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Aktien: Die Crux mit den Markteinschätzungen der Profis

Höre nicht auf das, was sie sagen, sondern achte auf das, was sie tun

Aktien - Einschätzungen der Profis

Wir befinden uns in der starken saisonalen Phase für Aktien: Viele rechnen mit einer Jahresendrallye bis zuletzt, obwohl der breite S&P 500 schon über 25 Prozent in diesem Jahr hinzugewonnen hat. Man durchforstet die Nachrichten nach Hinweisen, was dem bunten Treiben ein Ende setzten könnte und man wartet gespannt auf die Ergebnisse der monatlichen Umfrage der Bank of America unter Investoren, bei der zuletzt 345 Profis nach ihren Einschätzungen der Märkte befragt wurden. Immerhin geht es dabei um ein Anlagevolumen von über 1,2 Billionen Dollar, doch was kann man mit diesen Feststellungen als Anleger anfangen, ergeben sich aus deren Prognosen nicht automatisch Zielkonflikte?

Aktien: Die letzte Umfrage der Bank of America

Es ist bereits schon ein paar Tage alt, das Ergebnis des Bank of America Global Fund Manager Survey und es wurde in allen Nachrichtenkanälen für Wirtschaft ausgebreitet. Was früher ein kleiner Geheimtipp war, ist in Zeiten von Twitter und Co in Sekundenschnelle auf allen Bildschirmen der Interessierten präsent.

Zusammenfassend kann man feststellen: US-Aktien sind wieder en Vogue, Cash wurde abgebaut und die befragten Portfoliomanager waren deutlich optimistischer geworden. Nachdem sie wahrscheinlich durch das rapide Ende der Septemberkorrektur wieder einmal auf dem falschen Fuß erwischt worden sind.

Ein Teil der Zuversicht dürfte auf der Einschätzung beruhen, dass man das Inflationsrisiko niedriger einschätzt, als noch im Oktober (33 % gegenüber 48 %).

Allerdings war ein Teil der Befragungen schon vor der Veröffentlichung des Anstiegs der US-Inflationsrate auf 6,2 Prozent beendet gewesen.

Man zeigte sich beeindruckt von den guten Unternehmensergebnissen in Q3, reduzierte die Cashquote von 4,7 Prozent im Oktober auf 4,3 Prozent. In steigende Notierungen hinein, deshalb lag die Aktien-Quote zuletzt so hoch wie seit Juni nicht mehr.

Vor allem, weil man zuletzt mit deutlich besseren Aussichten für die Unternehmen rechnet als vor Monatsfrist.

„What a Difference a day makes“, ein paar Tage später wuchsen die Sorgen bereits wieder wegen Corona, Lockdowns und Lieferengpässen.

Ankündigung von Strategien und Käufen

Über eines muss man sich im Klaren sein: Sollte ein Anlage-Dickschiff tatsächlich im Vorhinein ankündigen, welches Engagement konkret in der Pipeline steht, so würde es sich damit seinen eigenen Kauf zerschießen.

Was würde denn passieren, wenn ein Großanleger wie Warren Buffett publizierte, er wolle sein Engagement in eine Aktie X Anfang Dezember aufstocken? Der Kurs würde unmittelbar reagieren, nach oben schnellen und der gute Investor müsste zu viel höheren Preisen einsteigen. Damit ist es praktisch ein Unding für Großinvestoren, Engagements im Voraus anzukündigen. Die kommunizierten Aktionen müssen damit „Schnee von gestern“ sein, der Fondsmanager könnte beim Erscheinen der Umfrage schon begonnen haben, sein Engagement wieder zu reduzieren

Die großen Befürchtungen der Profis und ihre Relevanz

Sicherlich haben die großen Geldhäuser Wissensvorsprünge durch ihr aufwändiges Research und den engen Kontakt zu den Firmen. Aber dennoch gibt dies in Summa keine bessere Performance – im Gegenteil man sollte sich stets überlegen, wie die Position der Großen im jeweiligen Umfeld aussieht, denn wenn diese zu uniform ist, herrscht Gefahr im Verzug. Ein kleiner Wimpernschlag in die falsche Richtung und es kommt zu großen Umschichtungen mit deutlichen Auswirkungen auf die Kurse.

Wie war es denn im Frühjahr, als steigende Zinsen eine sichere Sache zu sein schien – die Folge war eine gewaltige Schieflage Vieler.

Sehr interessant eine große Übersicht über die größten Risiken, die die Fondsmanager in der letzten Dekade ausgemacht und sich höchstwahrscheinlich anlagetechnisch dagegen gerüstet hatten.

Umfrage BoA

Was von dem alles hat sich realisiert und wie war die Marktreaktion beim S&P 500?

Aktienmärkte S&P 500 Entwicklung

Fazit

Höre nicht auf das, was sie sagen, sondern achte auf das, was sie tun. Auch leicht gesagt, denn die Aktionen an der Börse sind für gewöhnlich nur im Nachhinein transparent und geschehen ohne Vorankündigung. Abhängig vom Auftreten externer und unerwarteter Faktoren und vor allem von der schweren Kalkulierbarkeit des Verhaltens von Marktteilnehmern. Daher ist es auch immer wieder schön anzusehen, wenn die Börsenexperten ex post berichten, was die Kurse der Aktien getrieben hat.

Deshalb bleibt es dabei: Was in Zukunft für die Börse relevant sein wird, ist nicht so einfach prognostizierbar, nicht einmal für eine Notenbank, die überaus priviligiert ist, mit ihrem Zugang zu allen Statistikämtern.



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1 Kommentar

  1. Nicht immer.
    Damals konnte man bei Bekanntmachung bei Berkshire mir San bei
    BANK OF AMERICA eingestiegen, noch in Ruhe bei 9 Euro einsteigen…
    Bei der Sensation Berkshire steigt bei Apple ein konnte man einsteigen.
    DAMALS lang ist’s her.
    Sicherlich die meisten Informationen sind HINTERHER UND DANN SIND WIR SCHLAUER.
    AKTIEN SIND BEIDES SCHEINBAR SACHWERT UND EINE KURSWETTE.
    Und dann gibt’s noch blablabla………

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