Die Aktienmärkte haben in den vergangenen Wochen beeindruckende Höhen erklommen – doch jetzt scheint die Rally ins Stocken zu geraten. Der S&P 500 kratzt am Allzeithoch, während der Nasdaq mit neuen Rekorden glänzt. Doch hinter der scheinbaren Euphorie lauern Zweifel: Sind die jüngsten Kursgewinne noch gerechtfertigt – oder steht den US-Börsen ein Dämpfer bevor? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, warum Anleger derzeit zwischen Hoffnung und Vorsicht schwanken.
Aktienmärkte stoßen an Grenzen
Wie Bloomberg berichtet, zeigt die monatelange Rally an den US-Aktienmärkten erste Ermüdungserscheinungen. Während der S&P 500 sich nur noch wenige Punkte unter seinem Allzeithoch bewegt, bremst eine Kombination aus wirtschaftlichen Unsicherheiten und geopolitischen Spannungen die weitere Aufwärtsbewegung. Längere US-Staatsanleihen gerieten unter Druck, während Ölpreise nach dem stärksten zweitägigen Einbruch seit 2022 wieder anzogen. Der Dollar fiel auf ein Drei-Jahres-Tief.
Zwar konnte der Nasdaq 100 leicht zulegen und erreichte zusammen mit Nvidia ein neues Rekordhoch, doch insgesamt blieb die Dynamik gedämpft. Der Russell 2000 hingegen verlor 1,2 %. Gleichzeitig vergrößerte sich die Renditedifferenz zwischen 30-jährigen und fünfjährigen US-Staatsanleihen auf ein Niveau wie zuletzt 2021 – ein klares Zeichen dafür, dass Investoren auf künftige Zinssenkungen der US-Notenbank Fed wetten, während sie gleichzeitig angesichts hoher Staatsausgaben bei langfristigen Papieren Vorsicht walten lassen.

Starker Gegenwind für die Märkte
Am zweiten Tag der Anhörung von Fed-Chef Jerome Powell vor dem Kongress richtete sich viel Aufmerksamkeit auf die Aussagen Powells. Powell betonte erneut die Unsicherheiten bezüglich der Auswirkungen von Zöllen auf die Verbraucherpreise. Er sagte: „Die US-Wirtschaft ist die stärkste der Welt, und es ist sinnvoll, in Zeiten der Unsicherheit vorsichtig vorzugehen.“ Laut Carol Schleif von BMO Private Wealth hätte die Fed „ohne die durch Trumps wechselhafte Handelspolitik verursachte Unsicherheit die Zinsen möglicherweise schon im Sommer senken können“. Sie ergänzt: „Die Zinspause der Fed ist durch Zölle bedingt und nicht unbedingt Ausdruck wirtschaftlicher Stärke. Wir erwarten ein bis zwei Zinssenkungen im Jahr 2025, beginnend wahrscheinlich im September.“
In der Geschichte haben sich die US-Aktienmärkte nur ganz selten mit einer derart geballten Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert gesehen: von einem neuen Präsidenten mit ambitionierten außenpolitischen Plänen über umfassende Zölle bis hin zu Unsicherheiten im Nahen Osten. Und obwohl sich die Aktienmärkte bislang behauptet haben, wird die Luft nach oben bei den aktuell hohen Aktienbewertungen dünner. „Kein Markt bewegt sich in gerader Linie”, erklärte Matt Maley von Miller Tabak. „Die Vorstellung, dass es kurzfristig zu einer Rally-Pause kommt, dürfte allein noch keine ernsthafte Nervosität hervorrufen.“

Auch geopolitisch bleibt es angespannt: Ex-Präsident Donald Trump kündigte ein Treffen mit dem Iran an, zeigte sich jedoch skeptisch gegenüber einer diplomatischen Einigung zum Atomprogramm. Hintergrund ist eine zwischenzeitliche Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran, die einen zwölf Tage andauernden Konflikt beendete. „Die Aktienmärkte preisen ein, dass das Schlimmste im Iran-Israel-Konflikt hinter uns liegt“, so Schleif. Für die Märkte seien jedoch Themen wie „Zölle, Handel, Steuern, Inflation, Beschäftigung und Zinsen“ aktuell wesentlich relevanter.
Zwischen Euphorie und Vorsicht
Die Strategen von JPMorgan zeigen sich weiterhin optimistisch. Trotz politischer Unsicherheiten sehen sie gute Chancen für neue Rekorde an den Aktienmärkten. „Vorausgesetzt, es gibt keine politischen Schocks, glauben wir, dass der Weg des geringsten Widerstands zu neuen Höchstständen führt. Dieser Weg wird von starken Fundamentaldaten im Tech- und KI-Bereich, systematischen Käufen und neuen Kapitalzuflüssen von aktiven Investoren nach Rücksetzern getragen“, schrieb das Team um Dubravko Lakos-Bujas. Angesichts einer immer noch erhöhten Shortquote könnte sich der Short-Squeeze noch ein wenig fortsetzen, bevor ein Rückschlag droht.
Jeremy Siegel, emeritierter Finanzprofessor, ist der Ansicht, dass es aktuell viele positive Faktoren gibt, die US-Aktien nach oben treiben können. Diese nennt er im Interview mit Bloomberg.
Doch nicht alle Experten teilen diese Zuversicht. Ein leitender Händler von Goldman Sachs warnte davor, die jüngsten Gewinne allzu sorglos hinzunehmen – besonders in den schwächer aufgestellten Segmenten des Aktienmarkts. Dort würden Kursanstiege oft durch „Short Squeezes“ verursacht – also durch Leerverkäufer, die gezwungen sind, ihre Positionen zu schließen. „Wir haben vor zwei Wochen darauf hingewiesen, dass der Short Squeeze den Marktteilnehmern eine Gelegenheit bietet, Leerverkäufe neu aufzubauen – und wir glauben, dass dieser Moment näher rückt“, schrieb Louis Miller.
S&P 500: Das technische Bild ist positiv
Trotz des schwierigen Umfelds zeigt sich Craig Johnson von Piper Sandler für die Aktienmärkte zuversichtlich: „Der turbulente Hintergrund aus Zollunsicherheiten, geopolitischen Spannungen, einer Abstufung der US-Kreditwürdigkeit und steigender Staatsverschuldung war ein starker Gegenwind für Investoren. Dennoch bleibe das technische Bild positiv. Das sprichwörtliche Glas ist halb voll – basierend auf der Summe der technischen Indikatoren.“
Ein Hoffnungsschimmer: Der Nasdaq 100 beendete den Dienstag nicht nur mit einem neuen Rekordhoch seit Februar, sondern bildete auch ein sogenanntes „Golden Cross“. Dabei durchbricht der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von oben, was häufig als bullisches Signal interpretiert wird. „Golden Crosses sind nichts, worauf viele Techniker allzu viel Gewichtung setzen, aber es bleibt ein positives Momentum-Signal“, sagte Maley. Die letzten beiden Male, als dieser technische Indikator auftrat, kam es zunächst zu starken Anstiegen, bevor eine erneute Korrektur folgte.
FMW/Bloomberg
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Vielleicht sollte Donald lieber einen Deal mit Powell machen. Er lässt das mit den Zöllen sein und dafür bekommt er Zinssenkung. Spart der USA deutlich mehr Zinsen als die Zölle einnehmen.