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Aktienmärkte: Corona, US-Stimulus – wie geht es jetzt weiter?

Die Ausgangslage – und was jetzt wichtig wird!

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Die Aktienmärkte sind in der letzten Woche weiter gestiegen in der Hoffnung auf den großen Stimulus durch die US-Poltitik – das dominiert derzeit über die Sorgen um die steigenden Coronazahlen. Aber die Infektionszahlen von Covid-19 schnellen wieder in die Höhe. Die zweite Welle ist, nach der vermeintlichen Erleichterung für viele Menschen wieder ein normales Leben führen zu können, weiter auf dem Vormarsch. In manchen Regionen macht sich bereits die Angst vor einem neuen Lockdown breit. Weitgehend davon unbeeindruckt stehen vorlaufende Indikatoren aus dem verarbeitenden Gewerbe auf hohen Ständen, der US-Dow Jones Transportation Index hat bereits einen höheren Stand als vor der Coronakrise erreicht (11861 Punkte) und ein bekannter Schifffahrtsindikator hat einen weiteren Anstieg hinter sich gebracht.

Immer wieder Baltic Dry Index

Dieser seltsame Indikator, der die Frachtpreise für Güter wie Kohle, Eisenerz, Zement und Landwirtschaftsgüter auf den wichtigen Schiffsrouten abbildet, war schon im Frühjahr zur Verwunderung vieler gestiegen. Er spiegelt die Konjunkturlage wider, denn ein Großteil der Rohstoffe und Waren wird über die Ozeane transportiert. Ich hatte im August in einem Artikel auf die Vervierfachung des Index hingewiesen, die Aufklärung kam mit der Veröffentlichung des Wachstums Chinas im weltweiten Katastrophenquartal Q2. Das Reich der Mitte, als Hauptabnehmer für Rohmateralien, meldete ein Wachstum von 3,2 Prozent. Seitdem ist der Index nach einer 35-prozentigen Korrektur im Juli und September wieder über das Sommerhoch hinaus gestiegen, auf 2097 Punkte. Allerdings ist seit ein paar Tagen ein Abknicken nach unten festzustellen.

Jedenfalls ist China wieder einmal, wie nach 2009, der Motor der Weltwirtschaft. Diese zeigen auch die jüngsten Daten vom chinesischen Automarkt, der im September einen Anstieg vom 13,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum vermelden konnte. Sehr zur Freude der deutschen Hersteller, BMW, Daimler und Volkswagen, die in der letzten Woche starke Zahlen zum dritten Quartal bekanntgegeben hatten. Die Aktienmärkte haben die starken Export- und Importzahlen aus China schon eingepreist, der chinesische Aktienmarkt zählt mit seinem Plus von 20 Prozent zu den stärksten im Jahr 2020. Doch jetzt bremsen die neuen Sorgen um die Ausbreitung der Virusinfektion schon wieder manche Wirtschaftszweige aus.

Aktienmärkte: Die letzte Woche und ein Blick nach vorne

Die amerikanischen Aktienmärkte durchschnittlich mit einem Plus von drei Prozent, der DAX mit einem Anstieg von 2,8 Prozent, trotz des Hickhacks um das Konjunkturpaket und die steigenden Coronazahlen, so die Bilanz der abgelaufenen Woche in den Indizes. Jeder Rückschlag wird sofort wieder aufgekauft, Shortpositionen sofort wieder eingedeckt. Keine Spur auch von der oft zitierten historischen Marktschwäche zu Beginn des Monats Oktobers in einem Wahljahr. Und das obwohl die Wirtschaftserholung in vielen Ländern eine spürbare Abschwächung erkennen lässt. Aus dem Erholungs-V wird eben doch ein spiegelverkehrtes Wurzelzeichen, wenn zum Beispiel Tourismus und Gastronomie in vielen Regionen wieder in die Knie gezwungen werden. Damit bleiben auch in der kommenden Woche für die Aktienmärkte die beherrschenden Themen: Ausbreitung der Virusinfektion und damit verbunden das Gerangel um die notwendigen Unterstützungsmaßnahmen für die Coronageschädigten – vom einfachen Bürger, über Klein- und Großunternehmen, Kommunen und Bundesstaaten.

Was steht noch auf der Agenda?

