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Aktien: Die Rally aus übergeordneter Sicht

Warum die Rally nicht so irrational ist wie Pessimisten glauben!

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Klar sind die Aktien im Verlauf der 27 Prozent-Hausse des Jahres 2019 teuer geworden, klar gibt es eine Riesen-Schere zwischen den Aktienbewertungen und den Gewinnen in der Realwirtschaft – aber es gibt eben auch ein paar Argumente, die diese Lage einigermaßen sinnvoll erklären können.

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Aktien: Die Gründe für eine Katastrophenhausse

Kann sie tatsächlich Realität werden – oder stecken wir bereits drin – in einer aus fundamentalen Gründen geradezu irrealen Katastrophenrally, die von Hannes Zipfel und mir in der letzten Woche skizziert wurde? Unglaublich, aber einige Prämissen haben sich in letzter Zeit tatsächlich weiter in Gang gesetzt.

Hier noch einmal die Rahmenbedingungen für eine mögliche Fortsetzung der Hausse an den Börsen:

Zinssenkungen, eine immerhin schwach wachsende Weltwirtschaft, die Pause im Handelsstreit, keine Inflation, die Verstärkung von TINA (Alternativlosigkeit der Aktien) und Euphorie der Anleger – so könnte man die Zutaten für ein derartiges und seltenes Szenario salopp umschreiben, solange externe Schocks ausbleiben (die üblichen „unknown unknowns“).

In den letzten Tagen hat sich so etwas wie Gewissheit bei den Investoren entwickelt, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China zumindest bis zu den Wahlen auf Eis gelegt werden könnte. Auch im Hinblick auf Zölle gegenüber der EU ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Dazu geht der US-Wahlkampf geht bald in seine heiße Phase.

Die Euphorie der Anleger hinsichtlich der Aktien hat deutlich zugenommen. Was für Deutschland jetzt noch fehlt, ist ein Überwinden des Allzeithochs von 13559 Punkten im Dax, damit entstünde allein schon ein neues Kaufsignal – so absurd es sich aus fundamental-logischer Sicht auch anhören mag.

Was ist aber der Hauptgrund für die diesjährige Rally der Aktien an vielen Börsen, insbesondere an den europäischen, bei denen es zum Beispiel für den Anstieg des italienischen Leitindex MIB um bisher 30 Prozent angesichts eines Nullwachstum gewiss keinen streng wirtschaftlichen Grund geben kann. Ebenso dürfte der Handelsstreit dort nicht der Treiber gewesen sein.

TINA – Es gibt keine, oder zumindest wenige Alternativen

Nachdem ich schon mehrere Aktienzyklen hautnah miterleben durfte, muss ich feststellen, dass diese Hausse, allein schon was die Dauer betrifft, unter einem anderen Stern steht. Was hat denn die Aktienrallys seit dem Zweiten Weltkrieg stets beendet? Es waren stets Zinsanstiege von mehreren 100 Basispunkten, zumeist in Folge von Inflation,  die anschließend zu einem unvermeidlichen Absturz in die Rezession führten.

Derzeit aber ist die Lage völlig anders: In Europa und in Japan haben wir Minuszinsen, einen negativen Realzins – und in den USA ein Zinsniveau, welches gerade einmal die Inflationsrate ausgleicht. Hinzu kommt eine sehr geringe Inflation – was vordergründig auch stets das Argument der EZB ist für immer mehr geldpolitische Stimuli. Es besteht also TINA, wie es sie in der Vergangenheit noch nicht gegeben hat. Alle konservativen Kapitalsammelstellen in den westlichen Staaten laufen langsam in existenzielle Nöte, wenn es um die Erzielung von Rendite geht.

Was sollen denn Pensionsfonds, Versicherungen oder auch Stiftungen machen (ich kenne persönlich Verwalter von kirchlichen Stiftungen, die über den Notstand klagen), um Einnahmen zu erzielen? Immobilien sind unglaublich teuer geworden. Und weil es in Europa keine Zinsen mehr gibt, kann man nicht einmal mehr ein KGV für die europäischen Anleihemärkte berechnen.

Das ist die bittere Wahrheit!  Im Dax aber gibt es eine Dividendenrendite von 3 Prozent, selbst im S&P 500 liegt diese bei circa 1,8 Prozent. Wenn es also keinen Zinsanstieg ( zumindest bei den Kapitalmarktzinsen) und keine deutlich steigende Inflation gibt, bleibt den Vermögensverwaltern derzeit kaum eine Alternative, als im Aktienmarkt zu verbleiben. Soll etwa eine deutsche Allianz auslaufende 10-jährige deutsche Staatsanleihen (mit drei Prozent Verzinsung) durch neue Staatsanleihen mit Minusverzinsung ersetzen? Dann kann sie aus den Einnahmen bald nicht einmal mehr die Heizkosten ihrer Verwaltungspaläste bezahlen, geschweige denn die Verträge ihrer Kundschaft erfüllen.

Da kann man als Pessimist täglich Dutzende von Argumenten und Charts heranziehen, die beweisen, warum Aktien überbewertet sind. Das Ganze hat aber dann keine Bedeutung, wenn es – anders als in früheren Zeiten – derzeit schlicht keine Alternative gibt. Was wäre denn passiert, wenn Allianz oder Münchner Rück in diesem Jahr ein paar Milliarden ihrer Kundengelder am europäischen Geldmarkt geparkt hätten? Millionenverluste! Welcher Vermögensverwalter kann es sich leisten, bei Minuszinsen mehrere Monate sein Kapital zu parken?

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10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    18. Dezember 2019 09:42 at 09:42

    Man sollte allerdings den Fehlschluß vermeiden, Alternativlosigkeit mit Risikolosigkeit gleichzusetzen.

  2. Avatar

    Katja Wohmann

    18. Dezember 2019 09:44 at 09:44

    Man braucht doch gar nicht viel Fantasie um die unendliche Housse der Aktien zu begründen. Man nehme einfach mal eine Nationalbank mit ihrer Gelddruckmaschine und kaufe sich in alle wichtigen Branchen dieser Welt über Aktien ein. Gläubiger die einen Rückzahlungstermin anmahnen gibt es dann ja auch nicht, oder? Auch Insolvenzen sind keine Probleme für gedrucktes Geld…
    Dann kommt so langsam die unendliche Geschichte an die Oberfläche die zeigt, dass sich der grösste Staat dieser Erde über viele Stillhalter in die wichtigsten Konzerne und Technologien dieser Welt eingenistet hat und weiter tut… Das ergibt eine Strasse aus Seiden, mit liebevoll lächelnden neuen Besitzer der Westtechnologien, aber ein Drache sobald man etwas von ihnen will.
    Gelddrucken gibt es in der Theorie der Ökonomen gar nicht, deshalb existiert auch keine längst überfällige Reaktion auf die aktuellen Vorgänge.
    Ich setze mich dafür ein, dass die Leute an den Spitzen von Nationalbanken dringend einen Intelligenztest absolvieren sollten.

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    Lucki -Drucki

    18. Dezember 2019 10:09 at 10:09

    Ich würde einen Handwerker als Notenbankchef vorschlagen, der wüsste nämlich ganz genau, dass man aus Nichts ohne Arbeit Nichts machen kann. ( Gelddrucken ohne Hinterlegung eines Gegenwertes )

  4. Avatar

    Shorti

    18. Dezember 2019 10:20 at 10:20

    Also normalerweise löst der Aktienmarkt als Vorläufer die Rezession aus.Jetzt unterdrückt man die Aktienkorrektur, wenn dann die Rezession trotzdem kommt, werden die Aktien nachträglich im so heftiger reagieren.

  5. Avatar

    Lausi

    18. Dezember 2019 10:39 at 10:39

    Man kann es auch als Zweikampf zwischen Notenbanken und Konjunktur ansehen. Die letzte Geldflut der Notenbanken hat offensichtlich die Manager wieder optimistischer in die Zukunft sehen lassen, und so zu einem Stop der Wirtschaftsschrumpfung geführt. Man darf die Psychologie dabei nicht unterschätzen. Ob aber die Weltwirtschaft wirklich mit dieser Geldflut noch einmal in ein nachhaltiges Wachstum gepusht werden kann, ist zu bezweifeln. Wenn die realen Wirtschaftsdaten keine deutliche Verbesserung anzeigen, oder vielleicht sogar schlechter werden, dann dürfte es ungemütlich an den Börsen werden. Die Frage ist, wieweit die Notenbanken es noch treiben wollen, und wie groß der daraus resultierende Effekt ist. Beim Helikoptergeld als ultimative Kapitulation wäre dann wohl der Ofen aus – nur mit dem Ende einer Hyperinflation statt einer Deflation in Richtung Depression.

