Wenn die Aktienmärkte immer weiter haussieren, und die Kurse immer weiter steigen und steigen, wird es für die Mahner und Schwarzseher immer schwieriger, mit ihren Argumenten durchzudringen. Und das Problem für Fondsmanager und Vermögensverwalter ist: Man muss irgendwann auf einen fahrenden Rally-Zug aufspringen. Denn verpasst man zu viele Gewinne, ziehen Kunden ihr Geld ab, weil sie ja beim großen Rausch dabei sein wollen. Psychologisch gibt es für Anleger wohl nichts Schlimmeres als dabei zuzusehen, wie alle anderen kräftig Gewinn machen, während man selbst nicht dabei ist.
Im Chart sehen wir seit letzter Woche Freitag Abend: Risikoanlageklassen wie Aktienmärkte und Krypto fallen, aber auch der Dollar, während der „Sichere Hafen“ Gold kräftig ansteigt. Auslöser war Donald Trumps Verkündung neuer Zölle gegen EU-Staaten ab dem 1. Februar. EU-Gegenzölle könnten die Folge sein. Auch in Sachen Absicherung gegen Kursverluste wird man in einer Rally immer unvorsichtiger, je länger sie anhält. Laut einer aktuellen Umfrage unter großen Profi-Anlegern war die Wall Street auf den dieswöchigen Kurseinbruch und Trumps neue Zolldrohungen kaum vorbereitet.
Aktienmärkte-Korrektur: BofA-Umfrage zeigt nicht vorbereitete Profi-Anleger
Der plötzliche Rückgang der Aktienmärkte in dieser Woche könnte viele Anleger überrascht haben. Laut einer Umfrage der Bank of America, über die Bloomberg gestern berichtete, und die vor den Eskalationen am Wochenende über das Thema Grönland durchgeführt wurde, waren Fondsmanager so optimistisch für die Aktienmärkte wie seit Juli 2021 nicht mehr, während die Absicherung gegen eine Aktienkorrektur auf ein Achtjahrestief gefallen war.
Netto 38 % der Befragten in der Januar-Umfrage erwarteten ein stärkeres globales Wachstum als im Vormonat, schrieben die Strategen unter der Leitung von Michael Hartnett in einer Mitteilung. Die Bargeldbestände sind auf ein Rekordtief gefallen, während die Aktienallokation mit 48 % der Manager, die übergewichtet sind, auf den höchsten Stand seit Dezember 2024 gestiegen war. Das hat die Stimmungslage in der Umfrage auf den höchsten Stand seit über vier Jahren getrieben.
Die Ergebnisse ließen auch den Bull-and-Bear-Indikator der BofA auf ein „Hyper-Bull”-Niveau steigen, was darauf hindeutet, dass Anleger sich mit Risikoabsicherungen und sicheren Häfen eindecken müssen. Stattdessen gab fast die Hälfte der Teilnehmer an, dass sie nicht gegen einen starken Rückgang der Aktienmärkte abgesichert sind, was den höchsten Stand seit 2018 darstellt. „Ein geringes Maß an Absicherung am Aktienmarkt ist in einer Welt voller positiver Überraschungen irrelevant”, sagte Hartnett. „Aber es ist von großer Bedeutung, wenn sich Überraschungen plötzlich stark verändern.”
Trump mit Zöllen
Die Anleger erlebten eine solche Überraschung am Wochenende nach der Umfrage, als Präsident Donald Trump mit neuen Zöllen gegen acht europäische Länder drohte, die sich seiner Forderung widersetzt hatten, Dänemark solle Grönland an die USA abtreten. Die erneute Rhetorik eines Handelskrieges beeinträchtigte die Risikobereitschaft.
Risikofaktoren
Die Umfrage ergab, dass Investoren geopolitische Konflikte zum ersten Mal seit Oktober 2024 als das größte Risiko für die Finanzmärkte betrachten, während die Sorge um eine mögliche KI-Blase an zweiter Stelle steht. Die BofA-Umfrage wurde zwischen dem 9. und 15. Januar durchgeführt und umfasste 196 Teilnehmer mit einem verwalteten Vermögen von 575 Milliarden US-Dollar.

FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken














