Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte 2020: Warum (noch) kein Crash kommt

In den Medien werden Prognosen und Vergleiche mit dem Supercrash der Aktienmärkte von 1929 gezogen. Wie realistisch ist das?

Avatar

Veröffentlicht

am

Verfolgt man die mediale Berichterstattung, so erhält man den Eindruck, als stehen wir wieder einmal vor dem Ende der Welt: Vergleiche mit dem Supercrash der Aktienmärkte von 1929 werden gezogen, wobei sich dieser Börsencrash in der heutigen Darstellung eher bescheiden ausnimmt. Übrigens ein Aspekt, den ich indes auch teile! In der heutigen Betrachtung werde ich wieder versuchen etwas Licht ins Dunkel, in das Wirrwarr der Nachrichten zu bringen.

Dabei werde ich ausnahmsweise einmal auf eine völlig andere als die von mir sonst angewandte Elliott-WellenCharttechnik zurückgreifen: die Markttechnik.

In meinen Langzeitanalysen der vergangenen Jahre hatte ich immer wieder, natürlich mit Hilfe der Charttechnik, versucht aufzuzeigen, daß sich die Aktienmärkte in der finalen Phase eines sehr langen nunmehr über elf Jahre währenden Aufwärtstrend bewegen. Allerdings hatte ich in meinen Betrachtungen auch immer wieder darauf verwiesen, daß die Aufwärtstrends noch ausnahmslos intakt sind und lediglich durch, in temporärer Hinsicht, größere Korrekturen unterbrochen wurden oder aktuell noch werden.

Als ich in meinen Analysen vom 03.10.2016 und 18.09.2017 für den Dow Jones Punktestände von 26.900 bzw. 29.690 Punkten prognostiziert hatte, hielten sich die damaligen Fangemeinden in äußerst überschaubaren Grenzen. Derzeit liegt, mit einem Punktestand von über 29.000 Punkten im Dow Jones, das größere Ziel bereits in greifbarer Nähe. Und wie aus Zauberhand schießen einige Prognosen schon wieder in astronomische Höhen.

Die Aktienmärkte sind noch nicht völlig heiß gelaufen - hier der Dow Jones

(Meine Prognose für den Dow Jones aus dem Jahr 2016)

Auch wenn zum Teil größere regionale Unterschiede zu konstatieren sind, kann der MSCI-Index durchaus als exemplarisch für die Aktienmärkte angesehen werden. Denn im Wesentlichen bewegt sich die Mehrzahl der relevanten internationalen Aktienmärkte nicht völlig konträr gegeneinander; hat die Globalisierung auch hier ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen. Das Beispiel des MSCI-World-Index zeigt diesen Aspekt im Vergleich zum Dow Jones auf.

Aber ist die aktuelle Situation wirklich mit der von 1929 vergleichbar? Stehen wir tatsächlich vor dem größten Crash der dokumentierten Geschichte, wie es nicht selten zu lesen ist. Um ein Urteil hierüber zu fällen, lohnt der tiefere Blick in die Abläufe einer ausgereiften Börsenpanik, wie man einen Crash besser nennen sollte.

Welcher Elemente bedarf es überhaupt, damit sich eine Kurslawine lösen, damit eine scheinbar unkontrollierbare Panik ausbrechen kann. An zwei Beispielen kann man die immer wiederkehrenden Abläufe sehr schön ablesen: Der Tulpenwahn von Leyden aus den Jahren 1633 – 1637, und natürlich die Schwarzen Tage von 1929, der wohl pregnantesten Börsenpanik der jüngeren Geschichte.

 

Aktienmärkte: Euphorie als Vorraussetzung für den Crash

Gehen wir zunächst zurück in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts und damit zurück in die Mitte des Dreißigjährigen Krieges. Fast ganz Mitteleuropa war in dieser Zeit geprägt von Armut; Zerstörung und ausgeprägter Sittenverrohrung. Somit wuchs in den Köpfen der Menschen der Wunsch, der Traum nach einem besseren Leben. Der freigegebene Handel mit Tulpenzwiebeln war da eine willkommene Angelegenheit, ja für viele sogar die Erlösung. Denn an dem neu geschaffenen Markt konnte man relativ einfach große Summen verdienen, ohne dabei körperlich tätig zu werden. Und so verwundert es nicht, daß die Preise von 1634 bis 1637  explodierten und um satte 5900 % stiegen.

Dieser Aspekt veranschaulicht, daß der Markt völlig abgehoben war, daß der Markt absolut nichts mehr dem eigentlichen Handelsgut, einer einfachen Tulpenzwiebel, zu schaffen hatte. Nun kann man sagen: Das ist Jahrhunderte her, Gleiches würde uns heute nicht mehr passieren. Doch zeigen die verhängnisvollen Vorgänge in den Zwanzigern des 20. Jahrhunderts ganz ähnliche Muster auf.

 

Der Crash im Jahr 1929

Auch wenn die Arbeitslosigkeit in den USA ein niedriges Niveau aufwies, haben sich die Lebensverhältnisse für den überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht wirklich verbessert. Und so blieb für fast 80 Prozent der Bevölkerung nur der Traum vom besseren Leben, wie es die bunten Plakate doch so schön propagierten, zu träumen.

Und so verwundert es auch diesmal nicht, daß die Erlösung aus diesem Dilemma in der wundersamen Geldvermehrung gesucht wurde. Als das geeignetste Mittel hierfür diente natürlich die Börse, diente der Aktienmarkt. Denn nur dort, so der Glauben der ahnungslosen Masse, konnte sich Geld allein nur durch Geld vermehren.
Ganz ähnlich den astronomischen Kursteigerungen und letztendlich auch Summen, welche ca. 300 Jahre zuvor für harmlose, leider nicht verzehrbare, Tulpenzwiebeln gezahlt wurden. Und so trieb die verblendete Masse die Kurse zu immer absurderen Höchstständen.

Kritische Stimmen, sowie auftretende unübersehbare Warnzeichen in Form von Kurskorrekturen, wurden selbstverständlich ignoriert; wer wollte denn schon außerhalb der breiten Masse stehen. Schließlich heißt es ja auch: The trend ist your friend! Die Spekulationsblase nimmt ein gigantisches Ausmaß an. Spekulieren ist Volkssport! Der wuchernde Kreditapparat ist mit 17–20 % Zinsen völlig überzogen, doch gelten 20 % Zinsen als normal. Die Masse hebt mal wieder völlig ab.

Am 03.09.1929 erreichte der Dow Jones dann ein Niveau von 381,17 Punkten. Die Anleger mussten sich 25 Jahre gedulden, denn erst am 23.11.1954 ist es dem Index gelungen, dieses Terrain wieder zu erobern. Das gehandelte Tief aus dem Jahr 1930 lag übrigens bei 41,22 Punkten, und damit 89 Prozent unter dem Hoch! Die Folgen sind bekannt!
Beide Börsenpaniken wurden durch die gleichen Elemente ausgelöst. Im Folgenden habe ich die wichtigsten Zutaten aufgelistet, deren Auftreten mir erforderlich erscheint, damit eine explosive Stimmung entstehen kann:

  • Fantasie der Masse auf überdimensionale Gewinne, meistens hervorgerufen durch neue Technologien oder neue Absatz-Märkte.
  • Keine gute wirtschaftliche Lage für einen großen Teil der Bevölkerung.
  • Hohe Kreditrate bringt Liquidität, bewirkt aber im Abwärtstrend Zwangsverkäufe.
  • Steuerung durch Medien mit permanent positiver Berichterstattung.
  • Eine Manie in der breiten Masse lässt die Kurse steigen, bis keine Käufer mehr zu finden sind.
  • Immer stärker auftretende warnende Stimmen werden ignoriert oder der Lächerlichkeit preisgegeben.
  • Falsche Propheten, genießen in der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen, wirken beruhigend.
  • Abenteuerliche Prognosen übertreffen sich selbst.
  • Erste massive Anzeichen auf einen Trendwechsel werden „schöngeredet“.
  • Profis und institutionelle Anleger steigen aus und lassen und verstärken dadurch die negative Dynamik.

 

Meiner Einschätzung nach fehlen aktuell einige wichtige Zutaten, damit sich eine Korrektur epochaler Dimension einstellen kann. Da wäre als Erstes die fehlende Begeisterung der breiten Masse zu nennen. Denn der seit über zehn Jahren währende faszinierende Aufschwung an den Finanzmärkten fand im Wesentlichen ohne den Kleinanleger, ohne die breite Masse statt.

