anderen Großkrisen eingreifen, tun sie das, weil eben jene Marktkräfte nicht funktionieren, nach denen solche Krisen theoretisch entweder gar nicht vorkommen dürften – oder sich alles von selbst regulieren müsste. Tut es eben nicht.“

Die völlig falsche Sichtweise auf die Schere zwischen Arm und Reich

Auch ist ein wichtiger Themenblock von Thomas Fricke die immer weiter wachsende Ungleichheit bei den Vermögen. Der einfache Spruch lautet (ich formuliere mal frei heraus): Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das ist ungerecht, und daran ist der böse Kapitalismus schuld. Richtig? Nein, eben nicht. So schreibt Thomas Fricke, dass wenn seit just den Neunzigerjahren Reich und Arm so drastisch auseinandergedriftet sind, dann nicht, weil zu viel interveniert wurde, sondern weil Marktkräfte zu immer stärkerer Konzentration von Vermögen beitragen – wer viel hat, bekommt auch umso leichter mehr davon“. Da macht es sich Thomas Fricke nun mal viel zu einfach, so möchte ich es sagen. Er übersieht völlig den Grund, warum denn Arm und Reich gerade in den letzten Jahren immer mehr auseinander gedriftet sind. Es gibt zwei betroffene große Asset-Blöcke, nämlich Aktien und Immobilien. Ihre Preise steigen seit Jahren immer weiter an, und mehren in der Tat den Reichtum der Reichen immer weiter, während die Armen davon nichts haben. Im Gegenteil, die Armen dürfen die Lasten ständig steigender Wohnungsmieten tragen, und haben immer weniger zum Leben übrig.

Was hat denn dazu geführt, dass Preise für Aktien und Immobilien trotz Finanzkrise und Coronakrise (vereinfacht gesagt) eigentlich nur steigen, steigen, und steigen? Die Notenbanken haben, um alle Krisen und Probleme aus der Welt zu schaffen, die Zinsen jahrelang immer weiter gesenkt, und letztlich abgeschafft. Damit haben die kleinen Leute, die nur das Sparbuch nutzen, Jahr für Jahr dank Inflation reale Wertverluste. Das große Geld strömt seit Jahren von zinslosen Anleihen in den Aktien- und Immobilienmarkt. Dazu kommt noch, dass die Notenbanken mit ihren Anleihekaufprogrammen in Billionenhöhe die großen institutionellen Anleger teilweise vom Anleihemarkt verdrängen. Auch diese Anleger stürmen in Aktien und Immobilien. Keine Zinsen mehr, also kauft man Aktien und Immobilien auf der Suche nach Rendite. Und dieser Trend läuft seit Jahren, und wurde zuletzt durch die Notenbank-Orgien im aktuellen Jahr 2020 nur noch weiter angefacht!

Würde der Kapitalismus unbeeinflusst durch die Notenbanken einen freien Marktzins bilden können, dann wäre der Zins wohl so hoch, dass die kleinen Sparer real einen jährlichen Zinsgewinn erzielen würden. Geldanlagen in Anleihen wären attraktiv, und große Institutionelle wären nicht in Aktien oder Immobilien geflohen. Und noch etwas. Bei einem viel höheren Zinsniveau (das derzeit planwirtschaftlich von Notenbanken verzerrt wird), wäre es für die großen Konzerne vor allem in den USA unattraktiv, in obszönem Ausmaß Kredite aufzunehmen, um damit eigene Aktien an der Börse zurückzukaufen. Diese Aktienrückkäufe sind seit Jahren auch ein Grund für die massiv steigenden Aktienkurse der großen Konzerne. In einem echten, freien, nicht von Notenbanken und Politik beeinflussten Markt wäre diese Vermögenspreisblase bei Aktien und Immobilien in dieser Form wohl nicht entstanden, und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wäre zwar da, aber nicht so schlimm wie heute. Thomas Fricke verdreht in seiner Kolumne diese Mechanismen völlig.

