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Aktienmärkte am „Befreiungstag“ – Start einer Erleichterungsrally?

Aktienmärkte am
Händler auf dem Parkett der NYSE. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Die US-Aktienmärkte erholten sich am Dienstag und beendeten einen weiteren turbulenten Handelstag mit moderaten Gewinnen, da die Händler gespannt auf die bevorstehende Ankündigung der umfassenden Zollpläne von US-Präsident Donald Trump warten. Für den US-Leitindex S&P 500 war es bereits der zweite grüne Handelstag in Folge, nachdem er wieder an die Schwelle einer 10%-Korrektur gerutscht war. Mit seinen ständigen Zolldrohungen hat Trump die Aktienmärkte in den letzten Wochen in Schach gehalten, doch heute lässt er endlich die Katze aus dem Sack. Nach der Ankündigung der sogenannten reziproken Zölle dürfte die Unsicherheit an den Märkten nachlassen und möglicherweise die Hoffnung auf Zinssenkungen der Fed in den Vordergrund rücken.

Aktienmärkte in Erwartung der Trump-Zölle

Der S&P-500-Index, der zuvor um fast 1 % gefallen war, drehte am Dienstag um und schloss 0,4 % höher, da schwache Daten aus dem verarbeitenden Gewerbe in Verbindung mit einem rückläufigen Stellenangebot die Wetten auf Zinssenkungen der Fed anheizten. Wie Bloomberg berichtet, verstärkten geringe Handelsumsätze, die rund 20 % unter dem 30-Tage-Durchschnitt des Index lagen, die Volatilität an den Aktienmärkten. Der Nasdaq 100 stieg um 0,8 %, angeführt von Applovin und Tesla im Vorfeld der Auslieferungszahlen. Nvidia machte frühe Verluste wett und schloss den Tag mit einem Plus von 1,6%.

Nach dem schlechtesten Aktienquartal seit fast drei Jahren schwankt die Stimmung der Anleger von Tag zu Tag, da unklar ist, wie umfangreich die Zölle ausfallen werden. Am Nachmittag ist eine Stellungnahme Trumps im Rosengarten des Weißen Hauses geplant, dann wird Trump ankündigen, was er als „reziproke“ Zölle für alle US-Handelspartner bezeichnet. Der US-Präsident hatte den 2. April zum „Tag der Befreiung“ erklärt.

Die von US-Präsident Trump angekündigten neuen Zölle sollen nach Angaben des Weißen Hauses sofort nach ihrer Verkündung in Kraft treten. Die Washington Post berichtete am Dienstag, die Regierung erwäge die Einführung von Zöllen in Höhe von rund 20 Prozent auf die meisten US-Importe.

Der S&P 500, der am Montag auf ein Sechsmonatstief gefallen war, bevor er sich wieder erholte, liegt nun rund 8,5 % unter seinem am 19. Februar erreichten Allzeithoch und befindet sich damit erneut an der Schwelle zu einer technischen Korrektur. Händler rechnen mit weiteren starken Kursschwankungen, da der Cboe Volatilitätsindex  (VIX) nahe bei 22 und damit über der Schwelle von 20 liegt, die normalerweise auf wachsende Besorgnis unter den Händlern hinweist. Laut Piper Sandler erwartet der Optionsmarkt für den Index am Mittwoch eine Schwankung von 1,2% in beide Richtungen.

Aktienmärkte: Fokus verlagert sich von den Trump-Zöllen auf die Fed
S&P 500, Nasdaq 100 erleiden schlechtestes Quartal seit 2022

Ist das Schlimmste überstanden?

Zu Beginn des neuen Quartals werden die Anleger ein besonderes Augenmerk auf die großen Technologieunternehmen richten, nachdem die „Magnificent Seven“ in den letzten drei Monaten mehr als 2 Billionen Dollar an Marktwert verloren haben, nachdem die Luft aus der KI-Blase entwichen war. Ihre Dominanz hat nach den starken Kursverlusten von Tesla, Meta und Nvidia nachgelassen. Da der S&P 500 im Vergleich zum Rest der Welt das schlechteste Quartalsergebnis seit der globalen Finanzkrise 2009 verzeichnet, suchen Händler nach Anzeichen dafür, dass das Schlimmste überstanden sein könnte.

Historisch gesehen ist der April einer der besten Monate des Jahres, wenn der S&P 500 unter seinem 200-Tage-Durchschnitt beginnt. Seit den 1950er Jahren ist er durchschnittlich um mehr als 2 Prozent gestiegen“, sagt Ari Wald, Senior Analyst bei Oppenheimer.

S&P 500: Erholungsrally nach Bekanntgabe der Trump-Zölle

Für eine Erleichterungsrally spricht, dass die Märkte das Schlimmste erwarten, während die Stimmung der Anleger am Boden ist. Das ist eigentlich eine gute Ausgangslage für eine Gegenbewegung. Da die Märkte nicht wissen, wie hoch die Trump-Zölle ausfallen werden, ist die Unsicherheit hoch. Allein die Tatsache, dass diese Unsicherheit heute verschwindet, da Trump die Katze aus dem Sack lässt, könnte eine Erholung an den Aktienmärkten nach dem Motto „sell the rumours and buy the facts“ auslösen. Analysten wie Jean Boivin von BlackRock rechnen sogar mit einer baldigen Aufholjagd der US-Aktien.

Das Bild klärt sich auf

Die Wall Street dürfte in den nächsten sechs Wochen ein klareres Bild von den Märkten und der Wirtschaft bekommen. In dieser Zeit stehen zwei wichtige Arbeitsmarktberichte an, der erste am Freitag, sowie eine Reihe von Geschäftsberichten einiger der größten US-Unternehmen, beginnend mit US-Großbanken wie JPMorgan am 11. April, und dann die nächste Zinsentscheidung der Fed am 7. Mai.

„Wir hoffen sehr, dass sich die kühleren Köpfe durchsetzen und ein ausgewachsener Handelskrieg vermieden wird, aber das Risiko besteht darin, dass die Volatilität an den Aktienmärkten weiter zunehmen wird, bis wir mehr über den Umfang und die Höhe der Zölle und ihre Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne wissen“, sagte Jeff Buchbinder, Chef-Aktienstratege bei LPL Financial.

Gefahren am Arbeitsmarkt

Der Präsident der Richmond Fed, Tom Barkin, sagte, dass Trumps Zölle sowohl die Inflation als auch die Arbeitslosigkeit erhöhen könnten, was eine große Herausforderung für die Fed darstelle. Händler erhöhten ihre Wetten auf drei Zinssenkungen bis 2026.

„Die Fed sollte sich mehr Sorgen um den Arbeitsmarkt und eine mögliche Rezession machen als um eine höhere Inflation“, sagte Jim Worden, Chief Investment Officer bei der Wealth Consulting Group. „Ein proaktiver Ansatz bei den Zinsen könnte Verbrauchern und Investoren das Vertrauen geben, dass die Fed die Stimmung wahrnimmt.“

Während die Anleger auf eine restriktive Handhabung der Zölle hoffen, besteht das Risiko, dass die Unternehmen Angst bekommen und mit dem Abbau von Arbeitsplätzen beginnen, was die Aktienmärkte weiter unter Druck setzen könnte. Sollte die Ankündigung der Zölle am Mittwoch weniger schlimm ausfallen als von den Anlegern befürchtet, könnten sich die US-Aktien erholen, so Matt Lloyd, Chef-Anlagestratege bei Advisors Asset Management.

„Die Geschwindigkeit, mit der die Politik geändert wurde, hat die Anleger überrascht“, so Lloyd. „Die Besorgnis ist echt und sollte immer bestehen bleiben, aber wir sollten auch auf die negative Rückkopplungsschleife achten, die zu einem Moment der Kapitulation führen kann.“ Das wäre dann der Zeitpunkt um den Dip an den Aktienmärkten zu kaufen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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