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Achtung vor der zweiten Abwärtswelle am Aktienmarkt!

Redaktion

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am

Manuel Koch bespricht im folgenden Video die wirtschaftlichen Aussichten in Folge des Coronavirus. Die Regierungen stützen die Volkswirtschaften mit jeder Menge neue Schulden. Was bedeutet das für die Märkte? Im Interview bezieht der Profi Andre´ Stagge klar Position. Die aktuelle Erholung an den Aktienmärkten sei keine Bodenbildung. Die Kurse seien deutlich schneller gefallen als in den vorigen großen Börsenabstürzen. Daher sei es jetzt völlig normal, dass die Kurse erstmal etwas nach oben laufen. Im Sommer gehe da noch was auf der Abwärtsseite. Wer die nächsten Monate in Aktien investiere, werde keine Gewinne erzielen. Den April solle man eher nutzen um Aktienbestände abzubauen. Ab Ende des Jahres könne man überlegen günstiger in den Aktienmarkt einzusteigen.

Der Rentenmarkt wird von Andre´ Stagge sehr kritisch betrachtet. Man müsse die Haftungsfrage stellen bei den gigantischen Aufkäufen der Schulden durch die EZB. Die Anleihemärkte würden signalisieren, dass noch eine zweite Abwärtswelle bei Aktien anstehe! Liquidität sei ein entscheidender Punkt, weswegen die Notenbanken derzeit so aktiv seien. Maredo, Vapiano etc seien aktuell schon pleite. Man stehe am Anfang einer großen Pleitewelle. Und man könne nicht alle Zombieunternehmen retten. In den guten Jahren sei das große Schuldenproblem bei Unternehmen bereits entstanden. Auch im Video gibt es zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Alphabet (Google) könne man jetzt zu aktuellen Kursen kaufen. Auch bei den Aktien von Volkswagen könne man aktuell einsteigen.

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Altbär

    27. März 2020 19:22 at 19:22

    War denn der gute Herr Stagge nicht kürzlich noch sehr bullisch ? Ich erinnere mich ,dass ich genervt war wegen seiner Bullerei.Kann sich jemand an das Video erinnern?

    • Avatar

      bernd

      28. März 2020 19:15 at 19:15

      ja klar, aber das sind doch alles nur dummbatzen in nadelstreifen. meinung wird immer angepasst… leider alles nur schaumschläger

  2. Avatar

    Lossless

    27. März 2020 20:36 at 20:36

    Lieber @Altbär, Profis, hier kommen nur Profis zu Wort.

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      Beefeater

      28. März 2020 15:06 at 15:06

      Wo uns die „Profis“ hinwirtschaften sehen wir ja aktuell.

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    Altbär

    27. März 2020 21:32 at 21:32

    @Lossless, wie ist das gemeint, etwa Profis haben das Recht immer falsch zu liegen u.die Warner dauernd als Crash- Propheten zu betitteln.
    Ich als armes Kuschelbärchen u.Andere Grossbären wie Hesterbär u.s.w. haben in der letzten Baisse immerhin Gewinne gemacht u.in den letzten zwei Monaten sogar Grössen wie Buffett u.Otte geschlagen.
    Risse, Hellmeyer, Ehrhardt, Halver, Beck , Thieme u.s.w. müssten mit ihrer Einstellung auch unter den Verlieren zu suchen sein u.das mit gesamthaft 300Jahren Börsenerfahrung u.ca. 4 erlebten Crashes.
    Möglich ist auch, dass sie nur Kundengelder verloren haben u.ihr eigenes abgesichert haben.Es gibt genügend Beispiele von solchen Typen.
    P.S. Ihre DAX Analysen fehlen mir, gestern Abend fehlte mir der Mut zu verkaufen.

