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Aktienmärkte: Billiger Dax gegen teure US-Indizes

Wolfgang Müller

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am

Seit einiger Zeit ist schon eine deutliche Divergenz der Aktienmärkte zu erkennen: Während der Dax nach wie vor nicht sein Allzeithoch nicht erreicht hat,  eilen die großen US-Indizes von Rekord zu Rekord (auch wenn es am Freitag nur zaghaft nach oben ging, (Dow Janes plus 0,2 Prozent, Nasdaq plus 0,3, Prozent, S&P 500 plus 0,4 Prozent). Damit sind die Aktienmärkte der USA seit Jahresbeginn schon wieder drei Prozent im Plus. Und das nach über 28 Prozent in 2019 und fast 400 Prozent seit dem Märztief des Jahres 2009. Die Kursavancen des Dax sehen im Vergleich dazu doch recht bescheiden aus, wenn man das letzte Jahr einmal außen vor lässt.

Aktienmärkte: die unheimliche US-Aktienhausse

Am Montag wird die Aktienrally in den USA erst einmal eine Pause machen müssen, wegen des Martin Luther King-Feiertags bleiben die Börsen geschlossen. Zeit, um darüber nachzudenken, ob die Aktienkurse der Realität nicht doch zu weit einteilt sind!

Hierzu kursierte am Wochenende eine Statistik in den Medien, die die Dimension der durch Fed-Politik und Aktienrückköufe verursachte Aktienhausse so richtig einordnet. Die britische Investmentbank Panmure Gordon hat herausgefunden, dass es in den USA in den letzten 10 Jahren keinen einzigen Handelstag gab, an dem der Index 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch notierte. In Europa hingegen war dies an 315 Börsentagen der Fall – eine US-Super-Hausse auch im Vergleich zu früheren Jahrzehnten. Aber das Verrückte daran ist: Die Aktienrückkäufe haben dafür gesorgt, dass das KGV nach offizieller Lesart mit 18,5 noch nicht einmal in astronomischen Größenordnungen verweilt. Selbst Apple hat nach seiner Kursexplosion derzeit „nur“ ein KGV von 25 und liegt damit auf dem Niveau unserer europäischen Nestlé -Aktie.

Was macht Deutschland? Aktienmärkte und Konjunktur

Knapp zwei Jahre ist das Dax-Hoch von 13.597 Punkte (Schlusskursbasis) bereits alt – und seither bemüht man sich vergeblich diese Marke zu überbieten. Klar gab es im letzten Jahr die Sorge der Aktienmärkte vor einer Rezession, die aber durch die letzten statistischen Daten etwas ad acta gelegt wurde. Das Statistische Bundesamt hat es letzte Woche bestätigt: Mit 0,6 Prozent Wachstum erlebte Deutschland 2019 sein schwächstes Wachstum seit 2013 (damals 0,4 Prozent) – aber das ist eben keine Rezession, wenngleich die Wachstumsraten 2017 mit 2,5 und 2018 1,5 Prozent deutlich höher waren.

Wie schon häufig berichtet, sind Konsum und Bauwirtschaft die großen Stützen der deutschen Wirtschaft, während der Produktionssektor sich immer noch im rezessiven Bereich befindet. Aber auch in Deutschland hat der Konsumsektor einen wesentlich höheren Anteil am Bruttoinlandsprodukt als das verarbeitende Gewerbe. Dennoch hat der Dax mit seinem 25 Prozentanstieg 2019 schon viel vorweggenommen – wenngleich das KGV von 15 bis 16 noch nicht übertrieben hoch erscheint, vor allem im Vergleich zum Rentenmarkt (bei dem ein KGV aufgrund der Minusverzinsung gar nicht mehr feststellbar ist!).

Für das vierte Quartal sieht man in den Zahlen des Statistischen Bundesamt Zeichen einer leichten Erholung, die auch in manchem Frühindikator schon zu erkennen ist. Der vielbeachtete Ifo-Index stand im Dezember auf einem Sechsmonatshoch, nach einem viermonatigen leichten Anstieg, der nach bisheriger Deutung schon auf einen Trend hindeutet.

Auch die Konjunkturerwartungen des ZEW-Index haben vor Kurzem den besten Wert seit Februar 2018 erreicht. So geht man in Ökonomenkreisen allgemein von einer leichten Beschleunigung des deutschen Wirtschaftswachstums 2020 aus, allerdings getunt durch die Tatsache eines Arbeitsjahres mit feiertagsbedingt größerem Umfang. Dann wäre auch noch der Waffenstillstand im Zollkrieg zwischen den USA und China und die zuletzt verbesserten Wirtschaftsdaten aus dem Reich der Mitte zu nennen, die vor allem Deutschland zugute kommen könnten.

