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Aktienmärkte: Bärenmarktrally – kommt jetzt das dicke Ende?

Eigentlich wäre alles andere als eine weitere Kurskorrektur der Aktienmärkte eine faustdicke Überraschung..

Wolfgang Müller

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am

Die jetzige Börsensituation wird von vielen Analysten mit früheren Zyklen verglichen: Einbruch der Aktienmärkte, Erleichterungsrally, erneuter Absturz und die immergleiche Verwunderung darüber, wie groß die Schwankungen ausfallen. Obwohl eigentlich nachvollziehbar, denn eine Phase der Gier sorgt für überdimensionale Verkäufe, insbesondere Zwangsverkäufe, die man anschließend korrigiert, so dass anschließend in der Hoffnung, dass es vielleicht doch nicht ganz so schlimm kommt, wieder nachgekauft wird. Bei niedrigen Umsätzen und großer Wirkung. Aber der aktuelle Zyklus ist anders als alles andere in der Neuzeit der Aktienmärkte – es gibt keine Blaupause, weil Covid-19 Reaktionen an den Arbeits- und Finanzmärkten auslöst, die nicht nur Volkswirte vor große Rätsel stellen. Sowohl Optimisten als auch Pessimisten könnten sich irren, obwohl der gesunde wirtschaftliche Menschenverstand schreit: Das kann es für die Aktienmärkte in punkto Korrektur noch nicht gewesen sein!

Aktienmärkte: Die von Covid-19 ausgelösten Börsenphasen

Als man im Februar auch in Europa mit der ganzen Problematik um das neue Coronavirus konfrontiert wurde, kam es in der Folge zu bisher einmalig blitzartigen Marktreaktionen. Im Februar/März stürzten die Aktienmärkte in bisher nie da gewesener Geschwindigkeit in einen Bärenmarkt ab. Innerhalb von gut vier Wochen wurden über 26 Billionen Dollar an weltweiter Marktkapitalisierung vernichtet, der S&P 500 – und damit fast zwangläufig auch der MSCI World – stürzten um ein Drittel in die Tiefe, bei unserem exportlastigen Dax waren es sogar 40 Prozent. Dann die Erholung durch die Bereitstellung der billionenschweren weltweiten Hilfspakete. Es folgten Kurssprünge von 20 bis 25 Prozent in den großen Indizes, so dass man schon fast wieder von einem Bullenmarkt sprechen könnte. Und danach – die Phase einer Neuorientierung.

Zusammengefasst könnte man die Börsenentwicklung in diese Phasen einteilen:

  • 20.Februar bis 23.März: Panikphase
  • 24.März bis Mitte April: Erleichterungsphase
  • Seit Mitte April: Frustrationsphase
  • Und was folgt jetzt? Realitätsphase oder neue Hoffnungsrally?

Gibt es ein historisches Vorbild?

Am ehesten wird man bei den extremen Kursavancen von 2000 bis 2001 und dann nach dem 11.September 2001 bis 2003 fündig. Bei unserem Dax gab es mehr als eine Kurshalbierung, dann ein Anstieg über 40 Prozent, gefolgt von einem nochmaligen Absturz um 60 Prozent. Ähnliche Reaktionen auch beim S&P 500 in den USA, aber bei weitaus geringeren Amplituden. Allerdings das alles in wesentlich längeren Zeiträumen.

Deshalb sind sich manche Fondsmanager sicher, dass die Märkte ihre Tiefs noch nicht gesehen haben. Eine rationale Schlussfolgerung, denn die Aktienmärkte haben sich (derzeit) von der fundamentalen Entwicklung der Wirtschaft komplett abgekoppelt und sie deuten in ihrer Bewertung eigentlich auf keine Rezession mehr hin und erst recht nicht auf eine tiefe.