Natürlich der große Einstieg in die Quartalsberichtssaison der Unternehmen für das dritte Quartal, in dem der große Sprung aus den Tiefen des Rezessionsquartals im Frühjahr erfolgt sein soll. Traditionell mit den Berichten der US-Großbanken. Am Dienstag beginnt der Zahlenreigen mit JP Morgan und der Citigroup, gefolgt von Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs am Mittwoch sowie Morgan Stanley am Donnerstag. Werden die Analystenschätzungen von Gewinneinbrüchen von bis zu 60 Prozent übertroffen? Es wäre fast die Regel. Interessant werden die Zahlen zu den Kreditausfällen, zur Kreditnachfrage, aber auch zu den Einnahmeverlusten infolge der Fristentransformation (Zinserosion), die 2020 auch die US-Banken voll erwischt.

Konjunkturdaten sind eher Mangelware. Empire State-, Philly-Fed-Index, Einzelhandelsumsätze und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan in den USA und der ZEW-Index in Deutschland, sind die wichtigsten Daten in der nächsten Woche. Aber all dies könnte verblassen, drei Wochen vor dem großen Termin, wo es mehr um den Gesundheitszustand von Donald Trump, seinen Mitarbeitern im Weißen Haus geht. Und natürlich um das große Gerangel um den Stimulus.

Fazit

Was für ein Jahr für die Aktienmärkte: Die Pandemie um Sars-CoV-2 weiter auf dem Vormarsch, ganze Branchen wie Luftfahrt, Tourismus, Hotellerie und der ganze Freizeitsektor weiter am Boden, die Arbeitslosigkeit sinkt eigentlich nicht schnell genug, auch für die Banken bessert sich die Lage nicht wirklich. Und dennoch kümmern sich die Aktienmärkte nicht besonders um all diese Unsicherheiten.

Ob steigende Covid-19-Zahlen, der US-Wahlkampf mit all seinen potenziellen Folgen, das Gezerre um die das fünfte Konjunkturpaket und seine Auswirkung auf „Not leidende“ Konsumenten, auch saisonale und statistische Gesetzmäßigkeiten – all das scheint die Aktienmärkte nicht zu tangieren. Bei den Ursachen für das unübliche Verhalten der Investoren kann man eigentlich immer nur die alte Platte abspielen: Zinsschwund, eine stetiger Zufluss an Liquidität, bisher 120 Milliarden Dollar monatlich durch Anleihekäufe der Federal Reserve und die Hoffnung auf weitere Liquiditätspritzen des Staates. Zuletzt haben sich die Programme von US-Republikanern und US-Demokraten bereits bei 1,8 zu 2,2 Billionen Dollar angenähert. Hier liegt für mich der große Belastungsfaktoren für die Börsen: Desto länger man auf eine weitere Finanzspritze für die 10 Millionen Arbeitslosen Amerikaner, den zahllosen kleinen und großen Coronaopfern aus dem Unternehmensbereich warten muss, desto größer werden die Auswirkungen auf die Konjunktur durch Konsumverzicht und Unternehmenspleiten sein.

Eine weiter schwächelnde Wirtschaft würde auch die Aktienmärkte nicht unberührt lassen, denn die Erholung hat man sehr wohl eingepreist, zum Beispiel für das laufende vierte Quartal.

Die Aktienmärkte zwischen Stimulus-Hoffnung und Coronakrise

 

 

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jan

    12. Oktober 2020 10:54 at 10:54

    Her Müller, es fehlt mir eine Info: was ist mit den Infektionszshlen China? Warum können die, was die können? Wieso scheint es dort unter Kontrolle?
    Gerade dort glaube ich einfach nicht an sichere Abstände im Nahverkehr und am Arbeitsplatz.
    Wenn morgen in den Nachrichten kommen wrde, das China auch eine 2. Welle erlebt, mit erneut stramme Maßnahmen, das würde bestimmt eindruck machen. Aber man hört nichts dergleichen. Rest der Welt nich von Bedeutung?

    • Avatar

      Wolfgang M.