    • Avatar

      Lossless

      27. März 2020 22:50 at 22:50

      Lieber @Altbär,

      ich höre hin und wieder das Börsenradio. 95% von denen, die dort ihre Stimme erheben und ihre Eitelkeiten pflegen, liegen falsch und das schon seit Monaten. Hinschwerend kommt hinzu, nur wenige von den 95% Verwalten Gelder oder sind selbst Fondsmanager. Nein, jetzt kommt es, sie geben sogar noch Seminare oder schreiben Bücher und in regelmässigen Abständen, erklären sie uns die Welt der Märkte. Man könnte nun die sogenannten Profis mit ihren Aussagen, die sie in der Vergangenheit getätigt haben mal konfrontieren – aber nein – man macht genauso weiter wie eh und je. Selbstreflexion oder die so wichtige Charaktereigenschaft seine Fehler klar zu benennen – Fehlanzeige. Diese Leute haben beim Allzeithoch laut ausgerufen “Kaufen, Kaufen, Kaufen Sie!” Wehe dem der ihren Rat gefolgt ist.

      PS. Ich habe ein Twitter-Account da können wir uns gerne austauschen wenn sie mögen?

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    Altbär

    29. März 2020 12:33 at 12:33

    @Lossless, vielen Dank für Ihre Antwort. Den Gipfel abgeschossen in Bezug „DEFORMATION PROFESSIONELL“ hat kürzlich ein bekannter PROFESSOR FÜR FINANZMARKTÖKONOMIE AN DER
    UNI IN ZÜRICH..So schrieb er am 27.2. WENN EIN PRIVATANLEGER JETZT VERKAUFE, HABE ER DAS SPIEL NICHT BEGRIFFEN . ( Ist das ein Eingeständnis ,dass da ein Spiel getrieben wird? )Solche Phasen müsse man durchstehen um Rendite zu machen.Jetzt Abstossen um den Schaden zu begrenzen u.später wieder einsteigen sei keine gute Option.Man soll jede Korrektur nutzen, um nachzukaufen. Sowas von praxisfremd, geht er doch einfach davon aus, dass in kurzer Zeit wieder Hochs gesehen werden.U.bitte nicht vergessen, ein nur leicht gehebeltes Vermögen hat bei einer 30% Korrektur leicht 50% Eigenkapitalverlust zu Folge. Möchte da das KÖNNEN U.WOLLEN VON NACHKAUFEN SEHEN. Hat es doch schon lange Querfasen ohne neue Hochs gegeben, die von Vielen auch in den nächsten Jahren erwartet werden. Kaufen u.Halten ist in der schnelllebigen manipulierten Zeit sowieso vorbei. Sogar Buffett verkauft u.schichtet um u.der Amazon Boss sagte die Halbwertszeit von grossen Firmen betrage heute kaum mehr als 30Jahre.
    Was die Kommunikation betrifft, ich bin kein Twitterer, eine Lageeinschätzung von Zeit zu Zeit würde mich aber freuen.Ich wäre einverstanden wenn ihnen FMW meine E-Mail Adresse übermitteln.würde.
    PS. Es gibt da verschiedene Meinungen zur Charttechnik, aber auffallend wie am Freitag bei die US -Indices ziemlich genau am 38,2% Retracement kehrten. Ja ich glaube sehr oft hat es etwas in sich.Teilweise werden diese wichtigen Marken von den Manipulatoren auch genutzt um diese Marken zu brechen,was dann meistens zu Fehlausbrüchen führt.
    Gruss

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      Dreamtimer

      29. März 2020 16:51 at 16:51

      Buy and hold.

      Kaufen kann jeder, alle haben ihre Erfolgsstory vom nahezu perfekten Einstieg, aber keiner kann verkaufen. Niemand hat realistische Erwartungen, keiner weiß, wann er das Zeug wieder abstoßen soll. Wenn ich Leute frage, die ganz euphorisch eine Kaufgelegenheit bewerben, wann sie gedenken, wieder zu verkaufen, wird der Blick glasig. Ich denke, die von Ihnen oben erwähnten Finanzmarktentertainer geben den Leuten, die nicht verkaufen können, das Gefühl, dass das auch nicht wichtig sei, dass man das nicht zu können braucht. Sie bieten sich dafür als Spiegel an und halten die Unsicheren mit ihrem Berufsoptimismus bei Laune. Es kommt allerdings noch erschwerend hinzu, dass sie nicht nur nicht verkaufen, sondern auch nicht kaufen können. Selbst die naivsten unter meinen Bekannten und Kollegen haben eine Ahnung oder ein Gefühl für eine Situation, in der sie kaufen können und sie liegen da oft auch richtig und laufen ins Plus, so wie einer unserer Werkis, der Kryptos kaufte, zwei Monate bevor die Welle des großen Hypes Anfang 2018 in sich zusammen brach. Sie können kaufen, nur nicht verkaufen und verlieren dann alles wieder.