Besserer Staat, nicht mehr Staat

Relativ hilflos stehe ich der Aussage von Thomas Fricke gegenüber, dass Menschen in ehemaligen Industriehochburgen AfD, Trump und Brexit gewählt hätten, weil es dort an zu wenig Staatseinfluss gegeben hätte. Bei der Argumentation komme ich kaum noch mit. Das Phänomen Donald Trump hatte ich jüngst in einem eigenen Artikel besprochen mit dem Titel „Donald Trump ist nicht das Problem, sondern das Resultat eines Problems“. Die meisten „Medienprofis“ glauben doch tatsächlich, dass das Problem weg ist, wenn Trump und AfD weg sind. Dass die Leute vor allem Trump gewählt haben wegen dem großen jahrzehntelangen Versagen seiner Vorgänger (egal ob Demokrat oder Republikaner), möchte man am besten ganz ignorieren. Nicht noch mehr politische Bevormundung und Staatseingriff braucht es, sondern schlicht und einfach nur gute Politik!

Thomas Fricke sagt, dass erst wenn wir im Land wieder überall Glasfaser haben, würde es sich lohnen, in entlegenere Regionen zu investieren, was es bisher nicht tut. Da mag er recht haben. Aber: Wenn man um Deutschland rundherum schaut, laufen Netzabdeckung, Digitalisierung (vereinfacht gesagt) überall deutlich besser als bei uns – das wird nicht an zu wenig Staat in Deutschland liegen, sondern eher an schlechter beziehungsweise inkompetenter Politik in Deutschland!

Der böse Kapitalismus und die Finanzkrise

Thomas Fricke schreibt: „Wenn es 2008 zur größten Finanzkrise seit Jahrzehnten kam, dann ja nicht deshalb, weil Staaten zu viel eingegriffen haben, sondern weil sich Finanzmarktakteure in ein irres System aus gegenseitiger Verschuldung auf weitgehend freien Märkten verlaufen hatten – und weil dem zu wenig staatliche Grenzen gesetzt wurden. Eine Krise, die bis heute nachwirkt, etwa in Form von Nullzinsen.“ Das ist natürlich die aller leichteste aller Übungen, nämlich sinngemäß zu sagen: Leute, schaut auf die Finanzkrise 2008, die Marktwirtschaft hat hier ihre häßliche Fratze gezeigt. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Drei große Akteure haben (das ist meine Meinung) zu gleichen Teilen zur Finanzkrise 2008 beigetragen. Als da wäre US-Regierung und US-Notenbank. Die unausgesprochene Staatsraison der Amerikaner lautete schon lange vor der Finanzkrise, dass jeder Amerikaner (weil man ja die größte, reichste und mächtigste Nation der Welt sei) das Recht habe in seinem eigenen Haus zu leben.

Deswegen schufen Regierung und Notenbank absichtlich ein Umfeld von immer weiter sinkenden Zinsen und Deregulierung am Hypothekenmarkt. Genau so aber waren die Konsumenten schuld, die oft (aber nicht immer) sehenden Auges in die Katastrophe schlitterten, weil sie Häuser kauften, die sich sich gar nicht leisten konnten. Und drittens waren es die Banken, die unbedingt Geld verdienen wollten durch hochverzinste Immobiliendarlehen. Egal wie, es mussten Kredite verkauft werden. Diese toxische Kombination schuf die Immobilienkrise in den USA, und nicht ein simples Scheitern des Kapitalismus. An der Finanzkrise haben ALLE Institutionen und Personengruppen in den USA „mitgewirkt“. Der Kapitalismus war Teil des Problems, aber nicht das alleinige Problem. Diese Krise zeigte, dass der Kapitalismus in der Tat einen gesetzlichen Rahmen benötigt, der auch überwacht werden muss. Aber der gesetzliche Rahmen sollte nicht zum Erstickungstod des Marktes führen.

Was uns bevorsteht

Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht im Kapitalismus, und auch nicht in einem heraufziehenden Kommunismus. Sondern in einer Art schleichender Lawine, welche unzählige sozialistische Ideen über uns bringt, eine immer größere Staatswirtschaft, einen immer größeren Apparat der Sozialindustrie, mit immer mehr Steuern und Abgaben, Beschränkungen und Verordnungen. Wichtig ist nur, dass man gerade im Zuge der Coronakrise gerade diejenigen Kräfte ausbremsen sollte, die jetzt ihre große Chance sehen, auf die sie so lange gewartet haben. Endlich Abkehr vom Markt, endlich Verstaatlichungen, mehr Regulierung (siehe Mietpreisdeckel in Berlin uvm). Solche Auswüchse wie in Berlin dürften erst der Anfang sein, wenn im Zuge der Coronakrise der Ruf nach mehr Staatswirtschaft immer lauter wird.