      12. Oktober 2020 14:33 at 14:33

      @Jan. Hallo. Ja China ist in Sachen Corona ein großes Rätsel. Klar gab es in Wuhan ein Vielfaches an Infizierten und Toten. Nicht umsonst liefen die sieben Krematorien rund um die Uhr und Urnen wurden in 1000-er-Ladungen angeliefert. Anschließend gab es den härtesten Lockdown der Welt, eine Stadt abgeriegelt mit zigtausend Soldaten. In Häusern wurden sogar die Haustüren zugeschweißt. Aber im großen Rest Chinas, beim Neujahrsfest sind Tausende vorher aus Wuhan in alle Regionen ausgereist. Eine große Pandemie lässt sich nicht verheimlichen, allein wegen der Notfallbetten. Rätselhaft. Vielleicht hat die Schwere der Infektion in China schon abgenommen. Ich habe keine triftige Erklärung für das Riesenland mit seinen 113 Millionenstädten und seinen 1,4 Milliarden Menschen.
      Viele Grüße

  2. Avatar

    Marko

    12. Oktober 2020 19:17 at 19:17

    Ja,

    Fazit
    Was für ein Jahr für die Aktienmärkte: Die Pandemie um Sars-CoV-2 weiter auf dem Vormarsch, ganze Branchen wie Luftfahrt, Tourismus, Hotellerie und der ganze Freizeitsektor weiter am Boden, die Arbeitslosigkeit sinkt eigentlich nicht schnell genug, auch für die Banken bessert sich die Lage nicht wirklich. Und dennoch kümmern sich die Aktienmärkte nicht besonders um all diese Unsicherheiten.

    Und wenn die Aktienmärkten dies tun sollten.

    Das heisst ja, dann sollten jedwede Anleihemärkte , welche nur natürlich und immer die höchst „gerecht-bewertesten“ Märkte sind bis in 100 Jahren, nicht manipuliert sein sollten , alles schön ?

    Der Anleihemarkt ist nicht manipuliert, während der Aktienmarkt viel zu teuer ist ? – (Minunszinsen, wir wissen von nix, diese Zinsen sind alles „fake-news“) ?

    Die Frage,an Euch Bären, für mich wäre :

    Welche Drogen nehmt Ihr Bären sonst so,, lasst mich raten, Blaubären , da könnte man „high“ wären, als Bär ? :D

  3. Avatar

    Macwoiferl

    12. Oktober 2020 21:54 at 21:54

    Ein kleines Rollenspiel:
    Man ersetze China durch einen Staat, na, nennen wir ihn DDR.
    Also. Eine „deutsche demokratische Republik“.
    Diese „DDR“ meldet täglich zwischen 7 und 21 Neuinfektionen, während rund um diese DDR die Zahl der Fälle und schweren Fälle um tausende pro Tag ansteigt: Holland 6.000, BRD 5.000, Finnland 7.000 undsoweiter.
    Würden wir glauben was diese „DDR“ meldet?
    Nein. I bewahre!
    Denn wir haben gepredigt bekommen: die DDR lügt was das Zeug hält.
    Uns kommen die Bilder ins Gedächtnis von Ulbricht, Honecker und Konsorten.
    Den Namen Chinas hingegen, den raunen deutsche Untertanenseelen ehrfürchtig.
    „Der mächtige Drache“, der „Riese im Osten“ undsoweiter.
    Obwohl sie niemals drüben waren in China schwadroniert die deutsche Wirtschaftsdschuenalie ihren Unsinn an Leserinnen und Leser weiter, die ebenfalls kein Yota kennen von China.
    Und so erziehen die Halbblinden die ganz Blinden in unkritischer Gutgläubigkeit.
    Statt zu hinterfragen wie es sein kann, dass 22 Mio. Mobilfunkverträge in China so mir nichts dir nichts im Frühjahr gelöscht wurden, wo es doch Pflicht für jeden Chinesen ist, ein Mobile zu besitzen…
    Wolfgang Müller, sonst für jede gute Analyse zu haben, aber wenn es um China geht, dann ist kritisches Hinterfragen offenbar eine unüberwindliche Mauer.
    Schade.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      13. Oktober 2020 09:16 at 09:16

