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Airbus zieht den Dax runter – Teileknappheit zwingt zu Warnung

Die Aktie von Airbus fällt seit gestern Abend spürbar. Das Unternehmen meldet massive Probleme in den Lieferketten.

Produktion eines Airbus A320
Produktion eines Airbus A320. Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg

Eigentlich ist doch Boeing seit geraumer Zeit das Sorgenkind der Flugzeugindustrie. Aber nun vermiest ausgerechnet Airbus die gute Laune. Die Aktie (blaue Linie) fällt seit gestern Abend von 149 Euro auf jetzt 134 Euro. Der Dax (orange) verliert parallel seit gestern Abend von 18.319 auf 18.083 Punkte. Im deutschen Leitindex ist Airbus die Aktie mit der viertgrößten Marktkapitalisierung, und bewegt daher den Index spürbar, wenn die anderen Schwergewichte sich nicht gerade außerordentlich bewegen. Dem europäischen Flugzeugbauer fehlen Millionen von Teilen, aus denen die Verkehrsflugzeuge des Unternehmens bestehen, und die Situation wird für den weltgrößten Flugzeughersteller eher schlechter als besser.

Chart vergleicht Kursentwicklung von Dax und Airbus

Airbus senkt Ziele

Der Hersteller warnte laut Bloomberg Montag Abend, dass er einen Engpass bei Triebwerken, Flugzeugstrukturen und Kabinenausstattungen erlebt, was wiederum die Lieferpläne des Unternehmens sabotiere. Infolgedessen hat Airbus eine ganze Reihe von längerfristigen Zielen zurückgeschraubt – vom Betriebsergebnis, der Cash-Generierung und der Flugzeugübergabe bis hin zu den monatlichen Produktionsraten des wichtigen A320-Modells.

Die Herausforderungen, vor denen Airbus und der Konkurrent Boeing stehen, sind nicht auf eine schwache Nachfrage nach ihren Produkten zurückzuführen, sondern auf eine Lieferkette, die seit Jahren stark überlastet ist. Airbus hat schon seit langem vor diesem Problem gewarnt, nachdem die Pandemie zunächst die weltweite Luftfahrtindustrie erschütterte und sie dann unvorbereitet zurückließ, als der Flugverkehr wieder ansprang. Neu ist das Ausmaß des Problems, wobei CEO Guillaume Faury sagte, dass der Triebwerksmangel nun als neuester Knackpunkt auftaucht.

„Das ist eine neue Situation, mit der wir nicht gerechnet haben“, sagte Faury in einer Telefonkonferenz, nachdem Airbus seine überraschenden Prognosen für das laufende Jahr veröffentlicht hatte. Das Unternehmen rechnet nun mit der Auslieferung von 770 statt 800 Flugzeugen im Jahr 2024, wie es am Montag nach Börsenschluss mitteilte. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern wird in diesem Jahr 5,5 Milliarden Euro erreichen, nachdem zuvor sogar 7 Milliarden Euro angepeilt worden waren. Außerdem senkte das Unternehmen seine Prognose für den freien Cashflow vor Kundenfinanzierung auf rund 3,5 Milliarden Euro.

Die Aktie des Zulieferers Safran verlor bis zu 4,4%, während die MTU Aero Engines AG um 7,9% nachgab. „Der Staub muss sich erst legen, bevor wir wieder ins Positive drehen können“, sagte Christophe Menard, Analyst bei der Deutschen Bank, der die Gewinnwarnung von Airbus als „erstaunlich“ bezeichnete. „Die Auslieferungen im Juni sind offensichtlich schleppend, und es gibt derzeit keine Garantie, dass das neue Auslieferungsziel bis zum Jahresende leicht zu erreichen sein wird.“

Faury sagte Reportern, die Situation werde nicht besser, so dass das Unternehmen seine Ziele anpassen müsse. Airbus hat außerdem sein Ziel, monatlich 75 Single-Aisle-Jets vom Typ A320 zu produzieren, um ein Jahr auf 2027 verschoben. Dieser konservativere Ansatz wird das Defizit an neuen Jets weiter verschärfen, da auch Boeing sein Modell 737 mit einer deutlich reduzierten monatlichen Rate herstellt. Die Revision der jährlichen Auslieferungsrate ist das zweite Mal seit 2022, dass Airbus dieses Ziel nach unten korrigiert hat. Zuletzt hatte der Flugzeughersteller Ende April bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal sein Ziel von 800 Einheiten bekräftigt.

