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Aktienmärkte 2020: Der riskante Ritt auf der Kanonenkugel

Die Unsicherheiten, die es immer für die Aktienmärkte gibt, sind derzeit besonders ausgeprägt. Dennoch bleiben die Aktienmärkte stark – warum?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Gut zehn Börsentage vor der US-Wahl und 50 vor dem Jahresultimo, stehen viele Investoren, ob groß oder klein, vor der entscheidenden Frage: bringen die aktuellen Tendenzen eine Wende nach unten für die Aktienmärkte – oder gibt es sogar so etwas wie eine Jahresendrally?

Aktienmärkte: Die Entwicklung der letzten Woche

Einmal mehr hat sich gezeigt, dass man im Corona-Jahr 2020 nichts mit langjährigen Statistiken anfangen kann, so überaus deutlich sie sich im Chartbild auch darstellen mögen. Sollte es demnach nicht Anfang Oktober noch deutlich nach unten gehen und dann kurz vor der Wahl in eine Rally münden? Was aber machen die Aktienmärkte? Trotz weiter steigender Unsicherheit über den Wahlausgang, der zunehmenden Gewissheit darüber, dass es so schnell nicht zu einem Stimuluspaket kommen wird, trotz stark steigender Coronazahlen in vielen westlichen Ländern, werden die Aktienindizes immer wieder gestützt. Nach Kursrückgängen wird immer wieder gekauft. Ist das nicht eher ein Zeichen der Stärke der Aktienmärkte, wenn sie so immun zu sein scheinen gegenüber den zahlreichen Warnsignalen? Nasdaq und S&P 500 lagen zuletzt gegenüber ihren Freitagsschlusskursen vor einer Woche leicht im Plus, der Dax trotz der großen Sorgen um den starken Anstieg der Covid-19-Zahlen nur ein Prozent im Minus. Was also sind die großen Gegenspieler am Markt?

Die Headwinds, bremsende Faktoren

In den USA gibt es natürlich ein ganz großes Thema: den Wahlausgang und seinen möglichen Implikationen auf die Aktienmärkte. Zum Beispiel im Falle eines Wahlsiegs Bidens die Anhebung der Unternehmenssteuern von 21 auf 28 Prozent, die Erhöhung der Steuern für Gutverdienende über 400.000 Dollar von 37 auf 39,6 Prozent, die Pläne zur Verdoppelung des Mindestlohns auf 15 Dollar, die hohe Schuldenaufnahme für Projekte in Klima und Umwelt und weiteres mehr.

Die Stimulushoffnungen sind zwar langfristig ein treibender Faktor für die Aktienmärkte, wenn Billionen Dollar an frischem Geld für einen Push für Unternehmen und Verbraucher sorgen. Kurzfristig aber sollte ein Ausbleiben aber ein echtes Problem darstellen. Es ist nicht zu erwarten, dass die über 10 Millionen Arbeitslosen in den USA genügend Geld gespart haben, um viele Wochen überstehen zu können. Zudem habe ich bereits erwähnt, dass der Präsident zwar am 3. November gewählt wird, die Inauguration aber traditionell erst am 20. Januar stattfindet. Ein Zeitraum, den es bei einem Regierungswechsel geben muss, um die Ministerien mit all ihren Unterabteilungen zu besetzen.

Kurzum, der Konsum müsste bei einer Verzögerung der Stimuli leiden. Auch markttechnisch gibt es einige Warnsignale. Die Börsenbriefe in den USA sind ungewöhnlich bullish, ebenso wie die vielen jungen Anleger – RobinHoodies -, die nach wie vor sehr auf die Longseite bei Einzelaktien setzen, wie zum Beispiel Highflyer wie Apple oder Tesla. Das Put/Call-Ratio bei Aktien liegt mit 0,6 weit unter 1, was auf eine massive Call-Quote hinweist.

Dann der endlose Hickhack um den Brexit, der sich der No-Deal-Entscheidung annähert. Es gäbe also genug Gründe für einen zumindest temporären Abverkauf.

Die Tailwinds, oder was stützt

Die mit Spannung erwartete Berichtssaison zum dritten Quartal hat begonnen. Trotz der hohen Covid-19-Zahlen im August überraschen die US-Unternehmen bisher. Mit der Quote von 82 Prozent von Unternehmen, die die Prognosen schlagen, übertrifft man den Durchschnitt früherer Quartale, auch wenn die Erwartungen rechtzeitig abgesenkt wurden. Allerdings sind die Börsenreaktionen darauf recht bescheiden, es gibt eher ein „Sell on good news“. Nach dem großen Einbruch im zweiten Quartal mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 32 Prozent zum Vorjahr, erwarten Analysten für das dritte Quartal einen Anstieg von bis zu 29 Prozent gegenüber dem Rezessionsquartal. Wenn es dazu käme, wäre dies noch einmal ein kleiner Push für die Ambitionen Donald Trumps – ein Beweis für eine Erholung der Wirtschaft und dies veröffentlicht am 28. Oktober, wenige Tage vor der Wahl.

Nach einer Untersuchung der Bank of America liegen so viele aktiven Fondsmanager im Jahr 2020 im Durchschnitt hinter ihrer Benchmark zurück, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Ganze 20 Prozent haben dies im Ausnahmejahr 2020 bisher geschafft. Aus psychologischen, wie anlagespezifischen Gründen, ist das der Rückenwindfaktor schlechthin.

Treiber für die Aktienmärkte sind die Fonds

Dabei liegen immer noch über 4 Billionen Dollar als Cashreserven in den Depots.

Ein weiterer Unterstützungsfaktor ist die allgemeine Stimmungslage an den Börsen. Zwar nähert sich der Fear&Greed-Index mit seinen 62 Punkten einer milden euphorischen Stimmung an, aber damit ist er doch deutlich von der Hochstimmung vor der Septemberkorrektur entfernt. Das Put/Call-Ratio an der CBOE liegt mit 1,8 ziemlich hoch, was bedeutet, dass man im Bereich der Indizes sehr wohl gegen Rückschläge abgesichert ist. Long in Aktien, Short im Index.

Eine langsam erkennbare Branchenrotation, von Growth zu Value, ist unverkennbar. Auch wenn die großen sieben Tech-Titel eine Marktkapitalisierung von 7 Billionen Dollar ausmachen, der S&P 500 hat ein Volumen von über 28 Billionen, damit könnte eine Korrektur von Apple und Co ausgeglichen werden. Der Nebenwerte-Index Russell 2000 zeigte sich in der letzten Woche sehr stabil und steht nicht weit entfernt von seinem Nach-Corona-Hoch.

Die Unterstützung durch den Rentenmarkt

Nicht der Rückgang der Renditen am Anleihemarkt, sondern deren Anstieg ist ein Belastungspunkt für die Aktienmärkte. Denn bei einem steigenden Kapitalmarktzins gäbe es die Möglichkeit, eine positive Rendite zu erzielen (nach Abzug der Inflation), was bisher das Totschlagargument überhaupt darstellt, warum die Kapitalsammelstellen nicht aus den Aktienmärkten aussteigen konnten. Wenn es in letzter Zeit Mittelzuflüsse in die Anleihemärkte gab, so ist dies ein Zeichen für Aktivitäten der US-Notenbank und von Professionellen, die glauben bei einer Abschwächung der Wirtschaft von Kurssteigerungen der Fixed-Income-Markets profitieren zu können.

Die aktuelle Fed-Bilanz zeigt eindeutig, dass man wieder am Markt aktiv ist. Dies bestätigte auch der Chef der Notenbankfiliale von St. Louis, James Bullard, bei der Herbsttagung des IWF: „Wir haben unser Programm laufen mit einem erheblichen Umfang an Käufen. Ich denke, das ist angemessen.“ Viele bewerten diese Aussage, dass die US-Notenbank weiter Monat für Monat 120 Milliarden Dollar in Form von Aufkäufen von Staatspapieren und anderen Anleihen verwendet.

Die nächste Zinssitzung der Federal Reserve findet am 4,/5.November statt, kurz nach dem Wahltermin. Ob da der Sieger der US-Wahlen bereits feststeht?

