Aktien-Rückkäufe sind ein zentraler Treiber der Kurse – gerade bei den großen US-Tech-Aktien. Prinzipiell handelt die Aktien-Börse eigentlich die wirtschaftliche Zukunft von den notierenden Aktiengesellschaften. Dazu gehört in erster Linie der zu erwartende Gewinn aus Cashflow, der einerseits an die Aktionäre über Dividendenzahlungen ausgeschüttet werden kann, oder durch Investitionen den Weg für weiteres Wachstum des Unternehmens treiben soll.
Aktien-Rückkäufe: Financial-Engineering-Turbo verliert Ladedruck
Die Großmeister dieser rosigen Zukunft waren bis weit in das Jahr 2025 die US-BigTech-Unternehmen. Gigantische Margen (70% und mehr) aus effizienten Kostenstrukturen (Hauptfaktor: Personalkosten) und aus ihrer Preissetzungsmacht resultierenden weit zweistellig wachsenden Umsätzen, generierten Abermilliarden an Cashflow. Diese Mittel fanden spätestens ab 2021/22 hauptsächlich zwei Wege um die Unternehmenswerte weiter nach oben zu treiben: Der KI Investmentboom in Datenverarbeitungsinfrastruktur wurde zunächst in erster Linie aus den ohnedies vorhandenen Einnahmen angetrieben, was die Euphorie der Investoren hinsichtlich zukünftiger Gewinne für viele Quartale anfachte.
Aber nicht nur das war bewertungs- und somit kurstreibend, sonders es gab einen weiteren sehr wesentlichen Aspekt für die Performance-Spirale. Durch das sogenannte Financial Engineering – der Kunst die Key Performance Indicators (KPI) eines Unternehmens für Investoren so vorteilhaft darzustellen, dass ebendiese rosige Zukunft als möglichst sicher gilt. Das war zudem ein relativ simples, aber effektives Instrument mit kurstreibenden (oder zumindest kursstabilisierenden) Wirkung für die jeweiligen Aktien.
Wenn man nicht weiß wohin mit dem Cashflow
Es handelt sich – mangels attraktiverer Investmentalternativen – dieser auch aus dem seinerzeit in der Niedrigzinsphase überbordend angehäuften Liquidität, um die exzessiv eingesetzten Aktien-Rückkäufe der eigenen Unternehmensanteile. Wachsende Gewinne stießen so auf ein sich immer weiter verringertes freies Angebot von Aktien am freien Markt. Viele dieser Unternehmen bieten zudem dem Management bzw. auch gewöhnlichen Mitarbeitern Kompensationsteile in Form von Aktien oder Optionen an, die aus diesem Aktienpool bedient werden und so Personalkosten entlasten.
Mit den sogenannten Buybacks (Rückkäufe von Aktien) können also mehrere kurstreibende Aspekte bedient werden und so die kurz- bis mittelfristige Attraktivität für Investoren durch deren strategische Bekanntgabe zu steigern – selbstverständlich sind solche Kapitalmaßnahmen für börsennotierende Unternehmen berichtspflichtig.
Um hier die Dimension dieser Maßnahmen für insbesondere die MAG-7 Unternehmen zu nennen: seit 2021 wurden durchschnittlich mehr als 30% des Betriebsergebnisses von zuletzt über 500 Milliarden in Aktien-Rückkäufe investiert. Somit ist auch klar, welche Unterstützung das den Aktien geliefert hat. Auch daraus werden euphorische Erfolgsgeschichten befeuert insbesondere, wenn sie in diesen Umfängen stattfinden.