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    Altbär

    18. Dezember 2019 11:35 at 11:35

    @ Columbo. Richtig , wenn Alle etwas hoch bewertetes kaufen, nur weil alles Andere noch höher bewertet ist, wird dieses ALTERNATIVLOSE sehr schnell ALTERNAIVLOS.
    Vor allem US Aktien sind nicht mehr erste Priorität u.gemäss J. Gundlach werden diese am meisten leiden wenn es korrigieren sollte. Können sich dann die andern Regionen abkoppeln? Die letzte kleine Immokrise in den USA hat doch im 2008 auch die ganze Aktienwelt erschüttert. Die Trump- Blase wird den ganzen Erdball
    erschüttern.

  7. Avatar

    Gixxer

    19. Dezember 2019 13:39 at 13:39

    Herr Müller, sie meinen immer wieder, dass es nur bei einer Rezession abwärts gehen wird. Es ist aber doch so, dass die Rezession erst nach dem Abschwung an den Börsen sichtbar wird. Wie soll das dann also gehen? Irgendwas muss sich vom anderen abkoppeln!

    • Avatar

      Columbo

      19. Dezember 2019 14:11 at 14:11

      @Gixxer
      Ich glaube wir müssen uns von jeglichen Regeln verabschieden. Die Aktienkurse bleiben in jedem Falle oben. Bei einer atomaren Auseinandersetzung zwischen USA und China oder beim Verglühen der Erde in der Sonne, gäbe es vielleicht eine klitzekleine Korrektur. Bei einer Besetzung der Erde durch Aliens hingegen würden die Kurse stark steigen.

      • Avatar

        Carambolage

        19. Dezember 2019 16:40 at 16:40

        …. weil die Erde wieder eine Zukunft hätte????

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    Wofgang M.

    19. Dezember 2019 14:17 at 14:17

    @Gixxer. Hallo, ich glaube Sie haben mich etwas missverstanden. Korrekturen an den Aktienmärkten bis zum Bärenmarkt passieren öfters, ohne dass es anschließend zu einer Rezession kommt. Aber dass eine Rezession ins Haus steht, ohne dass es vorher zu einem Aktieneinbruch kommt, wäre schon äußerst ungewöhnlich. Meines Wissens nach gab es in den letzten Jahrzehnten nur einen Fall, in dem Rezession und Aktieneinbruch im selben Monat starteten. Die Erklärung ist relativ einfach. In einem Großunternehmen gibt es so viele Aktionäre, die natürlich merken, wenn es zu so einem starken Geschäftseinbruch kommt, wie er bei einer richtigen Rezession der Fall ist. Selbst der Pförtner oder die Logistiker merken, wenn die Umsätze einbrechen. Von der Einkaufsseite, der Verwaltung oder den Personalern gar nicht zu reden. Und so viele richtige Rezessionen gab es auch noch nicht in unserem Leben. In den USA waren es in über 100 Jahren gerade mal 12.
    Grüße

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Leerverkäufe – Das Debakel um Tesla, Beyond Meat und Wirecard

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Leerverkäufe sind eine wichtige Funktion an den Finanzmärkten: sie bilden eine Art Korrektiv für Überbewertungen. Aber sie können eben auch sehr gefährlich werden für die Leerverkäufer selbst!

Aus der Santa Claus Rally wurde eine Januar-Rally, die Kurse stiegen auf breiter Front. Seit sieben Wochen geht es nahezu ohne Korrektur bergauf, ungewöhnlich schon der 11 Prozent-Anstieg des riesigen S&P 500 in drei Monaten –  und dies nicht etwa nach einer Phase eines Einbruchs, sondern nach einer langen Haussephase.

Aber es gibt Aktien, die alles andere in den Schatten stellen: In den USA sind dies die sehr medienträchtigen Firmen Tesla und Beyond Meat, die beide für einen Umbruch in ihrem wirtschaftlichen Umfeld stehen. Anstiege völlig losgelöst von den fundamentalen Daten – Hintergrund waren Leerverkäufe und eine dann folgende gewaltige Eindeckungsrally von Leerverkäufern, die bereits seit längerer Zeit auf einen Einbruch der Hoffnungsträger setzen. Hier ein paar Daten der Analysefirma S3 Partners für die letzten Jahre, die die große Spekulation im Bereich Shortselling insbesondere gegen Tesla beleuchten.