Die Masse träumt eben noch nicht den schönen Traum vom monetären Perpetuum mobile; vom berühmten Dukatenesel. Der Traum vom Geld, welches sich allein durch sich selbst verdient schläft momentan noch. Die soziale Situation in den meisten Haushalten ist momentan noch als stabil zu bewerten. Noch ist kein flächendeckendes Prekariat entstanden. Auch kann ich noch keine Anzeichen auf eine mediale Schlacht, wie diese in der Vergangenheit immer wieder geführt wurde, erkennen; ich denke Sie sind im Bild.
Dennoch besteht absolut kein Grund, um in blinde Sorglosigkeit zu verfallen. Für die zweite Hälfte des Jahres 2020 erwarte ich eine etwas größere Korrektur, deren temporärer Rahmen zudem etwas größer ausfallen wird. In meinen demnächst erscheinenden Langzeitausgaben für den Dow Jones; S&P 500 sowie Dax 30, werde ich wie immer genauer darauf eingehen.

Erst nach dieser Phase sollten sich die Zutaten für einen Crash in einem Topf wiederfinden und geraume Zeit später für eine erneute Börsenpanik sorgen. Denn erst dann wird die Masse erneut auf den fahrenden Zug aufspringen. Aktuell ist dieses Verhalten der Marktteilnehmer noch nicht zu konstatieren, sodaß mir gegenwärtig eine wahre Panik unrealistisch erscheint.

Bis dahin gelten die bekannten Regeln, welche mit Sicherheit schon seit Anbeginn der Menschheit ihren Platz in den Köpfen der Menschen eingenommen und welche die Menschheit immer wieder, mehr oder weniger stark, in ihrer Entwicklung zurückgeworfen haben.

 

Wahrscheinlich werden diese Spielregeln nie aus der Mode kommen:

  • Nach dem Crash ist vor dem Crash.
  • Wieder wird man über die Vergangenheit lachen, denken das diesmal alles anders ist
  • Wieder werden wirtschaftlich schlechte Zeiten eintreten.
  • Neue Märkte, Technologien, werden immer wieder die Fantasie anregen.
  • Die Menschen werden wieder und wieder in Goldgräberstimmung verfallen und im Irgendwo neue surreale, diesmal natürlich „unerschöpfliche“ Geldquellen erkennen.
  • Wieder wird die Gier jedes Maß der Vernunft sprengen.
  • Wieder werden die gleichen Abläufe zur Steuerung der Massen auftreten.
  • Stellen sich große Kurs-Korrekturen tatsächlich völlig unvorhersehbar ein? Sind resultierend daraus drastische Verluste absolut unvermeidbar? Mit Sicherheit nicht!
  • Ein sogenannter und heraufbeschworener Crash der Aktienmärkte ist charttechnisch als auch markttechnisch sehr gut prognostizierbar.
  • Für jeden einzelnen Anlagenhorizont ist ein spezielles Ausstiegssignal generierbar.
  • Die anstehende Korrektur ist nicht für alle Zeitebenen bzw. Anleger von Relevanz.
  • Korrekturen bieten neue Einstiegsmöglichkeiten.

 

Fazit:

Die wichtigsten Aktienmärkte werden im Verlauf der ersten Jahreshälfte weiter steigen und fast ausnahmslos neue Höchststände erzielen. Erst tief in der zweiten Jahreshälfte wird sich eine angespannte Situation einstellen. Diese wird sich schlussendlich in eine schmerzhafte Korrektur entladen. Eine crashartige Entwicklung kann ich indes nicht erkennen, dazu ist die Zeit noch nicht reif. Im Wesentlichen wird sich das Jahr 2020 als ein positives Aktienjahr präsentieren.

Die Aktienmärkte dürften sich im Jahr 2020 weiter positiv entwickeln

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jan

    20. Januar 2020 17:26 at 17:26

    Herr Becker, das sind aber zwei Riesencrashes gewesen. Was ist mit ein kleinere Korrektur wie 2008? Durchaus möglich?
    Was ist mit den sich vermutlich nicht zurück drehenden Unterschieden zu diesen Zeiten:
    Weltweite Vernetzung der Finanzsysteme und Politik/Machtsysteme, Eingreifen der Zentralbanken und Algoritmische Handelsysteme?
    Gelten Ihre Zutaten noch im ähnlichen Umfang?

