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Aktienmärkte 2020: Zwischen Crash und Allzeithoch

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte werden das Jahr 2019 mit satten Gewinnen beenden – und dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe: erstens das niedrige Start-Niveau nach dem Crash der Aktienmärkte im Dezember 2018. Und zweitens die plötzliche Wende der US-Notenbank Fed, die noch im Dezember des Vorjahres die Aktienmärkte geschockt hatte durch eine auf „Autopilot“ programmierte Bilanzreduzierung sowie der Ankündigung weitere Zinsanhebungen. Der S&P 500 verlor damals 20% und tauchte damit kurzzeitig in einen Bärenmarkt – und zwang so Fed-Chef Powell zu einer erstaunlichen Kehrtwende. So kletterten die Aktienmärkte aus einem crashartigen Szenario Ende 2018 zu stets neuen Allzeithochs im Verlaufe des Jahres 2019. Was aber passiert im Jahr 2020?

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Deutschland und der Dax

Blickt man auf die Industrie in Deutschland – mithin also dauf die zentrale Säule der deutschen Wirtschaft – dann ist die Entwicklung des Dax im Jahr 2019 scheinbar umso erstaunlicher. Aber wenn man den Dax als eine Art Frühindikator versteht, dann hat der deutsche Leitindex bereits im Jahr 2018 den Einbruch der deutschen Industrie eingepreist – und im Jahr 2019 damit begonnen, eine Erholung vor allem der Daten aus der Industrie einzupreisen:

Die deutsche Industrie und ihr Einbruch im Jahr 2019
Quelle: Destatis

Ob diese Erholung auch wirklich kommt, ist die große Frage. Die Aktienmärkte jedenfalls haben diese Erholung längst eingepreist für das Jahr 2020 – käme sie nicht, müßte eben diese Einpreisung wieder rückgängig gemacht werden. Der bereits eingepreiste, aber möglicherweise zu große Optimismus in Sachen Konjunktur ist eine der großen Risiken für die Aktienmärkte im Jahr 2020. Damit verbunden: das rückläufige Gewinnwachstum europäischer Unternehmen – auch hier muß die Drehung im Jahr 2020 kommen, sonst wird es für die Aktienmärkte ungemütlich.

USA: Die Rekord-Jagd der Wall Street – und die Risiken

Für die Aktienmärkte der USA wirkte die Wende der US-Notenbank Fed wie ein Turbo: drei Zinssenkungen, dazu eine massive Intervention am amerikanischen Geldmarkt nach den Turbulenzen am Repo-Markt. Und oben drauf noch der Kauf von kurzlaufenden US-Staatsanleihen, um die Zinskurve zu versteilen. Mehr an Zufuhr von Liquidität geht kaum – dementsprechend reagierte die Wall Street mit einer exzessiven Party.

Wenn man die Aussichten für US-Aktien im Jahr 2020 zu prognostizieren versucht, dann sollte man bedenken, dass die Marktkapitalisierung des US-Aktienmarkts in Relation zum US-BIP noch nie so hoch war wie derzeit (über 150%):

Noch nie war die Marktkapitalisierung zum BIP in den USA so hoch wie derzeit - ergo sind die Aktienmärkte sehr teuer

Quelle: Fred

Hinzu kommt die immer steiler ansteigende Verschuldung der US-Unternehmen, die sich seit der Finanzkrise verdoppelt hat:

Die stark steigende Verschuldung der US-Unternehmen

Quelle: Fred

Eine stark steigende Verschuldung wird aber dann zum Problem, wenn die Gewinne nicht weiter wachsen – und die Gewinne der US-Unternehmen (vor Steuern) sind seit einigen Jahren tendentiell rückläufig:

 

Die Gewinne der US-Unternehmen vor Steuern sind tendentiell rückläufig - die Aktienmärkte daher sehr teuer

Quelle: Fred

Bislang ignorieren die Aktienmärkte der USA die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Fundamentaldaten (vor allem Gewinne und Umsatz) und Kursentwicklung: der Chart des S&P 500 steigt steil an, die Gewinne kippen dagegen nach unten weg. Bislang wird das durch die von der Fed initiierte Liquiditäts-Party kaschiert, aber langfristig nähern sich Kurse und Fundamentaldaten stets wieder an.

