Beim Namen „Agora Energiewende“ horchen viele Menschen auf. War da nicht mal was? Graichen, Trauzeugen-Affäre, Verstrickung mit den Grünen? Diese grüne Lobby-Organisation ist als gemeinnützige GmbH organisiert. Und man schreibt selbst, die Agora Energiewende „erarbeitet unter dem Dach der Agora Think Tanks wissenschaftlich fundierte und politisch umsetzbare Konzepte und Strategien, damit der Weg zur Klimaneutralität gelingt“.
Man darf also annehmen: Alles was die Agora Energiewende sagt, schreibt und tut, dient dem Zweck, die sogenannte „grüne Transformation“ voranzutreiben. Das an sich ist eine gute Sache, gar keine Frage. Aber sind die Aussagen dieser Organisation deswegen mit Vorsicht zu genießen, weil man eben eine ganz bestimmte Agenda verfolgt? Schon drei Arbeitstage nach Jahresende will Agora es geschafft haben, „vorläufige Berechnungen“ zu erstellen, wie viel CO2 in Deutschland im letzten Jahr ausgestoßen wurde. Eine erstaunliche Leistung!?
Die gute Nachricht: Laut dieser heutigen Meldung der Agora Energiewende sind Deutschlands Treibhausgasemissionen 2024 deutlich gesunken – sie gingen um 18 Millionen Tonnen bzw. 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 656 Millionen Tonnen CO2 zurück. Damit fielen die Emissionen laut Agora zum dritten Mal in Folge und erreichten einen historischen Tiefstand, auch wenn sich der Rückgang im Vergleich zum letzten Jahr stark verlangsamte.
Industrie: Mehr CO2 bei weniger Produktion
Laut Agora Energiewende hat die deutsche Industrie im letzten Jahr bei rückläufigem Produktionsvolumen mehr CO2 verbraucht. Da ist es natürlich folgerichtig, noch mehr Umbau der Industrie zu fordern? Die Treibhausgasemissionen der Industrie lagen 2024 laut Agora bei 158 Millionen Tonnen CO₂, was einem leichten Anstieg von 3 Millionen Tonnen beziehungsweise zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. „Insgesamt wog der Effekt des leicht erhöhten Verbrauchs fossiler Kraftstoffe der energieintensiven Industrie höher als der allgemeine Produktionsrückgang über alle Industrien hinweg“, so Agora. Dennoch hätten die Emissionen um 10 Millionen Tonnen CO₂ unter dem indikativen Jahressektorziel gelegen.
Wenn man verkünden könnte, dass die Industrie deutlich weniger CO2 ausstößt, könnte der Druck zur „Klima-Transformation“ nachlassen? Aber wenn man meldet, dass die Industrie bei weniger Produktion sogar mehr CO2 ausstößt, kann man als Lobbygruppe noch mehr Tempo beim grünen Umbau der Industrie fordern? So schreibt Agora: „Steigende Industrieemissionen bei stagnierender Wirtschaft zeigen, wie dringend wir strukturelle Klimaschutzmaßnahmen brauchen“.
Beim Blick auf die Strompreise zeigt sich in der Industrie laut Agora ein differenzierteres Bild: Im Vergleich zu 2023 sei der Strompreis für industrielle Abnehmer dank niedrigerer Beschaffungskosten und der deutlich reduzierten Stromsteuer gesunken. Damit liege der Strompreis für kleinere Industrie- und Gewerbebetriebe wieder auf dem Niveau von 2021. Große Verbraucher würden laut Agora aber „weiterhin deutlich mehr als vor der Krise zahlen“. Das ist wichtig! Denn man sieht es Woche für Woche: Engergiehungrige Betriebe schließen oder reduzieren ihre Produktion, und/oder verlagern ins Ausland, oft in Nachbarländer wie Polen. So kann man natürlich relativ schnell die CO2-Bilanz auf dem Papier verbessern. Wenn nur genug Betriebe das Land verlassen oder ihren Laden einfach dicht machen, wird die CO2-Produktion irgendwann auch spürbar sinken.
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Naja- die Industrie bzw. Chemie benötigt Prozesswärme. Und da geht es oft nur mit einer offenen Flamme.
Gut- diese Flammen können auch mit Wasserstoff erzeugt werden. Aber wer kann das Produkt dann noch bezahlen?
Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem die Deindustrialisierung soweit fortgeschritten ist, dass auch der CO2 -Ausstoß der Industrie merklich zurückgeht.
Für die Arbeitslosen reicht dann Strom, um die Wohnung warm zu bekommen.
Denn für ein 40 bis 50.000 Euro teures Elektroauto wird es dann sicherlich nicht mehr reichen.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut