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Aktien: Sind sie trotz Coronakrise so attraktiv wie lange nicht mehr?

JP Morgan meint: es sei Zeit, nun Aktien zu kaufen, weil diese ja vermeintlich immer steigen würden – historisch gesehen. Echt jetzt?

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Seit dem Tief im März sind Aktien gestiegen – und das global. Besonders aber in den USA sind Aktien extrem stark gestiegen – und nun kommt die US-Großbank JP Morgan und meint: es sei Zeit, nun Aktien zu kaufen, weil diese ja vermeintlich immer steigen würden historisch gesehen. Die Ertragserwartungen seien durch den Corona Crash massiv gestiegen, zumal die “Konkurrenz” durch die Anleihemärkte, die keine Renditen mehr böten, praktisch ausgefallen sei.

Mit der Rally der Aktienmärkt aber ist besonders an der Wall Street die Bewertung extrem hoch – die Gewinnerwartung fällt, während die Kurse massiv gestiegen sind (besonders gut sichtbar beim US-Nebewerte-Index Russell 2000).

Gemessen am 1.Quartal liegt die Marktkapitalisierung der Aktien in den USA derzeit bei historisch hohen bei 140% – wenn nun das zweite Quartal mit einem prognostizierten US-BIP von -23% bis -42% (letzteres die Atlanta Fed-Messung, siehe die Einschätzungen zum US-BIP im 2.Quartal hier) so ausfällt, wie erwartet, wird das Verhältnis noch extremer!

Hinzu kommt: die Abweichung zwischen der Gewinnerwartung bei Aktien (die stark gefalle sind) und den Kursen (die bekanntlich stark gestiegen sind) ist so hoch wie selten in der Geschichte, wie Liz Ann Sonders in einer brillianten Analyse gezeigt hat: in gut 90% der Börsengeschichte laufen Gewinnerwartung und Kurse der Aktien kongruent – derzeit ist das absolute Gegenteil der Fall:

Aktien haben sich derzeit komplett von der Gewinnerwartung entkoppelt

(Chart: Liz Ann Sonders)

Die Marktkapitalisierung von Aktien in den USA beträgt derzeit 38 Billionen Dollar – womit die Wall Street eine mehr als doppelt so hohe Marktkapitalisierung hat als alle anderen entwickelten  Märkte (“developped markets”) zusammen. Ist das wirklich ein Kauf-Argument? Zumal ja gerade die USA in der Coronakrise zeigen, wie tief man in Sachen Arbeitslosigkeit und Konjunktur fallen kann. Gleichzeitig ist der Optimismus (und die daraus folgende Long-Positionierung vor allem im Optionsmarkt) für Aktien in den USA so hoch wie seit 2012 nicht mehr (siehe dazu hier und hier).

Aber wir lassen uns natürlich gerne von JP Morgan belehren, warum man nun gerade wegen der Coronakrise Aktien kaufen müsse – weil Aktien ja langfristig angeblich immer steigen (es sei denn, sie fallen..)

Mehr dazu in folgendem Video von “Mission Money”:

 

Sind Aktien derzeit wirklich attraktiv?

 

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Besserwisser

    22. Mai 2020 13:04 at 13:04

    “und nun kommt die US-Großbank JP Morgan und meint: es sei Zeit, nun Aktien zu kaufen, weil diese ja vermeintlich immer steigen würden historisch gesehen.”

    Finde den Fehler. Gefunden. “weil [Inflation] ja vermeintlich immer steigen würde[…] historisch gesehen.”

    Mit Aktien hat man in den wenigsten Zeiträumen, seine Kaufkraft erhöht…

    Was JP Morgan uns eigentlich sagen will: “Hilfe, wir haben uns verspekuliert und brauchen jetzt ein par gutgläubige Deppen, die uns unsere Aktien abkaufen.”

  2. Avatar

    Marko

    22. Mai 2020 13:04 at 13:04

    “Seit dem Tief im März sind Aktien gestiegen – und das global. Besonders aber in den USA sind Aktien extrem stark gestiegen – und nun kommt die US-Großbank JP Morgan und meint: es sei Zeit, nun Aktien zu kaufen, weil diese ja vermeintlich immer steigen würden historisch gesehen. Die Ertragserwartungen seien durch den Corona Crash massiv gestiegen, zumal die “Konkurrenz” durch die Anleihemärkte, die keine Renditen mehr böten, praktisch ausgefallen sei.

