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Aktienmärkte: Corona, US-Stimulus – wie geht es jetzt weiter?

Die Ausgangslage – und was jetzt wichtig wird!

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Die Aktienmärkte sind in der letzten Woche weiter gestiegen in der Hoffnung auf den großen Stimulus durch die US-Poltitik – das dominiert derzeit über die Sorgen um die steigenden Coronazahlen. Aber die Infektionszahlen von Covid-19 schnellen wieder in die Höhe. Die zweite Welle ist, nach der vermeintlichen Erleichterung für viele Menschen wieder ein normales Leben führen zu können, weiter auf dem Vormarsch. In manchen Regionen macht sich bereits die Angst vor einem neuen Lockdown breit. Weitgehend davon unbeeindruckt stehen vorlaufende Indikatoren aus dem verarbeitenden Gewerbe auf hohen Ständen, der US-Dow Jones Transportation Index hat bereits einen höheren Stand als vor der Coronakrise erreicht (11861 Punkte) und ein bekannter Schifffahrtsindikator hat einen weiteren Anstieg hinter sich gebracht.

Immer wieder Baltic Dry Index

Dieser seltsame Indikator, der die Frachtpreise für Güter wie Kohle, Eisenerz, Zement und Landwirtschaftsgüter auf den wichtigen Schiffsrouten abbildet, war schon im Frühjahr zur Verwunderung vieler gestiegen. Er spiegelt die Konjunkturlage wider, denn ein Großteil der Rohstoffe und Waren wird über die Ozeane transportiert. Ich hatte im August in einem Artikel auf die Vervierfachung des Index hingewiesen, die Aufklärung kam mit der Veröffentlichung des Wachstums Chinas im weltweiten Katastrophenquartal Q2. Das Reich der Mitte, als Hauptabnehmer für Rohmateralien, meldete ein Wachstum von 3,2 Prozent. Seitdem ist der Index nach einer 35-prozentigen Korrektur im Juli und September wieder über das Sommerhoch hinaus gestiegen, auf 2097 Punkte. Allerdings ist seit ein paar Tagen ein Abknicken nach unten festzustellen.

Jedenfalls ist China wieder einmal, wie nach 2009, der Motor der Weltwirtschaft. Diese zeigen auch die jüngsten Daten vom chinesischen Automarkt, der im September einen Anstieg vom 13,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum vermelden konnte. Sehr zur Freude der deutschen Hersteller, BMW, Daimler und Volkswagen, die in der letzten Woche starke Zahlen zum dritten Quartal bekanntgegeben hatten. Die Aktienmärkte haben die starken Export- und Importzahlen aus China schon eingepreist, der chinesische Aktienmarkt zählt mit seinem Plus von 20 Prozent zu den stärksten im Jahr 2020. Doch jetzt bremsen die neuen Sorgen um die Ausbreitung der Virusinfektion schon wieder manche Wirtschaftszweige aus.

Aktienmärkte: Die letzte Woche und ein Blick nach vorne

Die amerikanischen Aktienmärkte durchschnittlich mit einem Plus von drei Prozent, der DAX mit einem Anstieg von 2,8 Prozent, trotz des Hickhacks um das Konjunkturpaket und die steigenden Coronazahlen, so die Bilanz der abgelaufenen Woche in den Indizes. Jeder Rückschlag wird sofort wieder aufgekauft, Shortpositionen sofort wieder eingedeckt. Keine Spur auch von der oft zitierten historischen Marktschwäche zu Beginn des Monats Oktobers in einem Wahljahr. Und das obwohl die Wirtschaftserholung in vielen Ländern eine spürbare Abschwächung erkennen lässt. Aus dem Erholungs-V wird eben doch ein spiegelverkehrtes Wurzelzeichen, wenn zum Beispiel Tourismus und Gastronomie in vielen Regionen wieder in die Knie gezwungen werden. Damit bleiben auch in der kommenden Woche für die Aktienmärkte die beherrschenden Themen: Ausbreitung der Virusinfektion und damit verbunden das Gerangel um die notwendigen Unterstützungsmaßnahmen für die Coronageschädigten – vom einfachen Bürger, über Klein- und Großunternehmen, Kommunen und Bundesstaaten.

Was steht noch auf der Agenda?

Natürlich der große Einstieg in die Quartalsberichtssaison der Unternehmen für das dritte Quartal, in dem der große Sprung aus den Tiefen des Rezessionsquartals im Frühjahr erfolgt sein soll. Traditionell mit den Berichten der US-Großbanken. Am Dienstag beginnt der Zahlenreigen mit JP Morgan und der Citigroup, gefolgt von Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs am Mittwoch sowie Morgan Stanley am Donnerstag. Werden die Analystenschätzungen von Gewinneinbrüchen von bis zu 60 Prozent übertroffen? Es wäre fast die Regel. Interessant werden die Zahlen zu den Kreditausfällen, zur Kreditnachfrage, aber auch zu den Einnahmeverlusten infolge der Fristentransformation (Zinserosion), die 2020 auch die US-Banken voll erwischt.

