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Aktienmärkte: Berichtssaison als Gefahr für die Rally?

 

Die Aktienmärkte in den USA steigen und steigen

Es kam wie es kommen musste, der Monat Juli startete mit neuen Höchstkursen der Aktienmärkte. Frisches Geld von Abermillionen Sparplänen bei den immer populärer werdenden ETF-Sparplänen taten ihr Übriges, der saisonale Effekt scheint einzutreten. Jetzt kommt aber langsam die Berichtssaison zu Q2, die viel Bisheriges in den Schatten stellen soll, so hoch sind die Erwartungen. Die Gefahr für die Hausse der Aktienmärkte?

Aktienmärkte: Die letzten Ereignisse

Eigentlich gibt es allen Märkten derzeit nur zwei Themen, die größere Marktbewegungen hervorrufen können: Wie hoch steigen die Inflationsdaten in allen Segmenten – und führt dies zu Hinweisen, ab wann die Notenbanken ihre ultralaxe Geldpolitik etwas zurückfahren werden.

Demzufolge war die Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten am Freitag ein Ereignis, welches die scheinbare Apathie der Aktienmärkte nicht beenden wird: 850.000 neue Stellen, etwas mehr als erwartet, aber nicht zuviel, Stundenlöhne (+0,3%) im Bereich der Erwartungen und keine Bestätigung dafür, dass in den USA aberwitzigige Saläre geboten werden müssen, um Arbeitskräfte zu aquirieren.

Jetzt haben auch 26 US-Bundesstaaten die Sonderarbeitslosenhilfe eingestellt, die für ein Viertel der US-Arbeitslosen höhere Einkommen erbracht hatten, als durch ihre reguläre vorherige Arbeitsstelle. Wenn man dies mathematisch beleuchtet, so relativieren sich manche Schlagzeilen. Wenn sechs Prozent von circa 150 Millionen US-Arbeitnehmern, die arbeitslos sind, die großen Schecks der Regierung fehlen, was hat dies für einen Effekt auf die künftige Kaufkraft (sowie die Inflation)? Selbst, wenn man jetzt ein paar Hunderttausend Neubeschäftigten im Gaststättengewerbe und im Dienstleistungssektor Stundenlöhne bis 20 Dollar bezahlen muss, um den Mangel in der Reopeningphase auszugleichen.

Natürlich gab es für die staatlichen Wohltaten einen wichtigen Grund: Man wollte den Konsum aufrechterhalten, jenen 16 Billionen-Dollar-Moloch mit seinem 70-Prozent-Anteil am US-BIP. Dazu habe ich erst in der Vorwoche in einem Artikel zur US-Konjunktur Übersichten hierzu präsentiert.

Die Frage ist jetzt nur, wie lange die Arbeitslosen mit ihren Reserven auskommen werden.

Die letzten Arbeitsmarktdaten führten auch zur Gewissheit der Marktteilnehmer, dass die Federal Reserve nicht vor dem 27. August beim Treffen in Jackson Hole mit der Bekanntgabe der Schritte für ein Tapering beginnen wird.

Die Folgen für die Aktienmärkte:

Der über 33 Billionen Dollar schwere Leitindex S&P 500 stieg am Freitag den siebten Tag in Folge, das 36. Allzeithoch in diesem Jahr. Und die 10-jährige US-Staatsanleihe fiel auf 1,431 Prozent. Wann kommt die Einpreisung der dauerhaft höheren Inflationsraten?

Natürlich bekamen die Growth-Titel wieder einen Push, man rotiert ständig zwischen Growth und Value – aber das Geld bleibt im Markt, bei den derzeit herrschenden aberwitzig hohen negativen Realrenditen.

Die vier Mandate der US-Notenbank: jetzt auch Stabilität der Akienmärkte

Was eigentlich scherzhaft gemeint war, die Ausweitung des Auftrags der US-Notenbank auf vier Bereiche – Preisstabilität, Vollbeschäftigung, Stabilität der Aktienmärkte und dauerhaft niedrige Zinsen – scheint tatsächlich derzeit das Mantra der Notenbank darzustellen. Man will die Gewissheit haben, dass die US-Wirtschaft (der Konsument) ohne staatliche Stützung auf eigenen Beinen stehen kann.

Man fürchtet sich vor einem Taper Tantrum und man will auch die finanzielle Repression aufrechterhalten. Die relative Entschuldung des Staates auf Kosten der Geldsparer kann doch nur dann Sinn machen, wenn die Wachstumsraten hoch, die Zinsen niedrig und die Inflation kontrolliert hoch ist, anders entwertet sich die Schuldenlast eben nicht. Das historische Beispiel sind die zehn Jahre nach 1945, wo dies den USA und Großbritannien gelungen war. Aber dazu muss die Wirtschaft auch liefern und das wird das eigentlich spannende Thema des Monats Juli.

Die Bedeutung der Berichtssaison

Ist das Beste schon n die Aktienmärkte eingepreist, könnte man fragen, wenn man sich die Entwicklung des S&P 500 und der Prognosen für die Unternehmensergebnisse in diesem Jahr betrachtet? Über 50 Prozent im ersten Quartal, plus 63 Prozent (erwartet) für die Gewinne in Q2, 22 Prozent für Q3 und 17 Prozent für das Abschlussquartal.

Der berühmte Basiseffekt nach der Pandemie, nicht nur bei der Inflation. Aber was würde passieren, sollten diese Gewinnschätzungen tatsächlich Realität werden? Die Bewertung des mit Abstand größten Index der Welt würde in Richtung KGV 20 fallen, vorbei wäre es mit der übergroßen Blasentheorie beim großen Aktienmarkt.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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7 Kommentare

  1. Wie erwähnt, alles im grünen Bereich, keine Gefahr für die Aktienmärkte weit und breit!

  2. Die Gefahr der Beendigung der Aktienrally schätze ich als sehr gering an. Bis man weis, ob die Inflationszahlen dauerhaft oben bleiben, geht mindestens noch ein 1/2 Jahr ins Land. Des Weiteren, zeichnet sich ab, dass die Unternehmen die hohen Erwartungen nicht erfüllen, dann werden die Analystenschätzen kurzerhand vor den Zahlen runter gesetzt. So geht financial Engineering. Demnach steht der Sommerrally nichts im Wege.

    Bevor ich es vergesse, man kann in Financial Engineering auf der International School of Management in München den Master machen. Der Abschluss Ist staatlich anerkannt.

  3. „Und die 10-jährige US-Staatsanleihe fiel auf 1,431 Prozent. Wann kommt die Einpreisung der dauerhaft höheren Inflationsraten?

    Natürlich bekamen die Growth-Titel wieder einen Push, man rotiert ständig zwischen Growth und Value – aber das Geld bleibt im Markt, bei den derzeit herrschenden aberwitzig hohen negativen Realrenditen.“

    Hallo Wolfgang, eine negative, hohe, sogar aberwitzige Realreandite, ist aber doch keine Rendite ? Oder ? ;D :D

    Ich sehe schon , liebe Bären, Ihr wollt, dass der Markt fällt ?

    Nur wie soll das funktionieren, bei diesen aberwitzig hohen negativen Realrenditen ?

    Das wird wohl nix, und : meines Erachtens übertreiben die Amis beim Aktienmarkt.

  4. Und wer in die AAA-Anleihe Klasse investiert, bzw. investieren muss (!!), den kann man nur gratulieren..

    Da ist mein Verlust zu 99 % vorbestimmt, was machen eigentlich die Lebensversicherer ?

  5. „wenn es zu einer Korrektur von 10 Prozent und mehr kommt? In Gold mit seinem Volumen von 8 Billionen Dollar, oder in die Geldmärkte mit Negativrealrenditen von drei Prozent und mehr“…wenn es zu einer Korrektur kommt, dann sind Gold und Geldmarkt doch keine schlechte Wahl…lieber kurzzeitig 3% Negativrealrenditen als 10% Minus am Aktienmarkt…die Großen werden das als reine betriebswirtschaftliche Komponente betrachten…

  6. Und , um das sagen :

    wenn die 2 größten Notenbanken der Welt sagen, „Corona ist vorbei“, dann, dann werden die Anleihemärkte „anspringen“, das funktioniert natürlich nur gemeinsam.

    Sollte aber kein Problem sein, weil der Donald nicht mehr da ist. :D

    1. Aber genau um diese Aussage (bzw. deren Konsequenzen) drücken sich die Notenbanken mit aller Macht, gerade weil sie ein Anspringen der Anleihemärkte fürchten. Also schwurbelt man von „substantiellem Fortschritt“, den man erst sehen müsse, bevor man über das Nachdenken über das Nachdenken über Tapering beginnen könne.

      Das Einzige, was die Notenbankpolitik ändern könnte (nicht: muss), wäre eine längerfristig höhere Inflation.

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