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Aktienmärkte: Abbau der Überbewertung über die Zeit?

Die Korrektur der Aktienmärkte im September war das Beste, was passieren konnte: Die extreme Spekulation auf Hightech-Werte wird abgebaut, die Glücksritter am Optionsmarkt werden vertrieben

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Nach dem gigantischen Anstieg bestimmter US-Techwerte im August, die auch die Aktienmärkte ingesamt in die Höhe gezogen haben, ist kurzzeitig Volatlität eingekehrt. Apple und Co korrigieren, die Überkauftheit der Highflyer baut sich ab, eine Branchenrotation verläuft milde und auf leisen Sohlen weiter. Ist das die Ruhe vor dem Sturm – oder eine breit angelegte Konsolidierung der Aktienmärkte?

Aktienmärkte: Der historisch schwache Start in den September

In meinem Versuch das Big Picture etwas darzustellen, habe ich vor zwei Wochen darauf hingewiesen, das eine Korrektur wird kommen müssen „weil der August nicht nur der fünfte Anstiegsmonat in Folge war, sondern für den S&P 500 der beste August seit 1986 und für den Nasdaq seit der Jahrtausendwende. Der beschleunigte, exponentielle Aufwärtstrend von Apple (plus 30 Prozent) und Tesla (plus 45 Prozent) würde ins Absurde verlaufen, mit gravierenden Gefahren.“

Die Bereinigung der Aktienmärkte hat eingesetzt, insbesondere über den Optionsmarkt und dem ungewöhnlich starken Call/Put-Ratio von Investoren. Auf FMW wurde darüber von mehreren Seiten ausführlich berichtet. Die heiß gelaufenen Big Seven wurden stärker verkauft – Tesla verlor bis zu einem Drittel an Marktkapitalisierung, Apple über 20 Prozent – der Nasdaq fiel binnen drei Tagen in den Korrekturbereich von minus 11 Prozent. Es setzte eine Schaukelbörse ein, die zum Wochenende bei den Indizes ein gemischtes Bild ergab: Hightech-Werte wurden nach einem größeren Plus wieder etwas abverkauft, damit blieb der Nasdaq weiter neun Prozent unter seinem Allzeithoch, der S&P 500, in dem die Highflyer natürlich auch notiert sind, um sieben Prozent.

Weiterhin Schaukelbörse oder Verstärkung der Korrektur?

Auch wenn Bedenken darüber geäußert werden, dass die Aufwärtsbewegung der Technologie-Titel zu Ende sein könnte, weil man nicht gleich wieder an das Ausgangsniveau herangerückt ist, so könnte man aus Sicht der Bullen auch anders argumentieren: Damit sich der Aufwärtstrend der Aktienmärkte überhaupt fortsetzen kann, ist es essenziell notwendig solche Kursexplosionen von Nasdaq und Apple über eine gewisse Zeitdauer zu korrigieren. Die Markt-schwerste Aktie der Welt notierte vor gut einer Woche 65 Prozent über ihrer 200-Tageslinie, auch beim Nasdaq waren es über 33 Prozent Abstand zum Aufwärtstrend. So etwas muss korrigiert werden, entweder über einen starken Einbruch oder über eine längere Seitwärtsbewegung, die auch etwas nach unten gerichtet sein kann. Für eine Fortsetzung des A-Trends ist das letzte Szenario eher trendbestätigend und das wesentlich gesündere Szenario. Der dominierende S&P 500 hat mehrfach seine 50-Tageslinie bei 3330 Punkten getestet, sollte diese nicht halten, wäre der 200-Tagesdurchschnitt (3100 Punkte) das nächste Ziel.

Am deutlichsten vollzieht dieses Ausatmen nach einem starken Anstieg aber eigentlich unser langweiliger Dax. Wo stand der Index am 8. Juni, vor über drei Monaten? In der Spitze bei über 12900 Punkten – und heute? – bei 13150 Punkten.

Die Wirtschaft hat sich seither doch spürbar erholt, der Vorlauf des Index kann nach und nach abgebaut werden.

Haben sich die Rahmenbedingungen geändert?

Es ist kaum zu erwarten, dass die US-Notenbank an ihrer Geldpolitik bei der Entscheidung am Mittwoch Wesentliches ändert. Man hat eher signalisiert, die Zinsen im Tief zu belassen, auch wenn sich die Inflationsrate nach oben bewegt (bis zur Rückkehr zur Vollbeschäftigung, wann immer auch das sein mag). Aspekte der Saisonalität, des Wahlzyklusses, insbesondere mit der Unsicherheit über einen Regierungswechsel sprechen ziemlich eindeutig für eine weitere Korrektur der heißgelaufenen Aktienmärkte.

Vonseiten Covid-19 ist in den USA sogar etwas Entspannung eingetreten, denn der 7-Tagesdurchschnitt bei den Neuinfektionen ist von über 77.000 Fällen, Mitte Juli, zuletzt auf gut 34.000 gesunken.