      @Macwoiferl. Sorry, aber habe ich nicht geschrieben, dass ich keine plausible Erklärung für die Vorgänge in China hinsichtlich Covid-19 habe? Aber übertreiben Sie nicht auch etwas? Die Assoziation mit den 22 Millionen Handyverträgen = möglicher Tote ist doch recht gewagt. So viele Tote in zwei Monaten, fast ein Drittel aller Toten des sechs Jahre dauernden Zweiten Weltkriegs. Fast eine Unmöglichkeit so viele Tote zu bestatten, oder verschwunden zu lassen. Haben Sie mal an die Seuchengefahr gedacht, an Massengräber und Vieles mehr? Kein Land der Erde kann Millionen Tote einfach so verschwinden lassen – erst recht nicht im Zeitalter der Satelliten. Hatte nicht selbst New York Probleme, auch nur ein paar Tausend Tote zu beerdigen? Da hinken einige Vergleiche. Aber wie gesagt, ich habe keine Erklärung.
      Viele Grüße

  4. Avatar

    Macwoiferl

    14. Oktober 2020 11:03 at 11:03

    Ja eben.
    Das meine ich mit „hinterfragen“.
    Diese Kritik/Skepsis muss doch aber auch für andere Zahlen aus China gelten.
    Wer kann schon ein viel zu hoch gemeldetes Wachstum kontrollieren?
    Täglich meldet China zwischen 7 und 20 neue Fälle – in einem Land, in dem die Menschen so dicht wie nirgendwo beeinander wohnen.
    Viel zu häufig ist beim Thema China der Wunsch der Vater aller Gedanken – der Wunsch nach dem Aufblähen des eigenen Aktienportfolios durch chinesische „Erfolgsmeldungen“.
    China ist eines der Haupt-Narrative der Bullen. Für mich ein nackter Fürst. Für die Bullen ein topmodisch bis chic gekleideter Kaiser.
    Niemand hinterfragt, warum z.B. der Shanghai Composite kaum auf die Corona-Krise reagierte. Natürlich nicht, denn dann käme heraus – alles staatlich gestützt, nix Echtes. Und dann fielen die Kurse.
    Wie man Tote verschwinden lässt, da werden sich die Chinesen längst in Nordkorea informiert haben…
    Ich bleibe dabei, dass das ganze China-Geschwurbel zweckoptimistisches Bullen-Futter ist, auf schwankender bis fragwürdiger Grundlage. Ein Narrativ eben, so gestrickt wie die anderen Legenden, an denen sich Investoren der „Susi Sorglos GmbH“ hochziehen. Ich war dort, auf dem Land holen die Leute ihr Waschwasser mit Eimern aus Ziehbrunnen. Was sollen sie dort mit den angeblich vielen verkauften TESLA oder IPhone 12 mit 5g anfangen?

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US-Wahl: Noch drei Monate Unsicherheit – Wall Street hat Trump abgehakt

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Nur etwas mehr als eine Woche dauert es bis zur US-Wahl, aber fast 90 Tage sind es noch, bis in den USA die Amtseinführung des neuen bzw. alten Präsidenten stattfindet. Bis dahin sind große Würfe im US-Kongress in Sachen Wirtschaftshilfen unwahrscheinlich. Können die Aktienmärkte ihren Optimismus auch gegen die ungewöhnliche Vielfalt an Unsicherheiten aufrechterhalten und ihre Kursniveaus verteidigen – oder droht ein neuer Crash?

US-Wahl der Extreme

Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 finden in einer Zeit statt, in der die Finanzmärkte mit außergewöhnlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Diese begannen schon vor gut einem Jahr mit der Beinahe-Implosion des US-Repo-Marktes. Damals konnte nur durch Notfallmaßnahmen der US-Geldpolitik in Form von Interventionen am Geldmarkt und durch die zur Verfügung Stellung von internationalen US-Dollar-SWAP-Linien ein Kollaps des Bankensystems verhindert werden.

Ohne die anhaltende und im Zuge der Pandemie sogar noch drastisch ausgeweitete Notfallpolitik der US-Notenbank Fed wäre der Stress am Markt für US-Repo-Geschäfte wohl auch ein Thema bei der US-Wahl gewesen. Schließlich war es auch die hohe Neuverschuldung durch das US-Finanzministerium die zu der Liquiditätsaustrocknung am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen führte. Dabei lautete eines der spektakulärsten Wahlversprechen von Donald J. Trump gegenüber The Washington Post im April 2016 die damals 19,3 Billionen US-Dollar hohen Bundesschulden im Falle seiner Wahl innerhalb von nur acht Jahren komplett zu tilgen. Auch ohne die Kosten der Corona-Pandemie war das utopisch und nichts weiter als billige Wahlkampfpropaganda. Die Schuldenuhr zeigt gemäß US-Finanzministerium zum 22. Oktober 2020 übrigens einen Stand von 27,1 Billionen US-Dollar an (Public Total Debt). Ein Anstieg um 7,3 Billionen US-Dollar bzw. 36 Prozent seit dem Amtsantritt von Präsident Trump im Januar 2017.