  2. Avatar

    Pessimist

    21. Januar 2020 13:28 at 13:28

    Ein Wort an die ewigen Optimisten.
    Das KGV des wichtigen Börsentreibers Nasdaq ist bei 30.
    Der Abstand von der 200 Tageslinien ist bei ca. 15% ! ! Hat es seit Jesus Christus noch fast nie gegeben,
    das ist nur mit Trump möglich.

  3. Avatar

    DrDoppelmoral

    13. März 2020 06:56 at 06:56

    6 Wochen später.. reiseverbote, warnungen der Regierung, Schulen geschlossen, Massen Panik, Nudeln, Reis, Konserven im Aldi ausverkauft :D Börse im freifall :X Die Spekulation ging komplett nach hinten herr Becker, aber ganz normal keiner kann in die Zukunft blicken.

  4. Avatar

    Altbär

    13. März 2020 09:23 at 09:23

    Ja das gleiche Spiel läuft so alle 7 bis 10 Jahre immer wieder gleich ab. Auch die Warner ( Crash Propheten ) werden immer wieder belächelt. Dass dass gemeine Börsenvolk auf dies Masche hereinfällt ist noch verständlich.
    Tragisch u.absolut verheerend ist nur dass die hochbezahlten Profis mit 50Jahren Erfahrung u.erlebten 5 Krisen nie etwas lernen u. immer wieder erwischt werden.
    Einige dieser Einweg- Börsen – Koriphäen sind auch auf der zu Unrecht bärisch benannten FMW bekannt u.
    von mir schon öfter kritisiert worden.
    Die Ausrede Coronavirus zählt nicht, dieses Ereignis hat das Unvermeidliche nur beschleunigt.
    Bitte wider einmal Marc Faber googeln!

    • Avatar

      Columbo

      13. März 2020 10:37 at 10:37

      @DrDoppelmoral @Altbär

      Das war mal eine gute Idee von Euch, einen dieser Wellenzähler bloßzustellen. Jetzt schweigen die sich aus.

  5. Avatar

    Roberto

    13. März 2020 12:08 at 12:08

    Ein sehr gelungener Bericht Herr Becker ! Kompliment. Viele Menschen schauen leider nicht so weit über den Tellerrand. Bitte mehr davon :-)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Markus Koch LIVE zum Handelsstart in New York – „Zeichen einer Besserung“

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE zum Handelsstart in New York. Es geht heute um „Zeichen einer Besserung“ rund um das Coronavirus, was auch entspannend auf die Börse wirkt.

weiterlesen

Indizes

Dax in Bärenmarktrally – heute an wichtiger Marke gescheitert?

Avatar

Veröffentlicht

am

Dax befindet sich in Bärenmarktrally

Der Dax befindet sich seit einigen Tagen in einer Bärenmarktrally – da sind sich viele Beobachter einig. Mit diesem Begriff bezeichnet man eine Kurserholung im Rahmen einer übergeordneten Abwärtsbewegung des Marktes. Und der Dax hat seit dem Crash-Beginn am 21. Februar weit mehr als 5.000 Punkte verloren. Vom Tief aus hat der Dax schon wieder kräftig zulegen können. Und nun ist die aktuelle Frage: Läuft der Markt weiter nach oben?

Dax in Bärenmarktrally – die Marke von 10.080 hat er heute nicht übersprungen

Der folgenden Chart zeigt den Dax auf CFD-Basis seit dem 18. März. Am 25. März, am 27. März und heute hat der Markt drei Hochpunkte ausgebildet bei grob gesagt 10.080 Punkten. Bei der extremen Volatilität der letzten Wochen wollen wir mal nicht so genau auf den einzelnen Punkt achten. Wichtig ist, dass der deutsche Leitindex aktuell diesen jüngsten Widerstand nicht überspringen konnte. Aktuell ist er abgeprallt, und notiert jetzt bei 9.729 Punkten. Dies könnte ein wichtiger Test sein, ob die Bärenmarktrally im Dax weiterlaufen kann. Überspringt der Markt diese Marke, wäre das kurzfristig ein positives Zeichen für Trader.

Aber man muss immer betonen: Es handelt sich hierbei um kurzfristige Trends. Übergeordnet sind wir immer noch im Bärenmarkt, und der nächste große Knall tief nach unten könnte für den Dax erst noch anstehen. Aber könnte man (bis es soweit ist) noch weiter auf einige hundert Punkte Richtung Norden spekulieren? Denn aktuell scheint die Lage an der Börse relativ optimistisch zu sein. Agata Janik hat vorhin eine sehr interessante charttechnisch fokussierte Analyse zu Dax veröffentlicht. Diese können Sie hier einsehen. Über die Voraussetzungen für eine mögliche Trendwende am Gesamtmarkt sprach heute früh auch Markus Fugmann im Videoausblick (hier anschauen).

Robert Zach

Robert Zach von investing.com hat sich heute zum Dax mit sehr interessanten Aussagen geäußert. Der Markt würde auf einen Datennebel zusteuern, weil sich das ganze Ausmaß der Coronavirus-Krise bezogen auf die wirtschaftliche Aktivität wohl erst in den April-Daten widerspiegeln werde. Daher bestehe weiterhin die Möglichkeit, dass es sich bei der gegenwärtigen Erholung im Dax nur um eine Bärenmarktrally handele, wie viele propagieren, dabei aber den Zentralbank- und den daraus resultierenden Liquiditätseffekt aus irrationellen Gründen völlig ausblenden würden – und das, obwohl sie wüssten, was die Hausse in den letzten 10 Jahren maßgeblich angetrieben habe. Auszugsweise wollen wir noch einige andere aktuelle Aussagen von Robert Zach zitieren. So erwähnt er den erst gestern von der chinesischen Zentralbank gesenkten Zinssatz für Reverse-Repo-Geschäfte. Auf kurze Zeit dürfte diese enorme Liquidität (reingepumpt durch die Notenbanken weltweit) sowie die Sicherstellung des Kreditflusses die Aktienmärkte wohl gut unterstützen.

Die entscheidende Frage aber laute, was danach komme. Das Coronavirus werde wohl für einen massiven Nachfrageeinbruch sorgen, was in erster Linie einen deflationären Schock auslösen werde. Gleichzeitig würden Lieferketten zerstört oder zumindest unterbrochen. Wenn die Nachfrage aber rasch zurückkehre, dürfte damit auch die Inflation ein Comeback feiern, so Zach. Da das Coronavirus aber wohl auch ganz ungeahnte Auswirkungen habe, die wir alle so noch nicht erlebt haben, sei eine zweite Abwärtswelle bei Dax und Co freilich nicht gänzlich auszuschließen, zumal sich der Dax kritischen Chartmarken nähere. Vorausgesetzt, dass es sich bei der aktuellen Erholung tatsächlich nur um eine Bärenmarktrally handeln sollte, dann könne dem Dax im Bereich von 10.400 Punkten allmählich die Puste ausgehen. Gelinge den Bullen dagegen der Spurt über diese Hürde, so bestünde weiteres Rallye-Potenzial auf 11.000 Punkte, so Robert Zach.

Heiko Thieme

Heiko Thieme hat aktuell auch zur aktuellen Lage im Dax gesprochen. Sehen Sie dazu das folgende Video. Selbstkritisch bespricht er seine Kaufempfehlungen aus Februar. Die brisante Entwicklung der Coronakrise und die Abstürze an den Märkten, das habe sich natürlich auch seiner Kenntnis entzogen, so Thieme. Die entscheidende Frage die besprochen wird lautet: War es das jetzt mit den fallenden Kursen? Es sei nicht falsch derzeit bis zu 40 Prozent Liquidität vorzuhalten, denn es würden wieder günstigere Kurse kommen.

Dax auf CFD-Basis seit dem 18. März

weiterlesen

Indizes

Dax: Der deutsche Leitindex ist noch nicht über dem Berg

Avatar

Veröffentlicht

am

Der Dax konnte sich zuletzt erholen – aber geht dieser Anstieg nun wirklich weiter?

Die Börse handelt bekanntlich die Zukunft. Während sich die einen noch in der Präsenz-Panik befinden, denkt das große Kapital schon weiter und handelt. Eines ist aber sicher: Es vergeht bisher kein Tag, ohne dass sich die Lage in der Corona-Krise nicht verschlechtert.