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        Lausi

        30. März 2020 07:47 at 07:47

        @Dreamtimer: Schon komisch, dass Verkaufen so viel schwieriger als Kaufen ist – muss wohl ein psychologisches Ding sein.

        Ohne stets nachjustierte Stop-Loss geht es wohl nicht – und das nicht nur in Gedanken. Und die Justierung darf natürlich nur „nach oben“ erlaubt sein, also in Richtung höhere Gewinne/weniger Verluste. Der Nachteil ist, dass man nie das Top erwischt, und dass man sich gelegentlich über Fehlausbrüche grün und blau ärgern kann. Und etwas Zeit- und Arbeitsaufwand benötigt es natürlich auch – inkl. Disziplin. Aber trotzdem sollte sich das langfristig als die lukrativere Methode herausstellen – auch wenn man dabei möglicherweise etwas mehr Gebühren- und Steuerausgaben haben sollte.

        Take Profit ist natürlich auch möglich. Dieser sollte aber schon mit dem Kauf des Wertpapiers festgesetzt werden, und dann nicht mehr bewegt werden.

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    Altbär

    29. März 2020 12:55 at 12:55

    Nachtrag, Markus Koch hatte kürzlich ein Meeting mit diesem Superprofessor. Er hat in seinem täglichen Video davon gesprochen. Ich glaube er ist invisziert von ihm, passt gut. Bei solchen Theorien desinfiziere ich mich eher. Muss man solange studieren, um der Welt zu erklären, dass man Aktien nie verkaufen soll, weil sie sowieso immer nur steigen? Zeiten wie jetzt müssten eigentlich solche unnützen teuren Berufsgattungen eliminieren , tun sie leider nicht. Dafür ist die ganze westliche Welt materialmässig sehr schlecht gerüstet für eine Pandemie. Zum Glück liefern die Chinesen noch Mundschütze ,damit wir unsere dummen Gesichter abdecken können.Just in Time Produktion funktioniert halt nicht immer.Ein Vorschlag, ich würde das Studienfach „Finanzmarktökonomie“ abschaffen, ( da die Notenbanken die Kurse machen) u.dafür das Fach „ Lieferketten-Ökonomie einführen.

    • Avatar

      Lossless

      30. März 2020 17:19 at 17:19

      @Altbär

      Dabei ist Markus Koch noch einer, der wirklich nah am Geschehen ist.

      Wenn man sich genau überlegt, wodurch die steigenden Kurse realisiert worden sind. Schlichtweg mit Geld was extra dafür geschaffen wurde. Wenn ich mich mir recht überlege, wie gefährlich dieses Drucken, monetär und ökonomisch ist, sollte sich jeder überlegen was er da kauft und auf welche Kosten er dies tut. Und genau darauf spekulieren die Bullen. Sie spekulieren auf ein weiteres betanken der monströsen Blase. Früher wahren Leerverkäufer die Bösen Buben, heute sind sie die wahren Realisten. Ja wo sind denn nun die Gewinne der letzten 10 Jahre an den Börsen? Entweder sind die im Moment eingefroren (Hedgegeschäfte) und die Kosten hierfür sind nicht unerheblich oder man hofft auf eine „Weiter-so!“ in den kommenden Monaten. Verlieren wird immer der Kunde und die Profis die dies zu verantworten haben, schreiben Bücher, halten Seminare und geben ungeniert Interviews. „Business as usual“ nennen sie dann das.

      Wenn mich Leute in solchen Zeiten um Rat bitten, antwortete ich immer mit einer bekannte Tatsache aus dem Bergsteigen. Die schlimmsten Unfälle passieren nicht beim Aufstieg, sondern beim Abstieg.

      Wir werden noch in Tiefs hinabsteigen an die im Moment niemand denkt.

      • Avatar

        Lossless

        30. März 2020 17:48 at 17:48

        Zusatz: ich weiß auch nicht, was ich Ihnen mit meinen Rechtschreibfehlern sagen will.