Die Besonderheit des jetzigen Wirtschaftseinbruchs

Was man in keiner Weise unterschätzen darf. Das Coronavirus hat in der Wirtschaftswelt zu einem Shutdown geführt, der manchen Indikator weit über 50 Prozent in die Tiefe gerissen hat. Dies gab noch nie außerhalb von Kriegszeiten, dass ganze Branchen innerhalb weniger Tage nahezu auf null heruntergefahren wurden oder hätte jemand jemals erwartet, dass die großen Fluggesellschaften Ihrem Betrieb um 95 Prozent einstellen werden, ohne dass es vorher zu weltweiten Vulkanausbrüchen oder Luftkriegen gekommen wäre? Oder wenn die Automobilindustrie wegen des Lockdowns und fehlender Lieferketten die Werke stilllegen, so kann es eben keine rezessionsüblichen Produktionskürzungen geben, sondern den ganz großen historischen Cut. Es klingt immer sehr dramatisch, wenn von historisch niedrigen Indikatoren (den tiefsten seit 2008, 1987 oder 1929) die Rede ist. Wenn ein Werk wegen des Infektionsschutzgesetzes geschlossen wird, sind die Umsätze nahe oder gleich null, aber wenige Wochen/Monate später kommt es vielleicht zu einem astronomisch klingenden Umsatzanstieg.

Das bedeutet aber auf die Fluglinien bezogen auch, dass wenn der Flugbetrieb vom jetzigen Niveau aus um 200 Prozent steigen würde, er immer noch um etwa 80 Prozent unter dem vorherigen Niveau läge. Deshalb wird es bei einer Rückkehr zu einer halbwegs normal funktionierenden Wirtschaft zu absonderlichen Steigerungen der Indikatoren kommen und zu einem allgemeinen Staunen – eben wegen der Finanzmathematik.

Aktienmärkte: Covid-19, die entscheidende Determinante

Damit ist aber auch klar, wer oder was in der jetzigen Phase die Verfahrensherrschaft besitzt. Je länger die Lockdown-Maßnahmen andauern, desto tiefer wird der wirtschaftliche Schaden. Der IWF geht davon aus, dass für den Fall eines Lockdowns, der über das erste Halbjahr hinausgeht, die Weltwirtschaft um weitere 3 Prozent schrumpfen wird, bei einer Verlängerung bis 2021 könnten weitere 8 Prozent dazu kommen. Da sich weltweit Virologen und Ökonomen in einem Wettstreit um das wahrscheinlichste Szenario befinden, sind Prognosen über Wachstum und Konjunktur von unglaublich minderer Güte – derzeit ein Stochern im Nebel.

Gibt es ein „U“ oder doch ein „L“ im Konjunkturverlauf? Wir wissen es nicht, noch weniger als bei früheren Rezessionen.

Erste Lockerungen des Lockdowns – stoppen sie den Fall des Ifo?

Einige Marktbeobachter zweifeln darüber, ob die jetzt angestrebte schrittweise Aufhebung der Ausgangs- und Produktionsbeschränkungen auch bereits der Anfang der Rückkehr zur Normalität ist. Eine erste Indikation gab aber vor drei Tagen der ZEW-Index (Stimmung der Finanzprofis), der in seiner Erwartungskomponente im April um sagenhafte 77,7 Punkte gestiegen war (von minus 49,5 auf 28,2, ein erster Beweis für meine gerade geäußerte These über die kommenden Indikatoren).

Die Finanzmarktexperten sehen Licht am Ende eines langen Tunnels, man erwartet für das dritte Quartal wieder ein positives Wirtschaftswachstum, so das offizielle Statement.

Viel aussagekräftiger ist jedoch der für heute erwartete Ifo-Index, eine Befragung von 9000 deutschen Unternehmenschefs.

Im letzten Monat war das Barometer von 96 auf 86,1 Punkte gefallen, der stärkste jemals gemessene Rückgang. Für diese Woche werden 77 Punkte erwartet. Hinterlassen die ersten zaghaften Maßnahmen zum Wiedereinstieg in die Produktion (z.B. in der Automobilwerke) Spuren in der Erwartungskomponente?

Nochmals zur Einordnung: Der Index hatte in seiner Historie noch nie unter 80 Punkten notiert. Der Jahresdurchschnittswert bei der Finanzkrise 2009 betrug 85,2 Punkte. Wie FMW gestern Abend berichtete, rechnen die Unternehmen bei der aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts damit, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens rund 3,9 Monate lang dauern werden. Mit deutlichen Auswirkungen auf die Beschäftigungslage.

Was werden die Aktienmärkte daraus machen?

Wobei wir wieder beim leidigen Thema Zukunftsorientierung der Aktienmärkte wären. Auch in der letzten Finanzkrise hatten Märkte die Wirtschaftserholung vorweggenommen, als die Nachrichten noch am schwärzesten waren. Aber heute, bei einer unkalkulierbaren Pandemie? Eigentlich müssten erfahrungsgemäß vor einem Börsenaufschwungs zunächst die Gewinnschätzungen von Analysten deutlich abgesenkt worden sein und das ist derzeit noch nicht geschehen. Aber was hilft die ganze Erfahrung in der heutigen Situation um Covid-19? Unsicherheiten allerorten und so etwas mögen die Börsen nicht. Deshalb spräche eigentlich viel für eine „W“-Formation, ohne klare Vorstellung von den oberen und unteren Umkehrpunkten.

 

Fazit

Eigentlich wäre alles andere als eine weitere Kurskorrektur an den Märkten eine faustdicke Überraschung. Wenn man sich die Aussichten mancher Fondsmanager betrachtet, spürt man extreme Zurückhaltung, ja Misstrauen gegenüber dem Aufschwung. Allerdings ist dieser Bias eigentlich schon wieder ein Zeichen, dass es demnächst nicht weit nach unten gehen sollte. Auch wenn es zum Himmel schreit: die Höhe der Aktienkurse und die Gewinnsituation der Unternehmen passen hinten und vorne nicht zusammen.

Es spricht einiges dafür, dass wir in den kommenden Handelstagen doch eine turbulente Phase an den Aktienmärkten bekommen könnten. Die US – Berichtssaison kommt in eine entscheidende (Realitäts)Phase mit den Berichten und Aussichten der ganz große Technologieaktien: Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft müssen Farbe bekennen. Es wurde schon öfters auf die ungewöhnliche Konstellation in der Marktkonstellation des S&P 500 hingewiesen. Die fünf Tech-Giganten repräsentieren 20 Prozent des billionenschweren Weltleitindex oder anders ausgedrückt ein Hundertstel der Aktien stehen für ganze 20 Prozent der Marktkapitalisierung. Erinnerungen werden wach: Hatten wir am Ende der Dotcom-Blase nicht schon so etwas Ähnliches? Als Cisco, General Electric, Intel, Microsoft und Walmart 18 Prozent des Index ausmachten? Ein Realitätsscheck steht an.

Die Aktienmärkte steigen trotz schlimmer ökonomischer Realität

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Axel

    24. April 2020 11:13 at 11:13

    Vielleicht lauert im Hinterstübchen der Investoren ja eine mögliche folgende Bankenkrise und die jetzige Positionierung ist schon der Vorbote eines Crack Up Boom Scenarios…Und da ist man doch besser raus aus Bargeld…

  2. Avatar

    Ehlers

    27. April 2020 12:47 at 12:47

    …die Welt wird sich weiter drehen

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Aktienmärkte: Noch ein kleiner Spekulationsschub, dann Korrektur?

Viele Indikatoren deuten auf eine typische Korrektur der Aktienmärkte im Januar/Februar hin. Dann kann diese Korrektur ziemlich heftig werden!

Wolfgang Müller

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Viele Indikatoren deuten auf eine typische Korrektur der Aktienmärkte im Januar/Februar hin, Tag für Tag bei FMW aufgelistet. Auch die aktuelle Umfrage unter den großen Fondsmanagern im monatlichen Fund Manager Survey der Bank of America, bekräftigt diese Annahme noch einmal eindrücklich. Auch wenn diese Veröffentlichung, früher einmal ein Geheimtipp, schon zu sehr verbreitet wird und somit keinen großen Nutzwert mehr besitzt (weil von zahllosen Investoren bereits verarbeitet), so gibt es darin auch gelegentlich Erkenntnisse, die von Bedeutung sein werden.

