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Aktienmärkte – 2019 Musterjahr der Saisonalität

Die Saisonalität ist ein Phänomen an den Börsen, dessen Beachtung oft eine zusätzliche Aktienperformance einbringen kann

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Das Börsenjahr 2019 ist für die Aktienmärkte noch nicht zu Ende und es dürfte dennoch in Erinnerung bleiben. Zum einen, weil es sich um ein für die Bullen sehr erfolgreiches gehandelt hat – falls es in den letzten gut 20 Handelstagen nicht noch zu einem gravierenden Abverkauf kommt. Und zum anderen, weil es die Börsenstatistiker sehr erfreut haben dürfte, die ihre Entscheidungen etwas an den in der Vergangenheit erkennbaren Mustern ausgerichtet haben – dem Phänomen der Saisonalität. Obwohl dieses Jahr bei fundamentaler Betrachtung schon äußerst ungewöhnlich verlief, haben sich große Indizes wie der S&P 500 und der Dax erstaunlicherweise an die oft beobachteten saisonalen Muster gehalten.

 

Aktienmärkte: Die bisherige Jahresperformance

Bevor ich auf einige sehr oft zitierte Muster eingehe, hier zuerst einmal die Ausgangsdaten von Dax und S&P 500 zu Jahresbeginn. Der deutsche Leitindex startete am ersten Handelstag mit 10477 Punkten ins neue Jahr, der S&P 500 mit 2476 Punkten – das bedeutet, dass beide Indizes mit ihren Schlussständen vom 22. November (Dax 13168) und S&P (3010) über 24 bzw. 23 Prozent im Plus liegen (allerdings war dem Jahresstart 2019 ein herber Abverkauf im Dezember 2018 voran gegangen!).

Hierzu ein Chart der ein typisches, durchschnittliches Aktienjahr des Dax abbildet.

Ein typisches saisonales Muster der Aktienmärkte - hier der Dax

(Grafik: https://www.seasonax.com/)

 

Vorbemerkungen:

Es gibt gerade von der technischen Seite eine Unzahl von statistischen Besonderheiten, mit teilweise auch nur kurzen Halbwertszeiten, deshalb gehe ich hier nur auf ein paar besonders signifikante und allgemein bekannte saisonale Börsenregeln ein.

Dabei möchte ich noch auf einen besonderen Effekt hinweisen, der in Zeiten des Algo-Tradings stark zugenommen hat: Wird irgendwo eine Regel entdeckt und veröffentlicht (insbesondere auf kurze Sicht), mit der eine Outperformance erzielt werden kann, so wird sie augenblicklich kopiert und verliert an Wirksamkeit. Deshalb sollte man immer misstrauisch sein, wenn Finanzanbieter besondere Strategien der Öffentlichkeit (gegen Bezahlung) anbieten. Im Zeitalter des Computerhandels funktioniert so etwas nicht mehr. Wer etwas Neues herausgefunden hat, behält es für sich, sonst hat sich sein Erfolg in kurzer Zeit erledigt. Ich möchte in diesem Überblick auch nicht mit zuviel Zahlenvergleichen aufwarten – es gib darüber unglaubliche viele Auswertungen, die sich in unterschiedlichen Untersuchungszeiträumen aber teilweise widersprechen.

Was sind nun die am meisten beachteten saisonalen Effekte?

 

Der Januareffekt

Wie der Januar, so das ganze Jahr, lautet der erste Spruch, wobei man hier noch einmal differenzieren kann zwischen der ersten Woche und dem ganzen Monat. Der Dax erfüllte 2019 beide Kriterien, den er stand sowohl am Ende der ersten (kurzen) Handelswoche – mit 10 677 Punkten, als auch am Monatsende – mit 11 173 Punkten deutlich höher.

Das berühmte Sell in May..

Die viel zitierte und schon etwas abgedroschene Börsenweisheit „Sell in May and go away…“ hat funktioniert. Anfang Mai setzte bei 12.402 Punkte die Korrektur ein, die den Index trotz eines neuen Zwischenhochs im Juli am 15. August bis auf 11 266 Zähler fallen ließ. Allerdings hatte sich der Index bis zum 30. des Monats wieder auf sein Startniveau von 12 400 Punkten erholt, um aber vor dem Start in die Jahresendrallye ein paar Tage später, am 4. Oktober, noch bis auf 11 878 Punkte zu fallen. Insgesamt betrachtet, hätten man bei Befolgung dieser Regel richtig gute, tiefere Einstiegschancen bekommen.

Das Sommerloch

Damit hatte sich auch wieder die Regel bestätigt, dass die Monate August und September die schlechten Investitionsphasen im Dax sind (gilt auch für die USA). Beide Monate weisen bei Betrachtung der letzten 50 Börsenjahre eine durchschnittliche Performance von minus 0,4 beziehungsweise minus 1,7 Prozent auf. In diesem Jahr war der August mit 12 200 Punkten gestartet, um bis zum 15. des Monats bis auf 11 166 Punkten im Tief zu korrigieren. Auch zu Monatsende lag er noch darunter. Der September war in diesem Jahr ein positiver Monat, allerdings bekam man wenige Tage später (4.Oktober) noch einmal eine tiefere Einstiegschance.

…but remember to come back in September

Hätte man bis ganz zum Schluss, dem 30. September gewartet, wäre dies in diesem Jahr ein Nullsummenspiel geworden, denn der Kurs zu Monatsende lag da fast auf dem Niveau vom 2. Mai mit 12 400 Punkten. Allerdings hätte man zahlreiche Gelegenheiten bekommen, im August und September billiger in den Markt zu kommen.