Dennoch hat der Dax ein starkes Bestreben, sich wieder über die bekannte Widerstandsmarke von 10.000 Punkten zu begeben. Auch die gestrigen Aussagen der berühmten fünf Wirtschaftsweisen in Deutschland, schildern ein gar nicht so düsteres Bild für die Zukunft. Nur 2-5 % Wirtschaftswachstum soll unsere Wirtschaft in der klar erklärten Rezession verlieren. Vielleicht sind unsere Weisen schon ein wenig vergreist oder leben in einem anderen Land. Unsere gesamte Volkswirtschaft fällt mehr oder weniger für einen ganzen Monat aus und 50% unseres Mittelstandes kämpft mit einem möglichen Konkurs. Unsere Wirtschaftsweisen aber sprechen von nur 2% Wirtschaftsschrumpfung! Die Auswirkungen werden sich lange und wesentlich härter gestalten als gedacht. Wir sprechen von anstehenden Verstaatlichungen. Auch wird der Staat mit möglichen neuen Schulden den ganzen  Schaden nicht auffangen können.

Der Dax ist in den letzten Jahren immer aus einer Krise wieder gut herausgekommen und konnte langfristig steigen. So wird es vermutlich auch dieses Mal sein. Der Schaden wird sich aber wahrscheinlich wesentlich größer gestalten als gedacht, daher wird ein weiterer Aufschwung nach über 10 Jahren Anstieg auf sich warten lassen.

Der Dax hängt an der Zeit

Jeder Tag, der ohne positive Nachrichten vergeht, wird der deutschen Wirtschaft viele Milliarden kosten. Es ist daher eine Frage der Zeit, wann der normale Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Es gibt aber den berühmten Punkt des „no returns“: Er ist der Knickpunkt, wann eine Krise ohne großes Aufsehen überwunden werden kann oder nicht. Ist dieser jedoch überschritten, dann diskutiert man über Langzeitfolgen, die nur wieder schwer wettgemacht werden können. Dies ist das realistische Abbild der aktuellen Situation. In der heutigen Zeit benötigt der Bürger Mut und Zuspruch – und keine düsteren Aussichten.

Was die wirtschaftliche Lage angeht, kann derzeit keine Entwarnung geben werden. Es ist so, die restlichen Worte sind für die Volksseele und für die Beruhigung. Der Zeitfaktor ist also mehr als nur entscheidend. Es geht hier um Tage – und das ist den meisten gar nicht bewusst.

Dax hadert mit der 10.000er Marke

Neben der psychologischen 10.000er Marke gibt es auch noch den Widerstand des EMA 420 (exponential moving average). Im Chart ist deutlich das Scheitern des Dax an dieser Linie mehrmals zu erkennen. Da dies ein dynamischer Widerstand ist und sich aufgrund des Zeitfaktors nach unten zieht, bildet sich dadurch ein doppelter Widerstand in dem Bereich von 9.950 und 10.000 Punkten. Um diese zwei Marken nachhaltig durchbrechen zu können, bedarf es starker Argumente. Zugegeben, diese können jeden Moment auftreten – aber geht man vom kurzfristigen Geschehen aus, dann können beim Dax noch bessere Einstiegskurse gesehen werden. Viel besser für den längerfristigen Investor ist die Jäger- und Sammler-Strategie: Den Nagel in die Wand schlagen und eine kleine Anfangsposition kaufen. Dann bei guten Gelegenheiten im kleinen Stil nachkaufen und einen guten Mischkurs bilden.

Weiter volatil

Die Meinungsvielfalt ist noch sehr groß, daher müssen wir auch diese enormen Tagesschwankungen beobachten. Geht man von dem technischen Zustand des Dax aktuell aus, dann wird der Deutsche Leitindex an seinen angesprochenen Widerständen aufgehalten. Diese zu brechen, sollte schwer sein. Die ersten Verkaufssignale (rote Kreise) sind bereits ausgebildet. Es ist eine Korrektur bis in den Bereich von 9.360 Punkten zu erwarten. Sollten wider Erwarten die Widerstände bis in den Bereich von 10.000 Punkten genommen werden, dann ist noch viel Luft auf der Oberseite. Dieses Szenario ist aber eher als unwahrscheinlich einzustufen. Der Markt benötigt klare Fakten, um klare Entscheidungen zu treffen. Diese sind noch nicht gegeben, daher wird die Volatilität im Dax & Co weiterhin hoch sein.

Der Dax steht wahrscheinlich vor einer Abwärtsbewegung

 

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

Der Dax hat sich erholt, aber die nächste Bewegung dürfte nach unten gehen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage