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Aktien: Schlägt 2020 die Stunde Europas?

Europäische Aktien haben seit Jahren eine gigantische underperformance gegenüber Aktien aus den USA. Wird sich das im Jahr 2020 ändern?

Wolfgang Müller

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Europäische Aktien haben seit Jahren eine gigantische underperformance gegenüber Aktien aus den USA. Wird sich das im Jahr 2020 ändern?

Aktien: Europas Wirtschaft, lange Zeit im Bann des Brexit

Obwohl Europas Börsen in diesem Jahr eine ähnliche Performance wie ihre amerikanischen Pendants aufweisen, liegen sie im Dekadenvergleich doch meilenweit zurück. Hierzu ein paar Kennziffern:

  • Während sich amerikanische Aktien seit 10 Jahren fast vervierfachten, liegen europäische Papiere ohne Berücksichtigung der Dividende sogar niedriger als vor zehn Jahren.
  • Europäische Dividendentitel werden auf Basis der Buchwerte nur zu 54 Prozent des Niveaus gehandelt wie Aktien an der Wall Street. Oder anders gerechnet: Verhältnis US-Buchwerte 3,5  – Europas Stoxx 600 – 1,9.
  • Vor der großen Finanzkrise wurden Europas Aktien nur mit einem 10-prozentigen Abschlag gehandelt.

Aus dieser Sicht ist die Annahme eines Aufholprozesses gewiss nicht aus der Luft gegriffen. Vielleicht war die Brexit-Wahl so etwas wie ein Weckruf. Die sozialistischen Ideen eines Jeremy Corbin kamen bei den Wählern nicht allzu gut an. Der europäische Index steuert auf sein bestes Jahr seit 2009 zu – und dies obwohl Anleger seit März 2018 fast ununterbrochen Mittel aus europäischen Aktienfonds abgezogen haben. Man war sehr vorsichtig angesichts eines möglichen Fiaskos mit dem EU-Austritt der Briten.

Jedenfalls zeigte der größte europäische Aktien-ETF jüngst die höchsten Mittelzuflüsse seit dem Jahr 2018. Der Umschwung begann Mitte Oktober, als der  Optimismus hinsichtlich einer Brexit-Vereinbarung unmittelbar zu Umschichtungen in Richtung Europa geführt hat.

Nachdem europäische Aktien gemäß einer Umfrage der Bank of America Merril Lynch unter Vermögensverwaltern lange Zeit eine der weltweit am stärksten untergewichteten Papiere waren, stieg die Quote im November auf den höchsten Stand seit August 2018. Nach Aussagen von Analysten dieses Instituts befindet sich die Renditedifferenz zwischen Anleihen und Aktien weiterhin auf einem Jahrhunderthoch, jenes der europäischen Aktien dagegen im Vergleich zu anderen großen Märkten auf einem 50-Jahreshoch. Aus diesem Grund sei man, so die Bank of America Merril Lynch, bei Aktien aus dem Euroraum und dem Vereinigten Königreich übergewichtet.

 

Deutschlands Dax, ein Anachronismus in der Börsenwelt 

Der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen: so könnte man den ständigen „Unsinn“ bezeichnen, der tagtäglich bei abendlichen Vergleichen der Indizes wiederholt wird. Während Dow Jones oder S&P 500 als Kursindizes ohne die vierteljährlich ausgeschütteten Dividenden berechnet werden, reinvestiert man diese beim deutschen Leitindex, so dass man den deutschen Performance-Index mit amerikanischen Kursindizes in Relation stellt. Dazu die konkreten Zahlen seit der Finanzkrise am Beispiel Dax versus S&P 500:

  • Der Dax (in seiner Performance-Version) war am 6. März auf sein Tief von 3666 Punkten gefallen, sein zyklisches Hoch hatte er am 23. Januar 2018 mit 13559 Punkten erreicht. Immerhin eine Performance von 269 Prozent, wenn man die jährlichen Dividenden mit einbezieht.
  • Der S&P 500 notierte an jenem 6. März bei 666 Punkten, sein bisheriges neues Hoch lag am Freitag bei 3182 Punkten, ein Faktor von 4,80 oder 380 Prozent Kurssteigerung.
  • Der eigentlich zum Vergleich heranzuziehende Kurs-Dax lag an diesem Märztag bei 2420 Punkten. Am gestrigen Montag schloss er bei 5963 Punkten und hätte damit gerade mal 146 Prozent zugelegt. Das wäre die Rechnung, die man zugrunde legen müsste. Ohne die Einbeziehung der Dividenden ergibt sich eine gewaltige Underperformance unseres Leitindex.

Wie kam diese gigantische Divergenz des Dax zum amerikanischen Leitindex zustande? Lag es am Wachstum? Nur zum Teil: das US-Wachstum betrug im Zeitraum von 2010 bis heute im Schnitt 2,3 Prozent, jenes von Deutschland 1,7 Prozent.

