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Aktien

Aktien steigen auf ganz lange Sicht immer weiter an? Wie falsch!

Claudio Kummerfeld

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am

Man denke an den „angeblichen“ Altmeister der langfristigen Aktien-Anlage Andre Kostolany. Wie man in Finanzkreisen weiß, war er auch gerne kräftig am Zocken. Er verkündete immer wieder öffentlich man solle einfach Aktien kaufen, liegen lassen, und schlafen gehen. Auch viele andere „Experten“ predigen, dass Aktien grundsätzlich ja auf ganz lange Sicht immer weiter steigen. Auch wenn es „zwischendurch“ Rezessionen und heftige Börseneinbrüche gebe, so sei die Aktienanlage am Ende des Tages doch unschlagbar, und auf ganz lange Sicht gesehen laufe die Aktie einfach besser als andere Kapitalanlagen.

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Diese grundsätzliche Sichtweise ist natürlich für die Fonds-Branche eine extrem wichtige verallgemeinerte Botschaft. Denn mit diesem Grundrauschen kann man viele Anleger davon überzeugen in monatlichen Einzahlplänen jahrzehntelang Aktien über Fondsanteile zu kaufen. Natürlich, so möchten wir anmerken, ist die Wahrscheinlichkeit recht gut, dass Qualitätsaktien und funktionierende Volkswirtschaften auf lange Sicht auch steigende Kurse zu bieten haben.

Aber die Grundaussage, dass Aktien ganz allgemein gesehen auch nach Krisenzeiten unterm Strich immer super laufen, ist eine fatale Falschaussage. An dieser Stelle möchten wir nämlich mal einen Vergleich anstellen. Wer nur auf Indizes in den USA und Deutschland schaut, hat aus heutiger Betrachtungsweise in Bezug auf die Vergangenheit gute Argumente, wenn es um Aktien als überlegene Anlageklasse geht.

Schauen wir mal zurück in die 80er-Jahre bis heute bei Dow Jones 30 und Dax. Der Dax als Index existierte in den 80ern noch nicht, von daher beginnt die hellblaue Linie hier nicht ganz links im Chart. Dax und Dow laufen von damals bis heute unterm Strich sehr gut! Der Dow ist von 3.000 auf über 26.000 Punkte gestiegen, Wahnsinn! Der Dax entwickelte sich von 2.000 auf 12.000 Punkte. Auch das ist eine tolle Wahnsinnsentwicklung. Die Einbrüche nach dem Tech-Crash und nach der Finanzkrise erscheinen da im Chart nur noch als „Randnotizen“ auf dem Weg nach oben.

Japanische Aktien als warnendes Beispiel

Wer nur auf diese beiden Indizes schaut, kann die Meinung der Dauer-Bullen doch eigentlich nur teilen, dass Aktien auf ganz lange Sicht immer weiter steigen, trotz noch so schwerer Krisen. Aber das hoch industrialisierte Japan zeigt, dass es auch ganz anders laufen kann. 1989 erreichte der japanische Leitindex für Aktien „Nikkei 225“ seinen Höchststand bei 38.915 Punkten. Die folgenden 90er-Jahre galten bei Börsianern in Japan als „verlorenes Jahrzehnt“.

Aktuell versucht die japanische Notenbank seit Jahren die Inflation und Wirtschaft anzuheizen, und kauft dabei mit immer obszöneren Aktionen immer größere Teile des japanischen Kapitalmarkts auf. Im Jahr 2009 erreichte der Nikkei 225 mit 7.000 Punkten seinen tiefsten Stand seit dem Allzeithoch 1989. 20 Jahre lang (!) ging es mit japanischen Aktien nur bergab, und jetzt? von 2009 bis 2019 ist der Nikkei von 7.000 auf über 21.000 Punkten kräftig gestiegen. Wer seitdem auf japanische Aktien setzte, machte gute Gewinne!


Der Nikkei 225 seit den 80er-Jahren.

Aber wer in den 80ern oder frühen 90ern auf japanische Aktien setzte (zum Beispiel über Index-Fondsanlagen), der wird womöglich auch heute noch auf Verlusten sitzen. 30 Jahre, das ist eine verdammt lange Zeit. Und der nächste globale Börsenabschwung könnte den Nikkei wieder jahrelang davon abhalten auch nur annähernd die alten Hochs von 1989 anzulaufen. Hier folgt ein sehr schöner Chart-Vergleich zwischen Nikkei und Dow seit den 80er-Jahren. Was für eine eindeutig abweichende Entwicklung. Und man sage bitte nicht, dass so etwas wie in Japan hierzulande niemals passieren könne, nur weil aktuell alles so rosig aussieht!