Weitere Unsicherheitsfaktoren für die zukünftige Wirtschafts- und Gewinnentwicklung in den USA sind neben der wieder stark an Dynamik gewinnenden Corona-Pandemie die Zerschlagungsbestrebungen von „Big Tech“, die nach wie vor prekäre Lage am US-Arbeitsmarkt mit über 30 Millionen Transferleistungsempfängern sowie saisonbereinigt rund 12,6 Millionen Arbeitslosen im September 2020.

Fast unbemerkt von den Devisenmärkten hat sich kurz vor der US-Wahl das Handelsbilanzdefizit der USA mit 67,1 Mrd. US-Dollar im August 2020 auf das höchste Niveau seit der Lehman-Krise im Jahr 2008 aufgebläht. Der Handelskrieg, nicht nur mit China, konnte diese Entwicklung nicht verhindern. Nach wie vor sind die USA in der Gesamtbetrachtung nicht in der Lage, in vielen Sektoren international wettbewerbsfähig zu sein (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Herausforderungen, mit denen die USA in Friedenszeiten während dieser US-Wahl konfrontiert werden, sind einmalig. Dies gilt auch für den Amtsinhaber Donald J. Trump, der in vielen seiner Handlungen und Worte sehr unkonventionell und extrem anmutet. Man kann nur spekulieren, wie ein Präsident oder eine Präsidentin anderen Charakters eine solche Gemengelage meistern würde.

Der heimliche Präsident tritt bei der US-Wahl gar nicht an

In Kombination mit dem US-Staatsdefizit in Höhe von ca. 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ergibt sich mit dem Defizit im Außenhandel ein fatales Bild für die größte Volkswirtschaft der Welt. Das Mantra des stärksten und mächtigsten Landes der Welt ist nur noch eine hohle Phrase, basierend auf der Androhung von Waffengewalt und extraterritorialen Repressalien. Ob die Welt ohne diesen Status besser dastünde, ist seriös nicht prognostizierbar und auch nicht, wie lange diese Epoche der US-Dominanz noch währt.

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet aber weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed, die beliebig viele Dollars zum Ausgleich des Zwillingsdefizits und zur Aufrechterhaltung der US-Wirtschaft erzeugen kann. Natürlich auch, um die Party im Börsensaal auf der Titanic in Schwung zu halten. Dem heimlichen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Jerome Hayden „Jay“ Powell und seinem Offenmarkt-Komitee sei Dank.

Die Bilanzsumme der US-Notenbank (Fed) hat nun kurz vor der US-Wahl mit einem Gesamtvolumen von 7,18 Billionen US-Dollar das absolut und in Relation zum jährlichen BIP höchste Niveau aller Zeiten erreicht. Dabei kann man den geldpolitischen Akteuren keine Parteinahme für den ein oder anderen Kandidaten im US-Wahlkampf unterstellen. Die Intention der anhaltenden Geldflutung des Finanzsystems ist schlicht und einfach, dessen Existenz weiterhin sicherzustellen. Gegen diese Zwangslage wird auch in Zukunft keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten Politik betreiben können. Damit manifestiert sich die Rolle der zum Teil in privater Hand befindlichen Fed als Staat im Staate weiter und die Demokratie US-amerikanischer Prägung wird trotz Wahl endgültig zur Illusion.

Die Wallstreet hat Trump schon abgehakt

Die Finanzmärkte haben diesen Zusammenhang längst hergestellt, was auch erklärt, warum sich die Vermögenspreise trotz der Vielfalt extremer Unsicherheiten, inkl. dem Ausgang der US-Wahl, in luftigen Höhen bewegen. Besonders deutlich wird dies an der positiven Korrelation zwischen steigenden Umfragewerten für den Herausforderer Joseph Biden und der Zuversicht auf ein noch größeres, von der Fed finanziertes Stimulusprogramm. Für diese Aussicht ignoriert man sogar mögliche Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre und Unternehmen im Falle eines Sieges der Demokraten bei der US-Wahl.