Konjunkturdaten sind eher Mangelware. Empire State-, Philly-Fed-Index, Einzelhandelsumsätze und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan in den USA und der ZEW-Index in Deutschland, sind die wichtigsten Daten in der nächsten Woche. Aber all dies könnte verblassen, drei Wochen vor dem großen Termin, wo es mehr um den Gesundheitszustand von Donald Trump, seinen Mitarbeitern im Weißen Haus geht. Und natürlich um das große Gerangel um den Stimulus.

Fazit

Was für ein Jahr für die Aktienmärkte: Die Pandemie um Sars-CoV-2 weiter auf dem Vormarsch, ganze Branchen wie Luftfahrt, Tourismus, Hotellerie und der ganze Freizeitsektor weiter am Boden, die Arbeitslosigkeit sinkt eigentlich nicht schnell genug, auch für die Banken bessert sich die Lage nicht wirklich. Und dennoch kümmern sich die Aktienmärkte nicht besonders um all diese Unsicherheiten.

Ob steigende Covid-19-Zahlen, der US-Wahlkampf mit all seinen potenziellen Folgen, das Gezerre um die das fünfte Konjunkturpaket und seine Auswirkung auf „Not leidende“ Konsumenten, auch saisonale und statistische Gesetzmäßigkeiten – all das scheint die Aktienmärkte nicht zu tangieren. Bei den Ursachen für das unübliche Verhalten der Investoren kann man eigentlich immer nur die alte Platte abspielen: Zinsschwund, eine stetiger Zufluss an Liquidität, bisher 120 Milliarden Dollar monatlich durch Anleihekäufe der Federal Reserve und die Hoffnung auf weitere Liquiditätspritzen des Staates. Zuletzt haben sich die Programme von US-Republikanern und US-Demokraten bereits bei 1,8 zu 2,2 Billionen Dollar angenähert. Hier liegt für mich der große Belastungsfaktoren für die Börsen: Desto länger man auf eine weitere Finanzspritze für die 10 Millionen Arbeitslosen Amerikaner, den zahllosen kleinen und großen Coronaopfern aus dem Unternehmensbereich warten muss, desto größer werden die Auswirkungen auf die Konjunktur durch Konsumverzicht und Unternehmenspleiten sein.

Eine weiter schwächelnde Wirtschaft würde auch die Aktienmärkte nicht unberührt lassen, denn die Erholung hat man sehr wohl eingepreist, zum Beispiel für das laufende vierte Quartal.

Die Aktienmärkte zwischen Stimulus-Hoffnung und Coronakrise

 

 

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jan

    12. Oktober 2020 10:54 at 10:54

    Her Müller, es fehlt mir eine Info: was ist mit den Infektionszshlen China? Warum können die, was die können? Wieso scheint es dort unter Kontrolle?
    Gerade dort glaube ich einfach nicht an sichere Abstände im Nahverkehr und am Arbeitsplatz.
    Wenn morgen in den Nachrichten kommen wrde, das China auch eine 2. Welle erlebt, mit erneut stramme Maßnahmen, das würde bestimmt eindruck machen. Aber man hört nichts dergleichen. Rest der Welt nich von Bedeutung?

    • Avatar

      Wolfgang M.

      12. Oktober 2020 14:33 at 14:33

      @Jan. Hallo. Ja China ist in Sachen Corona ein großes Rätsel. Klar gab es in Wuhan ein Vielfaches an Infizierten und Toten. Nicht umsonst liefen die sieben Krematorien rund um die Uhr und Urnen wurden in 1000-er-Ladungen angeliefert. Anschließend gab es den härtesten Lockdown der Welt, eine Stadt abgeriegelt mit zigtausend Soldaten. In Häusern wurden sogar die Haustüren zugeschweißt. Aber im großen Rest Chinas, beim Neujahrsfest sind Tausende vorher aus Wuhan in alle Regionen ausgereist. Eine große Pandemie lässt sich nicht verheimlichen, allein wegen der Notfallbetten. Rätselhaft. Vielleicht hat die Schwere der Infektion in China schon abgenommen. Ich habe keine triftige Erklärung für das Riesenland mit seinen 113 Millionenstädten und seinen 1,4 Milliarden Menschen.
      Viele Grüße

  2. Avatar

    Marko

    12. Oktober 2020 19:17 at 19:17

    Ja,

    Fazit
    Was für ein Jahr für die Aktienmärkte: Die Pandemie um Sars-CoV-2 weiter auf dem Vormarsch, ganze Branchen wie Luftfahrt, Tourismus, Hotellerie und der ganze Freizeitsektor weiter am Boden, die Arbeitslosigkeit sinkt eigentlich nicht schnell genug, auch für die Banken bessert sich die Lage nicht wirklich. Und dennoch kümmern sich die Aktienmärkte nicht besonders um all diese Unsicherheiten.

    Und wenn die Aktienmärkten dies tun sollten.

    Das heisst ja, dann sollten jedwede Anleihemärkte , welche nur natürlich und immer die höchst „gerecht-bewertesten“ Märkte sind bis in 100 Jahren, nicht manipuliert sein sollten , alles schön ?

    Der Anleihemarkt ist nicht manipuliert, während der Aktienmarkt viel zu teuer ist ? – (Minunszinsen, wir wissen von nix, diese Zinsen sind alles „fake-news“) ?

    Die Frage,an Euch Bären, für mich wäre :

    Welche Drogen nehmt Ihr Bären sonst so,, lasst mich raten, Blaubären , da könnte man „high“ wären, als Bär ? :D

  3. Avatar

    Macwoiferl

    12. Oktober 2020 21:54 at 21:54

    Ein kleines Rollenspiel:
    Man ersetze China durch einen Staat, na, nennen wir ihn DDR.
    Also. Eine „deutsche demokratische Republik“.
    Diese „DDR“ meldet täglich zwischen 7 und 21 Neuinfektionen, während rund um diese DDR die Zahl der Fälle und schweren Fälle um tausende pro Tag ansteigt: Holland 6.000, BRD 5.000, Finnland 7.000 undsoweiter.
    Würden wir glauben was diese „DDR“ meldet?
    Nein. I bewahre!
    Denn wir haben gepredigt bekommen: die DDR lügt was das Zeug hält.
    Uns kommen die Bilder ins Gedächtnis von Ulbricht, Honecker und Konsorten.
    Den Namen Chinas hingegen, den raunen deutsche Untertanenseelen ehrfürchtig.
    „Der mächtige Drache“, der „Riese im Osten“ undsoweiter.
    Obwohl sie niemals drüben waren in China schwadroniert die deutsche Wirtschaftsdschuenalie ihren Unsinn an Leserinnen und Leser weiter, die ebenfalls kein Yota kennen von China.
    Und so erziehen die Halbblinden die ganz Blinden in unkritischer Gutgläubigkeit.
    Statt zu hinterfragen wie es sein kann, dass 22 Mio. Mobilfunkverträge in China so mir nichts dir nichts im Frühjahr gelöscht wurden, wo es doch Pflicht für jeden Chinesen ist, ein Mobile zu besitzen…
    Wolfgang Müller, sonst für jede gute Analyse zu haben, aber wenn es um China geht, dann ist kritisches Hinterfragen offenbar eine unüberwindliche Mauer.
    Schade.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      13. Oktober 2020 09:16 at 09:16

      @Macwoiferl. Sorry, aber habe ich nicht geschrieben, dass ich keine plausible Erklärung für die Vorgänge in China hinsichtlich Covid-19 habe? Aber übertreiben Sie nicht auch etwas? Die Assoziation mit den 22 Millionen Handyverträgen = möglicher Tote ist doch recht gewagt. So viele Tote in zwei Monaten, fast ein Drittel aller Toten des sechs Jahre dauernden Zweiten Weltkriegs. Fast eine Unmöglichkeit so viele Tote zu bestatten, oder verschwunden zu lassen. Haben Sie mal an die Seuchengefahr gedacht, an Massengräber und Vieles mehr? Kein Land der Erde kann Millionen Tote einfach so verschwinden lassen – erst recht nicht im Zeitalter der Satelliten. Hatte nicht selbst New York Probleme, auch nur ein paar Tausend Tote zu beerdigen? Da hinken einige Vergleiche. Aber wie gesagt, ich habe keine Erklärung.
      Viele Grüße

  4. Avatar

    Macwoiferl

    14. Oktober 2020 11:03 at 11:03

    Ja eben.
    Das meine ich mit „hinterfragen“.
    Diese Kritik/Skepsis muss doch aber auch für andere Zahlen aus China gelten.
    Wer kann schon ein viel zu hoch gemeldetes Wachstum kontrollieren?
    Täglich meldet China zwischen 7 und 20 neue Fälle – in einem Land, in dem die Menschen so dicht wie nirgendwo beeinander wohnen.
    Viel zu häufig ist beim Thema China der Wunsch der Vater aller Gedanken – der Wunsch nach dem Aufblähen des eigenen Aktienportfolios durch chinesische „Erfolgsmeldungen“.
    China ist eines der Haupt-Narrative der Bullen. Für mich ein nackter Fürst. Für die Bullen ein topmodisch bis chic gekleideter Kaiser.
    Niemand hinterfragt, warum z.B. der Shanghai Composite kaum auf die Corona-Krise reagierte. Natürlich nicht, denn dann käme heraus – alles staatlich gestützt, nix Echtes. Und dann fielen die Kurse.
    Wie man Tote verschwinden lässt, da werden sich die Chinesen längst in Nordkorea informiert haben…
    Ich bleibe dabei, dass das ganze China-Geschwurbel zweckoptimistisches Bullen-Futter ist, auf schwankender bis fragwürdiger Grundlage. Ein Narrativ eben, so gestrickt wie die anderen Legenden, an denen sich Investoren der „Susi Sorglos GmbH“ hochziehen. Ich war dort, auf dem Land holen die Leute ihr Waschwasser mit Eimern aus Ziehbrunnen. Was sollen sie dort mit den angeblich vielen verkauften TESLA oder IPhone 12 mit 5g anfangen?

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