    Aber genau ist doch Key, Corona hin oder her, die Anleihemärkte “blockieren” einen Aktienmarktfall nach unten, weil das durch Lehman kam, weil der Bufu bei 173 Punkten steht. Weil die Notenbanken durch Lehman den Markt manipulierten mussten, den Anleihemarkt.

    Wie schon gesagt, ein Dax bei beispielsweise 6000 würde automatisch massivste Negativzinsen, für den gesamten Geldkreislauf bedeuten.
    Was wäre dann ? Der Geldkreislauf wäre tot, der Markt wäre tot.

    also : Klappe zu, Affe tot. Deshalb ist der Dax bei 11000 Punkten eben nicht zu teuer.

    Und natürlich ist Corona eine extreme Belastung für die ganze Welt, ohne jede Frage.

    “Mit der Rally der Aktienmärkt aber ist besonders an der Wall Street die Bewertung extrem hoch – die Gewinnerwartung fällt, während die Kurse massiv gestiegen sind (besonders gut sichtbar beim US-Nebewerte-Index Russell 2000).”

    Wenn die Bewertung an den Aktienmärkten extremst hoch sei, frage ich mich schon, wie äußerst niedrig die “total gerechtfertigist” Anleihemärkte zu bewerten sind ? Und, na klar, die Amis sind hoch bewertet, beim Aktienmarkt.

    Wie “niedrig” ist das KGV der Anleihemärkte ?

    Alles klar.. ?

  3. Avatar

    Marko

    22. Mai 2020 13:28 at 13:28

    “ie Marktkapitalisierung von Aktien in den USA beträgt derzeit 38 Billionen Dollar – womit die Wall Street eine mehr als doppelt so hohe Marktkapitalisierung hat als alle anderen entwickelten Märkte (“developped markets”) zusammen. Ist das wirklich ein Kauf-Argument? Zumal ja gerade die USA in der Coronakrise zeigen, wie tief man in Sachen Arbeitslosigkeit und Konjunktur fallen kann. Gleichzeitig ist der Optimismus (und die daraus folgende Long-Positionierung vor allem im Optionsmarkt) für Aktien in den USA so hoch wie seit 2012 nicht mehr (siehe dazu hier und hier).

    Aber wir lassen uns natürlich gerne von JP Morgan belehren, warum man nun gerade wegen der Coronakrise Aktien kaufen müsse – weil Aktien ja langfristig angeblich immer steigen (es sei denn, sie fallen..)

    Was ist dann mit dem Anleihemarkt ? Alles schön alles toll ?

    Wenn der Aktienmarkt fällt, dann muss der Anleihemarkt vollends in das Weltall abheben.

    “Bewertungen” wären danach sinnlos, da dann im Orbit schwebend. :D

  4. Avatar

    thinkSelf

    22. Mai 2020 13:39 at 13:39

    Wunderbar, wie die “Erzkapitalisten” der Börse mit der marxistischen Werttheorie argumentieren. In einem freien Markt haben Güter keinen “inneren” der “fundamentalen” Wert. Güter haben immer genau den Wert, den ein Käufer ihnen durch eine VOLLZOGENEN Kauf durch den von ihm gezahlten Tauschwert beimisst. Und das auch nur während des Kaufaktes selbst. Schon direkt im Anschluss kann sich, selbst zwischen den selben Transaktionspartnern, ein völlig anderer Preis einstellen.

    Wer mit Handel, also dem Kauf und Weiterverkauf von Gütern, Geld verdienen will, muss sich daher nicht mit dem “fundamentalen” Wert einer Aktie beschäftigen, sondern versuchen den zeitlichen Verlauf der Wertpräferenzen möglicher Käufer einzuschätzen. Die können von “Fundamentaldaten” der Unternehmen abhängen, müssen es aber nicht.

    Ein schönes Beispiel ist die Chart-Technik. Analytisch betrachtet ist das völlig sinnloses reinmalen von Linien in irgendwelche Diagramme. Evolutionsbedingt suchen Menschen aber immer nach Mustern und finden ständig auch da welche, wo gar keine sind.
    Trotzdem funktioniert Chart-Technik. Und zwar weil ausreichend viele daran glauben. Womit wir hier ein System referenziellen Herdenverhaltens haben. Vulgo: Eine selbsterfüllende Prophezeiung.

    Die gleiche Wirkung haben laufende Trends. Sie erhalten sich selber. Und je länger sie laufen, umso stärker ist der Effekt. Auch das ist ein selbstreferenzielles System. Es funktioniert, weil es funktioniert.

    Müsste doch jeder kennen der Kinder hat. Irgendwann kapitulieren alle Eltern vor dem wiederholten “warum” der Kinder mit der Aussage: “Weil es halt so ist.”

  5. Avatar

    Mike Lohmann

    22. Mai 2020 14:17 at 14:17

    Klar sind Aktien erst am Startnieveau, denn wenn man den US-Bankern glauben darf, haben alle Unternehmen denen es schlecht geht, bereits bei der Zeitung angerufen und mitgeteilt dass sie Pleite gehen werden. Dass die Pleitewelle erst in einigen Monaten richtig beginnt, muss man daher als Märchen der ewig Gestrigen abtun, denn Banken haben schon immer die Wahrheit gesagt und nie die kleinen Leute über den Tisch gezogen, nicht? Also liebe Grosseltern, holt den letzten Spargroschen hervor und lasst euch von den Bankberatern zeigen, was es da alles Schöne gibt. Ihr könnt auch zur EZB gehen, die kümmern sich noch intensiver um die kleinen Sparer.

  6. Avatar

    Prognosti

    22. Mai 2020 16:39 at 16:39

    Nur komisch dass diese Finanzprofis bei jeder Krise gerettet werden müssen. Zudem sind sie sogar meistens die Verursacher aller Probleme. Wenn man die Aktienkurse der EU- Banken der letzten Jahre verfolgt, könnte man nicht meinen ,dass da jemand etwas von Wirtschaft versteht.
    Bei der letzten Krise hat sogar Warren Buffett als Privatfirma den Goldmännern eine Finanzspritze gegeben.
    Einer der grössten Vermögensverwalter , die UBS musste sogar vom Staat gerettet werden.
    Darum kauft eben Buffett noch nicht, Einige dieser Immerfalschlieger werden bald wider um Hilfe bitten.

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Geldanlage: Dieser Mix bringt seit 120 Jahren die besten Renditen!

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Geldanlage mit mehr oder weniger Risiko? Der Mix macht´s

Wenn sich eine Schweizer Bank mit Professoren aus London und Cambridge zusammentut, um langfristige Rendite-Entwicklungen verschiedener Anlageklassen über 120 Jahre zu untersuchen, dann sollten Anleger das Ergebnis genau studieren. Denn was 120 Jahre lang gute Renditen abwarf, ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch die richtige Wahl für Ihre Geldanlage. Schauen wir uns also an, was die Credit Suisse herausfand.

Wenig überraschend lautet das Ergebnis, dass Aktien global gesehen vor Anleihen und vor Geldmarktpapieren liegen. Um die Inflation bereinigt, warfen Aktien seit dem Jahr 1900 jährlich eine Rendite von 5,2% ab. Anleihen, in die Versicherungen und Pensionsfonds besonders große Anteile des Anlagevermögens investieren, kamen hingegen nur auf 2%. Die vor allem zum kurzfristigen Parken von Cash-Reserven genutzten Geldmarktpapiere, in dem Fall Schatzwechsel, brachten es als ein Instrument der Geldanlage hingegen nur auf 0,8%.

In Japan liegen Aktien mit Anleihen seit 50 Jahren fast gleichauf bei der Geldanlage

Nun könnten sich alle Aktionäre beruhigt zurücklehnen und darauf hoffen, dass sie mit ihrer Geldanlage in 50 Jahren reich sein werden. Doch so einfach ist es nicht. Denken wir nur an folgendes Szenario: Aktien crashen und laufen dann für Jahrzehnte seitwärts. Dass das kein Szenario aus dem Märchenbuch oder von weitgehend unbekannten Märkten in irgendwelchen Schwellenländern ist, zeigt Japan. Dort ist genau das passiert.

Die Einzelauswertung für Japan zeigt, dass Aktien als Geldanlage über 120 Jahre gesehen dann immer noch eine üppige Rendite abwerfen. Doch 120 Jahre werden nur die wenigsten Anleger alt. Auf Sicht von 50 Jahren liegen in Japan bereits die Anleihen vorn, wenn auch knapp mit 3,8% zu 3,6% Rendite. Auf Sicht von 20 Jahren ist die mit Anleihen erzielte Rendite in Japan jedoch den Aktien meilenweit voraus. Während Aktienbesitzer nur eine Realrendite von 1,5% erzielen konnten, spielten Anleihen 3,7% pro Jahr ein. Geldmarktpapiere sind im Japan-Szenario in allen Zeithorizonten Kapitalvernichter gewesen. In 120 Jahren verloren Geldmarkt-Anleger 1,8% Realrendite pro Jahr. In 20 Jahren immerhin noch 0,1%. Nur auf Sicht von 50 Jahren konnte eine Mini-Rendite von 0,2% eingefahren werden.

Weltweit brachten Anleihen in 20 Jahren kaum noch Mehr-Rendite

OK, nun mag Japan ein besonderer Fall sein, oder nicht? Nein, weltweit haben Anleihen bei der Geldanlage Aktien in den vergangenen 20 Jahren geschlagen. Global gesehen konnten Anleger seit dem Jahr 2000 mit Anleihen 4,8% verdienen, mit Aktien jedoch nur 3,1%. Auch auf Sicht von 50 Jahren ist der Rendite-Vorsprung von Aktien nicht mehr so üppig, wie man glauben könnte. 5,5% für Aktien vs. 4,8% für Anleihen dürften den einen oder anderen Anleger zum Nachdenken bringen. Lohnt sich das höhere Risiko von Aktien wirklich, wenn auf Sicht von 50 Jahren nur ein Renditevorsprung von 0,7 Prozentpunkten pro Jahr dabei herausspringt?

Von allen untersuchten Märkten schaffte es nur einer, auch in den vergangenen 20 Jahren mit Aktien eine deutliche Mehr-Rendite gegenüber Anleihen zu erzielen: China. 9,6% Real-Rendite mit Aktien stehen nur 3,1% Real-Rendite mit Anleihen gegenüber. Doch Chinas Markt gleicht inzwischen weitgehend dem Japans, Westeuropas oder dem der USA: Die Unternehmen zeigen nur noch mageres Gewinnwachstum, die Wirtschaft wächst kaum noch, doch die Schulden steigen unaufhörlich. Das hat auch Folgen für die Geldanlage!

Geldanlage-Strategie für China: Anleihen kaufen!

Auch bei den Zinsen geht China bereits den westlichen und japanischen Weg. Der Leitzins sank von 5,1% im Mai 2015 auf 3,85% im Mai 2020 und erwartet wird eine weitere Absenkung auf 3,7% bis zum Quartalsende. Sinkende Zinsen bedeuten gleichzeitig auch steigende Preise für bereits früher herausgegebene Anleihen. Je länger die Restlaufzeit der Anleihen ist und je stärker die Zinsen sinken, umso größere Kurszuwächse kann ein Anleger mit diesen Papieren erzielen.

Eine aussichtsreiche Anlage-Strategie kann also darin bestehen, jetzt auf chinesische Anleihen zu setzen und sinkende Zinsen sowie damit einhergehend steigende Anleihe-Preise zu erwarten! Insgesamt erwarten die Studien-Autoren weltweit sinkende Real-Renditen in allen Anlage-Klassen. Je niedriger die Realzinsen sind, also die gezahlten Zinsen abzüglich Inflation, umso geringer würden auch die Real-Renditen der verschiedenen Anlageklassen ausfallen. Die Bäume wachsen bei der Geldanlage inzwischen nicht mehr in den Himmel. Zu erwarten sind künftig wohl eher bodennahe Sträucher.

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