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Aktien in den USA sind überbewertet – aber trotzdem kaufen?

Aktien in den USA sind überbewertet - dennoch kaufen?

Aktien steigen immer – so lautet eine beliebte These: eben weil sie auf Dauer immer gestiegen sind. Aber kann man die Vergangenheit einfach in die Zukunft fortschreiben? Steigen Aktien also nur deshalb, weil sie in der Vergangenheit gestiegen sind? Wirklich schlüssig scheint das Argument eigentlich nicht.

Aktien steigen immer – ausser wenn sie fallen

Aktien steigen aus verschiedenen Gründen: meist weil die Gewinne der Unternehmen steigen, oder weil die Wirtschaft anzieht, oder eine neue Technologie die Fantasie beflügelt (so mit Aufkommen des Internets). Aber wie können Aktien steigen, wenn die Gewinne und Umsätze der Unternehmen einbrechen – so wie in der Coronakrise erlebt? Trotz schlechter Kennzahlen stiegen ab März 2020 die Aktienmärkte, weil die Notenbanken „all-in“ gegangen waren und die Staaten Stimulus ausschütteten (etwa Helikoptergeld in den USA). Relevant war nur noch der monetäre Faktor.

Der nächste Schub kam dann durch die Impfstoff-Hoffnung: die Coronakrise werde enden, demenstprechend die Gewinne der Aktie wieder steigen. Diese Hoffnung ist eingepreist worden – und muß sich nun mit der heute beginnenden US-Berichtssaison bestätigen (man erwartet einen Anstieg zum Vorjahres-Quartal um sagenhafte +64%).

US-Aktien sind historisch teuer

US-Aktien sind durch die Kursanstiege historisch extrem teuer. Das Shiller-KGV – das inflationsbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis der letzten 10 Jahre) – liegt an der Wall Street bei 38, der zweithöchste je erreichte Wert. Inzwischen liegt die Marktkapitalisierung des US-Aktienmarks bei 207% zum US-BIP – das gab es noch nie auch nur annähernd in irgendeiner historischen Phase der Märkte.

Wenn die Geldpolitik angesichts einer stark laufenden US-Wirtschaft dennoch nicht vom Gas geht, dürften die Kurse und Bewertungen noch weiter steigen, aus Mangel an Alternative (TINA). Aber wenn die Fed ihre ultralaxe Geldpolitik doch zurück fahren sollte (beginnend mit der Reduzierung der Anleihekäufe), dann wird der monetäre Faktor für die Aktienmärkte weniger Rückenwind geben. Daher ist das Thema Inflation derzeit so zentral für die Märkte: denn wenn die Inflation zu stark steigt, sind die Notenbanken in der Zwickmühle und müssen auf die Bremse treten

A propos Anleihekäufe: eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat gezeigt, dass in der Anfangsphase der Käufe die Aktien mit dem Faktor zehn stärker profitieren als die Wirtschaft selbst. Der Effekt auf die Wirtschaft ist gering, der auf die Aktienmärkte jedoch groß.

Was aber derzeit schon teuer ist, kann (und wird meist sogar) noch teurer werden. Bis dann die Realität mit den Preisen nicht mehr mithalten kann – es kommt zu einer heftigen Korrektur bzw. zu einem Crash-Szenario. Sollte man dann sofort wieder in Aktien einsteigen?

Lars Erichsen zeigt in folgendem Video, warum er genau das tun würde – aber dabei von US-Aktien doch eher Abstand halten würde:



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4 Kommentare

  1. Der gute Mann ist mehrfacher Millionär, da sind Schwankungen auch leicht auszuhalten!
    Wenn ich mich recht entsinne hat dieser Herr beim letzten Rücksetzer zur Vorsicht gerufen (Youtube) weil’s ja erst nach einer ABC wieder hochgeht … von wegen schaut auf die Preise, Volumen und die Vola etc …. ;)
    Ich fände es mal richtig Klasse wenn beim nächsten Crash/Minicrash diejenigen die es wissen sollten aus allen Rohren feuern und die Leute zum Kauf annimieren.
    Aber wahrscheinlich sind dann wieder alle zu beschäftigt das aufzusammeln was diejenigen die man mit solchen Videos (JETZT) anspricht/ansprechen will(?) gerade auf den Markt schmeissen.

  2. Es gibt da noch etwas zu beachten: Neueinsteiger oder Altinvestoren.Neueinsteiger haben das Risiko, dass sie mehrere Jahre auf die Einstandskurse warten müssen.Altinvestoren die voll investiert sind können bei der fast sicheren Korrektur auch nicht nachkaufen.
    ( Da könnte er bei Buffet noch lernen.) Und DIESMAL IST WIRKLICH ALLES ANDERST) weil es ein noch nie dagewesene Experiment mit ungewissem Ausgang ist.Der Vorwurf, dass Crashpropheten Investoren von Aktienkäufen abschreckt, könnte sich zum jetzigen Zeitpunkt als gut erweisen, während er mit seiner Theorie geradezu zu Käufen animiert.
    Sein Widerspruch ist, dass er die Vorsichtigen kritisiert, aber die Erholung nach der Pandemie weit über die alten Hochs auch als künstlich und unüblich bezeichnet.

  3. So lange die Weltwirtschaft nicht insgesamt und längere Zeit fällt, werden die globalen Aktienmärkte weiter steigen. Wenn interessieren da irgendwelche Korrekturen (selbst dann wenn die mal 80% betragen)?

    Und sollten die Weltwirtschaft mal 20 Jahre den Rückwärtsgang einlegen, dann sind Aktien immer noch die beste Anlageform. Denn nur in Unternehmen werden Werte geschaffen. Alles andere ist auf Dauer immer schlechter, weil es schlechter sein muss.

    Lustig finde ich immer die ganzen „Prognosen“. Da werden gigantische Knoten ins Hirn gemacht und trotzdem geht’s wieder daneben. Soziale Systeme, also auch die Wirtschaft, sind evolutionäre Systeme und daher per se nicht vorhersehbar. Da evolutionäre Systeme aber nicht „springen“ ist die einfachste und treffsicherste Methode einfach dem Trend zu folgen. Das kann man einfach blind machen. Und wenn er kippt folgt man wieder dem gekippten Trend. Bis er halt wieder wechselt.

    Wenn jemand „bessere“ Ergebnisse erzielt hat liegt da immer einer von zwei möglichen Gründen zu Grunde. Entweder reines Glück wie am Roulettetisch oder gezinkte Karten, die es im Finanzsystem zu Hauf gibt.

  4. Da redet einer von 80% Korrektur, wohlwissend dass schon bei minus 20% alle Notenbanken auf Alarmstufe rot schalten um den totalen Kollaps ( Margin Call ) zu verhindern.

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