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Aktienmärkte: Bullenmarkt oder Bärenmarktrally? Widersprüche..

Dass es für die Aktienmärkte immer unterschiedliche Einschätzungen zur Entwicklung der zugrundeliegenden Werte gibt, ist normal und Teil des Systems. Sonst käme das tägliche Handelsvolumen gar nicht zustande. Ungewöhnlich ist derzeit aber die Beurteilung der Lage der Aktienmärkte schon, vor allem durch die Großen der Branche.

Aktienmärkte: Großanleger versus Firmeninsider

Die monatliche Umfrage der Bank of America unter großen Fondsmanagern war bis vor einiger Zeit so etwas wie ein Geheimtipp in der Szene. Schließlich geht es um die Dispositionen von Managern, die viele Milliarden bewegen. Bei der aktuellen waren es 203 Vermögensverwalter mit einem Volumen von insgesamt 518 Milliarden Dollar. Allerdings hat die Verwertbarkeit dieser Umfrage in dem Moment stark nachgelassen, als diese Allgemeingut wurde, denn dann verschwindet so einer kleiner Vorteil rasch an der Börse.

Meine persönliche Meinung: Jedes System, jede Quelle, die von einer größeren Zahl von Investoren identifiziert wird, verliert rasch ihren Mehrwert durch rasche Rückkopplung.

Überraschend ist es dennoch, was die Umfrage ergeben hat. Die Großanleger betrachten die aktuelle Marktentwicklung völlig konträr zu vielen Firmeninsidern: Bullenmarkt versus anstehender Korrektur.

Zunächst zum Ergebnis der Umfrage:

  • Nur noch 35 Prozent der befragten Manager glauben, dass es sich bei der Entwicklung am Aktienmarkt um eine Bärenmarktrally handelt, im Mai taten dies noch 65 Prozent der Verwalter. Ergo schätzt die Mehrheit den Trend als Bullenmarkt ein.
    17 Prozent der Manager sind in Aktien übergewichtet, eine Quote wie seit Februar (30 Prozent) vor dem großen Ausbruch von Corona nicht mehr.
  • Der Trend zu europäischen Aktien hat sich weiter verstärkt. Mit einem Anstieg von 17 Prozent gewichtet man diese Titel um ein Drittel höher, als es die Benchmark vorsieht. Nach Ansicht der BofA ganz eindeutig eine Folge der unterschiedlichen Pandemiebekämpfung.
  • Die Emerging Markets werden mit 26 Prozent übergewichtet. Rechnen die Investoren mit einem Sieg Bidens, bei dem die Aktienmärkte in den EM von nachlassenden Handelsstreitigkeiten profitieren würden?
  • Die Übergewichtung der USA beträgt (nur) noch 16 Prozent. Präferiert werden nach wie vor Technologie und Healthcare.
  • 79 Prozent der befragten Manager rechnen damit, dass sich die Wirtschaft im Jahr 2021 besser entwickeln sollte, als in diesem Jahr.

Was aber keine große Prognose darstellt, schließlich gab es heuer einen wochenlangen Komplettstillstand, den man mit aller Macht ein zweites Mal verhindern möchte. Mit dem großen Schwenk der befragten Fondsmanager in Richtung Bullenmarkt, bei dem es trotz zu erwartender Korrekturphasen nicht mehr auf die Märztiefs zurückgehen sollte, ergibt sich aber eine Divergenz zu den Insiderverkäufen diesseits und jenseits des Atlantiks.

Die Insiderverkäufe, also die Verkäufe von Aktien durch die leitenden Manager von Unternehmen (CEOs, CFOs), zeigen schon seit einigen Monaten, dass die Verantwortlichen in den Firmen davon ausgehen, dass die Aktienmärkte die Entwicklung der Firmen schon satt eingepreist haben. Wenngleich vieles mit persönlichen Gründen zu tun haben könnte oder mit der Ausübung von Optionsrechten, ist das Verhalten der Firmenchefs schon signifikant.

Hatten diese Insider ab März noch fleißig in die eigenen Werte investiert, so ging es ab Mai in die andere Richtung. Bereits im Juni verkauften Insider fünf mal so viele Aktien wie sie kauften, eine extremes Verhältnis. Insgesamt stiegen die Verkäufe der Topmanager so schnell wie seit 2016 nicht mehr. Über 50 Milliarden Dollar Aktienverkäufe seit Mai.

Dies ist auch in Deutschland zu verzeichnen, bei den so genannten Director Dealings, meldepflichtige Aktionen von Vorständen und Aufsichtsräten an die BaFin. Hier haben 55 börsennotierte Unternehmen im Juli Aktienverkäufe ihrer Führungskräfte gemeldet, so viele wie seit Juli vergangenen Jahres nicht mehr.

Fazit

Wie soll man die aktuelle Umfrage der Bank of America bewerten? Als Signal für einen weiteren Anstieg der Aktienmärkte, denn ein (signifikant) neues Hoch beim S&P 500 würde tatsächlich ein Kaufsignal ergeben. Allerdings könnte man an diesem erstmal abgeprallt sein, mit der Gefahr eines Doppel-Tops. Oder gelten die Fondsmanager zu Zeiten der Coronakrise, übrigens wie zahlreiche Hedgefondsmanager auch, als Kontraindikator? Schließlich sind diese erst zögerlich in die Aktienmärkte eingestiegen und liefen diesen mit so manchem Pain Trade hinterher. Oder haben die Firmeninsider recht, die schon seit längerer Zeit auf der Seite der Verkäufer stehen und nicht nur ihre Gewinne sicherstellen wollen? Ich denke, wir werden es bald sehen..

Die Aktienmärkte im Spannungsfeld verschiedener Sichtweisen



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