Es war eher das so genannte amerikanische Financial Engineering in Form von Aktienrückkäufen in Höhe von 5,3 Billionen Dollar. Einer Verknappung des freien Cashflows, welches das KGV ständig in die Tiefe drückte. Das wird in Zukunft nicht mehr so möglich sein angesichts der Verschuldung der US-Unternehmen, die weitere Aktienrückkäufe begrenzen dürfte. Die Effekte der billionenschweren Steuerreform sind zudem nicht mehr so einfach replizierbar.

 

Fazit

Auch wenn einige hinsichtlich der Eurozone inklusive ihrer Aktienmärkte den Teufel an die die Wand malen, so spricht doch fundamental einiges für Europas Aktienmärkte. Natürlich nur für Fall, dass in den nächsten Monaten keine umfassende Rezession auftritt. Für diesen Fall spielen Bewertungsunterschiede zwischen Europa/Deutschland und den USA keine Rolle mehr in der vernetzten Wirtschaftswelt. Wann konnte sich der Dax jemals von einem US-Einbruch abkoppeln?  Erschwerend kommt noch die Eigentümerstruktur des deutschen Leitindex hinzu, der sich  bekanntermaßen zu über 50 Prozent in ausländischen Händen befindet. Diese würden bei einem heimischen Crash sofort das Kapital repatriieren, allein schon um die eigenen Verluste (Margin Calls) auszugleichen.

Aber sollten wir tatsächlich noch für längere Zeit von einer Schrumpfung der Gesamtwirtschaft verschont bleiben, könnte Europa durchaus einen Aufholprozess  starten. Warum liegt denn der Dax mit seiner Performance von 27 Prozent nahezu gleichauf mit dem S&P 500, trotz vergleichsweise anämischen Wachstums? Anscheinend ist man bereit, die Schere in den Bewertung zumindest etwas schließen zu wollen.

Schließlich haben US-Banken, allen voran Bank of America Merril Lynch, schon seit Monaten für Europa die Aktien-Werbetrommel gerührt..

Schaffen Europas Aktien im Jahr 2020 eine Aufholjagd?

Foto: Deutsche Börse AG

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Michael

    17. Dezember 2019 12:36 at 12:36

    @Wolfgang M., eine kleine Anmerkung zur „Brexit-Wahl“:
    Es gibt eine Parallele zwischen der Wahl von Donald Trump und Boris Johnson: Beide haben nicht die meisten Stimmen auf sich vereint. Aber ähnlich wie in den USA repräsentiert in Großbritannien die Zusammensetzung des Unterhauses nicht das Verhältnis der abgegebenen Stimmen. Rudimentäre Demokratie im Versuchsstadium könnte man dieses Wahlsystem nennen.

    Die eigentlichen Gewinner verlieren
    Im Vergleich zur Wahl von Theresa May vor zwei Jahren haben die Tories gerade mal einen Prozentpunkt mehr gewonnen. Eigentlich haben die Parteien, die ein zweites EU-Referendum gefordert haben, mehr Stimmen erhalten, als der Wahlsieger. So gewannen beispielsweise die Liberal-Demokraten, die gegen den Brexit Wahlkampf geführt haben, eine Millionen Wählerstimmen dazu. Aber im Vergleich zur letzten Wahl 2017 haben sie trotzdem einen Sitz im zukünftigen Parlament verloren. Die Brexit-Befürworter liegen mit nicht einmal 47% der Wählerstimmen klar hinten.

    • Avatar

      sabine

      17. Dezember 2019 13:07 at 13:07

      Dieses hier angesprochene „Mißverhältnis“ zwischen der Wahl gemäß lokalen Gebieten gegen die einfache Quantität ist ja nicht seit vorgestern, sondern bei allen Wahlen so.
      a) Aber dies fällt den Linken immer dann auf, wenn sie gerade eine Wahl verloren haben. Sonst nicht. (Das war der verlorenen Wahl von Brandt und Schröder damals genauso, als sie „heraus“-fanden, daß die CSU ja eigentlich als eigene Partei gerechnet werden müsse und man somit doch gewonnen habe. Heute spielt das keine Rolle mehr, da die SPD bald einstellig ist.)
      .
      b) Mein englischer Kollege (an sich auch Labour, aber diesmal für Boris) hat mir dies System erklärt. Es sind nicht einfach z.B. die Reichen, deren Stimmen mehr wiegt, sondern ländliche Gebiete, die von Massenstädten nicht einfach weggebuttert werden wollen. Es ist ja demagogisch viel leichter, die Massen der Stadt zu beeinflußen, als die vielen für Massenmedien eher unrentablen Kleinorte.
      .
      c) Insofern wird sich laut Kollege dieses angebliche Mißverhältnis so schnell nicht ändern!
      .
      Das hoff ich zwar auch. Aber Boris will GEZ-Verweigerer entkriminalisieren. Ob er das überlebt, glaube ich nicht! (2020)
      https://twitter.com/hashtag/gez

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        TM

        17. Dezember 2019 13:24 at 13:24

        “ Es ist ja demagogisch viel leichter, die Massen der Stadt zu beeinflußen, als die vielen für Massenmedien eher unrentablen Kleinorte“

        Weil es in kleinen Orten kein Fernsehen und Internet gibt?