Fehlende Teile

Faury sagte, dass zum Beispiel Kabinenteile knapp sind, weil die Fluggesellschaften ältere Flugzeuge umbauen, was bedeutet, dass die Lieferungen an Airbus eingeschränkt sind. Viele Fluggesellschaften haben sich darüber beklagt, dass sich die Auslieferung von Flugzeugen verzögert, so dass sie gezwungen sind, ältere Maschinen länger zu fliegen.

Der Vorstandsvorsitzende sagte in einem Interview Anfang Juni, dass etwaige Lieferengpässe in den nächsten zwei bis drei Jahren bestehen bleiben könnten. Faury warnte am Montag, dass die wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen zu dieser Situation beitragen und „noch eine Weile“ anhalten werden. Erschwerend für Airbus kommen Probleme mit den Triebwerken des meistverkauften A320-Modells hinzu, das mit dem Pratt & Whitney-Modell von RTX oder der Leap-Variante des Konsortiums CFM International ausgestattet ist.

Faury sagte in der Telefonkonferenz, dass sich die Situation in den letzten Wochen „erheblich verschlechtert“ habe und dass das Unternehmen bis zum Ende des Quartals mit Segelflugzeugen auskommen werde – ein Branchenausdruck für Flugzeuge ohne Turbinen. Triebwerksprobleme treten immer häufiger auf, nachdem sie im Jahr 2023 und Anfang dieses Jahres unter Kontrolle zu sein schienen, so der CEO.

Airbus hat eine relativ ruhige erste Jahreshälfte hinter sich, während Boeing nach einem fast katastrophalen Unfall eines Flugzeugs Anfang Januar in eine tiefe Krise geraten ist. Infolgedessen sah sich das US-Unternehmen gezwungen, die Produktion seiner 737 zu drosseln, was Airbus möglicherweise die Möglichkeit gibt, Aufträge von Boeing-Treuen zu gewinnen. Gleichzeitig sind die meistverkauften Produkte beider Unternehmen weitgehend ausverkauft, so dass Airbus nur begrenzte Möglichkeiten hat, von Boeings Problemen zu profitieren.

‚Schwierig‘

Die neue Prognose schließe mögliche Übernahmen aus, so Airbus. Das Unternehmen steht kurz vor einer Vereinbarung mit Spirit AeroSystems über die Übernahme von Teilen des Geschäfts des Luftfahrtzulieferers, wie Bloomberg letzte Woche berichtete. Faury sagte, die Gespräche würden fortgesetzt, wollte sich aber nicht zu einem möglichen Abschluss der Gespräche äußern.

„Die Situation von Spirit ist vom industriellen Standpunkt aus gesehen schwierig“, sagte Faury. „Das ist ein Teil der Schwierigkeiten, die diese Aktualisierung auslösen“. Airbus sagte, dass man auch Belastungen in Höhe von etwa 900 Millionen Euro im Zusammenhang mit einigen Raumfahrtprogrammen erleiden wird, und verwies auf „komplexe und anspruchsvolle Produkte“, die zu Entwicklungsrisiken führten. Infolgedessen werde Airbus „alle strategischen Optionen wie potenzielle Umstrukturierungen, Kooperationsmodelle, Portfolioüberprüfungen und M&A-Optionen prüfen“.

Diese Überprüfung der angeschlagenen Raumfahrtprogramme sei zu etwa 70 % abgeschlossen, sagte Airbus in einer separaten Telefonkonferenz mit Analysten. Die Revision erfolgt kurz vor dem Ende des zweiten Quartals von Airbus. Das in Toulouse, Frankreich, ansässige Unternehmen wird voraussichtlich am 30. Juli seine vollständigen Halbjahresergebnisse vorlegen.