Die Jahresendrallye

Nachgewiesenermaßen ist die Periode zwischen November und April die beste Zeit im Dax, wie auch in den amerikanischen Aktienindizes investiert zu sein. Damit verbunden ist auch die so genannte Jahresendrallye, die in diesem Jahr am 4. Oktober gestartet wurde: Beim Dax bei etwa 11 900 Punkten, aber auch beim S&P 500 mit 2890 Punkten, hier allerdings schon am 2. Oktober startend.

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So viel passiert und so wenig zu sehen: Nach einer ereignisreichen Woche notiert der DAX nahezu unverändert auf dem Niveau von vor einer Woche. Dabei haben wir diverse Übernahmen, Börsengänge und Tech-Ausverkäufe gesehen, sowie eine Notenbankentscheidung und Betrugsvorwürfe verarbeitet. Wenn ich mir das vor Augen führe, dann hat sich der Aktienmarkt doch erstaunlich robust gezeigt.

Auch unsere Sentiment-Analyse zeigt erstaunlich wenig Bewegung: Die Stimmung bleibt auf einem neutralen Niveau bei -0,1. Die Verunsicherung unter den Anlegern bleibt moderat bei -1,4. Sogar die Zukunftserwartung bleibt mit einem Wert von +1,2 auf dem gleichen Stand wie vor einer Woche. Das ist mäßiger Optimismus, eine dünne Mehrheit für die Optimisten vor den Pessimisten, wobei die neutral gestimmten Anleger die größte Gruppe bilden.

Einzig bei der Investitionsbereitschaft gibt es ein wenig Bewegung: Nach 2,0 in der Vorwoche ist der Indikator nun auf 1,1 gesunken. 2% der Umfrageteilnehmer, die vor einer Woche noch Kaufen wollten, sind nun ins Lager derer übergesiedelt, die Verkaufen möchten. Kaufabsicht ist eine wichtige Voraussetzung für steigende Kurse, doch nur eine von vielen. Es kann auch sein, dass bereits ein nachlassender Verkaufsdruck für steigende Kurse sorgt.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger notiert ebenfalls unverändert bei neutralen -2. Profis, die sich über die Eurex absichern, verhalten sich ebenfalls neutral. Das Put/Call-Verhältnis von 1,3 liegt nur leicht unter dem Durchschnitt von 1,4.

In den USA sieht es da anders aus. Das Put/Call-Verhältnis der CBOE notiert weiterhin bei 0,45 Punkten und damit in einem Bereich, der so bullisch ist wie in den vergangenen fünf Jahren nicht. Das Vertrauen in Präsident Trump, bis zu den Wahlen eine gute Börsenstimmung zu schaffen (wichtiger Faktor für Wiederwahl!), ist sehr groß.

Ganz anders sehen dies Fondsmanager, deren Investitionsquote vor einer Woche um 40% auf 53% eingebrochen war. Diese Woche folgte nur eine leichte Gegenbewegung auf 59%. Jetzt wird ein Schuh draus: Fondsmanager haben schon vor einer Woche Cash generiert, um für die anstehenden Börsengänge von Snowflake, Amwell und bald folgend vielleicht auch Palentir und AirBnB gerüstet zu sein. Ohh, und nicht zu vergessen, vielleicht besteht Trump auf einen Börsengang der US-Sparte von TikTok?

Unter US-Privatanlegern dominieren die Pessimisten, das Bulle/Bär-Verhältnis steht bei -8,4%.

Die technisches Verfassung der US-Märkte ist neutral, wenn wir dem Angst & Gier Indikator des S&P 500 glauben (53%).

Dax Sentiment – die Interpretation

Es hat den Anschein, Anleger sind erst einmal überfordert, die vielen Ereignisse der abgelaufenen Woche einzuordnen, denn die Stimmung hat sich seit der vergangenen Woche kaum verändert. Es bleibt bei der Aussage der vergangenen Wochen: Rotation! Es gibt einige Aktien, die sind bereits zu hoch gelaufen. Gleichzeitig gibt es aber noch viele Aktien, die besser aus der Coronakrise kommen, als viele das erwartet haben.

Aus Sicht der Sentiment-Theorie kann ich keine künftige Richtung ableiten. Grundsätzlich würde ich die Stimmungslage dahingehend interpretieren, dass noch reichlich Luft nach oben für diese Rallye besteht. Der Optimismus ist überaus moderat und in der Regel enden Rallyes mit überschäumender Feierlaune bei großem Optimismus. Davon sind wir weit entfernt.

Doch ich kann der aktuellen Stimmungslage nicht entnehmen, ob wir vor der Wiederaufnahme der Rallye beim Dax noch einen Rücksetzer verkraften müssen, oder nicht. Ich weiß also nicht, ob Sie jetzt schon investiert sein sollten, oder noch eine bessere Gelegenheit dafür bekommen. Daher bleibe ich auch hier bei meiner Standard-Empfehlung: Schrittweise vorgehen :-). Jetzt gibt es bei einzelnen Werten schon Kaufkurse. Wir haben in den vergangenen Wochen bereits neue Positionen aufgebaut. Aber Sie sollten noch Pulver trocken halten, falls es noch einen Rücksetzer gibt.

Die Stimmung zum Dax ist neutral

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