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Aktienmärkte 2020: Warum (noch) kein Crash kommt

In den Medien werden Prognosen und Vergleiche mit dem Supercrash der Aktienmärkte von 1929 gezogen. Wie realistisch ist das?

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Verfolgt man die mediale Berichterstattung, so erhält man den Eindruck, als stehen wir wieder einmal vor dem Ende der Welt: Vergleiche mit dem Supercrash der Aktienmärkte von 1929 werden gezogen, wobei sich dieser Börsencrash in der heutigen Darstellung eher bescheiden ausnimmt. Übrigens ein Aspekt, den ich indes auch teile! In der heutigen Betrachtung werde ich wieder versuchen etwas Licht ins Dunkel, in das Wirrwarr der Nachrichten zu bringen.

Dabei werde ich ausnahmsweise einmal auf eine völlig andere als die von mir sonst angewandte Elliott-WellenCharttechnik zurückgreifen: die Markttechnik.

In meinen Langzeitanalysen der vergangenen Jahre hatte ich immer wieder, natürlich mit Hilfe der Charttechnik, versucht aufzuzeigen, daß sich die Aktienmärkte in der finalen Phase eines sehr langen nunmehr über elf Jahre währenden Aufwärtstrend bewegen. Allerdings hatte ich in meinen Betrachtungen auch immer wieder darauf verwiesen, daß die Aufwärtstrends noch ausnahmslos intakt sind und lediglich durch, in temporärer Hinsicht, größere Korrekturen unterbrochen wurden oder aktuell noch werden.

Als ich in meinen Analysen vom 03.10.2016 und 18.09.2017 für den Dow Jones Punktestände von 26.900 bzw. 29.690 Punkten prognostiziert hatte, hielten sich die damaligen Fangemeinden in äußerst überschaubaren Grenzen. Derzeit liegt, mit einem Punktestand von über 29.000 Punkten im Dow Jones, das größere Ziel bereits in greifbarer Nähe. Und wie aus Zauberhand schießen einige Prognosen schon wieder in astronomische Höhen.

Die Aktienmärkte sind noch nicht völlig heiß gelaufen - hier der Dow Jones

(Meine Prognose für den Dow Jones aus dem Jahr 2016)

Auch wenn zum Teil größere regionale Unterschiede zu konstatieren sind, kann der MSCI-Index durchaus als exemplarisch für die Aktienmärkte angesehen werden. Denn im Wesentlichen bewegt sich die Mehrzahl der relevanten internationalen Aktienmärkte nicht völlig konträr gegeneinander; hat die Globalisierung auch hier ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen. Das Beispiel des MSCI-World-Index zeigt diesen Aspekt im Vergleich zum Dow Jones auf.

Aber ist die aktuelle Situation wirklich mit der von 1929 vergleichbar? Stehen wir tatsächlich vor dem größten Crash der dokumentierten Geschichte, wie es nicht selten zu lesen ist. Um ein Urteil hierüber zu fällen, lohnt der tiefere Blick in die Abläufe einer ausgereiften Börsenpanik, wie man einen Crash besser nennen sollte.

Welcher Elemente bedarf es überhaupt, damit sich eine Kurslawine lösen, damit eine scheinbar unkontrollierbare Panik ausbrechen kann. An zwei Beispielen kann man die immer wiederkehrenden Abläufe sehr schön ablesen: Der Tulpenwahn von Leyden aus den Jahren 1633 – 1637, und natürlich die Schwarzen Tage von 1929, der wohl pregnantesten Börsenpanik der jüngeren Geschichte.

 

Aktienmärkte: Euphorie als Vorraussetzung für den Crash

Gehen wir zunächst zurück in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts und damit zurück in die Mitte des Dreißigjährigen Krieges. Fast ganz Mitteleuropa war in dieser Zeit geprägt von Armut; Zerstörung und ausgeprägter Sittenverrohrung. Somit wuchs in den Köpfen der Menschen der Wunsch, der Traum nach einem besseren Leben. Der freigegebene Handel mit Tulpenzwiebeln war da eine willkommene Angelegenheit, ja für viele sogar die Erlösung. Denn an dem neu geschaffenen Markt konnte man relativ einfach große Summen verdienen, ohne dabei körperlich tätig zu werden. Und so verwundert es nicht, daß die Preise von 1634 bis 1637  explodierten und um satte 5900 % stiegen.

Dieser Aspekt veranschaulicht, daß der Markt völlig abgehoben war, daß der Markt absolut nichts mehr dem eigentlichen Handelsgut, einer einfachen Tulpenzwiebel, zu schaffen hatte. Nun kann man sagen: Das ist Jahrhunderte her, Gleiches würde uns heute nicht mehr passieren. Doch zeigen die verhängnisvollen Vorgänge in den Zwanzigern des 20. Jahrhunderts ganz ähnliche Muster auf.

 

Der Crash im Jahr 1929

Auch wenn die Arbeitslosigkeit in den USA ein niedriges Niveau aufwies, haben sich die Lebensverhältnisse für den überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht wirklich verbessert. Und so blieb für fast 80 Prozent der Bevölkerung nur der Traum vom besseren Leben, wie es die bunten Plakate doch so schön propagierten, zu träumen.

Und so verwundert es auch diesmal nicht, daß die Erlösung aus diesem Dilemma in der wundersamen Geldvermehrung gesucht wurde. Als das geeignetste Mittel hierfür diente natürlich die Börse, diente der Aktienmarkt. Denn nur dort, so der Glauben der ahnungslosen Masse, konnte sich Geld allein nur durch Geld vermehren.
Ganz ähnlich den astronomischen Kursteigerungen und letztendlich auch Summen, welche ca. 300 Jahre zuvor für harmlose, leider nicht verzehrbare, Tulpenzwiebeln gezahlt wurden. Und so trieb die verblendete Masse die Kurse zu immer absurderen Höchstständen.

Kritische Stimmen, sowie auftretende unübersehbare Warnzeichen in Form von Kurskorrekturen, wurden selbstverständlich ignoriert; wer wollte denn schon außerhalb der breiten Masse stehen. Schließlich heißt es ja auch: The trend ist your friend! Die Spekulationsblase nimmt ein gigantisches Ausmaß an. Spekulieren ist Volkssport! Der wuchernde Kreditapparat ist mit 17–20 % Zinsen völlig überzogen, doch gelten 20 % Zinsen als normal. Die Masse hebt mal wieder völlig ab.

Am 03.09.1929 erreichte der Dow Jones dann ein Niveau von 381,17 Punkten. Die Anleger mussten sich 25 Jahre gedulden, denn erst am 23.11.1954 ist es dem Index gelungen, dieses Terrain wieder zu erobern. Das gehandelte Tief aus dem Jahr 1930 lag übrigens bei 41,22 Punkten, und damit 89 Prozent unter dem Hoch! Die Folgen sind bekannt!
Beide Börsenpaniken wurden durch die gleichen Elemente ausgelöst. Im Folgenden habe ich die wichtigsten Zutaten aufgelistet, deren Auftreten mir erforderlich erscheint, damit eine explosive Stimmung entstehen kann:

  • Fantasie der Masse auf überdimensionale Gewinne, meistens hervorgerufen durch neue Technologien oder neue Absatz-Märkte.
  • Keine gute wirtschaftliche Lage für einen großen Teil der Bevölkerung.
  • Hohe Kreditrate bringt Liquidität, bewirkt aber im Abwärtstrend Zwangsverkäufe.
  • Steuerung durch Medien mit permanent positiver Berichterstattung.
  • Eine Manie in der breiten Masse lässt die Kurse steigen, bis keine Käufer mehr zu finden sind.
  • Immer stärker auftretende warnende Stimmen werden ignoriert oder der Lächerlichkeit preisgegeben.
  • Falsche Propheten, genießen in der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen, wirken beruhigend.
  • Abenteuerliche Prognosen übertreffen sich selbst.
  • Erste massive Anzeichen auf einen Trendwechsel werden „schöngeredet“.
  • Profis und institutionelle Anleger steigen aus und lassen und verstärken dadurch die negative Dynamik.

 

Meiner Einschätzung nach fehlen aktuell einige wichtige Zutaten, damit sich eine Korrektur epochaler Dimension einstellen kann. Da wäre als Erstes die fehlende Begeisterung der breiten Masse zu nennen. Denn der seit über zehn Jahren währende faszinierende Aufschwung an den Finanzmärkten fand im Wesentlichen ohne den Kleinanleger, ohne die breite Masse statt.

Die Masse träumt eben noch nicht den schönen Traum vom monetären Perpetuum mobile; vom berühmten Dukatenesel. Der Traum vom Geld, welches sich allein durch sich selbst verdient schläft momentan noch. Die soziale Situation in den meisten Haushalten ist momentan noch als stabil zu bewerten. Noch ist kein flächendeckendes Prekariat entstanden. Auch kann ich noch keine Anzeichen auf eine mediale Schlacht, wie diese in der Vergangenheit immer wieder geführt wurde, erkennen; ich denke Sie sind im Bild.
Dennoch besteht absolut kein Grund, um in blinde Sorglosigkeit zu verfallen. Für die zweite Hälfte des Jahres 2020 erwarte ich eine etwas größere Korrektur, deren temporärer Rahmen zudem etwas größer ausfallen wird. In meinen demnächst erscheinenden Langzeitausgaben für den Dow Jones; S&P 500 sowie Dax 30, werde ich wie immer genauer darauf eingehen.

Erst nach dieser Phase sollten sich die Zutaten für einen Crash in einem Topf wiederfinden und geraume Zeit später für eine erneute Börsenpanik sorgen. Denn erst dann wird die Masse erneut auf den fahrenden Zug aufspringen. Aktuell ist dieses Verhalten der Marktteilnehmer noch nicht zu konstatieren, sodaß mir gegenwärtig eine wahre Panik unrealistisch erscheint.