Aktien Dow Nikkei

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Altbär

    12. April 2019 18:34 at 18:34

    Genau so ist es, zudem sagte der Amazon Chef, dass heute ganz grosse Firmen kaum mehr als 30 bis 40 Jahre überstehen. Und wer gehebelt unterwegs ist, was heute üblich ist, der muss dann im dümmsten Moment verkaufen. Zudem reden wir von der Vergangenheit, wo die Börsen noch weniger künstlich auf schwindelerregende Höhen getrieben wurden.Anderseits gab es schon 1950/ 1970 lange Zyklen ohne Kursgewinne. Ich glaube im Moment können wir uns ruhig am Japan Beispiel orientieren.
    Über dieses vielerzählte Märchen des langfristigen Aktiensparens könnte man mit mir nach einer
    Korrektur von 40bis 50% reden, aber die soll es oder darf es ja anscheinend nie mehr geben.
    Wenn man sieht wie im Moment eine Boeing, eine Tesla u. tausende Zombifirmen künstlich am Absturz
    gehindert werden hätte ich im Moment Mühe die Börse als Langfristanlage zu sehen.

  2. Avatar

    Michael

    12. April 2019 21:24 at 21:24

    Auch hier ist die Interpretation und Sichtweise sehr relativ und vom Betrachtungszeitraum abhängig. Wir reden hier von Langfristanlagen, Altersvorsorge via Aktien.

    14 Jahre lang von Mitte 1998 bis Mitte 2012 war der DAX eine Nullnummer, erst seit dem Draghi- und speziell dem darauffolgendem Trump-Wahnsinn expandierte die Blase für relativ kurze Zeit. Wer innerhalb dieser 14 Jahre zum falschen Zeitpunkt das Rentenalter erreicht hatte, durfte schon damals „Nullzinsphasen“ zu allerdings höchstem Risiko erfahren.

    Seit exakt Anfang 2015 dümpelt der Index schon wieder 4 Jahre lang vor sich hin, teilweise sogar im Minus. Wer also in den vergangenen 21 Jahren nicht gerade die kurzen günstigen Phasen als Einstieg erraten oder zum falschen Zeitpunkt das Rentenalter erreicht hat, dürfte also ebenfalls die Nullnummer fahren. Und zum Auszahlungszeitraum noch mitgeteilt bekommen, dass die Fonds- und Vwerwaltungsgebühren 10% zusätzlich verschlingen.

  3. Avatar

    Beobachter

    13. April 2019 16:51 at 16:51

    Interessant: Anscheinend haben eben gerade die sichersten u.besten Länder , Japan u. CH( wegen starker Währung) schlechte Aktien-Performance.
    So hat die CH – Börse gerade letzte Woche erst wieder den Höchststand von 2007 erreicht, u.das in einer noch nie dagewesenen Tiefzinsphase.
    Fazit: Währungsbereinigt wäre das Märchen der“ langfristig immer steigenden Aktien“ auch bei den Amis noch weniger märchenhaft.
    Dies ist natürlich die gute Taktik des schlauen CH Notenbankpräsidenten.Die CH Notenbank kauft mit dem wertlosen gedruckten Geld US Aktien u. treibt sie hoch bis zum Kollaps. ( Spass ) Die vernünftig bewerteten CH Aktien überleben dann die nächste Krise. Das ist die Revanche gegen die Amis, die die CH Banken fast zu Tode gebüsst haben.Man muss die Banken nicht in Schutz nehmen, störend ist nur, dass die Amis die ungeliebte Konkurrenz genau für etwas straften, was sie tagtäglich selber noch immer machen.
    Die EU wird sich noch wundern mit welch arroganter Art gegen ungeliebte Konkurrenz vorgegangen wird.
    Man stelle sich vor,die grobfahrlässigen Unfälle der Boeing wären mit Airbus passiert, tausend Anwälte hätten die Schadenersatzformulare schon ausgefüllt u.wären für die nächsten 10 Jahre saniert.

  4. Avatar

    Momme

    15. April 2019 16:06 at 16:06

    Oh je, vergleicht da wirklich jemand einen Performanceindex mit zwei Kursindizes und schafft es kein Wort über Dividenden zu verlieren?!

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

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Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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