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Aktienmärkte gegen Anleiherenditen – der klare Trend im großen Bild

Schauen wir in Langfristvergleichen auf die Aktienmärkte in Deutschland und den USA im Vergleich zu Anleiherenditen. Der begonnene Trend ist klar erkennbar.

Tradingdesk mit Bildschirmen

Schauen wir uns die Aktienmärkte im Vergleich zu den Anleiherenditen an. Man erkennt klare Trends im großen Bild. Wer im letzten Herbst der Meinung war, dass nun tatsächlich die große Zinswende in den USA kurz bevorsteht – wie es ja auch eingetreten ist mit +0,50 Prozent Zinsanhebung vorgestern – der konnte gutes Geld verdienen. Aber das ging nur, wenn man davon überzeugt war, das jahrzehntelang geltende Marktmechanismen noch Gültigkeit haben. Denn wenn Renditen für Anleihen steigen, verlieren die Aktienmärkte an Attraktivität. Wer bei den zahlreichen Aussagen der US-Notenbanker in den letzten Monaten annahmen, dass die Zinswende kommt, hätte zum Beispiel mit Leerverkäufen, Put-Optionen oder anderen Derivaten wie CFDs auf fallende Aktienkurse setzen können.

Aktienmärkte fallen deutlich wegen steigender Anleiherenditen

Wer daran glaubt, dass die Zinswende mit voller Wucht weiter rollt (wovon auszugehen ist) und die US-Renditen daraufhin noch weiter ansteigen, könnte dementsprechend auch von weiter fallenden Aktienkursen ausgehen (das war jetzt natürlich keine Handelsempfehlung). Der folgende TradingView Chart zeigt im Verlauf der letzten zwölf Monate in der blauen Linie die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen. Die Rendite ist seit Dezember von 1,48 Prozent bis jetzt auf 3,06 Prozent drastisch gestiegen. Gleichzeitig fiel der S&P 500 Index – der wichtigste Leitindex für die globalen Aktienmärkte – seitdem von 4.792 auf jetzt 4.146 Punkte – ein Verlust von 13,48 Prozent.

Chart zeigt klare negative Korrelation der Aktienmärkte gegen Anleiherenditen

Technologiewerte leiden viel stärker unter der Zinswende

Vor allem seit Anfang letzten Jahres gibt es die stark wachsende „Fraktion“ der Wallstreetbets-Trader. Viele neue Privatanleger strömten an die Börse. Und viele von ihnen, das konnte man in zahlreichen Boards nachlesen, waren plump der Meinung, dass die Aktienmärkte ja sowieso nur noch steigen würden. Denn wenn man neu an der Börse ist, und dann in den Charts auch auf die letzten Jahre zurückblickt, sieht man (vereinfach ausgedrückt) nur steigende Kurse. Viele Trader, die vor allem auf den schnellen einfachen Reibach bei Technologieaktien gesetzt haben, werden inzwischen übel Verluste eingefahren haben. Denn bei höheren Zinsen leiden vor allem Technologiewerte.

Während die Aktienmärkte auf breiter Front fallen, sieht man im Nasdaq 100-Index ganz klar, wie sehr Tech noch stärker leidet. Im folgenden Chart sehen wir nämlich den selben Einjahresvergleich der Anleiherenditen aus den USA, diesmal aber verglichen mit den Nasdaq-Index. Während die US-Rendite seit Dezember von 1,48 auf 3,06 Prozent anstieg, verlor der Nasdaq-Index von 16.561 auf jetzt 12.850 Punkte – ein Verlust von 22,4 Prozent. Das ist schon ein deutlich stärkerer Verlust als -13,48 Prozent im großen marktbreiten S&P 500-Index. Alleine gestern verlor der Nasdaq 100-Index satte 5 Prozent! Mehr zu den aktuell deutlich fallenden Tech-Kursen sehen Sie auch beim Klick an dieser Stelle im aktuellen Videoausblick von Markus Fugmann.

Nasdaq im Vergleich zu US-Anleiherenditen

Auch deutsche Aktienmärkte folgen dem Muster

Auch die deutschen Aktienmärkte folgen dem Muster. Auch wenn die EZB ihre Zinswende noch nicht begonnen hat, sind die Renditen für deutsche Staatsanleihen bereist spürbar angestiegen. Anfang des Jahres noch bei -0,12 Prozent, sehen wir aktuell 1,05 Prozent Rendite für die zehnjährige Laufzeit. Der Dax notierte Anfang des Jahres noch bei 16.276 Punkten, jetzt bei 13.799 Punkten – ein Minus von 15,2 Prozent. Auffällig ist: Während die Aktienmärkte in den USA aktuell bereits tiefer notieren als nach dem Schock zum Start des Ukraine-Kriegs, notiert der Dax aktuell noch gut 1.000 Punkte über dem März-Tief. Aber auch hierzulande zeigt die Tendenz derzeit gen Süden.

Dax im Vergleich zu deutschen Anleiherenditen

Das langfristige Bild

Im folgenden Chart schauen wir nochmal auf das noch größere Bild. Wir sehen den Dax (orange) gegen deutsche Anleiherenditen (blau) seit dem Jahr 2012. Jahrelang fiel das Zinsniveau in den Keller, und die Aktienmärkte konnten richtig kräftig ansteigen. Und zum Ende des Charts, der die letzten Monate zeigt, sehen wir die begonnene Trendumkehr.

Deutsche Aktienmärkte gegen Anleiherenditen seit zehn Jahren



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