Leerverkäufe: Tesla seit Langem die Aktie für Shortseller

Bereits seit Jahren misstraut man an der Wall Street den Versprechungen des Visionärs Elon Musk, der nicht nur ein Elektrofahrzeugunternehmen kreiert hat, sondern einem Technologiekonzern vorsteht. Dennoch hatte er in der Vergangenheit Quartal für Quartal mit seinen Produktionsvorhersagen enttäuscht – und damit mehr und mehr Shortseller angelockt. 2014 waren in der Spitze 40 Prozent der frei verfügbaren Aktien leerverkauft, im Jahr 2016 in etwa 35 Prozent im Maximum und im Mai 2019 um die 33 Prozent. Das waren Leerverkäufe von fast 44 Millionen geliehenen Aktien im Wert von über 8,1 Milliarden Dollar – bei einem Kurs von 185 Dollar.

Von da an startete das Unheil für die Leerverkäufer, welches sich ab 2019 Oktober dramatisch entwickelte. Die Aktie stieg von gut 200 auf 547 Dollar, ausgelöst durch die Shorties, die sich zu immer höheren Kursen in Pain Trades ihre Leerverkäufe eindecken mussten. Was aber auch dazu führte, dass neue Leerverkäufer auf den Plan traten, weil man diesen Kursanstieg für völlig unsinnig erachtete und als Gelegenheit empfand, richtig Geld zu verdienen. Derzeit sind immerhin noch 26 Millionen Aktien leerverkauft und damit 18,5 Prozent der Aktien – die irgendwann auch noch zurückgekauft werden müssen. Nach Angabe von S3 Partners sind für die Leerverkäufer in den letzten sieben Monaten mehr als 8,4 Milliarden Dollar Verluste aufgelaufen und innerhalb eines Jahrzehnts mehr als 10 Milliarden Dollar. Diese Wette dürfte für die Hedgefonds die schmerzhafteste des vergangenen Jahrzehnts gewesen sein.

Gab es dafür Gründe?

Es sind nicht zu sehr fundamentale Gründe, also überbordende Geschäftsaussichten, die so eine Aktienrally verursachen, es ist eher eine Mischung aus Überinvestition in Richtung Leerverkäufe mit einer vielleicht auch nur moderaten Fehleinschätzung der unternehmerischen Lage. Da wird man zwangsläufig an die VW-Aktie erinnert, bei der eine Verknappung des Angebots bei dem gescheiterten Versuch der Übernahme durch Porsche den Aktienkurs durch eine Shortsqueeze innerhalb von 48 Stunden von 200 auf 1000 Euro emporschnellen ließ. Volkswagen war kurzfristig das teuerste Unternehmen der Welt, ohne dass sich an den Geschäftsaussichten irgend etwas geändert hätte.

Bei Tesla, dessen Zukunft gewiss noch nicht entschieden ist, hat man anscheinend darauf gewettet, dass die etablierten Hersteller (VW, BMW, Daimler, Toyota) mit ihrer Elektro-Offensive Tesla rasch den Garaus machen würden. Aber bei den neuen Fahrzeugen geht es anscheinend auch sehr viel um Software – und da hat Tesla noch einen großen Vorteil.

Selbst VW-Chef Diess hat in einem bemerkenswerten Interview davon gesprochen, dass das Auto künftig auch eine andere Funktionen wahrnehmen wird, mit einer erheblich gesteigerten Bedeutung von Software und Internet. Und hat VW nicht wegen Softwareproblemen die Markteinführung des Modells ID.3 bis in den Sommer verschoben?

Mit der Shortquote bei Tesla lag eigentlich stets eine Mammuteindeckung in der Luft, wie ein Analyst des Informationsdienstes Benzinga aus den USA es formuliert hat: „Short Squeezes don’t need a fundamental rationale; they just need a catalyst.“ Oder es braucht nur einen banalen Anlasses zur rechten Zeit, so wie der berühmte Schmetterlingsschlag vor einem Gewitter.

