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Air Berlin-Aktie: Zocken auf dem Vulkan nach Wöhrl-Angebot

Bis Freitag nächster Woche können Interessenten noch Kaufangebote für Air Berlin oder Teile davon abgeben. Nun wird aktuell bekannt, dass der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl ein konkretes...

FMW-Redaktion

Bis Freitag nächster Woche können Interessenten noch Kaufangebote für Air Berlin oder Teile davon abgeben. Nun wird aktuell bekannt, dass der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl ein konkretes Kaufangebot gemacht haben soll. Konkurrenten wie Lufthansa, Condor etc habe man informiert, dass sie sich an dem Angebot beteiligen könnten, was aber wohl kaum geschehen wird. Denn warum sollen große etablierte Marken, die bereits selbst bieten, sich auf einmal bei Wöhrl anshließen? Aber Wöhrl könne auch ganz alleine bieten, wie er schreibt. Er geht einen mehr als ungewöhnlichen Weg, und veröffentlicht über diesen Facebook-Post sein Angebot für Air Berlin.

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=763982900451186&id=150489725133843

Er wolle die gesamte Air Berlin kaufen, wie sie am 31. Dezember 2016 bestanden habe, so Wöhrl. Den Kaufpreis werde er in mehreren Tranchen bezahlen. Zunächst werde man 50 Millionen Euro überweisen. Diese Summe würden Investoren der zu Wöhrl gehörenden INTRO-Gruppe aufbringen. Weitere Kauf-Tranchen seien ergebnisabhängig, und würden sich auf bis zu 450 Millionen Euro belaufen. Somit könne der Gesamtkaufpreis 500 Millionen Euro betragen.

Und die Mitarbeiter von Air Berlin könnten im Fall eines Weiterverkaufes darüber hinaus eine Gewinnbeteiligung von bis zu 100 Millionen Euro erhalten. Er gehe davon aus, dass Air Berlin bald wieder wachse und demzufolge mindestens die heutige Anzahl von Mitarbeitern benötigt werde. Das klingt doch eigentlich zu schön, um wahr zu sein, oder?

Wir tippen einfach mal, wie der Sachwalter von Air Berlin denkt. Da kommt also so ein Angebot von Herrn Wöhrl auf den Tisch. Darin wimmelt es von Ratenzahlungen, von einem Kaufpreis, der nicht von Wöhrl, sondern von Investoren von Wöhrl bezahlt werden soll, und von einer weit überwiegenden Kaufsumme, die nur erfolgsabhängig bezahlt werden soll. Das sind einfach zu viele merkwürdige Variablen, viel zu unsicher.

Wir tippen mal, dass der Sachwalter hier und jetzt ein klares einfaches Angebot auswählen wird von einer etablierten Airline. Neben Wöhrl kursieren auch angebliche Kaufinteressen durch den Raum, zum Beispiel von einer Berliner Luftfrachtfirma. Der ehemals ein klein wenig schillernde Utz Claasen sagt er habe hochpotente und hochseriöse internationale Investoren, mit denen er bieten wolle. Aber mal ehrlich. Wer erwähnt von sich aus das Wort Seriös? Seriosität wird doch eh vorausgesetzt.

Worauf zocken die Anleger? Eine gute Frage. Was würde bei niedrigen Kaufpreisen und nach der Bedienung von Gläubigern noch übrig bleiben für die Aktionäre? Alle noch vorhandenen Maschinen sind geleast, könnten also bei einer Verwertung keinen Verkaufserlös bringen. Die aktuelle Wöhrl-Story bringt heute ein klein wenig Euphorie in die Aktie. Sie steigt um 12% auf 0,35 Euro. Aber lassen Sie sich nicht von dem schönen prozentualen Anstieg täuschen. Es ist nun mal ein Pennystock, und die Firma ist in der Insolvenz.

Was da noch für die Aktionäre rauskommen soll, ist mehr als fraglich. Ein Zocken auf dem Vulkan, auf jeden Fall noch diese und nächste Woche! Danach könnte die Luft wohl endgültig raus sein, wenn bekanntgegeben wird, wer den Zuschlag erhält.


Die Air Berlin-Aktie seit 4. September.



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