      • Avatar

        Michael

        17. Dezember 2019 14:50 at 14:50

        @sabine, Sie verstehen es wirklich meisterhaft, wie ein naives Milchmädchen zu argumentieren. Würden Sie sich vor dem Schreiben auch etwas informieren, wäre das Ihrer Glaubwürdigkeit und Seriosität sehr förderlich. Mehr als der sog. Kollege oder Freund, den Sie als Insider und quasi Live-Berichterstatter zu jedem nur erdenklichen Thema als „gewichtiges“ Argument anführen.

        Erst einmal fällt dieses seltsame Wahlsystem „den Linken“ (vermutlich meinen Sie damit meine Wenigkeit) immer auf, egal wer gewinnt oder verliert. Zweitens habe nicht ich eine Wahl verloren, sondern der größte Teil der britischen Wähler, der mehrheitlich gegen einen chaotischen Brexit-Boris gestimmt hat.

        Gerade auch in den Städten konnten die Tories stark zulegen, was tatsächlich für Ihre These des Demagogen Boris sprechen würde ;) Besonders eindrücklich waren die Gewinne der Konservativen in den traditionellen Hochburgen der Labour-Partei in den alten Industriestädten im Norden. London hat etwa 9 Millionen Einwohner, Großbritannien etwa 67 Millionen. Selbst bei einer 2/3-Mehrheit für Labour in London wären das landesweit gerade mal 9%.
        Dennoch scheint Labour auch nach der Wahl 2019 die Partei der Menschen in strukturschwachen Regionen zu bleiben. Gerade in Regionen mit guter sozialer Lage, hohem Wohlstand und geringer Arbeitslosigkeit (also bei den Reichen) waren die Konservativen die großen Gewinner.

        Was Willy Brandt angeht, wählte ihn der Bundestag am 21. Oktober 1969 zum vierten Bundeskanzler in der Geschichte der Bundesrepublik. 1972 führte ein langer, intensiv geführter und stark mobilisierender Wahlkampf bei der vorgezogenen Bundestagswahl mit 91 % zu der höchsten Wahlbeteiligung aller Bundestagswahlen. Beide Parteien der Regierung Brandt gewannen hinzu und die SPD wurde mit 45,8 % der Stimmen erstmals stärkste Bundestagsfraktion.

        1974 folgte sein Rücktritt infolge der Guillaume-Affäre. Also nix verlorene Wahl und CSU-Geplapper.

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          sabine

          17. Dezember 2019 19:55 at 19:55

          @Michael: „Milchmädchen“ – lalala. Tüpisch links. Erstmal runtermachen. Aber dann immerhin argumentieren.
          .
          Gemäß meinem englischen Kollegen sind die Linken in London und anderen Großstädten sehr stark. (So, das reicht für heute. Tschüß. Muß noch Holz hacken, heize mit Holz.)

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            Michael

            17. Dezember 2019 20:25 at 20:25

            @sabine, Sie sind schon ein interessanter Tüp! Erstmal runtermachen und niemals argumentieren. Eine tüpische Holzhackermethode – lalala.

          • Avatar

            Lausi

            17. Dezember 2019 20:37 at 20:37

            @sabine: Und ich muss noch eine Kuh abschlachten für’s Abendessen ;-) Aber Spass beseite: Das mit dem Holz hacken gefällt mir. :-)

            Und was den „Streit“ hier betrifft: Geht es nicht um Mehrheitswahlrecht versus Verhältniswahlrecht? Also ich finde das Verhältniswahlrecht deutlich besser, weil dabei nicht – wie beim Mehrheitswahlrecht – so viele Wahlstimmen unter den Tisch fallen. Bei einem Verhältniswahlrecht würden die Wahlergebnisse in GB und USA ganz anders aussehen!

            Meiner Meinung nach hat Boris nur wegen „Let Brexit done“ gewonnen – womit er mMn auch Recht hat. Der Brexit-Geist ist aus der Flasche, und in GB würde keine Ruhe einkehren, solange dieser nicht vollzogen ist. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Ggf. können die Briten in zehn oder zwanzig Jahren der EU ja wieder beitreten – nachdem ihr Größenwahn zurechtgestutzt wurde!

    • Avatar

      Koch

      17. Dezember 2019 13:11 at 13:11

      Ächz,Flenn,Schrei,Michael!So würde ein Comicschreiber ihr Demokratieverständnis zu Blatt bringen.Die Alten und die Dummen,haben also schon wieder die Wahl gewonnen,dieses Mal auch noch angeblich mit einer Stimmenminderheit.Haben die Schlauen und Jungen etwa vergessen ein „vernünftiges“Wahlrecht zu installieren oder hatten sie schlicht keine Zeit dafür,die Highpotentials?P.s.Ob das deutsche Wahlrecht mit der ständig mehr Abgeordnete erzeugenden Überhangmandatepraxis der Weisheit letzter Schluss ist,ist ebenfalls fraglich.Rule Britannia,eben ohne notlügende und postenschachernde Superdemokraten in Brüssel und Strasburg.

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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