Vor allem nach der nächsten Bundestagswahl dürfte in der Post-Corona-Zeit der Drang hin zu mehr Staatswirtschaft zunehmen. Was die dann neu formierte Regierungskoalition (raten sie mal welche das sein wird) vor hat, lässt sich natürlich schwer erahnen. Aber für jeden der denkt, ihn persönlich würde eine zunehmende Staatswirtschaft und zunehmende staatliche Restriktionen nicht betreffen, der schaue mal ins grün regierte Ländle. In Baden-Württemberg wurde nämlich beschlossen, dass das Landesnaturschutzgesetz geändert wird. Dabei geht es um die Gestaltung von Vorgärten auf Privatgrundstücken – Schottergärten auf Privatgrundstücken werden verboten. Tja, Sie als Hausbesitzer dürfen dann nicht mehr selbst bestimmen, ob sie Steine oder Rasen vor ihrem Haus auslegen. Das ist nur ein winziger, kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bevorstehen dürfte.

Es ist zu befürchten, dass uns in Sachen Sozialindustrie und Umweltregulierung ein neuer gigantischer Bürokratieapparat bevorsteht, der jede Menge neue Vorschriften und Einschränkungen mit sich bringt. Dieser Apparat bedeutet viele schöne neues Jobs für die jeweilige Klientel. Und man wird viele dieser neuen Ämter, Jobs und Regulierungen mit der Headline versehen: „Der Kapitalismus konnte es eben nicht, deswegen muss es jetzt der Staat richten. Corona, Finanzkrise, Armut, Ungleichheit – der Kapitalismus hat hier gezeigt, dass der Staat hier viel stärker eingreifen muss, also machen wir das jetzt“. So wird das Motto wohl lauten.

Thomas Fricke wünscht sich unter anderem, dass (Zitat) „Politiker dazu beitragen, dass bei drohenden wirtschaftlichen Umbrüchen in den betreffenden Regionen viel früher neue Perspektiven geschaffen werden – und viel systematischer schon dafür gesorgt wird, neue Firmen anzulocken, die am besten zu den Leuten und Ressourcen vor Ort passen“. Dazu kann man als mahnendes Negativbeispiel die ostdeutschen Kohlereviere erwähnen, wo tausende Jobs verloren gehen. Wohl aus Angst, dass die AfD dort wegen solchen Job-Verlusten mehr Zulauf bekommt (meine persönliche Vermutung), hatte man schon letztes Jahr schnell eine Idee. Es mussten sofort Job-Versprechen her für die neuen Arbeitslosen. Und siehe da: Von Kohleabbau direkt hinüber in die Staatswirtschaft. So sollen von 8.000 Kumpel, die ihren Jobs verlieren, für 5.000 von ihnen neue Jobs bei Behörden geschaffen werden, genau in den Regionen wo die Jobs verloren gehen. Neue Staatsjobs schaffen, wofür genau? Mal sehen? Irgendwas fällt uns da schon ein? Wie produktiv werden diese neuen Behörden sein?

Klar ist nur: Die privaten Arbeitnehmer in Deutschland müssen diese zusätzlichen Behördenjobs dann zukünftig dauerhaft auch finanzieren, mit ihrem Steueraufkommen. Es gilt, so meine bescheidene Meinung, dem Drang nach immer mehr Staat, höheren Steuern und immer mehr Regulierung Einhalt zu gebieten. Nur fällt das dank Corona ziemlich schwer, weil es sich so wunderbar leicht aussprechen lässt, dass der böse Kapitalismus das Problem sei. Nicht mehr Staat und mehr Regulierung, sondern bessere Politik und intelligentere Regulierung, das sollte das Ziel sein! Die Aufforderung von Thomas Fricke zur Reform des Kapitalismus dürfte von all zu vielen Menschen als Unterstützung ihres Wunsches angesehen werden, den freien Markt zu bekämpfen und immer weiter abzuschaffen, anstatt ihn zu reformieren.

Übrigens: Wer mehr Staat will, mehr Schulden, mehr Staatswirtschaft, der scheint bei Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, genau an der richtigen Adresse zu sein (hier unser letzter Bericht zu seiner Person). Er ist bekannt als regierungsfreundlicher Kommentator in volkswirtschaftlichen Fragen. Siehe folgender aktueller Tweet:

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Allgemein

Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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