Aus fundamentaler Sicht ist die Bewertung des Unternehmens dennoch auf absurdem Terrain: Das Unternehmen ist mit seiner Marktkapitalisierung von über 90 Milliarden Dollar nicht nur doppelt so hoch bewertet wie GM oder Ford, sondern auch anhand seiner Fahrzeugzahlen: Diese Bewertung liegt pro Fahrzeug nach letzten Zahlen bei 261.000 Dollar pro verkauftem Auto, im Vergleich hierzu BMW und Daimler mit 21.612 und 24.522 Dollar pro Kfz, bei VW liegt dieser Wert sogar nur bei 12.680 Dollar. Und so besteht die Hoffnung vieler Shortseller weiter, doch noch ihre Leerverkäufe mit Gewinnen schließen zu können.

Beyond Meat

Ähnliche Überlegungen wie bei Tesla konnte man auch für die Notierungen bei dem Veggie-Burger-Hersteller Beyond Meat anstellen. Nach dem Börsengang schoss das Unternehmen von 25 Dollar auf über 240 Dollar und damit auf eine Marktkapitalisierung von 15 Milliarden Dollar. Nach Ablauf der Lockup-Periode für Altaktionäre fiel die Aktie nach und nach auf 74 Dollar und lockte die Hedgefonds an wie die Fliegen. Aber die Unternehmensergebnisse wurden besser, allein der Umsatz stieg von 88 Millionen Dollar (2018) auf 275 Millionen Dollar im letzten Jahr.

Hinzu kamen Meldungen über den Einstieg von Großkunden wie Mc Donalds. Dann erfolgte in der zweiten Woche des Jahres die berüchtigte Short Squeeze: Der Wert sprang innerhalb von fünf Tagen um 53 Prozent nach oben, ohne große Unternehmensnachrichten. Aber lag die Shortquote bei dem Unternehmen 2019 nicht bereits bei sagenhaften 50 Prozent aller ausstehenden Aktien? Jedenfalls hat die kurze Shortsqueeze nach Angaben von S3 Partners in den wenigen Tagen des Jahres den Shorties bereits 500 Millionen Dollar gekostet.

Leerverkäufe: Folgt jetzt der nächste Shortsqueeze bei Wirecard?

Ein ähnliches Spiel scheint sich jetzt bei unserem Dax-Konzern Wirecard abzuspielen. Wie bei den oben genannten US-Aktien gibt es auch im Dax-Konzern ein gewaltiges Short Interest bei diesem Wert. Über die Hintergründe wurde hier schon des Öfteren berichtet. Laut S3 Partners war die Quote der Leerverkäufe kürzlich noch bei fast 20 Prozent, bei einem festen Aktienbestand, der durch die großen Fonds und dem Gründer Braun selbst schon bei über 50 Prozent liegen sollte – ETFs und Kleinanleger noch gar nicht berücksichtigt.

Ist der große Sprung von Wirecard in den letzten 14 Börsentagen von 106 auf 131 Euro nicht schon ein kleines Zeichen für eine Eindeckungsrally? An fundamentalen Gründen kann es nicht gelegen haben, bis auf den Wechsel im Aufsichtsratvorsitz gab es keine News von der Unternehmensfront. Es gibt aber immer wieder Gerüchte darüber, dass das Prüfungsergebnis von KPMG deutlich vor dem Quartalsende kommen könnte. Was geschähe mit den Leerverkäufen, sollte es einen positive Berichtsmeldung geben, die vielleicht auch noch außerhalb der Handelszeiten bekanntgegeben würde?

Fazit

Gerade in einer Phase der Euphorie, gepusht durch große Liquiditätszufuhr durch die Zentralbanken, erscheint derzeit ein aggressives Shortinvestment schon etwas wie der Ritt auf der Rasierklinge zu sein.

Hierzu noch die Empfehlung des oben zitierten Analysten für die nahe Zukunft:

„Longs, shorts and short-term traders should all be extremely cautious with both these stocks (Tesla and Beyond Meat) in the coming days.“ Zumal die Börsenregeln derzeit zum Teil etwas außer Kraft gesetzt zu sein scheinen..

Leerverkäufe und die dann folgenden Eindeckungen dieser Leerverkäufe bringen die Tesla-Aktie nach oben - Elon Musk freut das

By Steve Jurvetson from Menlo Park, USA – Elon Musk at TED 2017, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72830002

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Aktienmärkte: Fahnenstangen bei den Aktienkursen haben Substanz

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Immer weiter bergauf? Aktienmärkte steigen immer weiter an

Allzeithöchststände werden zum täglichen Ritual und Bewertungen spielen v. a. in den USA nur noch sekundär eine Rolle. Doch haben die Fahnenstangen der Aktienmärkte auch Substanz?

