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Aktienmärkte: Asien im Kommen, RCEP, das neue BRIC?

Sind die Aktienmärkte in Asien die Gewinner der Zukunft? Der wirtschaftliche Schulterschluss in großen Teilen Asiens durch RCEP weist den Weg

Sind die Aktienmärkte in Asien die Gewinner der Zukunft? Derzeit hat das Thema Corona-Pandemie mit all seinen Folgen für Bürger und Wirtschaft die Hoheit in den Wirtschaftsmedien. Natürlich verknüpft mit den kursierenden Impfstoffhoffnungen und dem unerträglich langen Prozedere im Zusammenhang mit den jüngsten US-Wahlen.

Was ein bisschen untergeht, ist die wirtschaftliche Entwicklung in Fernost, mit weitreichenden globalen Folgen und mit einem Kürzel zusammengefasst – RCEP.

Aktienmärkte in Asien: Eine gigantische neue Freihandelszone entsteht

RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, ist ein am Sonntag beschlossenes Freihandelssystem zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens. Mit über 2,3 Milliarden Menschen, fast einem Drittel der Weltbevölkerung, einem Drittel der Weltwirtschaft und zwischen folgenden Staaten (in Zeiten Coronas virtuell beschlossen): China, Indonesien, Japan, Philippinen, Vietnam, Thailand, Myanmar, Südkorea, Malyasia, Australien, Kambodscha, Laos, Singapur, Neuseeland, Brunei (nach Bevölkerungszahl gelistet).

Das Ganze ist natürlich ein kluger Schachzug Chinas, aber es zeigt, dass die erweiterten zehn ASEAN- Staaten auf freien Handel und eine Vernetzung der Lieferketten setzen und vor allem ist es eine Replik auf die Handelsstrategie des scheidenden US-Präsidenten.

Donald Trump war aufgrund seiner Abneigung gegenüber supranationalen Vereinbarungen dem Freihandelsabkommen TTP (Trans-Pacific Partnership) nicht beigetreten, diese Gelegenheit hat nun China genutzt. Das Reich der Mitte könnte auch der große Nutznießer dieses Abkommens sein, gefolgt von den Industriestaaten Japan und Südkorea, die von den Freihandelsabkommen profitieren sollten. Was bdeutet das für die Aktienmärkte in Asien?

Wie kann man als europäischer Anleger profitieren?

Natürlich durch die breit streuenden Länderfonds oder aber dem Trend folgend, durch die günstigen Exchange Traded Funds. Letztere gibt es natürlich schon länger aus dem MSCI-Universum für die drei großen Wirtschaften aus der neuen Freihandelszone. Chinas Aktienmärkte haben schon mächtig profitiert, schließlich wird man als einziger großer Wirtschaftsstandort das Jahr mit einem Wachstum beenden. Die Aktienmärkte haben dies vorweggenommen, Chinas CSI 300 liegt seit Jahresanfang mit 20 Prozent im Plus. Aber Vorsicht: Wer stark in der Metropole Hongkong investiert war, musste aufgrund der andauernden Proteste gegen die Führung in Peking mit einem Minus Vorlieb nehmen. Aber auch Japans Aktienmärkte haben das Verlassen der rezessiven Wirtschaftsphase goutiert und liegen etwa 10 Prozent in der Gewinnzone. Warren Buffett hat sich schon im Spätsommer mit Milliardeninvestments bei japanischen Handelsunternehmen eingekauft. Auch Südkoreas Indizes liegen bereits zweistellig im Plus, da man die Pandemie wie viele asiatische Staaten gut im Griff hat. Der asiatische Aufsteiger hat bei seinen Indizes nur ein besonderes Klumpenproblem, welches man stets als Risiko für den S&P 500 mit der Dominanz der FAANG-Aktien hervorhebt.

Der MSCI Korea wird bereits zu einem Viertel von Samsung Electronics dominiert.

Man kann natürlich auch in den MSCI Emerging Markets investieren, in dem 26 Entwicklungsländer gelistet sind. Dabei hat man natürlich auch Staaten aus Afrika und Südamerika im Portfolio und China, welches bereits einen 43-prozentigen Anteil im Index innehat. Aber es könnte bald eine andere Lösung geben, um von der neuen Wirtschaftszone zu profitieren.

Wird RCEP zum neuen BRIC?

Der wirtschaftliche Aufstieg Asiens ist bisher immer stark mit der Entwicklung Chinas verbunden worden  zurecht, denn die Zahlen des Bruttoinlandsprodukts im Reich der Mitte sind berauschend: Ein Anstieg binnen 20 Jahren von 1,205 Billionen Dollar auf 14,86 Billionen im Jahr 2020 (Quelle: statista) – was für eine Entwicklung. Dazu im Vergleich das Bruttoinlandsprodukt der USA, die bis vor Kurzem mit Abstand größte Wirtschaftsnation der Welt, mit zuletzt 21,43 Billionen Dollar (2019), welches aber im Jahr 2020 deutlich schrumpfen dürfte. Ein oft schon beschriebener Zweikampf ist entstanden: denn die Nummer drei der Welt in Sachen Marktkapitalisierung der Aktienmärkte, Japan, mit für 2020 geschätzten 4,91 Billionen Dollar trennen Welten von den beiden Führungsnationen.

Die neue Freihandelszone dürfte eine große Investmentidee für Anleger werden, mit ihren 15 Mitgliedsstaaten und der riesigen Konsumentenzahl von über 2,3 Milliarden Menschen. Wer erinnert sich nicht an das Akronym BRIC, welches für die aufstrebenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China steht und das zuerst vom Chef-Volkswirt von Goldman Sachs Jim O´Neill im Jahre 2003 verwendet wurde. Mit vielen aufgelegten Zertifikaten, mit denen man von der Entwicklung in den BRIC-Staaten profitieren konnte. Inzwischen wurde das große Thema Emerging Markets innerhalb des MSCI-Universums in einer eigenen Klasse zusammengefasst, wie erwähnt mit 26 Ländern, in denen auch viele der RCEP-Staaten enthalten sind. Wie lange wird es dauern, bis die Finanzbranche reagiert und die Wirtschaftszone in einen neuen Index zusammenfasst?

Fazit

Was für eine Perspektive. Donald Trump hat mit seiner Zerstörung internationaler Wirtschaftsbeziehungen, seinem Protektionismus und seinem taktisch unklug geführten Handelskrieg gegen China (man hätte sich Partner ins Boot holen sollen) zu einer Entwicklung beigetragen, die sich vorher schon abgezeichnet hat: Der wirtschaftliche Schulterschluss in großen Teilen Asiens. Dazu im Gegensatz im Westen das gespaltene Amerika und die inhomogene Eurozone, die zudem in eine Demographiefalle gerät und dort die Nationen, deren Bestreben es ist, zumindest mit einem Großteil der Bevölkerung in den wirtschaftlichen Mittelstand aufzuschließen. Das ist das Thema der nahen Zukunft, auch anlagetechnisch, während man sich in unseren Regionen doch sehr mit dem Anliegen „Besitzstandswahrung“ beschäftigt.

Die Aktienmärkte in Asien dürften nicht nur durch RCEP zukunftsträchtig sein



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