Für die Aktienmärkte der USA im Jahr 2020 bedeutet das: entweder die Gewinne steigen wieder deutlich an, oder die Bewertungen müssen nach nach unten genommen werden. Die Fed wird nicht ewig so viel Liquidität in die Märkte pumpen wie derzeit – spätestens im zweiten Halbjahr 2020 dürfte dmait Schluß sein. Dementsprechend gehen wir davon aus, dass die Aktienmärkte im ersten Halbjahr 2020 zunächst ihren Siegeslauf fortsetzen könnten, aber dann im zweiten Halbjahr 2020 die (bekannten) Risiken stark auf die Stimmung der Investoren drücken:

– die Unsicherheit im Vorfeld und Umfeld der US-Wahl

– der wahrscheinliche Exit der Fed aus ihrer derzeitigen Liquiditätsflutung

– die zeitlich immer näher rückende Wahrscheinlichkkeit eines harten Brexit

 

Ein Blick voraus: die Aktienmärkte im Jahr 2020

 

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    27. Dezember 2019 12:04 at 12:04

    Wieso die Gewinne können ja auch einfach durch sinkende Zinsen steigen? Wenn die Zinsen negativ sind dann führt ja eine umso höhere Verschuldung sogar noch zu zusätzlichen Einnahmen….ist doch Super oder…

    Wie lange gehen Deppen noch für ein paar Euro jeden Morgen zur Arbeit?

  2. Avatar

    Gixxer

    27. Dezember 2019 16:06 at 16:06

    An der Börse wird doch die Zukunft gehandelt. Die Frage ist nur, welche Zukunft.
    Also kann alles munter weiter steigen. Irgendwann wird es schon wieder passen.

  3. Avatar

    Marko

    27. Dezember 2019 22:25 at 22:25

    „Die Aktienmärkte jedenfalls haben diese Erholung längst eingepreist für das Jahr 2020 – käme sie nicht, müßte eben diese Einpreisung wieder rückgängig gemacht werden. Der bereits eingepreiste, aber möglicherweise zu große Optimismus in Sachen Konjunktur ist eine der großen Risiken für die Aktienmärkte im Jahr 2020.“

    Jetzt mal ehrlich, der Crash an den Aktienmärkten eingepreist, ausgepreist oder nicht ?

    wie wollt Ihr das überhaupt bewerten, was ein- oder ausgepreist wäre ?

    Der Anleihemarkt interessiert euch überhaupt nicht !?

    Der Anleihemarkt ist meines Erachtens ein „Markt“, da gelten laut „Bärenlogik“ keine Ein-oder-Auspreisungslogiken, da der Anleihenmarkt nätürlich steigen muss !! Damit der Dax fällt ! :D

    Also, ehrlich… der „Key-trigger ist die EZB“, ist langweilig, ich weiß..

    Schönes neues Jahr noch…

  4. Avatar

    Marko

    27. Dezember 2019 22:58 at 22:58

    Interessante Alternative zwischen Anleihe und Aktie

    „In einem Werbespot von damals kritisiert die Schildkröte Günther das Auf und Ab an der Börse und wirbt für den »ruhigen« Vermögensaufbau mit Bundeswertpapieren. Heute, rund sieben Jahre nach dem Ende der Finanzagentur, führt für viele Anleger kaum ein Weg an der Börse vorbei. Zumindest in den vergangenen zehn Jahren war dies in der Regel ein ertragreiches Unterfangen. Vor allem, wenn man neben deutschen auch amerikanische Werte im Depot hatte.“

    https://www.ideas-magazin.de/2020/ausgabe-213/maerkte/interessante-alternative-zwischen-anleihe-und-aktie/?utm_source=onvista&utm_medium=news&utm_campaign=ideas-magazin&utm_content=maerkte&utm_term=20191227_Interessante+Alternative+zwischen+Anleihe+und+Aktie

  5. Pingback: Equity markets 2020: between crash and all-time high | En24 News

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Finanznews

Aktienmärkte: Ich werde bullisch – schnell verkaufen! Marktgeflüster (Video)

Wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen! Deshalb werde ich jetzt extrem bullisch – Aktien steigen immer!

Markus Fugmann

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Die Konjunktur in den USA brummt, wie heutige Daten zeigen – also werde ich jetzt bullisch für die Aktienmärkte! Denn wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen, oder? Dazu kommt jetzt auch noch der Stimulus in den USA – besser geht nicht! Und nächste Woche werden Apple, Facebook und Tesla ihre Zahlen berichten – das wird sicher extrem bullisch werden, denn die tollen Zahlen sind bestimmt noch nicht ausreichend eingepreist, oder? Ausserdem: Aktien steigen immer – das zeigt schon der Blick in die Geschichte! Und heute ist Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt worden – können Sie sich an einen einzigen Tag erinnern, an dem die Aktienmärkte gefallen sind, als Yllen noch Fed-Chefin war? Eben..

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Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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Indizes

Rüdiger Born: Keine Bären in Sicht – Blick auf Dax, Dow und Nasdaq

Rüdiger Born

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Derzeit kann man beim Blick auf Dax, Dow und Nasdaq keine fallenden Tendenzen ausmachen. Schauen wir im folgenden Video auf das aktuelle Chartbild.

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