Aktienmärkte und die Kernbotschaften des aktuellen Fund Manager Survey

  • Most crowded Trade: 36 Prozent Bitcoin, 31 Prozent Long Tech, 23 Prozent Short US-Dollar 23 %, zum ersten Mal seit Oktober 2019, dass Tech nicht in Führung liegt
    Kein Wunder, nach den Exzessen bei Bitcoin.
  • 87 Prozent der Manager erwarten eine steigende Inflation, der höchste Wert seit ewigen Zeiten! Nicht sehr überraschend, wurde vor 10 Monaten nicht die Produktion in großen Teilen der Welt lahm gelegt, wie nicht einmal während der Weltkriege.
  • 83 Prozent erwarten eine Versteilung der Zinskurve
  • 41 Prozent sehen in den nächsten 12 Monaten Value vor Growth
  • Als größte Gefahren werden Probleme bei der Auslieferung von Impfstoffen gesehen, die Aktien-Bubble an der Wall Street und eine nachlassende Unterstützung durch die Federal Reserve.
  • Die Cashquote befindet sich mit 3,9 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 2013.

Durch die Bekanntheit dieser Umfrage und die gleichzeitige Veröffentlichung über die sozialen Medien, hat der Fund Manager Survey allerdings sehr an Validität verloren. Wenn das große Kapital seine Investmententscheidungen der Öffentlichkeit präsentiert, ist man schon längst bei niedrigeren Kursen der Aktienmärkte eingestiegen und hofft, dass viele andere auf den Zug aufspringen, um….! Man wird kaum eigene Entscheidungen vorher kommunizieren.

Vergessen wir nicht, die aktive Fondsbranche kassiert bis zu zwei Prozent Investmentgebühren auf das angelegte Kapital, ob die Kurse steigen oder fallen, die Cashcow der Finanzbranche. 2019 betrug die Anlagesumme über 22 Billionen Euro. Dazu noch die Milliarden an Handelsgebühren an den Börsen, ob Aktien, Anleihen, Optionen oder Rohstoffe.

Die Gefahrenkonstellation am US-Aktienmarkt

Sollte es aus irgendeinem Grund, der wie immer nicht voraussehbar ist, zu Gewinnmitnahmen der Aktienmärkte kommen, so hat sich derzeit eine Gemengelage entwickelt, die ziemlich schnell trendverstärkend wirken kann:

1. Das hohe Gamma Exposure

Aktienmärkte und das Gamma Exposure

Wenn sich Anleger stark in Call-Optionen engagieren, ist der Stillhalter gezwungen die Position abzusichern, egal wie hoch der Kurs einer Aktie (des Underlyings) bereits steht.

Sollten Gewinnmitnahmen einsetzen, werden die ersten Tranchen der hohen Call-Bestände reduziert, die Market Maker lösen ihre Absicherung auf – die Aktien werden verkauft und der Trend verstärkt sich.

2. Der hohe Margin Debt

Aktienmärkte und Margin Debt

Ein Anstieg der Inanspruchnahme von Wertpapierkrediten von 50 Prozent in acht Monaten und damit in ähnlicher Größenordnung wie in den Jahren 2000 und 2007, dies ist ein absolutes Warnzeichen für die Aktienmärkte. Ein untrügliches Zeichen für Euphorie und Sorglosigkeit.

In einem fallenden Markt meldet sich der Broker rasch mit einem Margin Call (Nachschussverpflichtung) d.h. Liquiditätsbeschaffung durch Verkäufe von Assets. Was immer dazu führt, dass auch andere Anlageformen leiden, weil Kapital benötigt wird, um das Depot auszugleichen. Je größer die Beleihung, desto extremer der Verkaufszwang.

3. Das extreme Put/Call-Ratio

Weiterhin besteht hier eine extreme Positionierung in Calls, bei gleichzeitig geringer Absicherung der Depots. FMW berichtet darüber seit Wochen. Vor allem junge Anleger werden in Optionen gelockt, weil hier höhere Gebühren winken.

