Während der S&P 500 mit seinen Tech-Giganten lange Zeit den Ton an den Aktienmärkten angab, deutet sich ein spannender Rollenwechsel an: Der Russell 2000 rückt zunehmend in den Fokus der Investoren. Small Caps, die jahrelang im Schatten der großen Technologiewerte standen, könnten vor einem Comeback stehen — und sich als die heimlichen Gewinner der kommenden Marktphase entpuppen.
Small Caps dürften 2026 dank Wachstum outperformen
Die dynamische Rally bei Small Caps, die über weite Strecken dieses Jahres im Abseits standen, wurde durch eine Kombination aus fallenden Zinsen und wirtschaftlichem Wachstum angetrieben — zwei Rückenwinde, von denen viele an der Wall Street ausgehen, dass sie die risikoreichere Anlageklasse im kommenden Jahr zu marktführenden Gewinnen treiben werden.
Die dritte Zinssenkung der US-Notenbank Fed in Folge sowie die Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungen im nächsten Jahr haben dazu geführt, dass der Russell-2000-Index den S&P-500-Index bereits die vierte Woche in Folge übertroffen hat. Damit ist die längste solche Phase seit zwei Jahren erreicht — und das trotz des breit angelegten Ausverkaufs an den Aktienmärkten am Freitag.
Strategen von Häusern wie Bank of America, JPMorgan, BTIG LLC und Polar Capital America gehen davon aus, dass sich die jüngste Führungsrolle der Small Caps bis ins Jahr 2026 fortsetzen wird. Diese Prognose stützt sich auf weitere Zinssenkungen, anhaltendes Wirtschaftswachstum sowie eine stärkere Diversifizierung weg von überhitzten Tech-Werten.
„Small Caps sind grundsätzlich und global gesehen ein guter Ort, um investiert zu sein, nicht zuletzt weil sie über einen langen Zeitraum hinweg an den Aktienmärkten übersehen wurden“, sagte Dan Boston, Leiter des globalen Small-Cap-Teams bei Polar Capital America. „Was wir nach vorne blickend sehen, ist, dass Small Caps im Vergleich zu Large Caps gut abschneiden werden.“

Starke Performance gegenüber Mega-Caps
Im vergangenen Monat legten sowohl der Russell 2000 als auch der S&P Small Cap 600 Index — der eine engere Gruppe von Nebenwerten abbildet — um rund 4 % zu. Damit übertrafen sie deutlich den Index der stark gestiegenen „Magnificent 7“-Aktien, der lediglich um 0,3 % zulegte, sowie den breiten US-Leitindex S&P 500, der im gleichen Zeitraum um 0,3 % nachgab.
Dass Small Caps die „Magnificent 7“ hinter sich lassen, dürfte laut Jonathan Krinsky, Managing Director und Chief Market Technician bei BTIG, eines der zentralen Anlagethemen im Jahr 2026 werden. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Investoren angesichts hoher Bewertungen bei Big Tech mit Gewinnmitnahmen rechnen könnten, erscheine diese Entwicklung plausibel.
Mit Blick auf die jüngste Outperformance erklärte Krinsky zudem, dass auch die Aussicht auf einen neuen, deutlich taubenhafteren Fed-Vorsitzenden im Jahr 2026 — möglicherweise unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump, die Zinsen zu senken — der Anlageklasse Rückenwind verleihe. Denn, so Krinsky, „Aktien neigen dazu, Entwicklungen mehrere Monate im Voraus einzupreisen“.
Ähnlich argumentiert Jill Carey Hall von der Bank of America. Sie rechnet damit, dass Small Caps im Jahr 2026 größere Unternehmen übertreffen werden — getragen von einer „lange erwarteten Gewinnbelebung“, Zinssenkungen, potenziell niedrigeren Zöllen sowie einer Umschichtung von Investorenkapital von Tech-Giganten in kleinere Titel. Carey Hall prognostiziert ein Gewinnwachstum von 17 % für kleinere Unternehmen, verglichen mit 14 % bei Large Caps.
Aktienmärkte: Chancen und Risiken für 2026
Eines der Risiken für die Small-Cap-Rally besteht laut Carey Hall jedoch darin, dass es bislang „keine Erholung im verarbeitenden Gewerbe“ gegeben habe, wie sie in einer Notiz vom 10. Dezember schrieb. Der Russell 2000, der besonders sensibel auf Konjunkturschwankungen und die Industrieproduktion reagiert, werde derzeit so gehandelt, als ob die ISM-Daten zur Industrie deutlich besser ausfielen, als sie es aktuell tatsächlich tun.
Zur Einordnung: Der Russell 2000 hat den S&P 500 auf Jahressicht zuletzt im Jahr 2020 übertroffen. Vor der Covid-19-Pandemie gelang den Small Caps dieses Kunststück zuletzt im Jahr 2016.
Trotz der jüngsten Aufwärtsbewegung bei kleineren Werten — der Russell 2000 war in diesem Monat der erste der großen US-Aktienindizes, der wieder ein Rekordhoch erreichte — liegen Small Caps im Jahr 2025 bislang hinter ihren großen Pendants zurück. Sie kommen auf ein Plus von 14 %, während der S&P 500 um 16 % zulegen konnte.
Dennoch zeigt sich Eduardo Lecubarri, Global Head of Small- and Mid-Cap Equity Strategy bei JPMorgan, „überzeugt“, dass 2026 das Jahr ist, um Small- und Mid-Cap-Aktien gegenüber größeren Titeln in den entwickelten Märkten überzugewichten. Das „stärkste“ Argument für kleinere Unternehmen sieht er dabei in den USA.
„Wir stehen an den Toren der besten Stockpicking-Ära, die wir zu unseren Lebzeiten gesehen haben“, schrieb Lecubarri in einer Notiz vom 8. Dezember.
FMW/Bloomberg
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