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Sogar die Bullen schlagen Alarm Aktienmärkte: 5%-Gefahr – Wall Street warnt vor 10%-Korrektur

Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Die Aktienmärkte stehen nahe ihrer Rekordhochs, doch ausgerechnet die steigenden Anleihenrenditen senden ein immer deutlicheres Warnsignal. Während starke Unternehmensgewinne und der KI-Boom die Wall Street stützen, nähern sich die langfristigen US-Renditen kritischen Marken. Selbst überzeugte Bullen warnen inzwischen vor einer möglichen Korrektur von rund 10 Prozent. Noch ist die Rallye intakt. Doch unter der Oberfläche nehmen die Risiken zu.


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Aktienmärkte: Anleihenrenditen warnen

Besonders auffällig ist die Entwicklung am langen Ende des US-Anleihemarktes. Die Rendite 30-jähriger Treasuries ist auf mehr als 5,3 Prozent gestiegen und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007. Auch die zehnjährige Benchmark-Rendite bewegt sich in Richtung 4,75 Prozent. Damit rückt die psychologisch wichtige Marke von 5 Prozent näher.

Eigentlich müsste das jüngste Datenbild die Anleihenrenditen eher bremsen. Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juli nur noch um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 3,5 Prozent im Juni. Auch die Erzeugerpreise überraschten positiv, während der Arbeitsmarkt deutlich an Dynamik verloren hat.


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Entsprechend haben sich die Zinserwartungen deutlich verschoben. Noch vor rund zwei Wochen gingen die Märkte nahezu fest von einer weiteren Zinserhöhung im September aus. Inzwischen liegt die Wahrscheinlichkeit dafür laut FedWatch nur noch bei rund 36 Prozent. Die jüngsten Inflations- und Arbeitsmarktdaten haben die Erwartungen an die Fed damit spürbar verändert. Genau darin liegt das Rätsel: Die Aussicht auf eine weitere Fed-Zinserhöhung sinkt, doch die langfristigen Renditen steigen weiter.

Aktienmärkte: S&P 500 vor Korrektur? VIX und Anleiherenditen warnen

Warum die Renditen steigen

Die Ursachen liegen zunehmend außerhalb der Geldpolitik. Hohe Haushaltsdefizite, die wachsende US-Staatsverschuldung und das enorme Angebot neuer Treasuries verlangen von Investoren höhere Risikoprämien. Schwächere Nachfrage bei einzelnen Anleiheauktionen verstärkt die Sorgen.

Hinzu kommt der Ölpreis. Rohöl notiert wieder über 91 Dollar, während für die Krise rund um die Straße von Hormus weiterhin keine nachhaltige Lösung gefunden wurde. Bleiben Energie und Treibstoffe teuer, steigen auch die Kosten für Transport und Logistik. Das könnte den Inflationsdruck wieder erhöhen und die erhoffte Entspannung bei den Zinsen erschweren.

Für die Aktienmärkte werden die Anleihenrenditen damit zum Belastungstest. Evercore-Stratege Julian Emanuel sieht einen Anstieg der zehnjährigen Rendite über 4,75 Prozent in Richtung 5 Prozent zunehmend kritisch für die Aktienmärkte. Denn an dieser Schwelle werden vergleichsweise sichere US-Staatsanleihen zu einer attraktiveren Alternative, während die Risikoprämie von Aktien schrumpft. Zugleich erhöhen steigende Renditen die Finanzierungskosten und drücken über höhere Diskontierungssätze auf die Bewertungen, was insbesondere teure Wachstums- und Technologieaktien treffen kann.

10-Prozent-Korrektur trotz Rallye?

Bemerkenswert ist, dass die Wall-Street-Strategen deshalb keineswegs das Ende des Bullenmarktes ausrufen. Sie warnen vielmehr vor deutlichen Rücksetzern innerhalb einer grundsätzlich intakten Rallye.

Emanuel verweist auf den Technologieboom von 1999. Damals verdoppelte sich der Nasdaq innerhalb eines Jahres, erlebte auf dem Weg nach oben jedoch vier separate Rücksetzer von mindestens 10 Prozent. Die Botschaft für den heutigen KI-Boom ist klar: Künstliche Intelligenz kann einen Börsenzyklus verlängern, aber nicht außer Kraft setzen.

Auch PNC-Investmentchefin Amanda Haggerty hält eine größere Korrektur nicht für zwingend. Sollte sie kommen, würde sie einen solchen Rücksetzer vielmehr zur Neupositionierung von Portfolios nutzen. Die starken Unternehmensgewinne und das anhaltende Momentum sprechen weiterhin für den Bullenmarkt.

VIX zeigt gefährliche Ruhe

Ein weiteres Warnsignal liefert die Stimmung. Der VIX, das Volatilitätsbarometer des S&P 500, fiel am 14. August auf den niedrigsten Stand des gesamten Jahres. Ein niedriger VIX steht für geringe erwartete Schwankungen und hohe Risikobereitschaft, kann aber auch zunehmende Sorglosigkeit signalisieren.

Darin liegt eine Gefahr. Dreht die Stimmung plötzlich, könnte ein schneller VIX-Anstieg die Korrektur beschleunigen, wenn Anleger gleichzeitig Risiken reduzieren und Positionen absichern. Erste Nervosität ist bereits sichtbar. Der VIX steigt am Dienstag auf rund 16 Punkte und damit um mehr als 5 Prozent gegenüber dem Vortag, während die US-Futures unter Druck stehen.

Korrektur oder Verschnaufpause?

Auch saisonal kommt die Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. August und September zählen historisch zu den schwierigeren Monaten für den S&P 500. Vom Spätsommer bis in den Oktober hinein nehmen Volatilität und Rückschlagrisiken häufig zu. In diesem Jahr kommt mit den Midterm-Wahlen im November ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor hinzu: Gerade in den Monaten vor den Zwischenwahlen schwankt der S&P 500 historisch stärker, während sich die Nervosität mit zunehmender Klarheit über den Wahlausgang meist wieder legt.

Damit treffen starke Unternehmensgewinne und der KI-Boom auf steigende Anleihenrenditen, hohe Bewertungen, geopolitische Risiken und einen zuletzt wachsenden Sorglosigkeit.

Eine Korrektur von 10 Prozent wäre nach der jüngsten Rally keine Überraschung, würde aber nicht automatisch das Ende des Bullenmarktes besiegeln. Im Gegenteil: Sie könnte jene Bereinigung sein, vor der selbst bullische Wall-Street-Strategen warnen. Entscheidend wird, ob sich die zehnjährige US-Rendite der 5-Prozent-Marke nähert und der VIX weiter steigt. Bereits morgen wartet mit dem FOMC-Sitzungsprotokoll der Fed der nächste wichtige Impuls. Dann könnte sich zeigen, ob die aktuelle Schwäche nur eine Verschnaufpause ist oder die erwartete Korrektur an den Aktienmärkten bereits begonnen hat.



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die amerikanischen Aktienmärkte sind seit der Finanzkrise regelrecht explodiert….wo stand zum Beispiel eine Apple 2009 und wo heute…?

    Die Anleger neigen dazu zu glauben…. dies würde sich eins zu eins wiederholen…

    1. Gut beobachtet @Basti👍
      Aber…wo stand zum Beispiel ein Döner 2009 und wo heute…?
      Die Q2-Zahlen waren außerordentlich stark. Etwas 86% der S&P-500-Unternehmen haben die Gewinnerwartungen übertroffen, einige deutlich. Und genau das sehen die Anleger und nicht etwa wo vor 17 Jahren eine Appel stand.

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