4. Der niedrige Cashbestand der Investmentfonds

Aktienmärkte und der Cash-Bestand der Profi-Anleger

Die niedrigste Cashquote von 3,9 Prozent seit acht Jahren hat in einer solchen Situation folgende Auswirkungen: es fehlt die stützende Hand, weil einfach zu wenig Kapital zum Nachkaufen vorhanden ist und die Großen sowieso mit einer Korrektur der heiß gelaufenen Aktienmärkte rechnen.

Dies alles in Kombination bildet einen überaus giftigen Cocktail.

Russell 2000, ein möglicher Auslöser für eine Korrektur?

Was hat dieser Nebenwerte-Index in den USA für eine Rallye hingelegt! Seit Anfang November, infolge von Wahlausgang und Impfstoff Entwicklung, erfolgte eine Branchenrotation hin zu den Small Caps, die den Index in wenigen Wochen von 1540 auf 2150 Punkte katapultierte. Alles wurde gekauft, ob profitabel oder nicht – und die 200-Tage-Linie verläuft in selten gesehener Tiefe unterhalb den aktuellen Indexstände.

Bei einer Korrektur sind die Dickschiffe und der S&P 500 zwar nicht unmittelbar betroffen – mittelbar aber schon, denn auch hier winkt der Margin Call und man könnte gezwungen sein, bei Tesla und Co Gewinne mitzunehmen.

Fazit

Eigentlich wäre alles für eine zumindest zeitweilige Bereinigung der Aktienmärkte vorbereitet, wenn da nicht schon wieder das Helikoptergeld aus Washington wäre – siehe den heutigen Artikel zu „Stimulus-Schecks und Börsenhype“ (wird im Laufe des Tages veröffentlicht).

Noch ein Schub der Aktienmärkte, dann die Korrektur?

 

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Finanznews

Börse: Der Tag X ist da! Videoausblick

Was hat Trump der Börse gebracht – und mit welchen Voraussetzungen startet der neue US-Präsident Biden? Entscheidend ist der Dollar!

Markus Fugmann

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Die Börse fokussiert sich heute auf die Machtübernahme durch Joe Biden – und auf das, was er unmittelbar nach Übernahme der Macht anordnen wird. Trump hingegen noch einmal mit einer Abschiedsbotschaft – aber seine politische Karriere ist wohl unwiderruflich vorbei. Was hat Trump der Börse gebracht – und mit welchen Voraussetzungen startet der neue US-Präsident Biden? Die Börse hat hier eine eindeutige Einschätzung – aber liegt sie damit richtig? Der gestrige Handelstag hat ein Muster bestätigt: wenn der Dollar schwach ist, steigen die Aktienmärkte – und umgekehrt. Sollte es heute keine Ausschreitungen im Umfeld der Amtsübernahme Bidens kommen, dürfte das für die Märkte zunächst positiv sein..

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Indizes

DAX daily: Dax in der Zwickmühle – Abwarten lautet die Devise

Stefan Jäger

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am

Nach einem deutlichen Plus zum gestrigen Handelsbeginn gibt der Dax seine Gewinne wieder ab und rutscht sogar ins Minus. Vorbörslich ist der Kurs am Widerstandsbereich bei 13.960 abgeprallt, danach ging es vom Tageshoch bei 13.940 kontinuierlich bergab. Mit der Eröffnung der US-Börsen hat sich der Abwärtsdrang nochmal erhöht, dabei wurde ein Tagestief bei 13.804 Punkten erzielt. Der gestrige Handelstag ging schließlich mit einem Minus von 33 Punkten (-0,24%) bei 13.815 zu Ende. Für die Bullen ist es dennoch ein gutes Zeichen, dass die Unterstützung bei 13.800 gehalten hat. Ein Tagesschlusskurs darunter würde nämlich tiefere Kurse mit sich bringen. Dementsprechend sollte die Zone auch heute wieder beachtet werden.

Abwarten – lautet weiterhin die Devise der Dax-Anleger. Der deutsche Leitindex befindet sich in einer Zwickmühle zwischen der Hoffnung auf Besserung und den aktuellen Unsicherheiten. Nach wie vor beunruhigt die Nachrichtenlage rund um die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Lockdown-Maßnahmen. Auf dem gestrigen Corona-Gipfel wurden wie erwartet verschärfte Regeln sowie eine Verlängerung des Lockdowns verabschiedet. Das geht natürlich nicht spurlos an der Wirtschaft vorbei, Experten rechnen damit, dass die neusten Restriktionen das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal um 1 Prozent mindern. Vorsicht herrscht heute auch angesichts der Amtseinführung von Joe Biden in den USA.

News und fundamentale Daten

Datenseitig gibt es heute nicht so viel zu berichten, aber mit der Amtseinführung von Joe Biden als neuer US-Präsident steht das Highlight dieser Woche auf der Agenda. Zuvor erscheinen noch die Erzeuger- und Verbraucherpreise aus Deutschland und der Euro-Zone. Den Auftakt hat vor wenigen Minuten der Erzeugerpreisindex (Dez) aus Deutschland gemacht. Die Preise sind aus Sicht der Verkäufer um 0,8% angestiegen, das ist weit mehr als die erwarteten 0,3% (vorherig 0,1%). Die Anzeichen einer anziehenden Inflation mehren sich. Anschließend wird um 11:00 Uhr der Verbraucherpreisindex aus der Euro-Zone veröffentlicht, hier wird aber mit einem Rückgang von 0,3% gerechnet.

Zudem sehen wir auch heute wieder Quartalszahlen einiger Unternehmen. Zum einen veröffentlicht der Zulieferer für die Halbleiterindustrie ASML Holdings seine Daten. Außerdem öffnen die Investmentbank Morgan Stanley, der Versicherer United Health sowie der Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble ihre Bücher.

Heute heißt es – goodbye Donald Trump – welcome Joe Biden. Später findet die Amtseinführung von Joe Biden zum 46. Präsidenten der USA statt. Washington hat sich deshalb zu einer Festung formiert. Das Militär sowie zahlreiche Polizisten und Sicherheitskräfte sollen das Kapitol schützen, damit nicht noch einmal eine Katastrophe wie am 6. Januar geschieht. Man darf gespannt sein, ob und wie die US-Börsen auf das Event reagieren. Erneute Unruhen könnten folglich auch den Dax belasten.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Der Dax notiert im frühen Handel leicht über seinem gestrigen Schlusskurs. Kann er sich über der Marke von 13.804 halten, dann dürfte er wieder die Aufwärtsrichtung aufnehmen. Im Bereich zwischen 13.868 und 13.892 läuft er in eine erste Widerstandszone. Überwindet er diese, dann ist der Weg zum gestrigen Tageshoch bei 13.940 frei. Um wieder zur 14.000er Marke zu gelangen, muss der Dax allerdings noch das 61,8% Retracement bei 13.958 überschreiten. Darüber liegt bei 14.029 das nächste Extensionsziel.

Unterhalb von 13.800 könnte sich der Abwärtsdruck jedoch erhöhen und den Dax zunächst zur 13.700 bringen, bevor es nochmal zum Tief von Freitag  bei 13.672 geht. Findet er auch dort keinen Halt, dann rückt die Unterstützung bei 13.600 in den Fokus. Im Bereich bei 13.630/600 war der Dax zuvor immer wieder unterstützt. Hier sollte er wieder drehen, ansonsten droht ein Bruch des Tiefs bei 13.564. Damit wäre auch im Tageschart eine Trendumkehr bestätigt.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Ausblick 20.01. - H1-Chart - Dax in der Zwickmühle

Dax Unterstützungen (US):

13.804 – Punkt 1 Topbildung (H4)

13.700 – Punkt 2 Bodenbildung (H1)

13.672 – Tagestief 15.01.

13.600/630 – US-Zone

13.566 – Tagestief 05.01.

Dax Widerstände (WS):

13.870 – vormals US

13.958 – 61,8% Retracement (14.131 – 13.672)

13.988 – offenes Gap 14.01.

14.000 – psychologische Marke

14.029 – 161,8% Extension (13.670)

14.049 – Gap 08.01.

14.115 – 127,5 % Extension

14.131 – Tageshoch 08.01.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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