Impfstoffhoffnungen

Na klar ist so etwas relevant für die Aktienmärkte. Man stelle sich nur vor, dass dieser in den nächsten Jahren nicht zur Verfügung stünde, was hätte das für Konsequenzen? In Deutschland hätte man selbst bei einer Infiziertenzahl von 10.000 Menschen/Tag, gleichbedeutend mit 3,6 Millionen pro Jahr und bei einer moderaten Dunkelziffer noch viele Jahre vor sich, bis die Herdenimmunität von 60 Prozent Infizierter im Lande greifen würde. Jahrelanges Masketragen und Verbote von Veranstaltungen jedweder Art – das wäre das Ende einiger Branchen und ein Supergau für die deutsche Wirtschaft. Niedrige Infektionsraten und kein Impfstoff sind ein echtes Damoklesschwert für manche Staaten.

Die USA haben mit 8,4 Millionen offiziell Infizierter bereits eine Coronarate von über 2,5 Prozent in der Bevölkerung. Der Chef der US-Seuchenbehörde sprach davon, dass man die Dunkelziffer mit dem Faktor 10 beziffern könne. (Die Antikörpertests allein für New York deuten schon auf 2,5 Millionen überstandene Infektionen hin). Und Deutschland? Derzeit 370.000 offizielle Fälle bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen, bedeuten eine Infektionsrate von 0,4 Prozent, bei einer gleichzeitig niedrigeren Dunkelziffer – Deutschland braucht den Impfstoff dringender als die USA.

Fazit

Die Unsicherheiten, die es immer für die Aktienmärkte gibt, sind derzeit besonders ausgeprägt. Die Aktienkurse stehen hoch, viele Investoren sitzen auch auf Gewinnen der letzten Wochen. Was aber sehr bullish stimmt, ist die unglaubliche Stärke der Aktienmärkte gegenüber schlechten Nachrichten. Hatte man am Donnerstag nicht einen großen Einbruch, speziell beim Dax mit dem Hochschnellen der Corona-Zahlen begründet? Und tags darauf stiegen diese sogar noch weiter auf neue Rekordzahlen – und was machten die Aktienmärkte?

Vergessen wir nicht, dass in den USA am 24. Juli die Infektionszahlen auf knapp 80.000 gestiegen waren und der S&P 500, trotz des Rekordes, in den folgenden fünf Wochen von 3250 auf 3580 Punkte geklettert ist.

Es ist derzeit alles möglich  – aber mit jedem Tag, der ohne größere Korrektur vergeht, schlägt das Pendel in Richtung versöhnlicher Jahresausklang aus. Warum? Ohne Einbruch der Aktienmärkte wird es schon lange kein so starkes Bedürfnis nach dem so genannten Window Dressing der großen Fonds gegeben haben. Nach dem extremen Coronajahr 2020 liegen viele Vermögensverwalter hinter ihrer Benchmark zurück, speziell hinter der Performance der „billigen“ ETFs.

Zudem sitzen viele auf Cash, um im Wahl- und Coronagetümmel billiger einsteigen zu können. Der Zeitpunkt der Jahresbilanz rückt näher – und wenn es in den nächsten Wochen zu keiner substanziellen Korrektur an den Märkten kommt, hat sich eine mächtige Konstellation durchgesetzt.

Ich will jetzt die vier Buchstaben des Akronyms eigentlich nicht schon wieder nennen („TINA„). Müßig darüber zu diskutieren, was alles dafür verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte und der riskante Ritt auf der Kanonenkugel

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    19. Oktober 2020 09:47 at 09:47

    Der wirklich riskante Ritt auf der Kanonenkugel ist Cash auf dem Bankkonto, wenn man Markus Krall Glauben schenkt.

    • Avatar

      Hieronymus Carl Friedrich

      19. Oktober 2020 11:00 at 11:00

      @Columbo, Münchhausen und Krall in einem Atemzug, das hat etwas von tiefer Weisheit. Keine Ironie, kein Sarkasmus!

  2. Avatar

    Roland

    19. Oktober 2020 10:52 at 10:52

    So sieht es es aus. Gute Argumente für dauerhaft steigende Märkte. Crashs wird es nicht mehr geben, wenn doch ein Schwarzer Schwan dafür sorgen sollte, ist das wieder mal ein Geschenk an alle Investoren für Gewinne ohne Ende. Diesmal sind die Märkte wirklich in einen Schutzmantel für die Ewigkeit gehüllt. Was ist das wärmste Jäckchen, nein kein Cognäcchen, es ist LIQUIDITÄT! Da muss man schon sehr verpeilt sein, an der Börse kein Geld zu machen. Ich finde es schon ZU einfach :-D

  3. Avatar

    Marko

    19. Oktober 2020 13:32 at 13:32

    Mein lieber Wolfgang,

    das Jahr 2020 wird definitiv,definitiv in die (Börsen-)Geschichte eingehen, das hier, Corona, schlägt alles !

    „Diesmal sind die Märkte wirklich in einen Schutzmantel für die Ewigkeit gehüllt.“ –

    Nein sind sie nicht, aber : durch den „Ami-Finanzmarkt-Crash“, 2017/2018, geschuldet durch die Amis, hatten die Notenbanken keine Möglichkeit mehr.

  4. Avatar

    Marko

    19. Oktober 2020 13:49 at 13:49

    Was die Notenbanken in dem Sinne „gut“ gemacht haben, also die FED und die EZB, ist, dass sie keine Aktien gekauft haben.

    Jetzt sind das 2 ziemlich große Einschläge, die banken-Finanzmarktkrise 2008/2009 und jetzt die Coronakrise 2020/2021. Jetzt sind die Anleihemärkte „normal bewertet“ aus Bären-Sicht ?

    Dass, die „Bären-Sicht“ offenbar gerne vergisst, dass die Anleihemärkte mit Milliardensummen manipuliert wurde, ist offenbar nicht so relevant. Das, deshalb Marktungleichgewichte entstehen könnten, durch die Manipulation, ebenso ?

    Das Motto, aus Barensicht, ist doch : Hauptsache der Markt fällt… ;)

    Wenn der „Markt“ fällt muss dann doch Anleihemarkt bis zu Minus 2-5 % „Minuszinsen“ fallen, welche Konsequenzen hätte dies in unserem alltäglichen Leben ?

  5. Avatar

    Marko

    19. Oktober 2020 14:33 at 14:33

    „die Robin-Hoodies“ haben längst die „Schnauze“ voll, von dem „Twitter-Präsidenten“, der ja genaaso die die sogenannten „sozialen Medien“ nutzt, von daher ?

    Das „coole“ ist und bleibt bei „Corona“, dass man seit März 2020, auf der Big-Boy-Seite richtig,richtig viele Dollars versenkt hat !! ;D :D

    Und : Das sagen Euch die Big-Boys eben nicht, weil sie eben die „Besten“ sind !

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Aktienmärkte: Bringt der dreifache Hexensabbat eine Wende?

Wolfgang Müller

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am

Das Geschäft mit Optionen wird für die Aktienmärkte immer bedeutsamer, speziell in den USA, wo in der jetzigen Euphoriephase die Umsätze bei Call-Optionen geradezu explodieren. Ungeachtet dessen blickt man stets gespannt auf den viermal in einem Jahr, jeweils am dritten Freitag im Montag stattfindenden großen Hexensabbat entgegen. Der Verfall von Terminkontrakte, wie Futures und Optionen sorgt oft im Vorfeld für große Kursschwankungen, weil Marktteilnehmer die Kurse durch Käufe und Verkäufe von Assets so zu bewegen versuchen, dass die Termimkontrakte Gewinne abwerfen. Was wird im Vorfeld zum 18. Dezember an den Märkten geschehen, zu Zeiten größter Call-Euphorie bei gleichzeitig geringen Depotabsicherungen?

Aktienmärkte: Die große Call-Spekulation

Der November des Jahres 2020 hatte es in sich. Der Ausgang der US-Wahlen, der nicht zu einem befürchteten Chaos geführt hat und die Impfstoffentwicklung, beginnend mit der BioNTech/Pfizer-Meldung am 9. November und dem darauffolgenden Wettlauf um den Termin einer Notzulassung.

Das alles führte zu einem Game Changer für die Aktienmärkte mit zahlreichen Konsequenzen: Verkaufoptionen und Leerverkäufe auf Corona-geschädigte Titel wurden in Windeseile eingedeckt (Stichwort Short Squeeze), Nebenwerte und Value-Titel hingegen in großem Umfang gekauft. Obwohl sich die Käufe nach der Monatsmitte wieder beruhigten (bis auf einige Titel wie Tesla oder Impfstofffirmen) schnellte eines gewaltig in die Höhe – der Optimismus der Anleger (FMW berichtete laufend über die heißgelaufenen Indikationen).

Ob ein Angstbarometer wie der Fear&Greed-Index, das ständig im Bereich extremer Gier um die 90 Punkte notiert, US-Aktienindizes weit oberhalb ihrer Aufwärtstrends, oder ein Dow Jones oberhalb der psychologischen Marke von 30.000 Punkten. Die Hausse nährt die Hausse, wieder einmal, und die Gier sorgt im Optionshandel für außergewöhnliche Konstellationen.

Wie Markus Fugmann in einem seiner letzten Videos festgestellt hat, wurden in der letzten Woche in den USA viermal so viele Calloptionen gekauft, wie es im Durchschnitt der Fall ist. 40 Prozent der Umsätze an der New York Stock Exchange waren Optionen. Hierunter aber kaum Put-Optionen, also sichert man sich nicht ab – im Bewusstsein von Rettungsschirmen durch die Notenbanken (Sitzungen am 10. und 16. November vor dem Hexensabbat) und den Stakkato-artig eintrudelnden Meldungen von der Impfstofffront: Wirksamkeitsstudien, Zulassungsanträge und Hinweise auf den Start der Impfungen. Eine selten positive Konstellation von „Good News“ – und dies in der guten saisonale Phase der Aktienmärkte zu Jahresende. Aber was passiert mit den vielen Call-Optionen (35 Millionen allein vor Thanksgiving) in den nächsten Tagen?

Die ungewöhnliche Anzahl an Calls hat die Market Maker gezwungen, über ihr Delta Hedging immer mehr die zugrunde liegenden Titel zu kaufen. Manchmal öffneten die Märkte mit einem Gap, so dass man ständig gezwungen war, Aktien am Markt nachzukaufen. Desto stärker die Hebelwirkung (größeres Delta) bei den Calls, desto größer das Hedging der Gegenseite.

Was passiert aber, wenn die Kurse einen Rücksetzer machen, oder viele Kontrakte am Verfallstag auslaufen? Die Market Maker werden die Werte verkaufen, die sie zum Zwecke der Absicherung gekauft haben und den Abwärtstrend verstärken. Ein Thema, welches noch bedeutsam werden könnte, denn Put-Optionen gibt es kaum, die beim Schließen der Position zum kursstabilisierenden Kauf des Basiswertes führen würden, der bekannten Short Squeeze.

Was werden die Inhaber der Call-Optionen in der letzten Woche vor dem großen Verfall tun? Die Kontrakte verlängern über das Jahresende und die sehr häufig positive Aktienphase hinaus, hinein in einen Monat Januar, der sehr häufig mit Rückschlägen endete?

Übersicht: Keiner hat bald mehr Puts

Dire Aktienmärkte euphorisch, kaum Put-Absicherungen

Grafik: northmantrader.com

Fazit

Der Optimismus der Aktienmärkte ist übergroß und schreit nach einer Korrektur. Eine riesige Herde an Zockern, die mit Kaufoptionen schnell reich werden wollen und die Gegenseite, die Stillhalter, die in die Basiswerte getrieben werden.

Das wird zu Reaktionen führen müssen, Optionen haben ein Verfallsdatum und reagieren auf die implizite Volatilität.

Was mir aber nicht einleuchtet ist, dass die jetzige Situation immer wieder mit historischen Zyklen verglichen wird. Corona hat eine absolute Sondersituation geschaffen und ein Impfstoff in großer Verfügbarkeit ändert vieles in dem für die Aktienmärkte relevanten Zeitraum. Wie sagte der Chef einer französischen Großbank? Wir haben eine Gesundheitskrise, keine Wirtschaftskrise – sehr optimistisch, aber da ist etwas dran. Für die Aktienmärkte zählen nicht die nächsten vier Wochen oder das neue Quartal. Das Kommende wird immer dann interessant, wenn Fakten präsentiert werden, die die lange Sicht ändern – das Delta zwischen eingepreister und veränderter Erwartung.

Tourismus und Luftfahrt liegen stärker im Minus als in Kriegssituationen, die Maschinen, Hotels und Einrichtungen sind aber nicht zerstört und wenn es in einem halben Jahr eine Impfung der Bevölkerung geben hat, so werden manche Industrien wie Phoenix aus der Asche auftauchen. Die Messung eines aktuellen KGVs ist nicht so bedeutsam, wenn die Aktienmärkte mindestens sechs bis neun Monate in die Zukunft blicken.

Der zweite Fakt ist der monetäre: Wieso sieht man nicht die 35 Billionen Dollar an Anleihen, die real negativ verzinst sind oder die Durchschnittsrendite der 7 bis 10-jährigen Staasanleihen, die noch vor ein paar Wochen 0,18 Prozent Rendite abwarf? Das Dilemma für die Finanzbranche schlechthin. Wieso soll es angesichts weiterer zugesicherter Notenbankkäufe größere Umschichtungen von Aktien in Anleihen geben, auch bei leichten Zinsanstiegen?

Und wieso vergleicht man das KGV der Aktienmärkte von 2020 mit dem KGV von 2000, bei der Dotcom-Bubble? Damals lagen die Zinsen bei über 6 Prozent, das KGV der lang laufenden Anleihen bei 15 – und heute? Jeder spricht über die Euphorie infolge der Impfstoffentwicklung, die eine Pandemie in Monaten beenden kann, mit all den Folgewirkungen. Klar, die Call-Positionierung ist zu hoch und wird abgebaut werden. Wieso aber immer die Geschichte von den überteuren Aktienmärkten? Anleihen sind superteuer dagegen.

Natürlich kann sich die Konstellation Anleihen – Aktien ändern und sie wird sich auch, wenn das billionenschwere Stimulusprogramm der Demokraten in die Tat umgesetzt würde. Aber in der jetzigen Situation? In der „Endphase“ von Corona mit einem nochmaligen Anschwellen der Infektionszahlen und mit den großen Notenbankentscheidungen.

Ein Anspringen der Wirtschaft, ein Anstieg der Inflation und neue Schuldenpakete, das wäre der Stoff für eine Neubewertung der Aktienmärkte.

Bringt der Hexensabbat eine Wnede für die Aktienmärkte?

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Finanznews

Aktienmärkte: 1929, 1999, heute – Geschichte reimt sich! Videoausblick

Markus Fugmann

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Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich – und so erinnert die derzeitige Euphorie der Aktienmärkte an die Stimmung von 1929 (Boom kurz vor der Weltwirtschaftskrise) und 1999 (Dotcom-Blase). Die Erwartungen an die Wirtschaft nach der Coronakrise sind immens, eine perfekte Welt ist eingepreist. Gestern aber kurz vor US-Handelsschluß dann ein deutlicherer Rücksetzer, nachdem Pfizer bekannt gab, nur die Hälfte des Impfstoff-Volumens im Dezember liefern zu können. Eigentlich ist das ziemlich unbedeutend – zeigt aber, wie empfindlich die Aktienmärkte reagieren, wenn die Impfstoff-macht-alles-wieder-gut-Euphorie hinterfragt wird. Unterdessen verschärft sich die Coronakrise in den USA weiter mit neuen Rekorden, es drohen immer breitflächigere Lockdowns..

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DAX daily: Die Wall Street hat ihren Auftritt während der Dax nur zuschaut

Stefan Jäger

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am

Im Theater der großen Wall Street bleibt dem Dax derzeit nur ein Zuschauerplatz. Während die US-Börsen von Allzeithoch zu Allzeithoch jagen, steht der deutsche Leitindex auf der Stelle und schaut zu. Am gestrigen Handelstag hat sowohl der S&P500, als auch der Nasdaq ein erneutes Rekordhoch erklommen. Währenddessen leidet der Dax unter dem weiter anziehenden Eurokurs, dieser nähert sich allmählich wieder der 1,22 US-Dollar Marke an. Zudem drücken Konjunktursorgen auf die Stimmung der Anleger. Die Wirtschaft muss aufgrund der neuerlichen Lockdown-Maßnahmen in vielen Länder ihren Tribut zahlen. Anders kann man die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes nicht deuten. Diese liegen europaweit deutlich unter einem Wert von 50, was eine schwache Geschäftsentwicklung signalisiert.

