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Indizes

Aktienmärkte: Allzeithoch oder Korrektur?

Es riecht nach einer Korrektur zum Monatsende, nach der Zinssenkung der Fed und dem Window Dressing

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das Ende des Monats Oktober steht bevor, ein guter Monat für die Aktienmärkte. Der S&P 500 ist bisher von 2940 auf 3022 Punkte gestiegen, der Dax sogar von 12250 auf zwischenzeitlich über 12900 Punkte.

Dazu eine Berichtssaison, die zwar nicht berauschend abläuft, aber zumindest die tiefen Erwartungen übertrifft und man erwartet einen weieren Zinsschritt am 30. Oktober. Deshalb riecht es nach meiner Einschätzung ganz gewaltig nach Gewinnmitnahmen, nach einem „Sell on good News“.

Unglaublich auch die Dax-Performance seit Jahresbeginn: Plus 22 Prozent und das in einem Börsenjahr mit einer sehr wahrscheinlichen technischen Rezession. Wäre es jetzt nicht Zeit für eine Gegenreaktion im sehr überkauften Umfeld? Die Themen der Woche:

 

Aktienmärkte – US-Berichtssaison geht in ihre Halbzeit, Dax zieht nach

Wieder werden in dieser Woche über 100 Unternehmen im S&P 500 ihre Quartalszahlen bekanntgeben. Und es kommen noch einige Schwergewichte wie Alphabet, Berkshire Hathaway, ExxonMobil, Facebook, Mastercard – und Apple.

Der Gigant Apple, der als Unternehmen mit einem Börsenwert von über einer Billion Dollar eine unglaubliche Performance in diesem Jahr hingelegt hat – plus 44 Prozent seit Jahresbeginn. Was muss man hier am Mittwoch melden? Jegliche Überraschung dürfte einen gewaltigen Einfluss auf die Indizes haben, schließlich besitzt Apple nicht nur eine große Gewichtung in den USA, sondern auch im Weltindex MSCI World.

Am kommenden Mittwoch meldet auch die Deutsche Bank ihre Zahlen für das Sommerquartal. Nach den tiefroten 3,2 Milliarden Euro in Q2, infolge des riesigen Umstrukturierungsprogramms erwartet man jetzt einen Verlust von über 800 Millionen Euro. Angesichts des Verlustes der Aktie Deutsche Bank von 40 Prozent seit dem Amtsantritt des neuen Chefs Christian Sewing, hofft man langsam auf bessere Zahlen. Die Börsenkapitalisierung beträgt nur noch knapp 15 Milliarden Euro für die Deutsche Bank, ein Winzling gegenüber JP Morgan und Co.

Melden werden ihre Zahlen zudem Covestro, Deutsche Börse, Beiersdorf, Fresenius, Bayer und Volkswagen.

 

Erste Spuren einer Stabilisierung

Es gibt sie tatsächlich die Anzeichen, die auf eine Stabilisierung der Wirtschaft hindeuten, wenngleich nur schwach.

Deutschland:

Die aktuellen Daimler-Zahlen mit ihrem Ausblick deuten auf ein Ende der Talsohle hin. Ebenso scheint sich der Chemiesektor zu fangen, wie BASF berichtete. Die Frühindikatoren haben sich ebenso stabilisiert, wie der Ifo-Index. Erstaunlich auch die zurückliegende Wochenentwicklung einiger Dax-Werte: Daimler +8,85%, Infineon +6,85%, BASF +5,25%, Siemems plus 4,20% – alles Werte aus dem Industriesektor.

USA:

Hier scheint die Industrieproduktion das nachzuholen, was in anderen Ländern schon deutlich erkennbar war, eine Schrumpfung, ausgelöst durch den durch die USA selbst entfachten Handelskrieg. Allerdings gibt es eine Frühindikation, die nachdenklich stimmt. Der Philadelphia Semiconductor Index SOX, der Index für den Halbleitersektor, steht auf einem Allzeithoch, der Chipriese Intel hat am letzten Mittwoch mit seinem Ausblick überrascht. Ein Bellwether für die Konjunktur.

Dazu passt auch eine Stabilisierung des Kupferpreises im Bereich von 5600 $, nachdem diese zwei Jahre lang gefallen war, ähnliches ist zum Ölpreis zu sagen, bei seinem Niveau von 55 Dollar. Bei weiter fallender Produktion müsste auch dieser in die Knie gehen, zumal die US-Fracker fördern, als ob es keine Industrieschwäche gäbe.

Die US-Notenbanksitzung

Bereits seit Wochen wird über die dritte Zinssenkung in diesem Jahr durch die Federal Reserve spekuliert. Und man ist sich ziemlich sicher (Federal Funds Rate preisen aktuell Wahrscheinlichkeit von 94% für Zinssenkung ein), dass diese auch beschlossen wird. Dabei könnte ein bekanntes Muster des Jahres auftreten: Die Kurse steigen im Vorfeld in Erwartung des Ereignisses, um am Tag der Sitzung und den Tage danach deutlich zu korrigieren. Auch dieses Mal? Nach den Kursgewinnen und der technischen Situation der Aktienmärkte sehr wahrscheinlich. Dass die Zinssenkung(en) kommen müssen, zeigt auch folgende Meldung:

Finanzminister Mnuchin meldet großes Haushaltsdefizit

Das US-Defizit des Jahres ist um 26 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen, auf fast eine Billion Dollar (984 Milliarden), den höchsten Zuwachs seit sieben Jahren.

Das Haushaltsdefizit beträgt 4,6 Prozent, 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Schuld daran ist natürlich die US-Steuerreform, sie sollte das Wachstum ankurbeln und damit höhere Steuereinnahmen bringen, aber was ist passiert?

Die Steuereinnahmen stiegen um 4 % auf 3,462 Billionen Dollar, die Staatsausgaben kletterten jedoch um 8 % auf 4,447 Billionen Dollar.

Historische Einordnung: Das größte Defizit gab es im Jahr 2009, inmitten der Finanzkrise mit 1,4 Billionen Dollar. Barack Obama senkte dieses bis 2016 auf 585 Milliarden Dollar. Dies war den Republikanern damals zu wenig – und was macht Trump, der zu Amtsbeginn noch versprochen hatte das Defizit auf Null herunterzufahren? Was bleibt bei solchen Zahlen der Federal Reserve anderes übrig, als das Geld extrem billig zu halten, für Staat und Verbraucher?

 

Die technische Lage

Diese Situation der Aktienmärkte der USA hat sich zugespitzt und ist ziemlich kniffelig einzuschätzen. Wir haben bereits den fünften Versuch seit Januar 2018 gesehen, über die 3000 Punkte im S&P 500 deutlich hinauszukommen – bisher gab es immer einen Rückschlag. Dieser könnte auch Anfang November kommen. Dünne Umsätze, höchstens 50 Prozent der normalen und dies bereits seit Wochen. Auf CNBC zog man am Freitag folgendes Fazit:

Die Märkten wollen entweder den Ausbruch nach oben, oder den Einbruch nach unten, dann kommt Volumen ins Geschäft. Es herrscht ein Mangel an Überzeugung und der Markt ist teuer.

Allerdings hat die Advance/Decline-Line im S&P 500 ein neues ATH erreicht.

Hinzu gesellt sich ein technisches Kaufsignal für die US-Banken. International hat sich auch Überraschendes entwickelt. Trotz aller Zeichen des Abschwungs haben die Börsen in Japan, Europa und Deutschland neue 52-Wochenhochs erreicht. Die asiatischen Börsen ein Drei-Monats-Hoch. Was preisen die Anleger ein?

Der Dax hat sich nach seinem 1000-Punkteanstieg im Oktober sehr weit von seiner 200-Tageslinie entfernt und ist dementsprechend anfällig für eine Korrektur.

 

Aktienmärkte: Das zentrale Thema Handelsstreit

In den letzten Tagen überschlagen sich die Meldungen über eine Einigung zwischen den USA und China im Handelsstreit, beziehungsweise für die „Version light“ des Phase-eins-Deals. All die genannten Themen würden drastisch an Bedeutung verlieren, sollte es Mitte November nicht zu einer Abmilderung im Handelsstreit kommen. In einem solchen Fall, also mit der Verhängung von weiteren Zöllen, käme das Rezessionsgespenst mit voller Macht zurück. Aber kann man wirklich glauben, dass der US Präsident in seiner jetzigen Notlage (Impeachmentverfahren plus Wirtschaftsschwäche) wirklich die Wirtschaft an die Wand fährt? Er sieht täglich fern – und dort wird von früh bis spät darauf hingewiesen, welch negative Folgen die US-Handelspolitik bereits generiert hat, bestätigt von der eigenen Notenbank und allen großen Wirtschaftsinstituten.

Professor Robert Shiller, der große Warner vor der Finanzkrise, sieht trotz des hohen KGVs beim S&P 500 eine Verlängerung der Hausse – wegen Donald Trump, der die Verbraucher zum Konsum animiert, dem großen Treiber der Wirtschaft.

 

Fazit: Aktienmärkte vor Korrektur?

Es riecht nach einer Korrektur zum Monatsende, nach der Zinssenkung der Fed und dem Window Dressing. Jedoch bleibe ich bei meiner These einer Jahresendrally, wohl bemerkt, nicht vom Beginn eines neuen Aufschwungs. Ganz entscheidend wird sein, ob die unterinvestierten Fonds in den Markt hinein müssen, falls die 3025-Punkte-Marke im S&P 500 kurzfristig überschritten werden kann.

Die Notenbanken verschießen gerade ihr letztes (Zins)Pulver, die Auswirkungen sind wirtschaftlich erst ein halbes Jahr später spürbar. Das wäre die Erklärung für die gestiegenen Kurse – nochmals ein kleiner Sugar Rush, nicht mehr und nicht weniger.

 

Die Aktienmärkte steigen - vor allem wegen der Fed

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Chris

    28. Oktober 2019 10:32 at 10:32

    Ich sehe eine beginnende Milchmädchen-Hausse über die ETFs.

    • Avatar

      Columbo

      28. Oktober 2019 11:01 at 11:01

      @Chris
      Haben Sie wirklich den Eindruck, daß derzeit Leute Aktien kaufen, die sich sonst nicht mit Börse beschäftigen? Taxifahrer, Friseure, Postboten, Supermarktverkäufer, Pizzabäcker, Gemüsehändler usw.? Ich gar nicht! Ich staune immer wieder, daß kaum einer beschreiben kann, was eine Aktie ist. ETFs kennt überhaupt keiner, das wäre eine besonders schwierige Millionenshowfrage.

  2. Avatar

    Roberto

    28. Oktober 2019 11:19 at 11:19

    @Columbo, ich habe auch nicht den Eindruck das die Taxifahrer, Friseure, Postboten und die Hausfrauen aktuell Aktien kaufen. Zumindest höre ich das nicht in meinem Umfeld. Aber genau das ist es ja. leider. Denn wenn diese Menschen die sonst nix damit am Hut haben anfangen Aktien zu kaufen dann wäre es ein gutes Signal das wir uns den Hochs an den Märkten nähern. Es sind also wie immer 2 Möglichkeiten offen:
    1. Die hbaen schon vor 2-3 Jahren gekauft und warten jetzt darauf endlich mit gewinn zu verkaufen und 2. sie werden erst kaufen wenn wir wirklich die nächste Euphoriestufe zünden.
    Wenn man seinen Verstand wirklich ausschalten könnte und ganz stumpf kauft, hätte man in dieser wirklich verrückten Zeit wohl Glück und könnte ordentliche Gewinne einstreichen. Ich beziehe das ausdrücklich auf das längerfristiges investieren und nicht auf das daytrading. Denn wenn wir ehrlich sind, wissen wir doch das die Notenbanken die seit nunmehr 10 Jahren die Zinsen auf Null drücken, sehr wahrscheinlich in den nächsten 10 Jahren keine Zinserhöhungen mehr machen können. Es sind solche signifikante Probleme vorhanden die eine Zinserhöhung unmöglich machen. Zumindest sehe ich das so.

  3. Avatar

    Chris

    28. Oktober 2019 11:43 at 11:43

    Zu den ETFs, diese werden stark über Stiftung Finanztest beworben.

    Laut Bankberater und Nachbarn ja, zumindest bei uns im Speckgürtel, in wie weit von aktiv gemanagten Fonds umgeschichtet wird oder die Babyboomer bereits für ihren Lebensunterhalt verkaufen, wäre zu untersuchen.

    Bei uns hat es bereits etwas vom Start der Bitcoin-Hausse, die Käufer können nicht erkären, was sie kaufen, wollen aber dabei sein.

    • Avatar

      Columbo

      28. Oktober 2019 14:07 at 14:07

      Die Masse weiß zwar noch wenig über ETFs, von den Hunderten Finanzblogs und anderen „Finanzberatern“ im Netz werden ETFs aber schon längst als die ultimative, alternativlose Lösung für jeden und alles angepriesen: Altersvorsorge, finanzielle Freiheit, praktisch risikoloser(!) Vermögensaufbau. Noch ist es nicht soweit, aber wenn ETFs(statt Goldbarren)die Titelseiten der Boulevardblätter zieren, wirds spannend, dann möchte ich vielleicht keine mehr haben.
      Oder sie sind wirklich das Investment der Zukunft. Keine Ahnung.

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