Da gerade die Industriedaten die große Achillesferse der Konjunkturentwicklung darstellen, wartet man gespannt auf neue Daten, die bald hereinflattern.

Am Freitag geben Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen sowohl in Deutschland als auch in Europa einen Überblick über diesen Teilaspekt der wirtschaftlichen Lage – die Aktienmärkte werden das mit Argusaugen beobachten.

Fazit

Es mag absurd klingen, aber für den deutschen Leitindex sehen die Perspektiven für 2020 gar nicht so schlecht aus. Moderate Bewertung der Aktienmärkte in Deutschland im Vergleich zur ewigen Alternative Anleihen, Nachholpotenzial nach einer Dekade gegenüber den USA bei gleichzeitig erkennbarem Umdenken der großen Fonds hinsichtlich ihrer Kapitalströme in Richtung Europa. Dazu kommt ein grundsätzlicher Pessimismus der Anleger gegenüber dem hohen Kursniveau der Aktienmärkte (als Kontraindikation) – dies alles spricht für weiter steigende Kurse beim (billigen) Dax. Wenn da nicht die überaus euphorische und heißgelaufene Wall Street wäre. Wann konnte sich der Dax jemals einer Korrektur bei der amerikanischen Aktienmärkte entziehen?

Wenn man es genau betrachtet, ist der Bullenmarkt in Deutschland noch nicht einmal keine 10 Jahre alt. Die Kurseinbrüche in den Jahren 2011 von 7500 auf 5000 Punkte und 2015/16 von 12390 auf 8700 Punkte im Dax entsprechen in etwa 30 Prozent-Korrekturen und erfüllen damit locker die Kriterien von Bärenmärkten. Seltsam, dass dies so gut wie nie thematisiert wird.

Die Federal Reserve ist mit ihrer Geldflut der Nährboden (neben dem Financial Engineering) für die (beinahe) Verfünffachung des S&P 500 seit dem 2009-er Tief (666 Punkte zu 3329 Punkten). Sie könnte es aber auch sein, die ein wenig Luft aus der Blase entweichen lässt, bei ihrer Sitzung in der nächsten Woche, schließlich hat selbst der Fed-Vize Klarida das Wort „Exzess“ schon in den Mund genommen. Welches Dickschiff macht den Anfang und nimmt ein paar Chips vom Tisch der Aktienmärkte?

Die Exponentialkurve bei Apple und Co schreit nach einer Korrektur. Oder will Fed-Chef Powell eine Marktkapitalisierung von zwei Billionen Dollar bei Apple tolerieren?

Die Aktienmärkte haben eine deutliche Erholung der Korrektur bereits eingepreist

Foto: Deutsche Börse AG

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    depotrockerin

    20. Januar 2020 10:48 at 10:48

    Sehr geehrter Herr Müller.

    Ich verstehe nicht, dass sich viele Hobby Investoren immer so sehr auf den DAX konzentrieren.
    Der DAX ist das typische Beispiel von medialer Überschätzung. Dieser „Scheißhausindex“ interessiert doch außer dem aktienmuffeligen deutschen Home Bias Anleger nicht wirklich jemanden.
    Die relevanten institutionellen Investoren, welche die Kapitalflüsse maßgeblich beeinflussen, konzentrieren sich an den relevanten Aktienindizes.

    Die ständigen verweise auf die angeblich viel zu hoch bewerteten US Indizes, kann ich außerdem nicht teilen.

    Schauen wir uns doch an wo die relevanten, global agierenden Unternehmen mit den relevanten Umsätzen und vor allem Gewinnen sitzen, so muss man feststellen, dass diese überwiegend ihr Geschäfte aus den USA steuern.

    Nimmt man die in der Branche üblichen hoch bewertetet TECH Werte außen vor, kommt man auch bei den US Indizes zu durchschnittlichen Bewertungsniveaus.

    In den USA werden von geldpolitischer aber auch von seitens der Fiskalpolitik die Unternehmen nachhaltig unterstützt.

    In Deutschland und der Europäischen Union ist man stattdessen beschäftigt durch massive Regulierungen und politische bzw. staatliche Einflussnahme (Steuerbelast usw.) ein negatives Umfeld für Unternehmen zu schaffen was dazu führt, dass deutsche Unternehmen mit der internationalen Konkurrenz (siehe China USA usw.) bei Umsatz und GEwinn nicht mithalten können.

    In Europa außerhalb der Eurozone ergeben sich in den Industrie aber auch Schwellenländern tatsächlich für Investoren interessante Investmentmöglichkeiten.

    Gerade Großbritannien sollte nach seinem EU Austritt und anfänglichen kurzen Turbulenzen ein positives Umfeld für Gewinne schaffen. So gehe ich davon aus, dass die Regierung in GB durch massive Deregulierung und eine geschickte Stimulation durch GEld- und Fiskalpolitik solide Rahmenbedingungen schaffen kann, welche die Wirtschaft nachhaltig unterstützen und für einen massiven Wachstumsimpuls sorgen. Zusätzlich wird GB zu einem bei Investoren beliebten Sicheren HAfen außerhalb der Eurozone werden, wenn die Unsicherheiten in Raum der zunehmend instabilen Einheitswährung Euro, welcher bedingt durch seine systemischen Fehlkonstruktionen, zum Scheitern verurteilt ist, zunehmen werden.

    Für mich werden auch in den kommenden 10 Jahren (20er Jahre) die relevanten Gewinne in den USA, Asien und Europa (inkl Schwellenländer) also außerhalb der Europäischen Union gemacht.

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    20. Januar 2020 11:25 at 11:25

    @Depotrockerin. Hallo. Ihr Kommentar ist schon starker Tobak. Klar haben wir eine unterentwickelte Aktienkultur in Deutschland mit einem irrealen Performanceindex Dax als Leitindex. Aber diesen als „Sch..“-Index zu bezeichnen, mit Weltfirmen wie BASF, Münchener Rück oder Vw, als weltgrößten Automobilverkäufer, ist schon sehr verwegen.
    Sind denn die USA nicht überbewertet nach einer Verfünffachung der Kurse seit 2009, so etwas gab es nur einmal in hundert Jahren und Sie rechnen das einfach weiter in die Zukunft fort? Kursanstiege, die mittels Aktienrückkäufen von 5 Billionen Dollar zustande kamen, mit schuldenfinanzierter Steuerreform (4,8 Prozent Neuverschuldung) und bis zu 40 Prozent Unternehmen in den Börsenindizes, die gar keine Gewinne mehr abwerfen. Ein Buffett-Indikator, der auf seinem historischen Höchstwert von 153 Punkten steht – und das alles schreiben Sie in die Zukunft fort. Sind die Investmentgrößen wie Warren Buffett und Ray Dalio für Sie „Dummköpfe“, die vor einer Fata Morgana warnen?
    Und der weltgrößte amerikanische Unternehmensverwalter BlackRock ist größter Investor im Dax, weil es sich um einen wie von Ihnen bezeichneten Sch. …-Index handelt? Klar gehört den EM die Zukunft, allein schon wegen der Demographie, aber die USA mit ihrem Financial Engineering? Wäre es nicht möglich, dass die großen US-Tech-Konzerne von Monopolkommissionen nicht zwangsgeschrumpft werden? Rockefeller und AT&T schon vergessen!
    Ich weiß nicht ……?

  3. Avatar

    Quintus

    20. Januar 2020 19:25 at 19:25

    Wieso bewgt sich die Teslaktie nachbörslich nur 5 Dollar nach unten? Angesichts eines erneuten Brandes
    eines Tesla S am Samstagabend in Kalifornien inclusive verbrannten Fahrers?
    https://www.zerohedge.com/technology/one-dead-speeding-tesla-crashes-and-bursts-flames-california-intersection-saturday-night

    • Avatar

      leftutti

      20. Januar 2020 21:03 at 21:03

      @Quintus, vielleicht, weil statistisch und wissenschaftlich-technisch nachgewiesen auch E-Autos nach Unfällen nicht öfter in Flammen aufgehen, als Verbrenner?

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Dax: Wie nachhaltig ist das Short Signal ?

Rüdiger Born

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Das neue Jahr hat gerade begonnen, da zeigt der DAX ein Short-Signal. Doch ist das wirklich nachhaltig? Zeichen für schwächelnde Käufer gibt es ja schon eine Weile, doch reicht das? Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung beim DAX, dem Dow Jones, dem S&P500 und beim Nasdaq und schauen uns die entsprechenden Chancen einmal genauer an.

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Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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