Die Attraktivität der Aktienmärkte hat sich stark gewandelt

Kaufte man klassischerweise an der Börse gehandelte Unternehmensanteile, um an einem erfolgreichen Geschäftsmodell zu partizipieren, regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten oder die blühende Zukunft einer Aktiengesellschaft zu antizipieren, so haben sich die Gründe für den Erwerb von Dividendentiteln zuletzt stark gewandelt. Die klassischen Kaufmotive mögen heute auch noch eine Rolle spielen, werden aber in der Kursentwicklung durch andere Faktoren enorm verstärkt oder völlig verzerrt. Als Beispiel soll hier nur das starke Aufwärtsmomentum erwähnt sein, das ständig neues, nach schnellen Gewinnen trachtendes Kapital anzieht (die Hausse nährt die Hausse).

Doch es gibt darüber hinaus noch andere Impulse für die ungewöhnlich konstant steigenden Aktienmärkte, die man nicht per se als irrational oder nicht nachhaltig bezeichnen kann. Insofern ist die Fragestellung, ob die Fahnenstangen bei immer mehr Aktienkursen mit Substanz gestützt sind, durchaus berechtigt. Die Formulierung aus der Überschrift geht übrigens auf einen aufmerksamen Leser der FMW zurück und war die Inspiration für diesen Artikel. Vielen Dank dafür!

Der Zwang zur Nachahmung

In einem Artikel von Anfang Dezember hatte ich bereits auf den stattfindenden Impulswechsel für steigende Aktienmärkte hingewiesen. Dieser Wechsel vollzieht sich hin zur reinen zins- und liquiditätsgetriebenen Hausse, bei denen fundamentale Entwicklungen nur noch als Alibi-Investmentstory dienen, aber für die Bewertungen vieler Aktiengesellschaften sekundär sind. So ist es mittlerweile Usus, dass Unternehmen mit der hippsten Story und dem dynamischsten Momentum deutlich besser performen, als solide Unternehmen mit positivem Cashflow und moderaten Bewertungen.

Wobei die überteuerten Highflyer ganze Indizes nach oben ziehen und diese durch ihr zunehmendes Gewicht dominieren. Dies zwingt wiederum indexbasierte Anlageprodukte oder Benchmark orientierte Fonds dazu, ebenfalls diese Highflyer in ihren Portfolios überzugewichten. Andernfalls wird man als Fondsmanager schnell aussortiert, zumal der Siegeszug der passiven Indexfonds auch in dieser Branche zu einem Personalkahlschlag historischen Ausmaßes führt. Im Zuge der Trumpschen Steuerreform kam der Markt bekanntermaßen auch in den Genuss von Zusatznachfrage in Form von „Buybacks“ aus den Aktiengesellschaften selbst. Ein Effekt, der sich basiseffektbedingt sukzessive abschwächt. Nach ca. 1,3 Billionen US-Dollar im letzten Jahr soll es laut Schätzungen in diesem Jahr nur noch ca. 500 Mrd. US-Dollar Aktienrückkaufvolumina geben, also über 50 Prozent weniger.

Neuer Raketentreibstoff für die Börse

Dennoch verbirgt sich hinter den fahnenstangenartig ansteigenden Kursen eine gewisse Substanz. Diese Substanz speist sich ausschließlich aus der Geldpolitik der Notenbanken. Historisch niedrige Zinsen und eine Geldschwemme, die sich gemäß dem Cantillon-Effekt zu aller erst über die Banken und die Finanzmärkte ergießt, treibt die Vermögenspreise nach oben. Die Gründe für diese äußerst akkommodierende Geldpolitik sind so nachhaltig, dass sie eine echte Substanz darstellen. Welchen Zwängen die Zentral- und Notenbanken unterliegen und wie sich der Cantillon-Effekt nachhaltig auf die Vermögenspreise auswirkt, erläutere ich in diesem Video. Dort erfahren Sie auch, wie sich mit relativ wenig Aufwand und zu geringen Kosten ein auf diese außergewöhnliche Situation ausgerichtetes Wertpapierportfolio strukturieren lässt.