FMW/Bloomberg



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10 Kommentare

  1. Kann es sein, dass die Rohstoffe aus China und Russland nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen?

    Analyse: Rohstoffe: Wie China und Russland Europa abhängig machen | INDUSTRIEMAGAZIN

    https://industriemagazin.at/news/kampf-um-rohstoffe/

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Hallo @Helmut,

      Sie wissen aber schon, dass der Artikel weit über 2 Jahre alt ist und kurz nach dem russischen Überfall geschrieben wurde? Also in einer Zeit, als den bis dahin völlig blauäugigen Verantwortlichen bewusst wurde, in welche Anhängigkeiten und Erpressbarkeiten man sich gestürzt hatte.

      Und dass die meisten Rohstoffe aus Russland nicht mehr zur Verfügung stehen, ist nun wirklich kein Geheimnis. Schließlich unterliegen viele davon den westlichen Sanktionen. Eisen und Stahl z. B. seit März 2022, Roheisen, Kupfer- und Aluminium seit Dezember 2023.
      https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/rohstoffe-londoner-metallboerse-lme-verbannt-russische-metalle/100032294.html
      https://www.consilium.europa.eu/de/policies/sanctions-against-russia/
      https://www.consilium.europa.eu/de/policies/sanctions-against-russia/timeline-sanctions-against-russia/

      Bei Stahl und Eisen wird demnächst die Ukraine einspringen – endlich, nach viel zu langem Herumgeeiere der EU.
      https://ubn.news/de/sanktionen-gegen-die-russische-bergbau-und-metallurgieindustrie-wird-die-ukraine-davon-profitieren/

      Deutschland hatte bereits Anfang 2023 seine Importe aus Russland drastisch reduziert und durch andere Importquellen ersetzt. Aktuell dürften sicher weitere Fortschritte in dieses Richtung erzielt worden sein.
      https://www.axinocapital.de/files/public/dekra-chart-05-23-b2e7e.jpg

      1. Ja Michael,
        die Abhängigkeit von Stickstoff aus Russland ist noch größer geworden in den letzten beiden Jahren.
        Dabei liefert ja Russland noch jede Menge Rohstoffe in die EU in die USA.
        Ich hatte nur eben den Stickstoff herausgesucht, den Europa dann ja dringend auch noch zusätzlich benötigt, wenn die Amis es schaffen Europa in einen Krieg mit Russland zu treiben.
        Oder es wird der Stickstoff genommen der für die Landwirtschaft bestimmt ist. Aber ich denke, Russland wird dann die Lieferung einstellen.

        Düngerimporte aus Russland: Wie abhängig ist Deutschland? | agrarheute.com
        https://www.agrarheute.com/management/agribusiness/duengerimporte-russland-abhaengig-deutschland-612063

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

        1. Hallo @Helmut,

          Sie sind wirklich ein Phänomen! Immer, wenn Sie widerlegt oder Ihre alarmistischen Meldungen relativiert werden, schwenken Sie um und erzählen Märchen.
          In dem Kommentar mit dem verlinkten Artikel, auf den ich Ihnen geantwortet habe, ist nirgendwo die Rede von Stickstoff.
          Und als wäre das nicht schon genug, muss auch gleich noch der übliche Wahnsinn von Amerikanern folgen, die Europa in einen Krieg treiben.

          Im Übrigen scheint es sich genau umgekehrt zu verhalten: „Nitrozellulose, ein leicht entzündliches Baumwollprodukt, ist für die Herstellung von Schießpulver und Raketentreibstoff unentbehrlich. Es wird nur in wenigen Ländern hergestellt und unterliegt wegen seiner militärischen Verwendung internationalen Handelsbeschränkungen. Russland produziert nur wenig Nitrozellulose und ist daher auf Importe angewiesen, um Krieg führen zu können.“
          https://www.telepolis.de/features/Russlands-geheime-Waffenfabrik-Der-Westen-als-unfreiwilliger-Lieferant-9671061.html

  2. Kann es sein, das @Helmut keine Ahnung hat?
    Kann es.
    Nicht so lange in der Sonne sitzen und ausreichend trinken!

    1. Zu was braucht man Passagierflugzeuge in der Zukunft,wenn doch die ganze Welt vom bösen CO2 abhängt und dadurch immer weniger geflogen wird,die rot,grünen Ideologen auf der ganzen Welt werden schon dafür sorgen und außerdem muss man ja kriegstüchtig werden,damit genügend Waffen aller Art hergestellt werden müssen,da ist das böse CO2 natürlich egal.

      1. Ja Deutscher, ohne den Stickstoff aus Russland, kann noch nicht einmal genügend Munition in Deutschland hergestellt werden. Nachdem es 20 Jahre nicht gelungen ist die Demokratie (zusammen mit den Amis) gegen eine Mopedarmee in Afghanistan zu verteidigen, muss Deutschland nun hochgerüstet werden, damit die Demokratie gegen die größte Atommacht der Welt in der Ukraine verteidigt wird.
        Gut das ich weit weg bin.

        Noch etwas zu dem Mangel an Rohstoffen:
        Optilogic | Milderung von Lieferkettenproblemen in China im Jahr 2024
        https://optilogic.com/resources/blog/mitigating-china-supply-chain-issues/

        Viele Grüße aus Andalusien
        Helmut

        1. @Helmut
          verstehen Sie eigentlich die Artikel, die Sie hier posten? In dem Artikel geht es um LIEFERKETTEN und nicht um ROHSTOFFE.
          Wie kann man nur den ganzen Tag so viel Unsinn schreiben.

          Und dann noch mal so ne Frage: Hat es die Afgahnen irgendwie gestoert, dass die UdSSR die groesste oder zweitgroeste Atommacht war? Oder haben die Russen doch damals in Afgahnistan gesiegt?

          Warum ruesten die NATO-Laender wohl auf? Ich gebe Ihnen einen Tipp: Die Laender, die am naechsten zu Russland sind, ruesten am meisten auf. Koennte es ggf eventuell, also nur viellicht damit zusammenhaengen, dass da ein Typ in einem grossen roten Gebaeude ein anderes Land ueberfallen hat und nun noch anderen Laendern praktisch droht? Oder wie es so gepflegt ausgedrueckt haben: Die Front kann noch nach Polen verschoben werden.

          Ihre Doppelmoral ist wirklich amuesant: Sie beklagen hier die Aufruestung, gleichzeitig wuenschen Sie sich nichts sehnsuechtiger, als dass Russland nun auch noch Polen angreift.

        2. @Helmut. Sie machen sich unnötig Sorgen um Munition! Pistorius bringt gerade eine „kleine Bestellung“ über 15 Milliarden auf den Weg.

          https://www.deutschlandfunk.de/pistorius-will-fuer-15-milliarden-euro-artilleriemunition-bestellen-100.html

          Ihre Schwarzmalerei funktioniert einfach nicht, noch nicht einmal die kalten und dunklen Wohnzimmer im vergangenen Winter haben sich eingestellt, obwohl Sie uns das so fest versprochen hatten.

      2. @Deutscher
        Ihr Herr und Meister greift ein anderes Land an. Und droht anderen Laendern, es ebenfalls anzugreifen. Und Sie wundern sich, dass diese Laender nicht einfach hinnehmen? Wie naiv kann man sein.

        Ist das nicht eine verrueckte Vorstellung, dass man alte Flugzeuge durch neue, die sparsamer sind ersetzt? Naja, nur dann, wenn man die leistungsfaehige russische Flugindustrie sich anguckt, die nun auf Flugzeuge aus der guten alten Sowjetzeit zurueckgreifen muss, weil man es seit der guten alten Zeit nicht hinbekommen hat, selber moderne Flugzeuge zu bauen. Vielleich kommen bald die guten alten Zeiten wieder, wo die Passagiere vor dem Einstieg jeweils 2 50-Liter-Kannister in die Hand gedruckt bekommen, die erst mal zur Tankstelle latschen muessen und das Kerosin kaufen muessen, damit sie fliegen koennen.

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