Bis dahin gelten die bekannten Regeln, welche mit Sicherheit schon seit Anbeginn der Menschheit ihren Platz in den Köpfen der Menschen eingenommen und welche die Menschheit immer wieder, mehr oder weniger stark, in ihrer Entwicklung zurückgeworfen haben.

 

Wahrscheinlich werden diese Spielregeln nie aus der Mode kommen:

  • Nach dem Crash ist vor dem Crash.
  • Wieder wird man über die Vergangenheit lachen, denken das diesmal alles anders ist
  • Wieder werden wirtschaftlich schlechte Zeiten eintreten.
  • Neue Märkte, Technologien, werden immer wieder die Fantasie anregen.
  • Die Menschen werden wieder und wieder in Goldgräberstimmung verfallen und im Irgendwo neue surreale, diesmal natürlich „unerschöpfliche“ Geldquellen erkennen.
  • Wieder wird die Gier jedes Maß der Vernunft sprengen.
  • Wieder werden die gleichen Abläufe zur Steuerung der Massen auftreten.
  • Stellen sich große Kurs-Korrekturen tatsächlich völlig unvorhersehbar ein? Sind resultierend daraus drastische Verluste absolut unvermeidbar? Mit Sicherheit nicht!
  • Ein sogenannter und heraufbeschworener Crash der Aktienmärkte ist charttechnisch als auch markttechnisch sehr gut prognostizierbar.
  • Für jeden einzelnen Anlagenhorizont ist ein spezielles Ausstiegssignal generierbar.
  • Die anstehende Korrektur ist nicht für alle Zeitebenen bzw. Anleger von Relevanz.
  • Korrekturen bieten neue Einstiegsmöglichkeiten.

 

Fazit:

Die wichtigsten Aktienmärkte werden im Verlauf der ersten Jahreshälfte weiter steigen und fast ausnahmslos neue Höchststände erzielen. Erst tief in der zweiten Jahreshälfte wird sich eine angespannte Situation einstellen. Diese wird sich schlussendlich in eine schmerzhafte Korrektur entladen. Eine crashartige Entwicklung kann ich indes nicht erkennen, dazu ist die Zeit noch nicht reif. Im Wesentlichen wird sich das Jahr 2020 als ein positives Aktienjahr präsentieren.

Die Aktienmärkte dürften sich im Jahr 2020 weiter positiv entwickeln

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jan

    20. Januar 2020 17:26 at 17:26

    Herr Becker, das sind aber zwei Riesencrashes gewesen. Was ist mit ein kleinere Korrektur wie 2008? Durchaus möglich?
    Was ist mit den sich vermutlich nicht zurück drehenden Unterschieden zu diesen Zeiten:
    Weltweite Vernetzung der Finanzsysteme und Politik/Machtsysteme, Eingreifen der Zentralbanken und Algoritmische Handelsysteme?
    Gelten Ihre Zutaten noch im ähnlichen Umfang?

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    Pessimist

    21. Januar 2020 13:28 at 13:28

    Ein Wort an die ewigen Optimisten.
    Das KGV des wichtigen Börsentreibers Nasdaq ist bei 30.
    Der Abstand von der 200 Tageslinien ist bei ca. 15% ! ! Hat es seit Jesus Christus noch fast nie gegeben,
    das ist nur mit Trump möglich.

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    DrDoppelmoral

    13. März 2020 06:56 at 06:56

    6 Wochen später.. reiseverbote, warnungen der Regierung, Schulen geschlossen, Massen Panik, Nudeln, Reis, Konserven im Aldi ausverkauft :D Börse im freifall :X Die Spekulation ging komplett nach hinten herr Becker, aber ganz normal keiner kann in die Zukunft blicken.

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    Altbär

    13. März 2020 09:23 at 09:23

    Ja das gleiche Spiel läuft so alle 7 bis 10 Jahre immer wieder gleich ab. Auch die Warner ( Crash Propheten ) werden immer wieder belächelt. Dass dass gemeine Börsenvolk auf dies Masche hereinfällt ist noch verständlich.
    Tragisch u.absolut verheerend ist nur dass die hochbezahlten Profis mit 50Jahren Erfahrung u.erlebten 5 Krisen nie etwas lernen u. immer wieder erwischt werden.
    Einige dieser Einweg- Börsen – Koriphäen sind auch auf der zu Unrecht bärisch benannten FMW bekannt u.
    von mir schon öfter kritisiert worden.
    Die Ausrede Coronavirus zählt nicht, dieses Ereignis hat das Unvermeidliche nur beschleunigt.
    Bitte wider einmal Marc Faber googeln!

    • Avatar

      Columbo

      13. März 2020 10:37 at 10:37

      @DrDoppelmoral @Altbär

      Das war mal eine gute Idee von Euch, einen dieser Wellenzähler bloßzustellen. Jetzt schweigen die sich aus.

  5. Avatar

    Roberto

    13. März 2020 12:08 at 12:08

    Ein sehr gelungener Bericht Herr Becker ! Kompliment. Viele Menschen schauen leider nicht so weit über den Tellerrand. Bitte mehr davon :-)

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Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

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Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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