Der Zwang in die Aktienmärkte zu investieren

Die Abkürzung „TINA“ (There Is No Alternative) ist in Bezug auf die Aktienmärkte natürlich übertrieben, da es auch andere Vermögenswerte gibt, die von dem Raketentreibstoff der Notenbanken beflügelt werden. Gleichwohl gibt es aus Sicht professioneller Investoren und Geldverwalter einen enormen Rendite- und Anlagedruck. Aktien sind am leichtesten für Vermögensverwalter zugänglich, sie sind zudem hochfungibel und bieten im Idealfall zusätzlich laufende Erträge. Die Renditen vieler Aktien, zum Beispiel in Deutschland, erfüllen zudem nach wie vor die Anforderungen der Kapitaleigner. Durch die Ballung des Vermögens in relativ wenigen Händen generieren die Kapitaleigner permanent laufende Erträge aus Vermietung, Verpachtung, Dividenden, Sonderausschüttungen, Zinsen und Tilgungen. Dieses Geld muss neu angelegt werden und konkurriert mit der Zusatzliquidität aus den Notenbanken. Die Anforderungen für die Geldverwalter sind dabei hoch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man unter 5 Prozent Bruttorendite p. a. bezogen auf die Gesamtkapitalverzinsung keine Chance am Markt hat – trotz Nullzinsumfeld.

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Dow Richtung 30.000, Banken-Vergleich, Handelsdeal, Tesla und Wirecard

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Dow visiert 30.000 Punkte an, US-Banken verdienen gut - New York im Fokus

Die Indizes laufen super. Der Dow Jones läuft dieser Tage mit voller Kraft Richtung 30.000 Punkte. Über die aktuelle Lage am Markt sprechen im folgenden Video Sissi Hajtmanek und Manuel Koch in Frankfurt. Sie blicken zurück auf die aktuelle Handelswoche, wo vor allem die hochprofitablen US-Banken im Mittelpunkt standen. Die größten Banken in den USA (JP Morgan, Citi etc) meldeten ihre Zahlen. Vor allem der Branchenprimus JP Morgan konnte die Erwartungen deutlich übertreffen. Die Banken in den USA machen gigantische Gewinne. Sissi Hajtmanek und Manuel setzen die US-Banken in Relation zu der Ertragslage bei deutschen Banken.

Und da wird es interessant. Während die US-Banken (so unsere Anmerkung) ein großes Kapitalmarktgeschäft haben und somit unabhängiger von Zinsmargen sind, so haben sie zusätzlich noch ein existierendes Zinsumfeld dank der Fed, die die Zinsen in den USA in den Jahren nach der Finanzkrise wieder angehoben hatte, anders als die EZB. Die Banken vor allem in Deutschland hängen traditionell fast komplett von ihren Zinserträgen ab. Die EZB hat diese Ertragsquelle aber quasi vernichtet. Und so dümpeln die deutschen Banken vor sich hin, mit lächerlich niedrigen Erträgen in Relation zu den Konkurrenten in den USA.

Auch war diese Woche der Handelsdeal zwischen China und den USA ein wichtiges Thema. Sissi Hajtmanek erwähnt die Aufforderung von Donald Trump, dass die amerikanischen Landwirte schon mal mehr Traktoren kaufen sollten, weil die Chinesen so viele zusätzliche landwirtschaftliche Produkte aus den USA kaufen würden. Eine mehr als zweifelhafte Aufforderung, da der unterschriebene Phase 1-Deal ja nur ein erster Schritt zur Einigung im Handelskrieg ist. Und jederzeit kann dieses fragile Gebilde wieder zusammenbrechen.

Besprochen werden im folgenden Video auch zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Tesla (derzeit über 500 Dollar) solle man zwar kaufen, aber erst mit einem Limit von 377 Dollar. Sie müsste also erstmal kräftig fallen, bevor sie entsprechend dieser Empfehlung wieder ein Kauf wäre. Auch die Aktie von Wirecard könne man kaufen, aber über dem aktuellen Kurs, nämlich mit einer Stop-Buy-Order bei 132 Euro. Und abschließend nochmal die Frage unsererseits: Läuft der Dow wirklich weiter mit voller Kraft auf die 30.000 Punkte-Marke zu? Noch fehlen dazu 635 Punkte. Aber das ist heutzutage ja kein großer Abstand mehr.

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