Was passiert erst im Dax, wenn die US-Börsen in eine Konsolidierung übergehen? Der Leitindex schafft es ja nicht einmal mehr über die 13.300 anzusteigen, obwohl die Wall Street im Rally-Modus ist. Im gestrigen Handel verlor der Dax 60 Punkte (-0,45%) und schloss schließlich bei 13.252 Zählern. Damit ist das Hoch vom Montag bei 13.445 wieder etwas in die Ferne gerückt. Der Leitindex zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen, zudem ist die nächste Handelswoche aus Sicht der Saisonalität auch keine gute Woche. Es riecht zwar schon nach Korrektur, aber noch ist nichts verloren. Zumindest so lange, wie die Wall Street ihr überschwängliches Schauspiel noch fortsetzt.

News und fundamentale Daten

Am gestrigen Abend hat die Nachricht über die Halbierung des Auslieferungsziels für den Impfstoff von Biontech/Pfizer die Märkte belastet. Probleme in der Lieferkette ermöglichen es nur die Hälfte der angedachten 100 Millionen Impfdosen auszuliefern. Die Aktienkurse von Pfizer (-1,8%) und Biontech (-2,5%) geben daraufhin nach.

Das heutige Highlight sind auf jeden Fall die US-Arbeitsmarktdaten. Um 14:30 Uhr werden die Anleger gespannt auf die Daten der Non Farm Payrolls schauen. Man geht zwar bereits von weniger neu geschaffenen Jobs aus, aber auch die Prognose von 469 Tsd. Stellen könnte unterboten werden. Zeitgleich erscheinen zudem noch die US-Handelsbilanz, die Daten der Exporte und Importe sowie die Auftragseingänge. Den Termin kann man sich somit als Trading-Event in seinem Kalender notieren. Die Volatilität dürfte ansteigen und folglich die US-Börsen und den Dax in Bewegung bringen.

Zuvor sehen wir heute aber auch noch Daten aus Deutschland. Vor wenigen Minuten wurden bereits die Auftragseingänge der Industrie veröffentlicht. Diese sind mit 2,9% deutlich besser wie erwartet ausgefallen (Prognose 1,5%; Vormonat 1,1%). Um 9:30 Uhr erscheint dann noch der IHS Markit Einkaufsmanagerindex für das Bauwesen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Im Vergleich zu den starken US-Indizes ist es ein Trauerspiel, was der Dax diese Woche an Performance abgeliefert hat. Seit Montag geht es in kleinen Schritten abwärts. Von dem Hoch bei 13.445 sind wir heute Nacht im Tief bei 13.180 angekommen. Im frühen Handel notiert der Kurs wieder über der 13.200er Marke. Vielleicht gelingt es den US-Futures den Dax wieder mit hochzuziehen. Um nochmal die Oberseite anzugreifen, muss der Dax zunächst den Widerstand bei 13.270 überwinden. Dadurch würden sich weitere Ziele bei 13.325 und 13.370 ergeben.

Kann der Dax allerdings das gestrige Tagestief bei 13.232 nicht nachhaltig überwinden, dann sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen. Zunächst dürfte er das Nachttief bei 13.180 anlaufen, bevor an der 13.140 ein Unterstützungsbereich wartet. Dort könnte der Dax vorerst wieder drehen. Ansonsten kann es noch eine Etage tiefer gehen, bei 13.050 und 13.020 befinden sich dann die nächsten Unterstützungen.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Tagesausblick 04.12. - H1-Chart - Wall Street stark, Dax schwach

Heutige Pivot Punkte (PP):

13.292 – Pivot Punkt R1

13.236 – Pivot Punkt

13.146 – Pivot Punk.t S1

13.090 – Pivot Punk.t S2

Dax Unterstützungen (US):

13.232 – Tagestief 03.12.

13.180 – Nachttief

13.137 – Schlusskurs 20.11.

13.054 – Tagestief 20.11.

13.004/020 – Doppelboden (Tief 13.11. / 12.11.)

Dax Widerstände (WS):

13.270 – ehemals US

13.325 – mehrfacher WS

13.370 – WS aus dem H1

13.434 – Tageshoch 01.12.

13.460 – September-Hoch

13.500 – offenes Gap vom 21.02.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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