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Aktien von Lufthansa und Wirecard im Fokus

Die Aktien von Lufthansa und Wirecard wollen wir uns heute mal etwas näher anschauen. Bei beiden gibt es eine interessante Nachrichtenlage. Die Lufthansa hat nun gestern endlich das offizielle GO vom Bund erhalten für ein Hilfspaket über 9 Milliarden Euro. Teilweise besteht es aus Eigenkapital, teilweise aus Krediten der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (hier die Details). Jetzt muss nur noch die EU-Kommission zustimmen. Zwar fehlt auch noch das GO der Lufthansa-Aufseher – aber hey, wo würde der Aktienkurs des Unternehmens landen, wenn der Aufsichtsrat diese Staatskohle ablehnt?

Wenn man davon ausgeht, dass der Druck aus Berlin auf Brüssel immens groß ist die Hilfen für DIE deutsche Airline durchzuwinken, dann geht dieser Deal über die Bühne. Die Lufthansa ist wohl gerettet. Sie wird durch die Krise kommen, und der Einfluss des deutschen Staates auf die unternehmerischen Entscheidungen der Airline scheint bis auf die Verbote von Boni und Dividenden nicht wirklich gegeben zu sein. So monieren zum Beispiel Gewerkschafter, dass mit dem Staatsgeld keine Job-Garantien bei der Lufthansa verknüpft wurden. Das lässt darauf schließen, dass es auch mit staatlicher Unterstützung zu einem Stellenabbau kommen könnte. Kaum verwunderlich: Heute steigt die Aktie um 6 Prozent, nachdem sie bereits die letzten Tage gut angestiegen war, in freudiger Erwartung auf die Staatsrettung. Seit dem 14. Mai hat die Lufthansa-Aktie einen Anstieg von 7,25 auf 9,14 Euro hingelegt, ein Plus von 26 Prozent in wenigen Tagen. Auch darf man nicht vergessen (oder übersehen es viele Beobachter?), dass die Lufthansa beim aktuellen Börsenkurs einen Wert von gerade mal 4,1 Milliarden Euro hat.

Für bis zu 6 Milliarden Euro kommt der deutsche Staat in den „Genuss“ von bis zu 25 Prozent der Lufthansa-Aktien. Man erkennt sofort das Missverhältnis, zumindest aus Sicht der Steuerzahler. Mit dieser massiven Hilfe, so nehmen es die Börsianer wohl an, kommt die Lufthansa glänzend über die nächsten Monate, und wird nach der Krise gestärkt am Markt agieren können. Und man könnte dann sogar noch geschwächte Konkurrenten aufkaufen, oder organisch auf neue Routen und Flughäfen im Ausland expandieren? Und der Staat könnte später womöglich anders als beim staatlichen Einstieg bei der Commerzbank zu höheren Kursen mit Gewinn verkaufen? Tja, das dachte man bei der Commerzbank wohl auch. Aber kann sich die Lufthansa wieder erholen? Kommt alles anders als bei der zweitgrößten deutschen Bank? Im Augenblick zeigt der steigende Aktienkurs genau dieses Hoffnungs-Szenario.

Wirecard

Das „illustre“ Dax-Unternehmen Wirecard hat gestern Abend bekanntgegeben nun zum dritten Mal die Vorlage seiner Bilanz für das Jahr 2019 zu verschieben. Erst hieß es 8. April, dann 30. April, dann 4. Juni. Gemäß der gestrigen Veröffentlichung soll es nun am 18. Juni so weit sein. Eigentlich läuten bei solchen Terminverschiebungen alle Alarmglocken der Börsianer. Probleme in der Bilanz? Dubiose Machenschaften? Verweigern die Wirtschaftsprüfer ihre Unterschrift, weil Buchungen nicht erklärt werden können? Bricht die Aktie ein? Nein, die Aktie von Wirecard notiert heute nur mit einem Minus von 1,5 Prozent. Entscheidender aber ist der Trend der Aktie. Seit Tagen kann sie sich um Kurse zwischen 82-87 Euro relativ stabil halten, aktuell mit Kursen um die 86 Euro.

Jüngst gab es Anzeigen von Investoren gegen Wirecard-Verantwortliche, vorher den brutalen Kursabsturz der Aktie wegen einem Prüfbericht, der zu viele Fragen offen ließ. Schauen wir hier mal auf den Kursverlauf der letzten zwölf Monate. Ist das Short-Potenzial nach dem Absturz Ende April erstmal gewichen, und auf dem aktuellen Niveau gibt es einen Boden? Bei der Aktie ist es immer noch möglich, dass bei der nächsten negativen Schock-Nachricht ein weiterer kräftiger Absturz auf viel tiefere Niveaus erfolgt. Aber diese aktuelle Verschieberei der Bilanzzahlen scheint die Börsianer jedenfalls nicht zu schocken.

Wirecard-Aktie im Verlauf der letzten 12 Monate



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1 Kommentar

  1. Hi Claudio,

    >> Für bis zu 6 Milliarden Euro kommt der deutsche Staat in den “Genuss” von bis zu 25 Prozent der Lufthansa-Aktien. Man erkennt sofort das Missverhältnis, zumindest aus Sicht der Steuerzahler.

    Da hast du dich verrechnet:

    Außerdem wird der WSF im Wege einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnen, um eine Beteiligung von 20% am Grundkapital der Deutsche Lufthansa AG aufzubauen. Der Bezugspreis soll 2,56 Euro je Aktie betragen, so dass sich die Bareinlage auf rund 300 Mio. Euro beläuft.
    Quelle: Dt. Lufthansa Presseerklärung

    Die 20% der Aktien bekommt der Bund für nur 300 Mio. Euro (2,56 € pro Aktie), für den Kurs würde ich auch gerne kaufen ;-)
    Die Milliarden sind Kredite, mit bis zu 9% Zins p.a. Auch das kann nur der Staat durchdrücken, während er sich zu -0,66% bei der EZB und Institutionellen wie den Lebensversicherern refinanziert.

    Statt dem Unternehmen Zuschüsse und zinslose Darlehen (z.B. die gezahlten Steuern der letzten Jahre) zu geben, versucht man, die unverschuldete Notlage eines Unternehmens auszunutzen, während man von ‚unbürokratischen‘ Hilfen für Kleinunternehmer spricht (wie z.B. 15.000 € Zuschuss).

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