Auch wenn wir erst Mitte September haben und das 3. Quartal noch über zwei Wochen andauert, gibt es bereits die wildesten Spekulationen über das US-Wachstum in dieser Periode.

Nach einem Quartalseinbruch um 32,9 Prozent (auf Jahressicht, in amerikanischer Berechnung) rechnet GDPNow von der Notenbank von Atlanta mit einem Quartalswachstum in Q3 von über 30 Prozent, die US-Bank Goldman Sachs spricht sogar schon von 35 Prozent. Auch wenn dies noch um 10 Prozent unter dem Vorjahresstand liegen würde. Ich muss es einfach immer wiederholen: Bereits im Mai habe ich darüber geschrieben, dass wir absonderliche (finanzmathematisch verursachte) Wirtschaftsdaten sehen werden, nach einem Lockdown. Bei einer sektoralen Schrumpfung von 50 Prozent braucht es schon ein hundertprozentiges Wachstum bis zum Break Even, bei einem Einbruch der Passagierzahlen um 95 Prozent bei den US-Airlines sind selbst 200-prozentige Steigerungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Aber, sollte sich diese Schätzung als wahr erweisen: Wozu dann überhaupt ein fünftes Konjunkturpaket, die Fed hat doch schon drei Billionen Dollar in den Markt gepumpt.

Denn damit bekäme man eine fundamentale Bestätigung für eine Branchenrotation der Aktienmärkte. Diese hat bereits in kleinerem Umfang begonnen. Vergleicht man die „Industrials“ gegenüber „Technology“, auch Teilbereiche wie „Chemicals“ und „Materials“, so sind Spuren einer Trendwende zu erkennen. Ohne Verbesserung der wirtschaftlichen Situation dürfte es keinen Anstieg der Industrials und auch nicht der Banken geben. Dort wird man als Erstes sehen, ob die Rückstellungen für faule Kredite erhöht oder gesenkt werden. Und ob die vielen Zombiefirmen wirklich aufgeben müssen. Wo könnte man dies besser sehen, als bei den Bankaktien –  denn dort befinden sich die Kredite und nicht bei den Zentralbanken. Diese sorgen mit ihren Anleiheköufen nur dafür, dass die Zinsen niedrig bleiben.

Über all diese Indikationen bekommen wir in den nächsten Wochen Aufschluss, der Herbst im Corona-Jahr 2020 könnte so richtig stürmisch werden.

Fazit

Bisher könnte man eigentlich feststellen, dass die Korrektur der Aktienmärkte im September eigentlich das Beste war, was passieren konnte (und auch noch kann). Die extreme Spekulation auf Hightech-Werte wird abgebaut, die Glücksritter am Optionsmarkt aus ihren heißen Wetten vertrieben, was bis zum großen Verfall am 18. September eigentlich noch viel stärker passieren müsste. Kontrakte laufen aus, sollten die Wetten auf steigende Kurse tatsächlich weiter in neue Laufzeiten gerollt werden? Es dürfte weiterhin volatil bleiben, eine heiße Periode bevorstehen, wie Markus Fugmann es am Freitag bezeichnet hat. Bisher hat die 50-Tagelinie beim S&P 500 Future gehalten.

Wir haben diese Woche auch noch eine Fed-Sitzung, bei der es stets Überraschungspotenzial bei kleinsten Abweichungen im Protokoll zur letzten Sitzung gibt. Aber die Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte haben sich, abseits der notwendigen Bereinigung der Euphorie am Optionsmarkt und bei Einzeltiteln, noch nicht wesentlich geändert. Sowohl in der Zinslandschaft als auch beim Inflationsausblick. Zudem verbleibt immer noch der politische Wille bis zum Wahltag am 3. November, die Aktienmärkte mit allen strategischen Mitteln zu unterstützen. Zusätzlich darf der für die USA so entscheidende Konsum nicht einbrechen.

Daher bleibe ich bei meiner These, dass die große Gefahr für die Aktienmärkte von einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen ausgeht – so war es eigentlich fast immer in der Vergangenheit. Ein Anstieg der Inflation, vor der selbst der bereits 94-jährige Ex-Fedchef Alan Greenspan am Freitag gewarnt hat, würde dazu führen. Korrekturverstärkend wären in der jetzigen Lage schon ein paar Zehntelprozentpunkte Zinsanstieg ausreichend. Bei Zinsen an der Nulllinie ist es schwer, von teuren Aktienmärkten zu sprechen..

Sorgt der Faktor Zeit für den Abbau der extremen Bewertungen der Aktienmärkte?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Torsten

    14. September 2020 17:44 at 17:44

    10% Abschlag im Nasdaq ist ein Witz, nix passiert. Das war kein echter Abbau von Überbewertungen, das war der Abbau der Überbewertung von der Überbewertung.

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