        Die Autokorrektur entwickelt ein Eigenleben. Ich bitte vielmals um Verzeihung.

      • Avatar

        Lausi

        31. März 2020 08:51 at 08:51

        Sehr schöner Vergleich mit dem Bergsteigen. Und das Sicherheitsseil ist dann der Stop-Loss! :-)

        • Avatar

          Lossless

          31. März 2020 12:35 at 12:35

          @Lausi

          Die meisten Menschen versterben am Berg nicht weil eine Sicherung oder sogar ein Seil fehlt. Sie verunglücken durch Erschöpfung, Verwirrung, sie verlieren die körperliche Koordination oder das Bewusstsein.
          So ergeht es auch den Unwissenden an den Kapitalmärkten.

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Gastronomie-Krise: Harte Fakten, weniger Insolvenzen, großes Problem

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Umgedrehtes Glas

Es ist kein Geheimnis. Die Gastronomie ist zusammen mit anderen Branchen wie Reisebüros, Airlines, Solo-Selbständigen uvm von der Coronakrise brutal getroffen worden, frontal und mit voller Wucht. Für den Zeitraum März bis August hat das Statistische Bundesamt heute harte Fakten für die Gastronomie geliefert. Der Umsatz der Branche lag im Vergleich zu März bis August 2019 um 40,5 Prozent tiefer. Man überlege sich das Mal. 40 Prozent weniger Umsatz in so einem großen Vergleichszeitraum. Das kann doch eigentlich kein Unternehmer überleben.

Hinzu kommt, was inzwischen auch kein Geheimnis mehr ist, dass die Insolvenzen in Deutschland in den letzten Monaten deutlich geringer ausfielen als im Vorjahr. Dies lag einerseits an Finanzhilfen des Staates und am Kurzarbeitergeld. Aber vor allem lag es an der großen staatlich genehmigten Insolvenzverschleppung. Bis vor Kurzem war die Insolvenzantragspflicht nämlich seit März ausgesetzt. Nun aber dürften ab Oktober und ab Januar die Insolvenzzahlen vermutlich deutlich ansteigen. Zitat von den Statistikern:

Von März bis Juli 2020 meldeten in dieser Branche 753 Unternehmen Insolvenz an – das waren 126 weniger als im Vorjahreszeitraum und 135 weniger als von März bis Juli 2018. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zum 1. März 2020 ausgesetzt wurde, was über alle Wirtschaftszweige hinweg zu einem Rückgang der Insolvenzen führte. Im Juli 2020 beantragten bundesweit 146 Gastronomie-Unternehmen Insolvenz, das waren 16,1 % weniger als im Juli 2019. Dieser Rückgang entspricht der Gesamtentwicklung: Insgesamt wurden im Juli 2020 in Deutschland 16,7 % weniger Insolvenzen angemeldet als im Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Umsätze in der Gastronomie in der Coronakrise

Unsere Meinung dazu: Die Charts zeigen eine spürbare Erholung in der Gastronomie. Der größte Teil des Tals ist für einige Bereiche der Branche demnach durchschritten. Selbst wenn man annehmen würde, dass von nun an die Umsätze in der Gastronomie wieder laufen wie früher, ist für die breite Öffentlichkeit unsichtbar ein Riesenproblem für die Branche entstanden. Oft wurden Bankkredite und Ladenmieten gestundet. Sie müssen nun zusätzlich zu den wieder aufgenommenen monatlichen Zahlungen nachgezahlt werden. Und im Zuge der Krise haben viele Unternehmer Kredite in aufgenommen. Das bedeutet: Selbst wenn die Umsätze wieder laufen sollten, wäre die monatliche Kostenbelastung für viele Betriebe deutlich höher als vor der Krise, und für viele Unternehmer ist das wohl dauerhaft nicht tragbar. Eine auf mehrere Quartale ausgedehnte Pleitewelle könnte folgen, und das nicht nur in der Gastronomie.

Weitere Details zu Umsatzrückgängen in der Gastronomie von den Statistikern im Wortlaut:

Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren all jene Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums (Caterer: -42,1 %).

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

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am

Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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