Aus Sicht vieler tief religiöser Trump-Wähler stellt sich ohnehin die Frage, warum man den exzentrischen Präsidenten nochmals wählen sollte? Schließlich hat er mit der Neubesetzung des obersten Gerichts und der größten Steuerreform der letzten 35 Jahre schon sehr viel erreicht. Wie viel mehr könnte er in einer zweiten Amtsperiode noch erreichen, was sein exzentrisches und volatiles Verhalten aus Sicht evangelikaler und katholischerer Wähler entschuldigt?

Die Zeitlücke nach der US-Wahl

Lediglich die zeitliche Verzögerung zwischen dem Wahltermin am 3. November und der Amtseinführung am 20. Januar könnte bei dieser US-Wahl ein besonderes Risiko darstellen. Die Zahlungen aus den Corona-Hilfspaketen gehen bereits seit August deutlich zurück, die zweite Welle der Pandemie schließt in den USA mit neuen Rekordansteckungen nahtlos an die erste Welle an. Wie lange wird es dauern, bis sich dies in der Konsumentenstimmung sowie den Konjunktur- und Unternehmenszahlen niederschlagen wird?

Ein nochmaliger Corona-Crash als erneute Einstiegsopportunität?

Im wahrscheinlichsten Fall wäre ein nochmaliger Rückschlag bei den Vermögenspreisen eine ebenso lohnenswerte Einstiegsmöglichkeit wie bereits während des Lockdown-Crashs im März dieses Jahres.

Man sollte also trotz aller Risiken nicht zu viele Chips vom Tisch nehmen, auch wenn die Gemengelage zur Vorsicht mahnt. Doch Fakt bleibt: Auf die Fed ist Verlass und deren Pulverkammern, bestehend aus ungedecktem digitalem FIAT-Geld, sind unlimitiert und können unabhängig von finanzpolitischen Entscheidungen des Kongresses die Unternehmen, die Verbraucher und die Finanzmärkte stützen.

Fazit und Ausblick

Mag man zu den US-Präsidentschaftskandidaten stehen, wie man will, für die Finanzmärkte spielt die Musik schon lange nicht mehr in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington (Weißes Haus), sondern Ecke Constitution Ave NW und 20th St. NW (Board of Governors of the Fed).
Besonders bei dieser US-Wahl spielen für Anleger starke Nerven und das Aushalten hoher Volatilität eine große Rolle. Ebenso wie ein gesunder Opportunismus. Dabei ist es für den Anlageerfolg unerheblich, welchen Kandidaten man persönlich präferiert oder ob man an dieses oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Entscheidend ist das Verständnis für den Zusammenhang zwischen digitaler Notenpresse und Vermögenspreisen. Diese Konstante wird uns mit weiter zunehmender Bedeutung noch eine Weile erhalten bleiben.

Die US-Wahl bringt zunächst Unsicherheit, aber entscheidend für die Aktienmärkte ist die Fed

 

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US-Wahl: Wer liegt falsch? Marktgeflüster (Video)

Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Wer hat Recht – und wer liegt daneben? Eine Analyse der Lage

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Das sind die Anleihemärkte, die mit steigenden Renditen von einem klaren Sieg von Joe Biden und den US-Demokraten ausgehen und daher mit einem großen Stimulus rechnen. Die Aktienmärkte dagegen scheinen noch unentschlossen und fokussieren sich auf das kurzfristige Geschehen, ergo die Hoffnung auf einen Stimulus noch vor der US-Wahl. Anders aber sieht es der Devisenmarkt: der US-Dollar bleibt robust, große Player haben ihre Wetten auf einen fallenden Dollar aufgelöst. Wenn aber der Dollar nicht schwächer wird heißt das, dass es den von den Anleihemärkten prognostizierten klaren Sieg der US-demokraten bei der US-Wahl nicht geben wird. Haben also die Devisenmärkte recht – oder doch die Anleihemärkte?

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Rüdiger Born: Gute Laune bei Dax und S&P 500 – Rücksetzer möglich?

Rüdiger Born

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Dax und S&P 500 sind derzeit gut gelaunt. Ist an den steigenden Kursen derzeit aus charttechnischer Sicht nichts auszusetzen? Oder sind Rücksetzer doch möglich? Mehr dazu im folgenden Video.

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