Aktien-Rückkäufe sind nicht produktiv
Nun ist das eingesetzte Kapital für Aktien-Rückkäufe nicht produktiv bzw. für das Unternehmen wachstumsfördernd, weil damit in erster Linie der Zweck verfolgt wird, damit den Kursverlauf an der Börse zu beeinflussen. Böse Zungen behaupten, es wären wohl die bevorzugten Anlageformen von CEO und CFO börsennotierender Aktiengesellschaften, deren variables Entlohnungssystem nicht selten auch vom Aktien-Kurs abhängig gemacht wird. Das ist in Phasen, wo scheinbar keine besseren Alternativen zur Sicherung zukünftiger Prosperität des Unternehmens vorhanden sind, ein von Investoren gern genommenes Anlageargument – zudem die US Big Techs ausschließlich dem „Growth Segment“ zugerechnet werden. Das bedeutet, dass diese Unternehmen aufgrund ihres dynamischen Geschäftsmodell darauf abzielen, die Anlegerrenditen nicht mit Dividendenzahlungen (bevorzugt im Value Segment), sondern mit Kurssteigerungen zu erzielen.
Warum kippt dieses Turbosystem 2026?
Mit dem Eindruck, dass die Investitionsspirale in die KI-Infrastruktur eine FOMO-Eigendynamik der Managementebenen entwickelt, die einem Kontrollverlust immer deutlich ähnelt, geht inzwischen allerdings einher, dass diese Finanzierungen schon seit einigen Quartalen nicht mehr aus dem Cashflow finanziert werden (können). Es wird immer mehr auf tatsächliche Fremdfinanzierungsvehikel wie Unternehmensanleihen oder Private Equity/Debt-Konstruktionen zurückgegriffen, um diese im entfesselten Wettbewerb ausufernden Investitionen kapitalisieren zu können. Ganz besonders auffällig ist die Entwicklung diesbezüglich bei Oracle, die in erster Linie OpenAI-Rechenkapazitäten herstellen wollen, zuletzt aber eher das Gegenteil von Investoreneuphorie ausgelöst haben mit den Ankündigungen sich noch deutlicher zu verschulden bzw. den Cashflow zu verringern.
Das ist auch der Weg – wenn auch nicht in dieser extremen Ausprägung – den die restlichen MAG-7 in ihren Financial Engineering Ansätzen ab 2026 einschlagen werden. Es ist schlicht nicht mehr genug freie Liquidität aus dem Cashflow vorhanden, um alle kurstreibenden Maßnahmen wie eben die Aktien-Rückkäufe im bisherigen Umfang beibehalten zu können.
Was das in Zusammenhang mit den immer stärker werdenden Zweifeln an der Möglichkeit für diese Investitionen einen absehbaren ROI (Return on Invest) zeigen zu können für Auswirkungen auf das Investorenvertrauen hat, zeigt sich schon spätestens seit den letzten Quartalen 2025: die Wachstumsdynamik hat den Rückwärtsgang eingelegt. Die Entwicklung der MAG-7 hat zwar erst einen Teil der im langjährigen Durschnitt klar erkennbaren Überbewertungen geführt, aber von einem Platzen kann noch nicht gesprochen werden.
Ungünstige Faktoren kumulieren aktuell
Ist also die Summe der aktuellen Entwicklungen – Zweifel an Wettbewerbsfähigkeit und ROI von Marktteilnehmern (OpenAI-„Kartell“), Abflachen des Gewinnwachstums, Hochrisikolevel der gigantischen Investitionsvolumina und deren ressourcenbedingter Realisierungsmöglichkeit und zuletzt deutlich reduzierte Möglichkeiten der Kurspflege mittels Aktienrückkäufen – ein Mix, der ein weiteres und anlassbezogen implosionsartiges Ablassen dieser nach wie vor bestehenden Überbewertungen triggert? Die Nervosität an den Märkten und die Extremwerte bei Volatilitäten verschiedenster Assetklassen, sind historisch gesehen in Schlussphasen von Bullenmärkten als Vorboten sehr starker Bewegungen aufgetreten. Generell birgt eine wesentliche und überraschende Anpassung der financial engineering-Strategien im Bereich der Cashflow-Allokationen on top ein wesentliches Potential eine solche Neubewertung anzustoßen.
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Meist funktioniert das so: Firma x…y…z…sagt wir kaufen für 10 Milliarden eigene Aktien zurück und dann drücken die Lemminge mit ihren 100 Milliarden die Kurse nach oben…
Faktor 1: 10..
Schon die Ankündigung genügt damit genügend Trottel auf den Zug aufspringen…